FrauendiskriminierungWerden Frauen im Job benachteiligt? Blöde Frage, werden manche denken, das hört man doch an jeder Ecke! Stimmt. Doch repräsentativ ist nicht. Ausgehend vom Hörensagen wollten es Forscher der Hans-Böckler-Stiftung deshalb etwas genauer wissen – insbesondere ob und an welchen Stellen Frauen im Arbeitsleben benachteiligt werden – etwa beim monatlichen Gehalt in einzelnen Berufen, bei den Extras wie Boni, bei der Weiterbildung oder bei den Aufstiegschancen. Insgesamt beteiligten sich an der Umfrage rund 16.000 Personen, darunter mehr als 5.600 Frauen. Resultat: Die Benachteiligungen sind vielfältiger als vielleicht von manchem geahnt…

Da ist etwa die Sache mit dem Gehalt – auch Gender Pay Gap genannt. Auch wenn die Vergleiche immer wieder kritisiert werden – laut Studie (PDF) liegt der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Frauen in Deutschland bei gleicher Arbeitszeit und vergleichbarem Job rund 21 Prozent unter dem der Männer. Dies deckt sich in etwa mit den Ergebnissen der amtlichen Verdienststatistik. Bei jüngeren Frauen zwischen 25 und 30 Jahren liegt der Abstand bei 15 Prozent, bei Frauen zwischen 36 und 40 Jahren beträgt er 19 Prozent und in der Altersgruppe zwischen 51 und 55 Jahren erreicht er gut 25 Prozent.

Dieser Gehaltsunterschied lässt sich über die große Mehrzahl der Berufe beobachten und reicht von 3 Prozent Minus bei den Technischen Zeichnerinnen über 9 Prozent bei Juristinnen, 13 Prozent bei Bürokaufleuten, 14 Prozent bei Diplom-Kaufleuten, 16 Prozent bei Hotelangestellten, 18 Prozent bei Chemielaboranten, 28 Prozent bei Versicherungskaufleuten bis hin zu 31 Prozent bei Zahntechnikern.

Nur in wenigen Berufen liegt das Einkommen der Frauen über dem der Männer: So verdienen Informatikerinnen 5 Prozent mehr als ihre Kollegen.

Weibliche Chefs verdienen 21 Prozent weniger

Und auch in diesem Punkt hat sich wenig verändert: Zwar haben inszwischen 28 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss eine Führungsposition, bei den Männern aber sind es 43 Prozent. Weibliche Führungskräfte erhalten auch bei gleicher Hierarchiestufe ein deutlich geringeres Gehalt. So beziehen Frauen mit Hochschulabschluss als (Haupt-)Abteilungsleiterin ein Gehalt, das im Schnitt 21 Prozent unter dem von Männern in derselben Position liegt.

Weniger Sonderzahlungen für Frauen

Aber nicht nur beim monatlichen Gehalt, auch bei den Sonderzahlungen haben die Frauen das Nachsehen: Fast 57 Prozent der Männer haben beispielsweise nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr eine Sonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes erhalten, Frauen dagegen nur zu rund 52 Prozent. Männer bekamen zu gut 50 Prozent Urlaubsgeld, Frauen dagegen nur zu 39 Prozent. Männer erhielten zu 21 Prozent eine Gewinnbeteiligung, Frauen dagegen zu 11 Prozent.

Frauen bezahlen ihre Weiterbildung selbst

Und während fast die Hälfte der Männer angaben, im letzten Jahr von ihrem Arbeitgeber eine Weiterbildung angeboten bekommen zu haben, sagten das nur 45 Prozent der Frauen. Umgekehrt gaben Frauen öfter an, im vergangenen Jahr eine Weiterbildung selbst finanziert zu haben, nämlich 20 Prozent gegenüber knapp 16 Prozent der Männer. Rund 20 Prozent der Frauen, aber knapp 31 Prozent der Männer sagten zudem, dass sie in dem Betrieb, in dem sie arbeiten, einmal befördert worden sind.