Berufliche Laufbahn Zufall Plan Werdegang
Abitur, Studium, erster Job und Berufserfahrung, Gehaltserhöhung, Beförderung, Jobwechsel, Führungsposition... In der Theorie ist es kinderleicht, sich eine berufliche Laufbahn auszumalen. In der Praxis zeigt sich jedoch: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Selbst bei konkreten Vorstellungen entwickeln sich die Dinge nicht immer wie geplant - und mit den Jahren ändern sich Prioritäten und Erwartungen an die Karriere. Frisch im ersten Beruf lässt sich nur schwer voraussagen, wo man 20 Jahre später einmal stehen möchte und welche Aspekte zu diesem Zeitpunkt besonders wichtig sind. Macht es da überhaupt Sinn, einen Plan für die berufliche Laufbahn aufzustellen oder sollte man es gleich dem Zufall überlassen? Grundsätzlich lautet die Antwort Ja, doch braucht es auch die nötige Flexibilität...

Berufliche Laufbahn: Lässt sie sich überhaupt planen?

Spätestens mit 40 möchte ich eine Führungsposition, eine Abteilung leiten, Geschäftsführer sein, mehr berufliche Freiheiten genießen, den nächsten Karriereschritt gemacht haben oder auch mindestens 50.000 Euro im Jahr verdienen... Jeder Arbeitnehmer hat seine ganz persönlichen Ziele, die er im Laufe seiner Karriere zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen möchte. Das ist wichtig, um etwas zu haben, das motiviert, über Frust hinweg hilft und eine Richtung vorgibt. Doch ist es wirklich möglich, die berufliche Laufbahn zu planen?

Grundsätzlich erst einmal Ja. Ein Plan und eine Vorstellung der beruflichen Laufbahn sind nicht nur möglich, sondern überaus sinnvoll. Sie übernehmen das Steuer, treffen bewusste und gezielte Entscheidungen, die Ihnen auf dem Weg helfen und kommen dort an, wo Sie hinwollen, anstatt sich nur treiben zu lassen.

Auf der anderen Seite ist die Antwort aber auch Nein, denn ein so durchdacht und detailliert eine berufliche Laufbahn auch geplant ist, die Realität hat meist ganz andere Pläne. Es mag frustrierend klingen, aber Zufall und Ereignisse, die Sie schlichtweg nicht beeinflussen können, spielen für jede Karriere eine Rolle - für den einen kleiner, für den anderen größer.

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Was am Ende zählt, ist wie Sie mit einem Plan Ihrer beruflichen Laufbahn umgehen. Wer versucht, sich daran festzuklammern und nicht bereit ist, nachzugeben oder Kompromisse einzugehen, wird schnell an seine Grenzen kommen und muss sich irgendwann frustriert eingestehen, dass es kaum möglich ist. Perfekte Bilderbuch-Karrieren gibt es eben nicht. Rückschläge und Korrekturen in der Richtung gehören dazu - und machen am Ende wahren Erfolg aus.

Haben Sie hingegen ein Grundgerüst für Ihre berufliche Laufbahn im Kopf, bleiben dabei aber offen für Veränderungen und sich bietende Möglichkeiten, sind Sie auf dem richtigen Weg, um das zu erreichen, was Sie sich vorgenommen haben und können auf dem Weg dorthin Anpassungen vornehmen, die nötig sind und mit Ihren persönlichen Veränderungen einhergehen.

Berufliche Laufbahn: Was tun, wenn der Plan nicht aufgeht?

Es könnte so einfach sein, wenn immer alles genau so laufen würde, wie man es sich im Vorfeld zurecht gelegt hat. Der Aufstieg auf der Karriereleiter wäre nur eine Frage der Zeit und würde zum festgesetzten Timing einsetzen, die Wunschposition würde nur auf die eigene Besetzung warten und das Gehalt würde im schönen Rhythmus von zwei Jahren ganz automatisch steigen.

Soweit die fiktive Traumvorstellung. In der Praxis ist es hingegen meist nur eine Frage der Zeit, bis der Plan für die berufliche Laufbahn ein jähes Ende findet. Vielleicht ist beim Unternehmen einfach kein Aufstieg möglich, vielleicht verlieren Sie unerwartet Ihren Job, weil Standorte geschlossen werden müssen oder es dauert einfach deutlich länger als erwartet, bis es beruflich bergauf geht - Ihr Plan kann auf unterschiedlichste Arten schiefgehen, entscheidend ist, wie Sie darauf reagieren.

Sie können Gott und die Welt verfluchen, die Schuld den Umständen oder irgendjemand anderem in die Schuhe schieben - oder sinnvoll mit der Situation umgehen. So zum Beispiel:

  • Bleiben Sie flexibel.

    Keine berufliche Laufbahn ist in Stein gemeißelt, also sollten Sie sich von diesem Gedanken verabschieden. Egal, wie sehr Sie es wollen und wie perfekt Ihre Planung scheint, Zufall lässt sich einfach nicht im Vorfeld bedenken. Das muss auch überhaupt nicht schlimm sein, wenn Sie mit der richtigen Einstellung an die Sache herangehen.

    Klammern Sie sich nicht an die Idee Ihrer beruflichen Laufbahn. Veränderungen - auch ungeplante - gehören dazu. Behalten Sie die nötige Flexibilität und betrachten Sie Ihren Plan als grobe Richtlinie, anstatt die Realität irgendwie in die Vorgaben Ihres Konzepts pressen zu wollen.


  • Beginnen Sie nicht zu zweifeln.

    Was habe ich nur falsch gemacht? Kommt etwas anders als gedacht, reagieren viele Menschen sofort mit Zweifeln über den bisherigen Verlauf. Irgendeinen Fehler muss man schließlich gemacht haben, sonst wäre doch alles nach Plan gelaufen... Falsch! Manchmal entwickeln sich die Dinge einfach anders, als man es vorhergesehen hat, ganz ohne eigenes Zutun.

    Wer an sich oder seinen bisherigen Entscheidungen zweifelt, schafft nur Probleme, wo bisher keine waren. Selbstreflektion ist wichtig, doch sollten Sie nicht gleich Ihre gesamte berufliche Laufbahn infrage stellen.


  • Richten Sie den Blick nach vorn.

    Die wichtigste Frage lautet: Was hat sich verändert und wie können Sie das Beste aus der neuen Situation machen? Sie können nicht mehr ändern, wie Ihre berufliche Laufbahn sich bisher entwickelt hat, aber Sie haben immer noch in der Hand, wie es weitergeht.

    Es mag Ihnen vielleicht wie ein Umweg vorkommen, doch haben sich dabei möglicherweise auch neue Chancen aufgetan, die Sie bisher noch gar nicht gesehen haben. Nehmen Sie die Veränderungen an, anstatt sich nur auf das scheinbar Negative zu konzentrieren.

Altersgerechte Strategien für die berufliche Laufbahn

Berufliche Laufbahn Werdegang SynonymDie berufliche Laufbahn, die man sich mit Anfang 20 vorstellt, hat nicht immer viel mit dem gemeinsam, worauf man Jahrzehnte später zurückblickt. Dies liegt unter anderem daran, dass die eigenen Ansichten, Erwartungen und Prioritäten sich mit der Zeit verändern. Sinnvoll ist es, die Gestaltung der beruflichen Laufbahn nicht als einmaligen Entscheidung, sondern als andauernden Prozess zu betrachten, der sich an das jeweilige Alter anpasst - vom Studenten und Absolventen, über den noch jungen Arbeitnehmer bis hin zur erfahrenen Fachkraft, die mitten im Berufsleben steht..

Altersgerecht ist eben nicht nur auf das höhere Alter bezogen, sondern bedeutet lediglich, die individuellen Strategien dem jeweiligen Lebensalter und vor allem der aktuellen Phase der beruflichen Laufbahn anzupassen. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Karrieretipps und Grundsätze für jedes Alter zusammengestellt.

Die Altersangaben sind dabei nur als Orientierung zu verstehen, die es Ihnen erleichtert, die für Sie passenden Tipps zu ermitteln. Je nach individueller beruflicher Laufbahn - sehr früher oder später Berufseinstieg, Verzögerungen oder ähnliches - können sich die Phasen natürlich verschieben.

20 bis 29 Jahre: Gestalten Sie Ihren Karrierestart

Sie sind auf der Zielgeraden zum Abschluss, haben das Studium gerade hinter sich oder bereiten sich auf Ihren ersten Job vor? Dann ist es eine gute Idee, offen und wissbegierig an Ihre berufliche Laufbahn heranzugehen. Ehrgeiz kann ein hervorragender Antrieb sein, doch er sollte Sie nicht dazu verleiten, das Wissen Ihrer erfahrenen Kollegen zu ignorieren oder alles auf einmal zu wollen. Manche Dinge brauchen einfach Zeit, um sich zu entwickeln.

Die grundsätzliche Richtung Ihrer Karriere finden Sie zwar in dieser Phase, der Einstieg in eine Branche kann die nächsten Jahre oder auch Jahrzehnte bestimmen, doch damit legen Sie sich noch nicht endgültig fest. Diese Tatsache bietet Ihnen die Freiheit, in Ihren 20ern viel auszuprobieren und auch etwas riskante Chancen zu ergreifen. Sie sind jung, nutzen Sie dies zu Ihrem Vorteil.

30 bis 39 Jahre: Finden Sie Ihre Prioritäten

In dieser Phase kristallisiert sich schon genauer die Richtung Ihrer beruflichen Laufbahn heraus. Vielleicht sind Sie auch schon auf dem Weg zur ersten Beförderung und Ihre Karriere nimmt spürbar Fahrt auf. Bevor Sie sich jedoch mit voller Energie in die Karriere stürzen, ist jetzt die Zeit gekommen, Ihre Prioritäten zu klären.

Familie, Kinder oder doch erstmal Konzentration auf den beruflichen Erfolg? In diesem Lebensalter stehen wichtige Entscheidungen an. Daher ist jetzt die Zeit, um zu klären, welche Bedeutung welche Lebensbereiche haben und auch in Zukunft haben sollen. Das entscheidet auch darüber, wie viel Sie in Ihre Karriere investieren können und wollen.

Zusätzlich können diese Jahre auch ein Zeitpunkt sein, um den beruflichen Standpunkt zu hinterfragen. Sind Sie glücklich mit dem, was Sie tun oder wollen Sie sich noch einmal in eine andere Richtung entwickeln? Auch der Jobzyklus zeigt, dass es möglicherweise Zeit für eine Änderung sein kann.

40 bis 49 Jahre: Etablieren Sie Ihr Profil

Spätestens in dieser Phase sollten Sie sich bewusst daran machen, Ihr Profil und Ihre Reputation gezielt auf- und auszubauen. Sie haben bereits einiges geleistet, vermutlich an erfolgreichen Projekten mitgewirkt und insgesamt einiges vorzuweisen - das sollten auch andere Personen wissen, besonders wenn diese Ihrer weiteren beruflichen Laufbahn zuträglich sein könnten.

Egal ob Sie ein Blog starten, sich häufiger auf Fachmessen blicken lassen, gezielt Kontakte zu bekannten Kollegen aufbauen oder eine Kombination aus all diesen Punkten nutzen: Jetzt ist Personal Branding angesagt. Der nächste Schritt Ihrer beruflichen Laufbahn wird ohne klares Profil schwierig, also machen Sie sich einen Namen und sorgen Sie dafür, dass dieser für Qualität steht.

50 bis 59 Jahre: Entwickeln Sie sich weiter

Sie haben viele berufliche Erfolge vorzuweisen, auf Ihrem Gebiet macht Ihnen so schnell keiner etwas vor und Sie sind eine feste Größe bei Ihrem Arbeitgeber. Darauf dürfen und sollten Sie stolz sein, allerdings wäre es falsch, sich nur darauf auszuruhen. Hören Sie nicht auf, sich weiterzuentwickeln und am Ball zu bleiben, bauen Sie Ihr Profil aus und bleiben Sie flexibel bei Neuerungen. Eine Zeit lang können Sie von alten Leistungen zehren, doch rücken Sie damit zusehends in den Hintergrund.

Ihre Erfahrung und Ihr großes Fachwissen können Sie außerdem mit anderen teilen und beratend zur Seite stehen. Dies gilt sowohl am Arbeitsplatz als auch im Rahmen organisierter Weiterbildungen oder als Dozent.

In dieser Phase sollten Sie sich auch Gedanken darüber machen, wie die weiteren und letzten Jahre Ihrer beruflichen Laufbahn aussehen sollen. Wollen Sie irgendwann kürzer treten, muss ein solcher Schritt meist frühzeitig geplant werden.

60 Jahre und älter: Nutzen Sie Ihren neue Freiheit

In dieser Phase werden Sie das aktive Arbeitsleben verlassen und Ihre Arbeitszeit zumindest spürbar reduzieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie Ihre vorhandene Energie nicht noch nutzen können. Immer mehr erfahrene Arbeitnehmer gründen eigene Unternehmen, unterstützen Start Ups beim Aufbau oder werden als Mentoren und Ratgeber aktiv.

Was immer Sie auch tun: Lassen Sie sich nicht von der Bezeichnung Rentner oder Ruheständler bremsen und nutzen Sie die freigewordene Zeit. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, sich um lange aufgeschobene Projekte zu kümmern und auch neue Wege zu gehen.

Haben Sie konkrete Fragen zur Bewerbung?

Karrierefragen-Logo-KastenFalls Sie konkrete Fragen für Ihre berufliche Laufbahn haben, dann nutzen Sie bitte unser kostenloses Ratgeber-Portal Karrierefragen.de. Dort finden Sie bereits zahlreiche Fragen und Antworten rund um die Bewerbung. Vielleicht helfen Ihnen die dortigen Antworten der Community und Experten auch schon weiter:

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