Begrüßung-Knigge-Regeln-Tipps
Eine formvollendete Begrüßung ist die erste Visitenkarte und entscheidend für den ersten - hoffentlich sympathischen Eindruck. Doch wie begrüßt man sein Gegenüber richtig? Wer gibt wem zuerst die Hand? Was sagt man dazu und wann wird die Visitenkarte übergeben? Um sich sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett zu bewegen, sollten Sie die wichtigsten Knigge-Regeln, Konventionen und Formalia der Begrüßung kennen. Hier sind sie...

Die perfekte Begrüßung - darauf kommt es an

Manchen Menschen gelingt es scheinbar spielend leicht, für andere erfordert es Überwindung und Training: ein sicherer und souveräner Auftritt samt perfekter Begrüßung.

Lassen Sie sich davon nicht ins Bockshorn jagen. Andere zu grüßen ist wahrlich keine Raketenwissenschaft und auch längst nicht immer so formal, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwar beginnt jede Begegnung - ob nun zwischen Freunden oder Fremden - mit einem freundlichen Gruß. Oft reichen hierbei aber schon ein kurzes Zunicken oder ein kurzer Handschlag. Insbesondere, wenn sich beide schon länger kennen.

Hierbei gelten zunächst die drei wichtigsten Grundregeln der Begrüßung:

  1. Wer grüßt zuerst?

    Es grüßt immer zuerst, wer einen Raum betritt (Konferenzraum, Fahrstuhl, Wartezimmer). Diese Regel gilt im Privaten wie im Geschäftsleben. Falls die Begegnung zufällig ist - etwa auf dem Flur - begrüßte derjenige zuerst, der sein Gegenüber zuerst erblickt. Und im Zuge der Gleichberechtigung stehen inzwischen beide zur Begrüßung auf - Männer wie Frauen.

  2. Wer begrüßt wen?

    Im Job kommt eine Besonderheit dazu: Hier grüßt immer der Rangniedere den Ranghöheren zuerst. In einem Business-Meeting oder bei einem Geschäftsessen wird also nicht unbedingt die Dame zuerst begrüßt, sondern die Ranghöchste Person im Raum und danach alle anderen in absteigender Hierarchie (sofern diese bekannt ist). Wer in der Runde keine Rangordnung feststellen kann, begrüßt alle der Reihe nach.

    Ausnahme: Gesellschaftliche Anlässe

    Keine Regel ohne Ausnahme: Bei gesellschaftlichen Anlässen, vorzugsweise am Abend wird die Rangfolge aufgehoben, hier begrüßen Herren wieder die Damen zuerst. Auch wenn der Anlass einen beruflichen Hintergrund hat.

  3. Wie wird gegrüßt?

    Eine Begrüßung kann ganz simpel ausfallen: "Guten Tag, Frau Müller". Und natürlich erwartet der Grüßende, dass er unmittelbar darauf zurück gegrüßt wird. Hierfür lautet die Grundregel: Erwidern Sie den Gruß möglichst im gleichen formalen Wortlaut. Hier geht es weniger um die genauen Worte, sondern um die Förmlichkeit: Auf ein förmliches "Guten Tag..." sollten Sie also nicht mit einem saloppen "Hallo..." antworten.

Mit diesen drei Begrüßungsregeln ist eigentlich schon das Wichtigste gesagt. Das ist die Knigge-Basis. Die Tücken und Benimmfallen stecken jedoch eher in den Details. Zu denen kommen wir jetzt...

Die Macht des ersten Eindrucks

Natürlich stecken in einer freundlichen Begrüßung immer auch zwei Absichten: Sie wollen sympathisch wirken - und zugleich vertrauenswürdig erscheinen. Konventionen einzuhalten, ist das Eine. Hierbei spielt Psychologie jedoch die größere Rolle und damit diese Faktoren:

  • Blickkontakt. Schauen Sie Ihrem Gegenüber bei der Begrüßung immer in die Augen. Das ist nicht nur ein Zeichen von Höflichkeit und Respekt - der Blickkontakt vermittelt zudem Glaubwürdigkeit, da jemand, der etwas zu verbergen hat, den Blickkontakt meist meidet. Ein zu intensiver Blick kann jedoch als aggressiv interpretiert werden. Idealerweise dauert der Blickkontakt daher nicht länger als 3,2 Sekunden.
  • Stimme. Unsere Stimme ist nicht nur eindeutiges Erkennungsmerkmal, sondern auch eine ebenso authentische wie intime Visitenkarte unserer Persönlichkeit. Mit Hilfe unserer Stimme bestimmen wir maßgeblich, wie wir auf andere wirken. Bereits Intonation und Atmung lösen Sympathien aus: Das hängt mit dem sogenannten psychorespiratorischen Effekt zusammen. Tiefe Stimmen empfinden wir dabei durchweg angenehmer und sympathischer, ihre Träger gelten als souverän, kompetent, viril. Begrüßen Sie Ihr Gegenüber also stets mit ruhiger, entspannter und möglichst tiefer Stimme.
  • Körperspannung. Unsere Körpersprache prägt den ersten Eindruck subtil mit. Stimmen Worte und Körpersprache nicht überein, haben wir sofort ein Störgefühl. Umgekehrt: Wer hier Präsenz und eine gewisse Körperspannung zeigt, signalisiert seinem Gegenüber volle Aufmerksamkeit und zugleich Status und Stärke.

Und ganz wichtig: Immer dabei lächeln - aus Gründen!

Begrüßungsregeln: Der richtige Handschlag

Begrüßungs-Handschlag-Hand-gebenEin Handschlag dauert in der Regel nicht länger als drei bis vier Sekunden. Längeres Händedrücken bleibt eher engen Freunden vorbehalten. Und: Geschüttelt wird dabei bitte nie! Händeschütteln ist ein Fauxpas. Wer sich begegnet, gibt und drückt sich die Hand (ohne zu quetschen!).

Die Knigge-Falle lauert hier in der oben schon beschriebenen Reihenfolge:

Im Geschäftsleben entscheidet stets der Ranghöhere, ob er seinem Gegenüber die Hand reicht.

Falls Sie also als rangniedrigere Person einen Raum (zum Beispiel ein Fahrstuhl) betreten, grüßen Sie zwar zuerst. Aber eben zunächst nur verbal (oder durch Kopfnicken). Der Ranghöhere entscheidet dann, ob er Ihnen zu erwidern des Grußes die Hand reicht.

Deshalb bitte nie mit ausgestreckter Hand auf andere zulaufen - Fauxpas!

Eine Ausnahme bildet hierbei der sogenannte Gastgeber. Haben Sie eingeladen, sind Sie praktisch die Ranghöchste Person im Raum und es wird erwartet, dass Sie als Gastgeber Ihre Gäste mit einem Händedruck willkommen heißen. Allerdings auch hier - falls die Gäste nicht nach und nach erscheinen - dem ranghöchsten Gast zuerst.

In der Geste schwingt aber mehr mit, als viele denken: Der Händedruck ist nicht nur eine bloße Begrüßung - er ist ein nonverbales Signal, mit wem man es zu tun hat. Schließlich ist der Händedruck die erste körperliche Begegnung zweier Menschen. Und solche Berührungen - selbst wenn sie kurz sind - hinterlassen große Wirkung. Mehr noch: Sie sagen etwas über uns aus.

Dabei spielen gleich mehrere Variablen eine Rolle, die wir - meist unbewusst - sofort analysieren:

  • Kraft: feste oder schlaff?
  • Textur: rau oder weich?
  • Temperatur: kalt oder warm?
  • Humidität: feucht oder trocken?
  • Griff: voll oder partiell?
  • Dauer: kurz oder lang?
  • Geschwindigkeit: langsam oder schnell?
  • Komplexität: drücken oder schütteln?
  • Augenkontakt: keiner oder lang?

Weil der Händedruck immer Vertrauenswürdigkeit demonstrieren soll, sollte er er bestimmt sein. Überreichen Sie keine "toten Fische", lautet eine klassische Empfehlung. Also weder eine laffe Hand hinhalten und drücken lassen, noch eine nasse Hand reichen. Wer tendenziell kalte und feuchte Hände hat, kann diese vorher in der Hosentasche wärmen oder an einem Stofftaschentuch darin unauffällig abtrocknen.

Überdies gilt: Beim Handgeben verweilt die andere Hand nicht in der Hosentasche. Das ist nicht lässig, sondern unhöflich. Aus demselben Grund zieht man zur Begrüßung Handschuhe aus und nimmt etwaige Sonnenbrillen vorher ab (Blickkontakt!). Das alles soll signalisieren: Ich habe nichts zu verbergen, du kannst mir vertrauen.

Durchaus humorvolle, aber auch lehrreiche Hinweise zum perfekten Handschlag finden Sie in diesem englischen Video:

Umarmen zur Begrüßung?

Komm, lass dich drücken...! Die Umarmung ist deutlich emotionaler als ein Handschlag und ein Begrüßungsritual der besonderen Art. Sie bleibt in der Regel engen Freunden und guten Bekannten vorbehalten. Zumindest im westlichen Kulturraum. In anderen Kulturen ist die Umarmung so selbstverständlich wie bei uns der Handschlag. Es kommt also auf den Kontext an.

Nicht jeder Mensch empfindet das Umarmtwerden allerdings als angenehm. Wer im geschäftlichen Kontakt lieber auf Distanz bleibt, die aktuelle Situation als unpassend empfindet oder einfach ein weniger emotionaler Mensch ist, muss sich dem Umarmungsangebot nicht fügen.

Sobald Sie die Absicht Ihres Gegenübers erkennen, strecken Sie ihm oder ihr rechtzeitig die Hand zum traditionellen Händedruck entgegen. Den Wink sollte jeder verstehen. So bleibt dem Anderen die Möglichkeit, sich auf diese körpersprachliche Antwort einzustellen, ohne das Gesicht zu verlieren. Für die ganz Hartnäckigen und Unsensiblen bleibt noch Alternative zwei: Abwehrende Hand vor den Oberkörper und sagen: "Wir kennen uns dafür nicht gut genug - aber ich gebe Ihnen gerne die Hand!"

Begrüßung mit Visitenkarte: Richtig empfangen und überreichen

Begrüßung-Visitenkarte-überreichenÜblicherweise werden bei Geschäftstreffen Visitenkarten ausgetauscht, manchmal auch bei Bewerbungsgesprächen (jedoch eher auf Führungsebene). Der Austausch von Visitenkarten ist ein typisches Begrüßungsritual und gehört zur Vorstellungszeremonie ebenso dazu wie der Smalltalk danach. Allerdings enthält die Visitenkarte neben Namen und Funktion des Karteninhabers auch dessen persönliche Kontaktdaten. Das macht sie - symbolisch - zu einem persönlichen Geschenk und Vertrauensbeweis.

Deshalb haben sich auch hier einige Knigge-Regeln und Begrüßungskonventionen etabliert, die es zu beachten gilt:

  • Wann?

    Im Geschäftsleben wird die Visitenkarte zu Beginn eines Besuchs oder Gesprächs überreicht - kurz nach der verbalen Begrüßung mit Handschlag.

  • Wer?

    Üblicherweise gibt der Gast seine Karte zuerst. Erst danach überreicht der Gastgeber seine Karte im Austausch. Ansonsten gilt wieder die Business-Regel: Der Ranghöchste überreicht seine Karte zuerst.

  • Wie?

    Die Karte wird immer mit Blickkontakt überreicht - hierzulande reicht dazu eine Hand, in Asien wird die Visitenkarte mit beiden Händen übergeben. Dabei wäre es allerdings grob unhöflich, wenn Sie die Visitenkarte Ihres Gegenübers erhalten, diese ungesehen in die Tasche zu stecken. Nehmen Sie sich stets einige Minuten Zeit, diese zu studieren - schon wegen möglicher (Adels-)Titel, mit denen Sie Ihr Gegenüber ansprechen müssen. Später verstauen Sie das Kärtchen sorgfältig (Wertschätzung!) in Ihrer Brust- oder Handtasche. Niemals in der Hosentasche - sozusagen am Ar...!

Begrüßungs-Tipps: Den Raum betreten wie ein Sieger

Gute Beispiele für gelungene Auftritte liefern regelmäßig hochrangige Politiker. Diese strahlen Selbstbewusstsein und Macht aus, sobald sie einen Raum betreten. Sie müssen jedoch nicht erst Präsident werden, um einen guten ersten Eindruck zu machen. Die kleinen Begrüßungstipps und -tricks dazu, funktionieren auch bei Otto Normal:

  1. Entwickeln Sie ein Ritual. Wer einen professionellen und selbstbewussten Eindruck machen will, sobald er oder sie einen Raum betritt, muss sich darauf vorbereiten. Das Ritual soll dabei helfen, Sicherheit zu geben und im entscheidenden Moment vorbereitet zu sein - und so bei der Begrüßung zu überzeugen.
  2. Kennen Sie Ihr Ziel. Ein Networking-Event betreten und die ersten Minuten unsicher und hilfesuchend an der Tür stehen bleiben? Eine gelungene Begrüßung sieht anders aus. Wenn Sie einen Raum betreten, sollten Sie deshalb von Anfang an ein Ziel vor Augen haben, dass Sie verfolgen können. Gibt es beispielsweise interessante Personen, mit denen Sie ins Gespräch kommen wollen? Dann suchen Sie diese zielstrebig auf. Sie können auch andere Anwesende begrüßen und so einen ersten Kontakt aufbauen. Egal wie: Wer ein Ziel verfolgt, tritt automatisch überzeugender auf und wird professioneller wahrgenommen.
  3. Legen Sie sofort los. Sobald Sie einen Raum betreten und Sie von anderen wahrgenommen werden, machen sich diese ein Bild von Ihnen. Warten Sie also nicht ab, bis sich dieses Bild manifestiert. Prägen Sie es selbst - und beginnen Sie ein Gespräch, um sich von Ihrer besten Seite zu zeigen. Wenn Sie bereits ab dem ersten Schritt über die Türschwelle selbstbewusst und aktiv auftreten, wirken Sie sowohl energischer als auch charismatischer.
  4. Nutzen Sie Gesten. Wer sich unsicher fühlt, neigt dazu, optisch zu schrumpfen. Das zeigt sich auch in den Gesten während eines Gesprächs. Schüchterne und unsichere Gesprächspartner erkennt man oft daran, dass sie hektisch oder gar nicht gestikulieren. Wenn Sie Ihr Gegenüber aber überzeugen wollen, sollten Sie langsame und große Gesten wählen. Sie zeigen damit Selbstvertrauen, Status und Durchsetzungsvermögen. Ein weiterer positiver Aspekt: Gesten entlasten das kognitive System. Sie helfen dabei, Ihre Gedanken zu ordnen und vermeiden unnötige Pausen, die häufig mit einem "Ähm" gefüllt werden.
  5. Gefallen Sie sich selbst. Wer sich selbst attraktiv findet und sich in seiner Haut wohlfühlt, strahlt das auch aus. Wählen Sie deshalb ein Outfit, in dem Sie sich wohl und sicher fühlen. Und denken Sie positiv über sich, das Treffen und die potenziellen Bekanntschaften.
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