Blondine-Berufseinsteigerin-GehaltFrisch von der Universität stürzen Sie sich voller Elan in den ersten richtigen Vollzeitjob. Mit zahlreichen Idealen und Ideen im Handgepäck geht es auf die Arbeit. Doch schnell wird aus dem anfänglichen Traumjob eine bittere Enttäuschung. Nichts ist so, wie Sie es erwartet haben. Frustriert stellen Sie fest, dass im neuen Job niemand auf Sie gewartet hat. Eigentlich waren Sie froh darüber, den Abschluss gemacht zu haben und haben sich vielleicht schon etwas alt gefühlt unter lauter Erstsemestern. Jetzt denken Sie voller Wehmut an diese Zeit und wünschen sich zurück an die Universität. Was ist da bloß schief gelaufen?

Berufseinstieg: Die harte Realität

auremar/ShutterstockBesonders Akademiker kämpfen oft mit dem Einstieg ins Berufsleben. Nach zahlreichen Jahren im Elfenbeinturm der Wissenschaft heißt es nun plötzlich Willkommen in der Realität. Man kam mit hohen Erwartungen, war bereit, die Welt zu verändern, an kreativen Lösungen mitzuarbeiten, wichtige Kunden zu betreuen – schlicht zu zeigen, was man drauf hat.

Für alte Hasen im Geschäft klingt das naiv. Aber gerade als Berufsanfänger steckt man voller Träume. Und genau das kann einem zum Verhängnis werden.

Von den Kollegen wird der oder die Neue nur belächelt oder gar ausgebremst, die zugeteilten Aufgaben sind kaum mehr als Praktikantentätigkeiten und auch die Freizeit ist schnell auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Schnell sind die Träume zerplatzt und zurückbleiben Ernüchterung und Zweifel: Man wollte hoch hinaus und schlägt nun unsanft auf dem Boden der Tatsachen auf… Dumm gelaufen.

Berufseinstieg: Jeder dritte Absolvent bekommt nur befristeten Job

bowie15/123rfVon jungen Akademikern mit bis zu einem Jahr Berufserfahrung ist jeder Dritte (34 Prozent) nur befristet beschäftigt, so das Ergebnis einer Umfrage der Hans Böckler Stiftung (PDF) für die die Daten von rund 4300 Absolventen ausgewertet wurden. Danach geht bei den Akademikern mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung der Anteil der befristet Beschäftigten auf rund 18 Prozent zurück. In der Gesamtgruppe der akademisch Ausgebildeten mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung hat jeder vierte einen befristeten Vertrag.

Zwischen einzelnen Branchen bestehen allerdings große Unterschiede: Hochschulen und andere Wissenschaftseinrichtungen haben die höchste Quote der Angestellten mit befristeten Verträgen. Hier sind rund 81 Prozent Berufsanfänger mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung befristet beschäftigt. Ebenfalls sehr hoch ist der Anteil in Krankenhäusern mit 60 Prozent und im Bereich öffentliche Verwaltung/Sozialversicherung mit 54 Prozent.

Niedrigere Werte weisen hingegen unternehmensbezogene Dienstleistungen mit 27 Prozent und der Einzelhandel mit 24 Prozent auf. Ganz am Ende der Skala bewegen sich die Energieversorger mit zwölf Prozent, die chemische Industrie mit 11 Prozent und der Fahrzeugbau mit 6 Prozent befristet beschäftigten Akademikern.

Das schlägt sich auch bei den Einstiegsgehältern nieder: Das monatliche Durchschnittseinkommen der Berufseinsteiger mit Uniabschluss und befristetem Vertrag beträgt im Schnitt rund 2940 Euro – 19 Prozent weniger als das Einkommen von unbefristet Beschäftigten (3640 Euro).

Berufseinsteiger: Die 5 größten Frustquellen

Die Quellen für den Unmut zahlreicher Berufsanfänger sind Legion. Sie erwachsen meist aus der Diskrepanz zwischen den eigenen Erwartungen und der Realität. Wir wünschen uns das eine – und erleben das andere.

Und das Unvermögen, beides miteinander zu vereinbaren, frustriert uns.

Dabei reichen oft schon kleine Auslöser wie mangelndes Feedback aus, um Unzufriedenheit zu verursachen. Zu den häufigsten Frustquellen gehören:

  1. Änderungen im Lebensstil

    Daumenrunter_tAls Student genießt man viele Freiheiten. In der Regel obliegt es einem selbst, die eigene Zeit einzuteilen. Es gehört zu den größten Umstellungen sich daran zu gewöhnen von nun an acht Stunden täglich im Büro zu verbringen und zu festen Zeiten Mittagspause zu machen. Viel von der gewohnten Spontanität und Flexibilität geht in der Routine des Arbeitsalltags verloren. Der größte Schock als ich den Arbeitsvertrag für meinen ersten Vollzeitjob unterschrieb, waren die 28 Tage Urlaub, die mir von nun an zustehen würden. 28 Tage erschienen mir im Vergleich zu den drei Monaten, die ich bis dahin frei hatte, reichlich wenig. Ungewohnt war es auch, dass ich meinen Urlaub nicht nehmen konnte wie ich wollte, sondern vorher im Team abstimmen musste.

    Wie Sie dem Frust entgegenwirken:

    Unsere Eltern und Professoren haben es uns immer wieder gesagt: Das Studium ist die schönste Zeit im Leben. Aber erst wenn man berufstätig ist, wird das einem so richtig bewusst. Irgendwann ist die Zeit, in der man auch mal unter der Woche feiern gehen konnte, leider vorbei. Dafür kann man sich über ein geregeltes Einkommen freuen. Mit der Zeit stellt man fest, dass freie Tage und Urlaub eine Sache der frühzeitigen Planung und der richtigen Absprache sind. Klar, ist es schwierig zum Chef zu gehen und zu sagen, dass man morgen gerne für drei Wochen verreisen würde. Aber, wenn man sich mit den Kollegen abspricht, wichtige Termine wie Projekt-Deadlines miteinbezieht und rechtzeitig nachfragt, ist auch der Wunschurlaub machbar.

  2. Überforderung

    Daumenrunter_tAls Student verlässt man die Universität voller Fachwissen, doch in der Regel fehlt einem die praktische Erfahrung. Auch wer während des Studiums Praktika absolviert hat, fühlt sich während der ersten Zeit im neuen Job völlig überfordert. Nur selten erhält man eine detaillierte Einführung in Arbeitsabläufe. Es bleibt ein Sprung ins kalte Wasser. Am Anfang fiel es mir besonders schwer, den Überblick über viele verschiedene Aufgaben zu behalten. Ich wusste überhaupt nicht, was kann warten und was Bedarf meiner sofortigen Aufmerksamkeit. Also versuchte ich alles auf einmal anzugehen und schaffte statt Ordnung nur noch mehr Chaos.

    Wie Sie dem Frust entgegenwirken:

    Was einem am Anfang im Weg steht, ist die Unsicherheit: Es fehlt sowohl die Arbeitserfahrung als auch die nötige Routine in den eigenen Arbeitsabläufen. In dieser Situation bieten erfahrene Kollegen eine Orientierung: Beobachten Sie, wie diese arbeiten und ihre Prioritäten setzen. Mir hat es geholfen, bei einer Kollegin, mit der ich mich besonders gut verstand, regelmäßig Rat zu suchen und mir einige Tipps zu holen. Sie habe ich beispielsweise gefragt, welche Aufgaben Vorrang haben oder habe sie gebeten, einen Blick auf meine Ergebnisse zu werfen. Besonders in der Anfangsphase ist der Austausch unter Kollegen enorm wichtig.

  3. Unterforderung

    Daumenrunter_tAls Hochschulabsolvent nach drei bis fünf Jahren Studium stellt man gewisse Ansprüche an eine spätere Tätigkeit. Viele wünschen sich, mit wichtigen Aufgaben betraut zu werden und Verantwortung übernehmen zu dürfen. Stattdessen werden sie dann mit Botengängen betraut, dürfen sich erstmal in Themen einlesen oder einem anderen Kollegen nur zuarbeiten. Langeweile stellt sich ein. Die meisten Berufsanfänger haben nicht nur den Anspruch, Geld zu verdienen, sondern sie suchen nach einer sinngebenden Tätigkeit. Sie wollen sich verwirklichen. Geht man nicht in der beruflichen Tätigkeit auf, kann es sogar zu dem Phänomen des Boreout kommen, bei dem die berufliche Langeweile und Unterforderung so bestimmend für die eigene Tätigkeit werden, dass man gleichzeitig unzufrieden im Job ist, aber diesen Zustand aufrechterhält, weil man nicht die Energie hat ihn zu ändern.

    Wie Sie dem Frust entgegenwirken:

    Mit manchen anspruchslosen Tätigkeiten müssen sich alle ab und zu rumschlagen. Versuchen Sie gerade am Anfang, die kleinen Aufgaben, die Ihnen übergeben werden, in einen größeren Kontext einzuordnen. Dann erschließt sich Ihnen eher, wieso diese Aufgabe notwendig und sogar hilfreich für Ihren Kollegen ist. Häufig werden Ihnen kleine vermeintlich anspruchslose Aufgaben zugeteilt, um herauszufinden, wie Sie arbeiten. Durch gute Arbeit können Sie sich auch hier bewähren. Eine der wichtigsten Lektionen, die ich lernen musste, war, mich in Geduld zu üben. Erst als Kollegen Vertrauen in meine Arbeit geschöpft hatten, durfte ich auch eigenständig größere Aufgaben übernehmen. Bis es soweit war, habe ich viele Recherchen durchgeführt. Gute Erfahrungen habe ich auch damit gemacht, immer wieder Hilfe anzubieten und Interesse an einer tiefergehenden Beschäftigung mit einem Thema zu zeigen.

  4. Mangelnde Aufmerksamkeit

    Daumenrunter_tAls enthusiastischer Berufsanfänger steckt man voller Ideen. Oft sind diese Ideen echte Herzensangelegenheiten. Eine Freundin von mir, die auf Lehramt studiert, hatte sich im Referendariat vorgenommen, ihren Unterricht völlig anders zu gestalten als ihre Lehrer damals. Sie wollte auf bewährte Unterrichtsmethoden verzichten. Doch weder ihre Schüler noch ihr Seminarleiter ließen sich für ihre Konzepte begeistern. Sie fühlte sich ausgebremst und um ihre Gestaltungsfreiheit betrogen.

    Wie Sie dem Frust entgegenwirken:

    Auch das Vermitteln von Ideen will gelernt sein. Besonders Altgediente reagieren allergisch auf realitätsfremde oder besserwisserische Vorschläge. Versuchen Sie, die Perspektive des Vorgesetzten in Ihre Ideen einfließen zu lassen, damit Ihre Vorschläge nicht als persönliche Kritik aufgefasst werden. Bedenken Sie immer die Umsetzbarkeit Ihrer Ideen, denn ein riesiges unternehmensinternes Sportfest mag zwar gut für die Unternehmenskultur sein, aber lässt sich das wirklich realisieren?

  5. Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf

    Daumenrunter_tSpätestens, wenn man die ersten Überstunden gemacht hat und Freunde sich mit den Worten beklagen „Immer musst du arbeiten. Wir sehen dich gar nicht mehr. Auf der letzten Party warst du auch nicht“, merkt man, dass es eine Herkulesaufgabe darstellt, Karriere zu machen und ein erfülltes Sozialleben zu haben.

    Wie Sie dem Frust entgegenwirken:

    Manchmal lassen sich Überstunden einfach nicht vermeiden. Versuchen Sie allerdings, sich Ihre Hobbys zu bewahren. Auch hier hängt viel von Ihrer Planung ab: Versuchen Sie Ihre Arbeit so zu planen, dass Sie es schaffen, nach Feierabend an einem Sportkurs teilzunehmen oder das Büro freitags auch einmal früher zu verlassen. Versuchen Sie auch der Lethargie, die sich nach einem langen Arbeitstag einstellt, aktiv entgegenzuwirken. Ich muss mich manchmal richtig aufraffen nach neun bis zehn Stunden Arbeit noch Freunde zu besuchen, aber ich habe eingesehen, dass das wichtig ist, damit mein Leben aus mehr besteht als Schlafen, Essen und Arbeiten.

Berufseinsteiger scheitern vor allem an Selbstüberschätzung

Überdurchschnittlich qualifizierte Absolventen und Berufseinsteiger haben aktuell zwar ausgezeichnete Karriereaussichten. Trotzdem scheitern einige der sogenannten High Potentials laut einer Kienbaum-Studie regelmäßig an denselben Fehlern:

  • Selbstüberschätzung (94 Prozent)
  • Mangelnden Fähigkeit zur Selbstkritik (89 Prozent)

Ankommen im Alltag: Nicht nur Leistungen zählen

Nicht wenige Absolventen gehen davon aus, dass sie mit dem Studium auch ihre Lehrzeit hinter sich haben und sofort als vollwertige Fachkräfte anerkannt werden. Das ist eine Illusion.

Berufseinsteiger müssen sich erst in den Berufsalltag und am Arbeitsplatz einarbeiten, bewähren und viel dazulernen. Die ersten Wochen und Monate bestehen daher in der Regel aus einem kontinuierlichen und manchmal zähen Lernprozess.

Den später notwendigen Respekt müssen sich die Neulinge in der Regel erst durch überzeugende Leistungen, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit erarbeiten. Machen Sie sich klar, dass Sie die erste Zeit unter Beobachtung stehen und sich beweisen müssen.

Zwar gibt es zahlreiche Angebote, die einem beim Einstieg ins Berufsleben helfen, aber auf die Kompromisse, die man dabei eingehen muss, bereitet einen niemand vor. Der Clou dabei ist, die Erwartungen soweit runterzuschrauben, dass sie mit der Realität vereinbar sind – jedoch nicht dazu führen, dass Sie Ihre Träume und Ziele aufgeben.

Wie schnell Berufseinsteiger Karriere machen können, hängt eben nicht nur von Ihrer Leistung ab, sondern auch von der Unternehmenspolitik, Sympathien und internen Strukturen. Es ist daher möglich, dass sich Berufseinsteiger bereits nach zwei oder drei Jahren wieder nach einem neuen Arbeitgeber mit besseren Perspektiven umschauen müssen (oder auch wollen).

Trotzdem: Kopf hoch! Irgendwann ist der Frust überstanden und man ist angekommen…

Wehret den Anfängern: Diese 11 Eigenschaften nerven an Neulingen

Berufseinsteiger können eine echte Verstärkung für ein Team oder eine Abteilung sein: Sie bringen neue Perspektiven, ungewöhnliche Herangehensweisen und letztendlich einen frischen Wind ins Unternehmen. Im besten Fall. Es gibt aber auch das entgegengesetzte Szenario: Der Einsteiger ist bald nur noch als “Der Neuling” oder “Grünspan” bekannt und jeder Kollege fragt sich, wie es der überhaupt durch die Bewerbungsphase schaffen konnte.

Der Grund dafür können klassische Anfängerfehler sein. Die 11 größten finden Sie in der folgenden Liste:

11 Eigenschaften, die Berufseinsteiger zu Nervensägen machen

  1. Nervenflattern. Ein neuer Job bringt jede Menge neuer Aufgaben mit sich – so weit, so normal. Wenn der Neue aber ständig den Überforderten mimt und jede Kleinigkeit als enorme Herausforderung sieht, wird die Zusammenarbeit zur Qual.
  2. Besserwisserei. Frische Absolventen sind häufig geneigt, ihr ach so aktuelles Wissen mit der ganzen Welt zu teilen und jeden Ablauf detailliert infrage zu stellen. Sympathisch ist das nicht – tiefgreifende Kritik ist den erfahrenen Kollegen vorbehalten.
  3. Unverbesserlichkeit. Thomas Edison soll einmal gesagt haben: “Das ist das Schöne an einem Fehler: Man muss ihn nicht zweimal machen.” Manche Anfänger verstehen das allerdings so, dass man den gleichen Fehler auch sechsmal machen kann…
  4. Aufdringlichkeit. Beim ersten Smalltalk lächelt man noch über die Wochenenderzählungen des Jungspunds. Wenn aber plötzlich jedes private Detail aufgetischt wird, weicht die Freundlichkeit purer Verzweiflung.
  5. Undank. Beim Anblick der Hilflosigkeit neuer Kollegen sind viele Menschen bereit, mit einem Gefallen auszuhelfen. Das macht Spaß – solange wenigstens ein “Dankeschön” dabei heraus springt. Wer jedoch Schweigen oder gar Kritik erntet, lässt die Gefallen bleiben.
  6. Passivität. Der Neuling bekommt eine Aufgabe, erfüllt sie, wartet. Er bekommt die nächste Aufgabe, erfüllt sie, wartet. Eigeninitiative? Fehlanzeige. So ein unselbstständiger Jobroboter macht mehr Arbeit, als er erledigt.
  7. Tratscherei. Berufsanfänger versuchen manchmal, sich in die sozialen Gefüge des Unternehmens reinzumogeln, indem sie bei jeder Gelegenheit mitlästern. Wer dabei auffliegt, kann sich auf die Rache der Alteingesessenen gefasst machen.
  8. Einzelkämpfertum. Statt bei wichtigen Punkten um Hilfe zu bitten, geht der Neue selbst schwierigste Aufgaben alleine an – und scheitert in der Regel kläglich. Bei aller Liebe zur Eigenständigkeit: Niemand schafft alles alleine.
  9. Sprunghaftigkeit. Heute hier, morgen da: Fröhlich dreht der Berufseinsteiger seine Runden im Büro und verteilt halbherzigen Smalltalk an alle Kollegen. Geheucheltes Interesse und charakterloses Networking braucht niemand.
  10. Miesepetrigkeit. Die vielen Überstunden, die lange Anfahrtszeit, die schwierigen Aufgaben – auch wenn das alles zutrifft, verbaut ewige Nörgelei am Anfang jede Sympathie. Klar spricht man über Probleme – als Einstiegsthemen sind sie jedoch wenig geeignet.
  11. Faulheit. Die Arbeit bleibt liegen, alles wird langsam und halbherzig erledigt – schneller können sich Berufseinsteiger nicht unbeliebt machen.
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