5 von Jochen Mai am 9. November 2009 → Zitat in Büro

Begriffsdefinitionen – Was bedeutet “Karriere”?

Rolltreppe2Die österreichische Zeitung Der Standard hat eine interessante Serie aufgelegt: Karriere-Experten (auch solche aus Randgebieten) geben Antwort auf die Frage, was Karriere heute bedeutet. Hier Auszüge aus den bisher erschienenen drei Serien-Teilen:

Dilettantismus und Liebhaberei sind leider negativ behaftete Begriffe. Aber sie sind sehr wichtig für ein erfülltes Arbeitsleben oder eine glückende “Karriere”. Statt Karriereplanung sollte deshalb der richtigere Begriff “Liebhabereiplanung” eingeführt werden. Falls man nämlich nicht mehr liebhaberisch mit dem eigenen Tun umgeht, sollte man sich von der Sache lieber scheiden lassen.

Elisabeth von Samsonow,
Professorin für philosophische Anthropologie der Kunst, im STANDARD

Das Denken, Sprechen oder Schreiben über Karriere findet oft als unreflektierte Selbstverständlichkeit statt. Dieses Thema wird so behandelt, als müsste jeder Mensch Karriere machen. Aber Karriere ist ein Minderheitenprogramm. Denn im engeren Sinn bedeutet Karriere zu machen, sich in einer Organisation in eine immer höhere Position hinauf zu arbeiten. Dazu haben jedoch die meisten Menschen überhaupt keine Gelegenheit. Ihre Realität ist deshalb nicht Karriere, sondern eine Erwerbstätigkeit, der sie viele Jahre lang nachgehen.

Christine Bauer-Jelinek,
Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin, im STANDARD

Ungewöhnliche Karrieren von Freelancern, Jobhoppern oder neuen Selbständigen werden als “neue Normalität” bezeichnet. Einigkeit in der Forschung herrscht darüber, dass in Zukunft mehr Flexibilität seitens des Einzelnen, aber auch seitens Politik, Wirtschaft oder Ausbildungsinstitutionen gefragt sein wird. Denn vorgegeben und geplant ist an solchen Karrieren nicht mehr viel. Mehr als in früheren Zeiten gleichen diese neuen Karrieren einem Querfeldeinrennen ohne vorgegebenen Weg.

Guido Strunk,
Senior Scientist an der Wirtschaftsuniversität Wien, im STANDARD
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1. Kommentar

Karl-Heinz Wenzlaff
09.11.09 um 17:13 Uhr

Ohne Zweifel ist der Begriff “Karriere” für viele Menschen negativ belegt. Das liegt an der sprachlichen Nähe zum “Karrieristen” der sich mit Ellenbogen seinen Weg nach oben bahnt.

Ich spreche deshalb lieber von beruflichem Erfolg oder beruflichem Fortkommen.

Ich erinnere mich, das eine Partei, die zur Wahl die “Vereinbarkeit von Familie und Karriere” plakatierte, (auch) deshalb meine Stimme nicht bekam. Nicht, weil ich etwas gegen berufstätige Eltern hätte, sondern weil ich Karrieristen generell Familiensinn abspreche. Wäre dort “Vereinbarkeit von Beruf und Familie” zu lesen gewesen, wäre es etws anderes gewesen.

Ich bin langjähriger Leser deiner “Karriere-Bibel”, Jochen. Aber auch diese Kombination aus zwei eher polarisierenden Termini finde ich nur vor dem Ziel erhöhter Aufmerksamkeit für das (gute) Produkt legitim.

Gruss,
Karl-Heinz
@Blogtrainer

2. Kommentar

Jochen Mai
09.11.09 um 22:00 Uhr

@Karl-Heinz: Der Titel ist bei Sachbüchern oft die halbe Miete. Ich habe damals auch lange mit mir gerungen, ob ich der Wahl des Verlags nachgeben soll. Was mich am Ende überzeugt hat: Bibel ist nicht nur eine Inhaltsbeschreibung, sondern auch eine Gattungsbezeichnung für ein umfassendes Werk. Und das war ja sowohl der Anspruch als auch das Konzept des Buchs, eine vollständigge Sammlung der wirklich relevanten Regeln zu erstellen. Und da man als Autor auch gelesen werden will (sonst wäre es wenig sinnvoll öffentlich zu schreiben), ist ein möglichst auffälliger Titel nur konsequent – nicht zuletzt, weil das auch gleich mehreren Regeln des Buchs entspricht.

3. Kommentar

Karl-Heinz
10.11.09 um 09:38 Uhr

Hallo Jochen,

Schön, dass wir uns einig sind, denn das deckt sich ja inhaltlich mit meinem letzten Absatz.

Bloggende Grüße
Karl-Heinz (aka Blogtrainer)

4. Kommentar

Benjamin Körner
12.11.09 um 10:05 Uhr

Guten Morgen,

Karriere – wie so oft eine Definitionsfrage – wird in den meisten Fällen mit Erfolg in klassischen Linienfunktionen gleichgesetzt und an den Parametern Führungs- & Budgetverantwortung gemessen – kurz Macht.

Andere Karrieren – wie etwa die bereits erwähnten Berufe von Freelancern, Unternehmern (Liebhabern Ihrer Tätigkeit) – werden oft anders gemessen. Anspruch der Aufgabe, Reputation und natürlich auch der wirtschaftlicher Erfolg sind maßgebliche Motivationsfaktoren.

Karrieren sind sehr unterschiedlich und ob eine Karriere erfolgreich ist oder nicht, sollte jeder für sich beurteilen, von aussen dominieren sicherlich die klassischen Klischees, aber wenn man tut was man liebt, ist man eigentlich immer erfolgreich und wird auch sehr viel einfacher Privatleben und Beruf unter einen Hut bringen. Ohnehin ist in modernen Karrieren eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben kaum mehr zu erkennen.

Karriere ist in meinem Augen ein Begriff, der weder positiv noch negativ belegt ist, sondern etwas sehr individuelles.

Grüße
Benjamin Körner

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