Lob ist nicht nur Labsal für die Seele – es ist ein mächtiges Instrument, um das Verhalten anderer zu verändern: Lob bringt die Menschen dazu, selbigem gerecht zu werden; es wärmt das Herz und öffnet den verstockten Geist. Sublimer Beifall hat aber auch eine Kehrseite: Er kann Menschen dazu verleiten, zu betrügen.

Carol Dweck, Psychologie-Professorin an der Stanford-Universität, hat dazu erst kürzlich eine interessante Studie in San Francisco vorgestellt. Dabei wurden Probanden, die eine schwere Aufgabe gemeistert hatten, auf zwei unterschiedliche Weisen gelobt:

  • Den einen sagten die Versuchsleiter: “Sie sind wirklich sehr smart!”
  • Den anderen sagten sie: “Das haben Sie sich wirklich hart erarbeitet!”

Beides Komplimente – aber mit völlig unterschiedlicher Wirkung. Insbesondere der Beifall für die Intelligenz des Absolventen hatte eine fatale Wirkung auf dessen zukünftige Motivation zu lernen. Mehr noch: Jene Probanden neigten nun verstärkt dazu, ihren Cleverness-Status zur Not auch durch Lügen, Betrügen und Schummeln aufrecht zu erhalten. Und zwar bis zu drei Mal häufiger als jene, die für ihre Leistung und harte Arbeit gelobt wurden.

Für den Job bedeutet das zweierlei: Loben Sie trotzdem weiter! Das geschieht ohnehin viel zu selten auf der Arbeit. Aber loben Sie richtig. Belohnen und thematisieren Sie harte Arbeit, Leistungswillen, ja, selbst das Bemühen (was in Zeugnissen freilich weniger schmeichelhaft ist). Und appellieren Sie weniger an die Cleverness Ihrer Mitarbeiter und Kollegen. Die könnten sonst auf die Idee kommen, vom Smartsein erledige sich der Job schon alleine…

denkeungewöhnlich