Sie werden gegoogelt, ob Sie wollen oder nicht. Die Kollegen sind neugierig, potenzielle Arbeitnehmer recherchieren vor Bewerbungsgesprächen Ihren Ansprechpartner und Kunden möchten wissen, wer am anderen Ende der Telefonleitung sitzt. Gut für Sie, wenn sich nur Einträge finden lassen, die Sie kompetent und sympathisch zeigen. Zumindest in manchen Branchen entstehen auf diesem Weg nicht selten neue Aufträge.
Eher schlecht hingegen, wenn eine Recherche Webprofile zu Tage fördert, die Sie vielleicht selbst schon vergessen haben. So führte mich die Suche nach den Kontaktdaten eines Kunden nicht nur auf dessen Webseite, sondern auch gleich noch auf sein Profil in einer Swinger-Community – diverse, persönliche Angaben inklusive.
Dabei muss es gar nicht der GAU sein, der es lohnenswert macht, sich mit seinen Webprofilen zu beschäftigen. Auch verwaiste Seiten auf Internetportalen haben eine Aussagekraft: Sich als „Social Media“-Experte in der Firma zu etablieren wird schwer, wenn der erste Googletreffer zu Ihrem Namen ein seit Monaten nicht aktualisiertes Facebook-Profil ist. Hier hilft nur eins: eine Benutzerkonteninventur!
Um wieder Herr Ihrer Daten zu werden, müssen Sie zunächst herausfinden, wo Sie überhaupt im Netz Benutzerkonten angelegt haben. Notieren Sie sich zunächst alle Accounts, die Ihnen direkt einfallen: Ihr Facebook-Profil, Ihren Xing-Account, Foren, die Myspace-Seite.
Beobachten Sie Ihren Posteingang und achten Sie besonders auf Newsletter. Fast alle Webseiten, die Ihre Daten haben, werden Ihnen auch regelmäßig schreiben. Nehmen Sie die Accounts in Ihre Liste auf.
Und suchen Sie sich selbst! Verwenden Sie dabei:
Notieren Sie für jeden Ihrer wiedergefundenen Accounts die Adresse, den Benutzernamen und das Passwort. Dazu reicht sogar eine Textdatei, die Sie wie folgt aufbauen (und an einem sicheren Ort, am besten verschlüsselt speichern):
Nächste Schritte: aktualisieren, sortieren, ergänzen oder löschen. Jetzt, da Sie zum ersten Mal eine vollständige Übersicht über Ihre Profile im Netz vorliegen haben, können Sie mit nur geringem Aufwand mehrere Ziele parallel erreichen:
Alle Daten sind aktualisiert, die Googleergebnisse zu Ihrem Namen sauber, Ihre Accounts sind sicherer und Sie haben über alte Bekannte einen spannenden Neukontakt erhalten, kurz: Die Benutzerkonteninventur ist abgeschlossen. Jetzt bloß nicht nachlassen! Führen Sie Ihre Accountliste weiter und ergänzen Sie neu hinzukommende Benutzerkonten regelmäßig, um auch zukünftig den Überblick zu behalten. Es gibt viele Wege, wie gepflegte Forenaccounts und Social Networks beruflich Sinn ergeben. Nur ein Aggregatzustand ist gänzlich ohne Nutzen: der als Karteileiche.
Über den Autor:
Dominik Schwarz ist Projektleiter und Suchmaschinenexperte einer Kölner Onlinemarketingagentur sowie Betreiber diverser Internetportale. Als Dozent für die Berliner Stiftung Digitale Chancen schult er im Rahmen der Kampagne „Internet Erfahren“ Multiplikatoren im Umgang mit dem Internet. Der bewusste Umgang mit selbst veröffentlichten Daten in Benutzerkonten ist einer der Inhalte.

1. Kommentar
Christian
16.07.10 um 08:59 Uhr
Hallo,
um Passwörter und Accounts zu verwalten gibt es kostenlose Tools wie http://keepass.info/
Ist auf jeden Fall besser als nur eine Textdatei.
Gruß
Christian
2. Kommentar
Stefan
16.07.10 um 09:19 Uhr
Ich empfehle “1Password” für Mac OSX (gibt es in der Beta auch für Windows), das erstellt megasichere Passworte, meldet einen auf Wunsch gleich an, wenn man die Website besucht, lässt sich auch mit dem iPhone synchronisieren und lässt sich sogar im Browser aufrufen (z. B. über Dropbox).
Es ist zwar schön, wenn man volle Kontrolle über die Suchergebnisse hat, wie das bei mir der Fall ist. Das hat aber auch einen Nachteil: Alleine mit Vorname, Beruf und Stadt kann man mich sofort finden, alles Angaben, die man z. B. auf Datingbörsen hinterlassen muss. Da hilft nur eine andere Berufsbezeichnung.
3. Kommentar
Dominik Schwarz
16.07.10 um 09:55 Uhr
Christian: Wenn ich mir solche Screenshots ansehe, bin ich mir ziemlich sicher, dass für die meisten Anwender in Schritt 1 die Textdatei der bessere Start ist. Was aber ja keinen Profi davon abhalten sollte, entsprechende Software zu verwenden. Ziel sollte aber aus meiner Sicht immer sein, keinen unnötigen Ballast (in Form von zu suchender, installierender, upzudatender) Software anzulegen, wenn es sich auch simpler löst.
Und noch ein Hinweis: Es geht hier nicht primär um die Verwaltung von Passwörtern, um automatisiertes Anmelden oder Ähnliches – das wäre ein separater Artikel wert. Der Fokus liegt auf dem Inventurvorgang und dem Bewusst sein schaffen für (tote) Konten.
4. Kommentar
Christian
16.07.10 um 10:35 Uhr
Hallo Dominik,
das war keine Kritik an dir, wenn das so rüber kamm sorry, werde mich das nächste mal anders ausdrücken.
Ich wollte nur einen Tipp geben :-)
Gruß
Christian
5. Kommentar
Dominik Schwarz
16.07.10 um 10:53 Uhr
Keine Sorge, so habe ich es auch gar nicht aufgefasst ;-)
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade für Anwender mit durchschnittlichen Kenntnissen die Softwarelösung schnell zur Belastung wird und sie den Fokus auf die eigentliche Aufgabe verlieren. Als Profi hingegen…
Ich sehe schon, Passwortverwaltung braucht wirklich einen separaten Artikel!
6. Kommentar
Leonie Hueber
18.07.10 um 00:44 Uhr
Schlimmer als irgendwelche Benutzerkonten auf Social Media Seiten halte ich längst verwaiste Foren und Gästebucheinträge aus früheren Zeiten…denn derartige Einträge lassen sich nicht mal eben löschen – Leider.
Trackbacks
Sagen Sie ihre Meinung!
Folgendes HTML ist in den Kommentaren verwendbar: <a> <em> <strong>