Drei Milliarden Euro lässt der Bund pro Jahr für die Bafög-Förderung der Studentenschaft springen. Doch einen Teil des Geldes will er später wiedersehen. Wann muss ich mein Bafög zurückzahlen? Und was ist eigentlich, wenn ich nicht zahlen kann? Karrierebibel hat alle wichtigen Infos zur Bafög-Rückzahlung für Sie zusammengestellt. Und vorab geben wir schon mal Entwarnung: Bafög-Rückzahlung - das ist machbar! So geht’s...

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Bafög-Rückzahlung: Höhere Bafög-Sätze

Die Studentenzahlen steigen, aber die Zahl der Bafög-Empfänger sinkt. Im Jahr 2015 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts - neuere Zahlen liegen noch nicht vor - rund 611.000 Studierende finanziell vom Staat gefördert. Ein Jahr zuvor waren es noch 646.000, im Jahr 2012 betrug die Zahl der Bafög-Studenten sogar 671.000.

Im Vergleich zu den Nuller-Jahren aber bedeutet das einen erheblichen Anstieg. Noch im Jahr 2007 gab in Deutschland weniger als 500.000 Studenten, die sich über Bafög-Überweisungen freuen durften.

46 Prozent von ihnen erhielten 2015 den vollen Förderbetrag, im Durchschnitt bekamen die geförderten Akademiker 448 Euro pro Monat. Der Bund lässt sich die studentische Unterstützung insgesamt immerhin drei Milliarden Euro jährlich kosten.

Zum 1. August 2016 sind die Bafög-Sätze erstmal seit sechs Jahren wieder gestiegen. Studenten mit eigener Wohnung können sich seitdem bis zu 735 Euro monatlich auszahlen lassen. Die gute Nachricht: Das Geld ist geschenkt. Die schlechte: Leider nur zum Teil.

Denn die eine Hälfte der Bafög-Förderung muss nach Beendigung des Studiums wieder abbezahlt werden. Hier vorab die wichtigsten Fakten zur Bafög-Rückzahlung im Überblick ...

Bafög-Rückzahlung: Die wichtigsten Fakten

  • Summe: Studenten müssen ihr Bafög nicht komplett, sondern nur zur Hälfte zurückzahlen.
  • Rabatt: Durch eine vorzeitige Rückzahlung lässt sich dieser Betrag noch weiter drücken.
  • Obergrenze: Mehr als 10.000 Euro muss niemand - unabhängig von Darlehenshöhe oder Studiendauer - abbezahlen.
  • Beginn: Die Rückzahlung erfolgt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer - das ist normalerweise die Regelstudienzeit.
  • Raten: Die Rückzahlung erfolgt in dreimonatlichen Raten à 315 Euro.
  • Dauer: Für die Rückzahlung bleiben insgesamt 20 Jahre Zeit - unter Umständen sogar noch mehr.

Wer muss Bafög zurückzahlen?

Bafög ist nicht gleich Bafög. Denn mittlerweile gibt es neben dem Bafög für Studierende auch das Schüler-Bafög sowie das Meister-Bafög. Schüler müssen Bafög grundsätzlich nicht zurückzahlen, Meister schon.

Für Studenten - und um die geht es uns hier - gilt prinzipiell auch eine Rückzahlungspflicht. Erhalten kann Bafög zunächst, wer an einer...

  • Universität
  • Fachhochschule
  • Kunsthochschule
  • Höheren Fachschule
  • Akademie

eingeschrieben ist.

Wann muss ich Bafög zurückzahlen?

Wichtig ist zunächst die Förderungshöchstdauer (FHD). Das Hochschulrahmengesetz besagt dazu:

Die Förderungshöchstdauer entspricht der Regelstudienzeit nach § 10 Abs. 2 des Hochschulrahmengesetzes oder einer vergleichbaren Festsetzung.

Im Regelfall entspricht die Förderungshöchstdauer also der Regelstudienzeit. Beispiel: Sie studieren Biologie auf Bachelor an der Uni Göttingen. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester. Für diesen Zeitraum sind Sie prinzipiell Bafög-berechtigt.

Etwa 4,5 Jahre nach Ablauf der Regelstudienzeit wird sich das Bundesverwaltungsamt in Köln (BVA) bei Ihnen melden und einen sogenannten Feststellungs- und Rückzahlungsbescheid zusenden. Dort sind die genauen Zahlungsmodalitäten aufgeführt.

Danach, nämlich fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer, beginnt die Verpflichtung zur Rückzahlung. Insgesamt 20 Jahre haben Sie nun Zeit, um den vom BVA errechneten Betrag zurückzuzahlen. Für Absolventen von Zweitstudien ist im Übrigen die Förderungshöchstdauer des Erststudiums, das mit Bafög-Darlehen gefördert wurde, maßgeblich.

Auch wichtig: Haben Sie neben dem staatlichen Bafög noch ein Bafög-Bankdarlehen in Anspruch genommen, müssen Sie erst die Bank bedienen. Sobald die letzte Rückzahlungsrate für das Bankdarlehen fällig wird, beginnt der Rückzahlungsbeginn für das Staatsdarlehen. Das staatliche muss also unmittelbar nach dem Bankendarlehen getilgt werden.

Tipp: Bei Umzug Adresse mitteilen!

bafoeg-rueckzahlung Teilen Sie dem Bundesverwaltungsamt stets Ihre neue Adresse mit, wenn sie umziehen - und Ihren neuen Namen, falls Sie heiraten. Formell gesehen besteht eine Mitteilungspflicht, die Sie praktisch 25 Euro kosten kann.

Die Kostenpauschale wird fällig, wenn dem BVA Ihre aktuelle Adresse nicht vorliegt und es diese selbstständig ermitteln muss.

Bafög Nachlass: Wie viel muss ich zurückzahlen?

Beim Studenten-Bafög handelt sich zur Hälfte um ein staatliches Darlehen, zur Hälfte um einen Zuschuss. Zurückzahlen müssen Sie ausschließlich das Darlehen - und auch das nicht vollständig.

Denn die Höchstgrenze liegt bei 10.000 Euro. Mehr müssen Sie auch bei längerer Studiendauer nicht an den Staat abführen. Zudem ist das Darlehen zinslos, es fallen also keinerlei Zinsen auf den Darlehensbetrag an.

Bei so viel Entgegenkommen durch den Staat sollten Sie Ihre Raten aber pünktlich zahlen: Wenn Sie in Zahlungsrückstand geraten, können ausnahmsweise doch Strafzinsen anfallen.

Im Normalfall beträgt Ihre monatliche Rückzahlungsrate 105 Euro. Da aber immer quartalsweise eingezogen wird, verlassen pro Quartal 315 Euro Ihr Konto - per Lastschriftverfahren. Es sei denn, Sie möchten jede Einzelüberweisung manuell ausführen.

Hier lauert enormes Sparpotenzial: Wer seine Bafög-Schuld vorzeitig begleicht, kann einen Nachlass von zehn bis maximal 50 Prozent in Anspruch nehmen. Die vorzeitige Rückzahlung ist jederzeit möglich. Kleiner Hinweis: Als geleistet gilt die Rückzahlung mit Eingang auf dem Konto. Es kommt also nicht darauf an, wann Sie überweisen, sondern wann der Betrag eingeht.

Grundsätzlich richtet sich der Nachlass nach der restlichen Darlehensschuld, nicht nach dem Zeitpunkt (obwohl beides natürlich miteinander zusammenhängt). Und: Der Erlass richtet sich immer nach der berechneten Gesamtschuld - nicht nach der Zahlungsgrenze von 10.000 Euro. Es können ja schließlich auch weit mehr als 10.000 Euro an Bafög-Schulden angehäuft werden.

Beispiel des BVA: Sie haben eine Darlehensschuld von 12.000 Euro und möchten diese vorzeitig begleichen. Der Nachlass beträgt 32 Prozent, wird aber von 12.000 Euro und nicht etwa von 10.000 Euro abgezogen. Sie zahlen 8.160 Euro - und sind fortan frei von Bafög-Schulden.

Eine genaue Nachlasstabelle finden Sie hier beim BVA.

Tipp: Feststellungsbescheid prüfen!

bafoeg-rueckzahlung Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Feststellungs- und Rückzahlungsbescheid einen Darlehensbetrag von über 10.000 Euro anzeigt. Mehr als 10.000 Euro müssen Sie trotzdem nicht zurückzahlen.

Aber: Sie sollten den Bescheid in jedem Fall sorgfältig prüfen. Wurde die Förderungshöchstdauer richtig berechnet? Sind die Darlehensbeträge korrekt? Einen Widerspruch gegen den Feststellungsbescheid können Sie nur innerhalb der Rechtsbehelfsfrist einlegen.

Bafög Freistellung: Aufschub bei geringem Einkommen

Wer alle drei Monate den Standardsatz von 315 Euro abbezahlt, hat nach knapp acht Jahren die 10.000-Euro-Grenze erreicht. Die fristgerechte Rückzahlung ist also - erst recht bei Vollzeitbeschäftigung - keineswegs ein Ding der Unmöglichkeit.

Wer allerdings kein oder lediglich ein geringes Einkommen hat, kann einen Aufschub beantragen. Auch wenn das nicht der Regelfall sein sollte, aber wer also nach der Uni zunächst arbeitslos ist, braucht keine Pfändungen oder dergleichen zu fürchten.

Einen Antrag auf Freistellung können sie stellen, wenn Ihr anrechenbares Einkommen den Freibetrag von 1.145 monatlich nicht übersteigt. So können Sie noch mal zehn Jahre zusätzlich gewinnen - ohne, dass Zinsen anfallen.

Der Freibetrag kann sich zudem weiter erhöhen - durch Ehepartner und Kinder.

Das sind die Freibeträge:

  • Darlehensnehmer: 1.145 Euro
  • Ehegatte/Lebenspartner: 570 Euro
  • Jedes Kind: 520 Euro

Die Bafög Freistellung muss jedes Jahr beim Bundesverwaltungsamt erneut beantragt werden. Wer glaubt, dass er eine Freistellung bewilligt bekommt, sollte sich zügig darum bemühen; eine rückwirkende Freistellung ist bis zu vier Monate möglich.

Bafög Rückzahlung: Stundung als Ausweg

Aber Achtung: Das anrechenbare Einkommen ist nicht gleichbedeutend mit Ihrem Gehalt. Von Ihrem Bruttogehalt ziehen Sie noch Steuern, Sozialabgaben, Werbungskosten und vermögenswirksame Leistungen ab - und erhalten so Ihr anrechenbares Einkommen. Ein Bruttogehalt von beispielsweise 2.500 Euro kann so leicht zu einem anrechenbaren Einkommen von 1.500 Euro zusammenschmilzen.

Ist aber auch eine Freistellung nicht möglich, heißt der letzte Ausweg: Stundung. Damit sind für Sie Unannehmlichkeiten wie hohe Stundungszinsen verbunden - also nach Möglichkeit vermeiden.

Eine Stundung ist nur dann möglich, wenn folgende Situation gegeben ist:

  • Die Rückzahlung des Bafögs wäre mit "erheblichen Härten" für Sie verbunden.
  • Der Anspruch des Bundes wird durch die Stundung nicht gefährdet (§ 59 Abs. 1 S. 1 BHO).

Was bedeutet das konkret? Als "erhebliche Härte" würde gewertet, wenn Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse entsprechend schlecht sind beziehungsweise, wenn Sie durch den Einzug der Bafög-Raten in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten kämen.

Der Anspruch des Bundes ist gefährdet, wenn vermutet wird, dass trotz einer Stundung nach Ablauf des Stundungszeitraums nach wie vor keine Bafög-Raten zurückgezahlt werden können. Um diesen Fall klären zu können, prüft das Bundesverwaltungsamt Ihre monatlichen Einkommen und Ausgaben sowie Vermögen in Form von Bausparverträgen und Ähnlichem.

Ob Ihnen eine Stundung gewährt wird, ist eine Ermessensentscheidung, es besteht kein Rechtsanspruch darauf. Wer eine Stundung für ein Jahr erhält, sollte sich den Ablauf der Freistellung im Kalender vormerken, da keine Zahlungsaufforderung übersandt wird.

Wer vergisst den Folgeantrag zu stellen, muss den gestundeten Betrag in einer Summe zurückzahlen.

Tipp: Bankkredit aufnehmen!

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Das kann eine echte Option für Sie sein, gerade in Niedrigzins-Zeiten: Einen Bankkredit aufnehmen, um damit die Bafög-Schuld komplett abzulösen.

Beispiel: Sie müssen 8.000 Euro Bafög zurückzahlen, haben aber nur 5.000 Euro zur Verfügung. Sie nehmen nun einen Konsumentenkredit in Höhe von 3.000 Euro auf, um den Gesamtbetrag von 8.000 auf einmal zu begleichen - und sichern sich damit einen Erlass von 24,5 Prozent.

Wenn nun die Ersparnis durch diesen Erlass größer ist als die Zinsen für den Bankkredit, haben sie alles richtig gemacht. Das kann sich im Einzelfall rechnen, sollten Sie aber bitte nicht als Bankenwerbung missverstehen. Denn möglicherweise - je nach Darlehensbeitrag und Zinshöhe - gehen Sie auch mit großen Verlusten aus der Geschichte heraus.

Also bitte vorab ganz genau kalkulieren, ob sich dieses Modell tatsächlich für Sie lohnen könnte!

Bafög Erlass: Nur in Ausnahmefällen

Immerhin die Hälfte des Bafögs bekommen Studierende geschenkt. Wer ältere Geschwister in der Familie hat, die bereits studiert haben, hat vielleicht vom Bafög Erlass gehört. Hier handelt es sich genau genommen aber auch nur um einen Teilerlass.

Den gab es für Studierende, die vor dem 31. Dezember 2012 ihr Studium besonders schnell oder mit besonders guten Noten absolviert hatten.

Das Darlehen musste nicht voll zurückgezahlt werden, ebenso gab es bis zum 31. Dezember 2009 für die Kindererziehung finanzielle Vorteile. Beide finanziellen Vergünstigungen wurden abgeschafft, so dass Studierende, die nach dem 31. Dezember 2012 fertig wurden oder werden ebenso wenig wie Eltern von zusätzlichen Rabatten profitieren.

Einzig Studierende, die vor dem 31. Dezember 2012 ihr Studium absolvierten, können mit folgendem Bafög Erlass rechnen:

  • Wer besonders schnell und mindestens vier Monate vor Ende der Förderungshöchstdauer sein Studium erfolgreich absolviert hat, erhält einen Erlass von 2.560 Euro.
  • Bei einem Studienabschluss zwei Monate vor Ende der Förderungshöchstdauer erhält der Absolvent noch 1.025 Euro Bafög Erlass.
  • Zwischen 15 und 25 Prozent Rabatt der Darlehensrückzahlung, wer zu den besten 30 Prozent seines Jahrgangs gehört und innerhalb von zwölf Monaten nach Ende der Förderungshöchstdauer das Abschlussexamen bestanden hat.

Achtung: Um in den Genuss dieses Bafög Erlasses zu kommen, müssen Sie diesen beantragen. Dazu reicht ein formloser Antrag innerhalb eines Monats nach Eingang des Feststellungsbescheids vom Bundesverwaltungsamt.

Was Sie dazu im Einzelnen beachten müssen nebst Online-Antragstellung, erfahren Sie hier auf der Seite des Bundesverwaltungsamts.

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