Die Bewerbungsunterlagen sind verschickt, das Bauchgefühl ist gut, doch was folgt, ist nicht die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, sondern die Einladung zu einem Telefoninterview. Schlechtes Zeichen?

Gar nicht. Wenn die Bewerberzahlen steigen, greifen Rekruter gerne auf diese Methode zurück, um eine Art Vorauswahl zu treffen. Einerseits ist das ein gutes Zeichen – Sie sind schon einmal in der engeren Auswahl. Andererseits hat die Papierform eben auch noch nicht so überzeugt, dass Sie der künftige Chef oder die Personaler unbedingt gleich persönlich einladen und kennenlernen wollten. Sie möchten sich zu diesem Zeitpunkt lieber ein noch aussagekräftigeres Bild von Ihnen verschaffen, ohne dazu allzu großen Aufwand für beide Seiten zu betreiben. Schätzungsweise sind für die Stelle als noch fünf bis zehn Kandidaten im Rennen.

Das Telefongespräch sollten Sie also nutzen, um noch einmal alle Ihre Vorzüge darzustellen, sich (akustisch) noch besser in Szene zu setzen und durch eine gute Gesprächsatmosphäre zu punkten. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie sich auf das Telefoninterview richtig und gründlich vorbereiten. So:

  • Als Erstes sollten Sie in Erfahrung bringen, wie lange das Gespräch voraussichtlich dauern wird – falls dies nicht schon angegeben wurde. Nur so können Sie sich auch ausreichend Zeit dafür reservieren. Und nicht zuletzt können Sie aufgrund der veranschlagten Zeit grob abschätzen, welche Fragen man Ihnen stellen wird. Bei einem 20-minütigen Interview geht es meist nur um ein paar Basisinformationen zu Ihrer Person, ein paar Rückfragen zum Lebenslauf, eventuelle Lücken, die geklärt werden sollen. Dauert das Gespräch indes eine Stunde sollten Sie mit tiefergehenden Fragen rechnen und sich wie auf ein umfassendes Vorstellungsgespräch vorbereiten – mit Fragen zu Ihrer Persönlichkeit, zu Ihren Plänen und Zielen, eigenen Rückfragen.
  • Sorgen Sie für Ruhe. Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem höre ich immer wieder, dass dieser Punkt vernachlässigt wird. Radio, TV, Musik im Hintergrund sind tabu. Ebenso natürlich Straßenlärm und schon gar nicht sollten Sie bei dem Gespräch etwa in einem Café sitzen. Das konterkariert die Ernsthaftigkeit Ihrer Bewerbung. Aber auch Babygeschrei oder spielende Kinder im Hintergrund sind hinderlich. Davon abgesehen, dass es für den Interviewer sehr unangenehm ist, sich zwischen den Störquellen auf Ihre Antworten zu konzentrieren – die subtile Aussage, die Sie damit treffen, ist: Meine Priorität gehört dem, was da im Hintergrund passiert. Du (und der Job) bist nur zweite Wahl. Nicht gerade das, was man unter einem hochmotivierten Bewerber versteht.
  • Benutzen Sie ein richtiges Telefon, kein Handy. Oder aber stellen Sie sicher, dass der Akku aufgeladen und die Verbindung standfest ist. Im Grunde geht es bei diesem Punkt um dasselbe wie beim vorherigen. Wenn Sie für eine gute Verbindung und eine sichere Leitung sorgen, unterstreicht dass Ihre Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt. Wer schon bei der Bewerbung auf solche Details achtet, wird wohl auch im Job nicht schlampig sein.
  • Legen Sie sich Ihre Bewerbungsunterlagen zurecht. Sie sollten auf alle Seiten einen schnellen Blick werfen können (ohne lange zu blättern) und natürlich Ihre eigenen Daten im Kopf haben. Wann immer eine Rückfrage dazu kommt, sollten Sie diese rasch beantworten können. Falls vorhanden, sollten Sie sich ebenso die Stellenausschreibung daneben legen.
  • Stellen Sie sich etwas zu trinken in die Nähe – am besten ein Glas stilles Wasser. Das können Sie heimlich trinken, wenn der Mund vor Nervosität trocken wird. Aber wirklich nur heimlich. Deshalb sollten Sie während des Interviews auch nicht Rauchen (hört man!), Kaugummi kauen oder sonst irgendetwas essen. Fauxpas! Viel wichtiger: Lächeln Sie viel!
  • Ziehen Sie sich offiziell an. Dieser Tipp wirkt zunächst recht ungewöhnlich, da es doch um ein Telefoninterview geht, kein Videointerview. Aber die Wahl unsere Kleidung färbt psychologisch und unbewusst auf unser Verhalten. Aus demselben Grund empfehlen Experten etwa auch Schuhe, Krawatte und Hemd im Heimbüro anzuziehen – und nicht bloß einen Bademantel. Kleiden Sie sich also so, als würden Sie zu einem Vorstellungsgespräch gehen. Kann sein, dass dies das Lampenfieber kurzfristig erhöht, aber das Adrenalin macht Sie auch aufmerksamer und verbessert Ihre Wirkung. Man hört am Telefon weit mehr als man meint!
  • Entspannen Sie sich (trotzdem). Es ist nur ein Telefoninterview. Sie können sich also ganz auf Ihre Aussagen und Ihre Stimme konzentrieren. Versuchen Sie keine Stakkato-Antworten mit weniger als zehn Worten zu geben, erzählen Sie aber auch keine Romane. Plaudern Sie ein wenig über Ihre Motivation, Ihre Qualifikationen, Ihre Eignung. Wenn Sie zu jeder Frage zwischen zwei und vier Minuten etwas sagen können, liegen Sie genau richtig.