Bahnstreik-Lokführer-GDL
Es ist mal wieder soweit: Die GDL-Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Zahlreiche Zugverbindungen fallen aus. Betroffen sind ICE und Fernreisen ebenso wie Regionalbahnen und Reisen auf der Kurzstrecke. Hintergrund ist der festgefahrene Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft GDL und Bahn. Bisher ist das Ende des Streiks noch offen. Chaos ist also in den kommenden Tagen programmiert. Was Betroffene tun können - und was das Arbeitsrecht zum Bahnstreik sagt...

Bahnstreik: Welche Rechte und Pflichten haben die Streikopfer?

Nickolay Vinokurov/ShutterstockWas tun, wenn man zum Beispiel zur Arbeit pendeln will, aber es durch den Bahnstreik nicht rechtzeitig ins Büro schafft? Oder nicht zum Geschäftskunden - oder aber sich eine Rückreise durch den Streik verzögert?

Grundsätzlich gilt: Platzen Geschäftstermine oder ein lukrativer Deal, weil man es nicht rechtzeitig dorthin schafft, kann man die Bahn nicht für den Schaden in Regress nehmen, zumal der Streik rechtzeitig angekündigt war. Ein Schadenersatzanspruch besteht also nicht, lediglich die Bahnticket-Kosten lassen sich gegebenenfalls erstatten.

Arbeitsrecht: Die wichtigsten Fragen & Antworten zum Bahnstreik

Muss ich als Arbeitnehmer das Risiko tragen, wenn ich nicht pünktlich auf der Arbeit bin?

Ja. Das sogenannte Wegerisiko und damit auch das Risiko am Heimatbahnhof festzusitzen, trägt der Arbeitnehmer. Da hilft dann nur auf eigene Kosten umsteigen - auf den privaten PKW oder eine Fahrgemeinschaft. Wer einen verständnisvollen Chef hat, kann natürlich auch vorher (!) fragen, ob er oder sie einen Home-Office-Tag einlegen kann. Verneint der Chef das, muss man leider selber zusehen, dass man pünktlich auf der Arbeit erscheint.

Muss ich mich nach anderen Reisemöglichkeiten erkundigen und zu diesen greifen?

Ja, grundsätzlich muss man sich um eine alternative und zumutbare Reisemöglichkeit bemühen. Was im konkreten Fall zumutbar ist, entscheidet sich dann nach Einzelfallkriterien. Wer zum Beispiel in Frankfurt arbeitet, aber in Köln wohnt (ICE-Stecke, rund eine Stunde Fahrtzeit), dem ist auch eine Autofahrt (zwei Stunden) zuzumuten. Die Zumutbarkeitsgrenze wäre aber bei einem Taxi für die Fahrt überschritten. Wer dagegen gerade aus dem Urlaub in Frankfurt gelandet und nach Hamburg muss, der wird vielleicht erst tags darauf eine Flugmöglichkeit finden. In dem Fall kann man den Chef bitten, den Urlaub um einen Tag zu verlängern.

Bekomme ich trotz Nichterscheinen mein Gehalt?

Es ist nicht so, dass der Arbeitgeber in einer solchen Situation einfach unbegrenzt weiterzahlen muss, ohne dafür eine Gegenleistung von seinem Arbeitnehmer zu erhalten. Da die Verantwortung, seinen Arbeitsplatz zu erreichen, beim Arbeitnehmer liegt, gilt hier der einfache Grundsatz "ohne Arbeit kein Lohn". Das Risiko, nicht rechtzeitig oder gar nicht zu erscheinen, liegt also allein beim Arbeitnehmer. Im Zweifel hilft nur nacharbeiten beziehungsweise länger im Büro bleiben - oder Überstunden abfeiern.

Was passiert, wenn ich meinen Arbeitgeber nicht oder zu spät informiere?

Wer den Arbeitgeber nicht oder erst viel zu spät informiert, begeht einen vertraglichen Pflichtverstoß. Für die späte Unterrichtung und das damit verbundene unentschuldigte Fehlen könnte eine Abmahnung die Folge sein. Eine Kündigung dürfte jedoch regelmäßig ohne vorherige Abmahnung unwirksam sein. Ist man allerdings wegen eines vergleichbaren Pflichtverstoßes in der Vergangenheit schon einmal abgemahnt worden, ist auch eine Kündigung möglich.

Was mache ich wenn sich etwa meine Rückfahrt durch den Bahnstreik verzögert und ich nicht rechtzeitig auf der Arbeit erscheinen kann?

Wenn es sich dabei um eine Geschäfts- beziehungsweise Dienstreise handelt, ist das kein Problem. In dem Fall trägt der Arbeitgeber natürlich das Risiko. Anders wenn es eine private (Urlaubs.)Reise war - etwa wegen eines Kurzurlaubs. In dem Fall ist der Arbeitgeber unverzüglich über die dadurch unmögliche rechtzeitige Arbeitsaufnahme zu informieren. Wenn es absehbar ist, sollte der Arbeitgeber auch darüber informiert werden, wie lange man voraussichtlich der Arbeit fern bleiben wird, damit dieser den betrieblichen Ablauf planen kann.

Kann ich meinen Urlaub einfach verlängern?

Wenn noch Urlaubsansprüche bestehen und das Wetter sowie die Urlaubskasse es zulassen, könnte man den Arbeitgeber um eine kurzfristige Verlängerung des Urlaubs bitten. Der Vorteil wäre, dass man die freie Zeit noch genießen kann und sie darüber hinaus auch noch bezahlt bekommt. Das ist aber zustimmungspflichtig. Die autonome Selbstbeurlaubung führt dagegen zur Abmahnung, im Wiederholungsfall zur Kündigung.

Ersatzfahrplan der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn arbeitet momentan an einem Ersatzfahrplan, der dafür sorgen soll, dass auch während des Streiks der Lokführer so viele Züge wie möglich die Fahrt antreten. Wie groß die Auswirkungen für die Bahnfahrer sind, lässt sich bisher nur schwer abschätzen. Es muss allerdings auf jeden Fall mit Beeinträchtigungen gerechnet werden.

Im Ersatzfahrplan der Deutschen Bahn können Sie Informationen zu den Verbindungen finden.

Was Sie tun können, wenn Sie auf die Bahn angewiesen sind

michaeljung/shutterstock.comSie gehören zu den Unglücklichen, die eigentlich auf die Fahrten der Bahn angewiesen sind? Dann wünschen wir Ihnen an dieser Stelle schon einmal viel Glück und mindestens genauso viel Geduld für die nächsten Tage. Gänzlich müssen Sie die Hoffnung aber noch nicht aufgeben. Auf der einen Seite besteht die Chance, dass es der Bahn gelingt Ihre Zugverbindung trotz Streik aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite gibt es Alternativen, die zwar nicht unbedingt eine perfekte Lösung sind, den Frust über den Bahnsteig aber ein wenig begrenzen können.

  1. (Fern-)Busse Sie machen der Bahn ohnehin Konkurrenz, also warum während des Streiks nicht darauf ausweichen. Dabei sollten Sie sich allerdings nicht zu viel Zeit lassen, denn durch die hohe Nachfrage aufgrund des Streiks werden freie Plätze knapp und die Preise dementsprechend teuer.
  2. Flugzeug Es ist sicherlich nicht die beste Alternative und nur für längere Strecken geeignet, doch wenn Sie unbedingt für ein Vorstellungsgespräch von Hamburg nach München müssen, kann ein Flug Ihnen viel Stress an den Bahnsteigen ersparen.
  3. Taxi Ist die Strecke hingegen relativ kurz, kann das Taxi die richtige Wahl sein, um dem Bahnchaos zu entgehen. Zwar sind die Kosten für eine Taxifahrt höher als für eine Zugfahrt über die gleiche Strecke, aber Sie können sich sicher sein, dass Ihr Fahrer nicht in den Streik treten wird.
  4. Home Office Sie kommen einfach nicht mit dem Zug bis zur Arbeitsstelle und haben auch kein Auto? Dann fragen Sie Ihren Chef, ob Sie für die Zeit des Streiks im Home Office arbeiten können.
  5. [Bildnachweis: S-F, Nickolay Vinokurov, michaeljung by Shutterstock.com]