Welcher Beruf passt zu mir? – Vor dieser Frage stehen jedes Jahr tausende von Schülern und Absolventen, die sich zwischen Ausbildung und Studium entscheiden oder sich um die erste Arbeitsstelle bemühen müssen. Die Suche nach einem Beruf der gleichzeitig auch Berufung ist, kann sich dabei schwierig gestalten. Mit unserer Strategie wird die Suche jedoch einfach.
Klar, Sie können Ihre Berufssuche auch einfach nach dem Trail-and-Error-Prinzip gestalten und die verschiedenen Berufe so lange ausprobieren, bis Sie den passenden finden. Doch das kann dauern und ist in der Praxis oft einfach nicht machbar. Denn spätesten bei der dritten Ausbildung in einer völlig anderen Branche werden Personaler misstrauisch und Ihre Chancen auf einen neuen Job bewegen sich rapide gegen null.
Der passende Beruf ist immer auch Berufung
Nebenbei bemerkt: Es liegt in Ihrem Interesse, sich aktiv auf die Suche nach dem richtigen Beruf zu machen. Immerhin werden Sie vermutlich mehr Zeit am Arbeitsplatz als bei Ihrer Familie verbringen. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass Sie diese Zeit mit einer Tätigkeit verschwenden – entschuldigung, verbringen – wollen, die Ihnen absolut nicht liegt.
Die Suche nach dem passenden Beruf lässt sich grob in vier Phasen einteilen:
- Ideensammlung
- Benennen der eigenen Stärken und Leidenschaften
- Überprüfung durch Dritte
- Erfahrung sammeln
Bei der Ideensammlung gibt es keine Grenzen, hier schreiben Sie einfach alle Berufswünsche und -ideen auf, auch wenn diese noch so abstrus und seltsam klingen mögen. Im zweiten Schritt schreiben Sie daneben Ihre Stärken und Leidenschaften auf. Vor allem letztere sind enorm wichtig, denn Stärken können zu vielen Berufen passen, echte Leidenschaften jedoch nicht. Gleichen Sie jetzt Ihre Ideensammlung mit Ihren Stärken und Leidenschaften ab. Die Schnittmenge beider Listen bildet Ihre beruflichen Möglichkeiten.
Diese Liste lassen Sie durch Dritte überprüfen. Dabei ist es wichtig, dass Sie sich an zwei verschiedene Personen wenden. Die eine sollte Sie lange und gut kennen und kann Ihre Liste daher mit viel Hintergrundwissen Ihrer Person beurteilen. Die andere Person darf Sie hingegen noch nicht so lange kennen, denn dadurch wird Ihre Liste noch mal aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet.
Die Entscheidung liegt ganz bei Ihnen
Am Ende dieses Auswahlprozesses werden Sie voraussichtlich immer noch mehrere berufliche Optionen offen haben und sich für eine entscheiden müssen. Diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen, denn es geht um Ihre Zukunft und Ihren ganz persönlichen Weg. Bei der Wahl Ihres Berufes sollten Sie sich dabei auf Ihre Intuition und Ihr Gefühl verlassen, denn nur so können Sie auch die unbewusst vorhandenen Informationen nutzen.
Für die hier beschriebene Suche sollten Sie genug Zeit einplanen. Vor allem die vierte Stufe – das Sammeln von Erfahrungen durch Praktika oder Ferienjobs – braucht einfach Zeit. Doch wenn Sie sich erst mal sicher sind, können Sie sich mit voller Energie auf in Ausbildung, Studium oder Jobsuche stürzen. Denn Sie wissen: Sie folgen Ihrer Berufung.
Testen Sie sich zum Wunschberuf
Bei der suche nach dem passenden beruf können – und sollten – Sie natürlich verschiedenen Mittel und Methoden einsetzen. Als Ergänzung zu unserer Strategie haben wir daher vier Online-Test für Sie zusammengestellt. Das die Testergebnisse lediglich Empfehlungen sein und Ihnen Ihre Entscheidung niemals abnehmen können, versteht sich von selbst.
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Nele
Der Ansatz, den Leuten klar zu machen, dass sie bei der Berufswahl auch auf ihre Stärken und vor allem Leidenschaften blicken sollen, finde ich sehr gut – die beschriebene Vorgehensweise an sich erscheint mir jedoch ein bißchen zu einfach gedacht. Sie schreiben zwar, dass man dafür ausreichend Zeit einplanen soll, aber wieviel ist das denn für Sie? Und ich werde das Gefühl nicht los (und es verlässt mich auch nach mehrmaligem Lesen nicht), dass der Artikel arg schnell geschrieben wurde – und entsprechend lapidar klingt er auch in meinen Ohren. Zack, zack, zack – und fertig ist der Traumberuf? Hm.
Und haben Sie mal einen der vorgeschlagenen Tests selbst gemacht? Ich habe gerade zwei davon ausprobiert – und finde sie zum einen sprachlich größtenteils nicht sehr ansprechend, zum anderem haben mich die Ergebnisse teilweise sehr amüsiert. Laut dem einen Test möge ich “Medizinische Dokumentationsassistentin” werden oder auch Rechtswissenschaftlerin – und ich finde Medizin bedingt spannend und Jura grauenhaft. Es gibt so viele schöne Bücher, die die Suche nach dem passenden Job so schön begleiten können (z.B. von Beate Westphal oder auch Angelika Guldner, um nur zwei zu nennen – und nein, ich bin keine der beiden) und die die Fragen, die Sie im Artikel anreißen, ganz wunderbar vertiefen. Wäre da nicht die Empfehlung eines solchen Buches schöner gewesen, als der Hinweis auf Tests, die mehr als merkwürdige Ergebnisse bringen? Und vor allem genau dem entgegen stehen, was sie selbst empfehlen?
Christian Mueller
Guten Abend,
wie Sie auf “zack, zack, zack und fertig ist der Traumberuf” kommen, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Denn ich schreibe explizit, dass für die Orientierung Zeit und Engagement notwendig sind. Und die Frage, wie viel das für mich ist, meinen Sie hoffentlich nicht ernst, oder? Dieser Prozess ist völlig individuell und daher von Person zu Person unterschiedlich lang.
Die verlinkten Tests können diese Entscheidung nicht ersetzten, nur unterstützen – genau das schreibe ich auch im Artikel. Ach ja, und wenn Sie beispielsweise den Test der Universität Hohenheim absolviert haben sollten, würde ich mich sehr über die von Ihnen beschriebenen nicht zutreffenden Ergebnisse wundern. Außerdem dauert dieser Test doch einige Zeit. Das beantwortet auch Ihre Frage: Ja, ich habe diese Test ausprobiert und selbst gemacht, sonst würde ich sie kaum empfehlen.
Natürlich gibt es dutzende oder hunderte Bücher zu diesem Thema – und es gibt Online-Tests, um die es in diesem Artikel ging. Inwiefern die Test meiner Empfehlung entgegen stehen, müssen Sie mir jedoch erläutern.
Nele
Hm, ich denke, das, was mich wirklich stört an dem Artikel, ist die Aussage “Mit unserer Strategie wird die Suche jedoch einfach.”. Wie ich ja schon schrieb: Den Ansatz, sich erstmal mit den eigenen Stärken und Leidenschaften zu beschäftigen, finde ich gut und richtig. Denn das geschieht leider zu selten. Aber für mich liest sich der Artikel, als ob man “einfach” nur Ihrem Rezept folgen muss und schon ist alles, genau, einfach. Das ist das, was ich mich “zack, zack, fertig ist der Traumberuf” meine. Vielleicht liegt mir die Betonung auch nicht genug darauf, dass sowas Zeit braucht – ja, Sie schreiben das, aber auch da erscheint es mir, als ob Sie die Hürden, die ja an der einen oder anderen Stelle auftauchen werden, ausblenden. Auch hier wieder das Problem der “Einfachheit”.
Denn meiner Wahrnehmung nach sind es Jugendliche und auch junge Erwachsene schlicht nicht gewöhnt, sich mit ihren Stärken auseinanderzusetzen, sie überhaupt wahrzunehmen. In der Schule und leider auch später im Studium wird meist nur das in den Fokus gestellt, was man noch nicht kann – und meiner Erfahrung nach tun sich die Jugendlichen am Anfang sehr schwer damit, ihre Stärken überhaupt zu benennen, denn das meiste wird als selbstverständlich angesehen: “Das kann doch jeder.” ist einer meiner meistgehörten Sätze. Tja, vielleicht ist es dann das, woran ich mich störe – dass es mir so vorkommt, als würden Sie denken, es wäre so einfach, die eigenen Stärken zu finden und zu benennen. Ich denke, da wäre eine detailliertere Anleitung hilfreich – die man z.B. in den von mir angeführten Büchern findet. Oder auch Fragen wie: Wobei haben Sie zuletzt die Zeit vergessen? Wobei haben Sie ungeahnte Aktivitäten entwickelt? Was motiviert Sie? Und vieles mehr. Einfache Denkanschübe, die die asudhe erleichtern.
Tja, und Tests – ich finde diese Tests nicht hilfreich und kenne niemanden, der darüber ein wirklich passendes Ergebnis bekommen hätte. Aber ok, als Anregung und Anschubser sind sie vielleicht sogar dienlich. Ich denke aber doch, dass diese Tests niemals das widerspiegeln können, was Sie empfehlen – nämlich den eigenen Leidenschaften zu folgen. Das können solche Tests – zumindest meiner Meinung nach – keinesfalls abbilden.
Christian Mueller
Hallo Frau Süß,
dann stören Sie sich jedoch nur an Ihrer Wahrnehmung, denn dass die Wahl des richtigen Berufes komplett einfach ist, habe ich weder geschrieben noch gemeint. Haben Sie sich mal die Mühe gemacht, einen der im Artikel verlinkten Artikel zu lesen? Wahrscheinlich nicht, denn dann hätten Sie eine der zahlreichen Artikel gefunden, in dem ich/wir genau auf diese anderen Aspekte der Jobwahl eingehen.
Die Test können eine Entscheidung unterstützen – nicht mehr und nicht weniger, und genau das schreibe ich auch im Artikel. Wenn Sie da etwas anderes herauslesen, was nicht da steht, kann ich das nicht ändern. Natürlich bilden die Test keine Leidenschaften ab, genau deshalb schreib ich im Artikel auch, dass diese als Ergänzung zu Beratung und Gesprächen mit Familien und Freunden gedacht sind. Außerdem empfehle ich ausdrücklich, praktische Erfahrung zu sammeln und sich die Berufe selbst anzuschauen. Dass der gesamte Prozess Zeit braucht, finden Sie gleich mehrfach im Artikel.
Sie überbetonen einen Satz und interpretieren Aussagen in den Text, die ich niemals getroffen habe. Können Sie natürlich machen, hat dann nur nichts mehr mit meinem Artikel zu tun.
Gruß,
Christian Müller
Nele
Okay, ich merke schon, wir werden nicht zusammen kommen. Eine letzte Anmerkung sei mir gestattet: Natürlich ist es meine eigene Interpretation – eine andere habe ich ja nicht. Oder können Sie von außen und völlig objektiv auf Texte schauen? Und es gilt immer noch: “Der Empfänger macht die Botschaft.” Wir sprechen anscheinend sehr unterschiedliche Sprachen und haben auch sehr unterschiedliche Ansätze. Aber das ist ja wiederum gut so, denn die Menschen, mit denen wir arbeiten, sind ja auch sehr unterschiedlich – und dann landen die einen eben bei Ihnen, die anderen bei mir.
Jochen Mai
Tschuldigung, wenn ich mich da mal einmische: Ja, der Empfänger macht die Botschaft. Aber wenn der Sender dem Empfänger drei Mal erklärt, dass das da nicht steht und er das auch so nicht meint, dann ist das vielleicht auch ein Hinweis auf eine Empfangsstörung. Ist ja nicht schlimm, solange man dabei aufeinander zugeht und nicht beharrt.
Nele
Ganz richtig – eine Empfangsstörung entsteht dann, wenn man sehr unterschiedliche Sprachen spricht. Und da wir ja nunmal alle nicht nur Sender, sondern auch Empfänger sind, kommen wir hier – wie schon erwähnt – wohl nicht zusammen. Find ich auch nicht weiter schlimm.