Es ist nicht leicht, eindeutig zu definieren, was Coaching eigentlich ist. Die Definitionen sind so diffus wie der Markt selbst. In der Regel aber steht dabei die Persönlichkeit des Klienten im Fokus: Der Coach hilft dem sogenannten Coachee spezielle berufliche Fähigkeiten auszubauen oder zu verbessern, wobei dieser Entwicklungsprozess in erster Linie eine Art Selbstreflexion und Hilfe zur Selbsthilfe bleibt. Von einem Coach wird man selten konkrete Tipps oder Ratschläge hören: Im Gegensatz zur Beratung soll der Coachee die Lösung selber finden. Typisch für Coaching sind daher Fragen. Zumindest in der reinen Form. Coaching kann aber auch ein Mix sein aus Beratung, Feedbackgespräch und praxisorientiertem Training.
Nun gibt es zahlreiche gute Gründe, sich einen Coach zu suchen: Sie wollen einen Plan für Ihre berufliche Zukunft zu entwickeln; sich bisher unbewusste Probleme bewusst zu machen und daran arbeiten; Ihre Chancen und Potentiale erkennen und weiterentwickeln. So was. Doch selbst wenn Sie sich dazu einen Coach suchen, muss das nicht von Erfolg gekrönt sein. Und das muss nicht zwangsläufig am Coach liegen…
Sagen wir es, wie es ist: Es gibt Menschen, die sind uncoachbar. Beratungsresistent könnte man auch sagen. Der Coach dient ihnen allenfalls als Selbstbestätigungshilfe oder Entwicklungs-Alibi, Motto: Ich arbeite ja an mir. So jemanden zu einem Coach zu tragen oder einem entsprechenden Mitarbeiter ein Coaching zu bezahlen, ist rausgeschmissenes Geld. Genauso gut könnte man seinen Ehepartner zum Psychologen schicken, in der Hoffnung, damit seine Eheprobleme zu lösen.
Wer ernsthaft in Erwägung zieht, sich coachen zu lassen, muss ein paar Voraussetzungen erfüllen. Fünf um genau zu sein:
5 Charakteristiken für den Erfolg eines Coachings
Sie denken über ein Coaching nach? Dann fragen Sie sich auch, ob Sie zu den folgenden fünf Punkten nicken, beziehungsweise zustimmen können:
- Sind sie bereit, sich zu ändern? Wer glaubt, schon ziemlich perfekt zu sein, sucht eher Bestätigung. Coaching aber führt Sie in der Regel aus Ihrer Komfortzone heraus, stellt sie vor neue Herausforderungen und zwingt sie, mehr Verantwortung für Ihr Leben zu übernehmen.
- Freuen Sie sich auf neue Perspektiven? Ein guter Coach, wird Ihnen dabei helfen, Horizonte zu erweitern, neue Ziele zu entdecken und zu setzen. Damit daraus ein Erfolg wird, sollten Sie nicht nur Veränderungswille mitbringen, sondern echten Abenteuerwillen. Die Lust und Neugier darauf, Neues zu lernen. Das ist etwas anderes als: “Na gut, dann probier ich das halt mal…”
- Sind Sie bereit, mehr über sich zu erfahren? Vor allem dann, wenn es weh tut? Ein guter Coach wird Ihnen den Spiegel vorhalten, womöglich auch Kritik üben. Zwar immer konstruktiv, aber wirken kann das nur, wenn Sie nicht sofort in die Defensive gehen, zuhören und das Gehörte ehrlich reflektieren.
- Sie offen gegenüber sich selbst? Der Punkt ist mit den ersten beiden verwandt, geht aber einen Schritt weiter: Er bedeutet, dass Sie sich wirklich auf Ihr neues Bild von sich einlassen, sich dafür engagieren. Aber auch ein komplettes und ehrliches Bild Ihrer aktuellen Situation akzeptieren.
- Sind Sie aufmerksam gegenüber anderen? Ein umfassendes Coaching beinhaltet auch Ihre Wirkung auf andere, den Abgleich von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Auch dazu benötigt der Coachee Offenheit und Reflexionsvermögen. Andernfalls bleibt das Coaching inhaltlich eher schmalspurig.
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Angelika Dorsch
Danke, als Coach, Beraterin und Trainerin scheint mir diese Analyse auf den Punkt. Tatsächlich mache ich immer wieder die Erfahrung, dass besonders in den Führungsebenen kein echter Wille zur Veränderung den Auslöser für meine Beauftragung darstellt. Also Veränderung ja… ABER nur bei anderen! Inzwischen habe ich aus all den Erfahrungen die ich leider sammeln musste, die Konsequenz gezogen, sehr häufig Anfragen schon nach dem ersten Gespräch abzulehnen. Es kostet ungeheuer viel Zeit, Geld und auch Selbstbewusstsein -bin ich ein schlechter Coach, weil kein gutes Ergebnis erzielt wurde?- mit Menschen zu arbeiten, die nur andere, nicht aber sich selber verändern wollen.
Huberta Weigl
Ich würde noch ergänzen:
“Können Sie zuhören?”
Was Angelika Dorsch in den Kommentaren schreibt, halte ich für ganz wichtig: Eine Zusammenarbeit ablehnen bzw. abbrechen, wenn jemand beratungsresistent ist.
Herzlichen Gruß
Huberta Weigl
Oliver Winkel
Lieber Herr Mai, liebe Leser/innen,
nun, so mag man das sehen. Der Klient muss Voraussetzungen mitbringen, so dass der Coach hilfreich sein kann. Dies impliziert aber begrenzte Fähigkeiten – für einen wenig erfahrenen Coach mag das ja evtl Sinn machen (vielleicht sogar als Marketingübung: “Wie sieht mein idealer Klient aus?”).
Erfahrenere Coaches, mit evtl therapeutsichem Background, sollten solche Voraussetzungen aufgrund Erfahrung und Fähigkeit ablehnen. Wenn ein Klient sich in eine Sitzung begibt, auch wenn er nur widerwillig kommt weil er evtl geschickt wurde, hat er ein Anliegen. Auch wenn dieses Anliegen verdeckt sein mag.
Der limitierende Faktor ist hier der Coach mit seiner Persönlichkeit und seinen Fähigkeiten und Begrenzungen! Keinesfalls der Klient.
Beispiel: Der Klient freut sich nicht auf neue Perspektiven, hat statt dessen ein gesunde, natürliche Angst. Es ist doch offensichtlich, dass dies ggfs ein Thema für das Coaching ist. Und kein Grund, sich als Coach vorurteilsmäßig-ablehnend gegenüber einen potenziellen KJlienten einzustimmen.
Angelika Dorsch
Herr Winkel, ist es nicht auch ein Kompetenz-Merkmal, als Coach zwischen Coaching und Therapie zu unterscheiden? Also deutlich zu erkennen ab wann ein psychotherapeutisch ausgebildeter Profi, für weiter gehende Maßnahmen, als ein einfaches Coaching bieten kann (und meiner Meinung nach darf) angemessen ist.
Jochen Mai
Hallo Herr Winkel,
ich denke auch, es liegt nicht nur in der Verantwortung des Laien (Coachee) zu erkennen, was sinnvoll ist, sondern auch in der des Coaches. Allerdings ist Coaching nach meinem Verständnis etwas gänzlich anderes als Therapie.
Sebastian Böhm
Ein interessanter Artikel, der mir die Augen öffnet. Als Unternehmens- und Karriereberater tätig, wurde ich in den letzten Jahren auch immer öfter zum Coach. Dabei hatte ich die Eignung meiner Coachees nie in Frage gestellt. Mit ein, zweien komme ich jedoch nicht weiter. Vielleicht sollte ich mich mal dahin coachen nicht jede Herausforderung meistern zu wollen. Dann hätte ich mehr Energie für meine anderen Schützlinge.
Sebastian Böhm
Hallo Herr Mai, können Sie mir bitte das “s” hinter “Eignung” aus meinem letzten Kommentar streichen. Ich kann ihn leider nicht selbst bearbeiten.
Und wie kann ich auch ein Foto von mir, nebem meine Kommentare zaubern?
Viele Grüße, Sebastian Böhm
Jochen Mai
Hallo Herr Böhm, “s” ist entfernt und noch ein Komma ergänzt. Das Foto bekommen Sie, indem Sie einen Gravtar (https://de.gravatar.com/) anlegen. Kostet nichts, geht ganz leicht – und egal wo Sie anschließend mit Ihrer Kennung kommentieren, erscheint das Bild von Ihnen.
Oliver Winkel
@ Angelika Dorsch: ich denke, ja, es ist Aufgabe des Coaches zu erkennen, wann eine Therapie angesagt ist. Ist aus meiner Sicht jedoch nur schwer zu erkennen, da die Abgrenzung so “grau” ist.