Die Studie dürfte so einige überraschen: Erfolg und Zufriedenheit im Job sind womöglich weniger abhängig von der Tätigkeit, sondern vielmehr von den Persönlichkeitseigenschaften der Berufstätigen. Die Psychologin Jennifer Lodi-Smith von der Univerität Illinois fand bei ihren Untersuchungen heraus, dass offenbar Gewissenhaftigkeit als eine der Big Five Eigenschaften einen enormen Effekt auf die berufliche Laufbahn hat. Je gewissenhafter die Arbeitnehmer waren, desto mehr brachten sie sich im Job ein und desto stärker waren auch die Bindungen zu Kollegen oder Kunden – beides wiederum Punkte, die nachweislich für Zufriedenheit im Job sorgen. Eine Langfriststudie wiederum zeigte schon vor einiger Zeit: Gewissenhafte, extrovertierte und emotional stabile Menschen kommen im Beruf schneller voran, sind zufriedener und landen in gehobenen Positionen. Womöglich, so die conclusio, kann man den Traumjob gar nicht vorab finden, wohl aber ihn in jedem Beruf entdecken, wenn man die richtigen Charakterzüge mitbringt.
Gewiss, wer gerade 15 Paletten mit Tiefkühlpizza gestapelt oder 20 Akten zur Wiedervorlage abgeheftet hat, wird sich mit dieser Erklärung schwertun. Dennoch kommt man nicht umhin festzustellen, dass die oben beschriebenen Typen in der Regel besser mit ihrem Job zurecht kommen, als emotional instabile, introvertierte und weniger sorgfältige Zeitgenossen.
Seit Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler und Buchautoren mit der Frage: Wie finde ich zu meinem Traumjob? Einem Beruf, den ich 20, 30 Jahre ausüben kann, ohne daran die Lust und Leidenschaft darin zu verlieren, der mich ausfüllt und mir finanzielle Freiheit sowie Wohlstand sichert? Schon an dieser Aufzählung dürfte klar sein, dass es sich bei einem solchen Beruf mehrheitlich um ein Phantom handelt, dem man hinterherjagt, statt um eine real existierende Stellenbeschreibung. Jeder Beruf hat seine Höhen und Tiefen, und selbst die aufregendste Tätigkeit büßt im Laufe der Zeit ihren Reiz ein, wenn die Herausforderungen schwinden und handwerklicher Routine weichen.
Zwar gibt es auch im Internet immer wieder Tests, die einem die Berufswahl erleichtern sollen, wie etwa den kostenpflichtigen (11,20 €) Fragebogen Explorix, der vom US-Psychologen John Holland entwickelt wurde und im Wesentlichen aus vier Testabschnitten besteht: Welche Tätigkeiten interessieren Sie? Wie schätzen Sie Ihre Fähigkeiten selber ein? Für welche Berufe interessieren Sie sich? Welche Talente glauben Sie zu besitzen? Doch so sinnvoll diese selbstreflektierenden Fragen auch sind: Die meisten Berufsprofile verändern sich mit den Jahren, sodass selbst ursprüngliche Passungen später nicht mehr harmonieren müssen. Denken Sie nur an den Fahrzeugingenieur! Bis vor wenigen Jahren war der in erster Linie ein Schrauber, der Verbrennungsmotoren und Getriebe entwarf. In Zukunft ist er womöglich vor allem ein Elektroingenieur, der austüftelt, wie aus Strom PS werden und Batterien länger halten.
Tatsächlich ist es eher so, dass sich viele Menschen im Verlauf ihrer Berufsbiografie den Jobanforderungen anpassen (die erfolgreichen jedenfalls), sich dabei zunehmend mit Job und Unternehmen identifizieren und so mehr Freude daran bekommen. Der Psychologe François Stoll hat etwa auf Basis des Explorix-Tests die Daten von 40.000 jungen Berufseinsteigern analysiert und dabei überraschend festgestellt, dass deren Berufswahl zunächst gar nicht so exakt zu deren Vorlieben und Talenten passte. Dennoch stellen sie sich mit der Zeit auf die jeweiligen Aufgaben ein und wurden besser und besser – vorausgesetzt freilich, sie blieben offen und neugierig, gingen auf Kollegen zu, lernten von ihnen und übernahmen gerne Verantwortung (für ihr Handeln).
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Natürlich ist es wichtig, gründlich nach dem optimalen Beruf zu fahnden, Bedingungen zu recherchieren, Märkte zu sondieren und sich bei der Berufswahl zusätzlich an seinen Neigungen und Stärken zu orientieren. Aber all das ist eben auch kein Garant für Erfolg und Glück im Beruf. Die Frage “Was willst du mal werden?” ist daher so vielleicht falsch gestellt. Was aus uns und dem Job wird, kann sich viele Male ändern. Bei nicht wenigen kommt es im Lebenslauf gar zum Bruch, und sie machen irgendwann etwas völlig anderes. Um Sie jetzt dennoch nicht zu verunsichern, habe ich noch ein paar wichige Fragen für den Weg zum Traumjob zusammengestellt. Vielleicht haben Sie selbst noch ein paar weitere Fragen, die Ihnen weitergeholfen haben. Dann können (und sollten) Sie diese hier gerne noch ergänzen.
Fragen zur Berufswahl
- Was sind meine Begabungen, Fähigkeiten, Interessen?
- Welche Berufe und Ausbildungsgänge berücksichtigen diese?
- Aus welchem Grund will ich diesen Beruf ausüben (Geld, Prestige, Inhalt)?
- Wer sind die potenziellen Arbeitgeber?
- Kann ich mir vorstellen in diesem sozialen Umfeld 20 oder 30 Jahre zu arbeiten?
- Habe ich in diesem Beruf den Kontakt zu Menschen, den ich anstrebe? Auch in dem Ausmaß?
- Lässt sich der Beruf mit meinen Familienwünschen verbinden?
- Was werde ich einmal verdienen?
- Wie sehen die Karrierechancen aus?
- Kann ich mich damit künftig auch selbstständig machen?
- Welche Qualifizierung ist dafür erforderlich?
- An welchen Hochschulen kann ich das studieren?
- Welche Ausbildungs-Alternativen gibt es?



Elisabeth
Seinen Charakter zu ändern und plötzlich gewissenhaft, extrovertiert und emotional stabil zu werden, wenn man es vorher nicht war, scheint mir noch schwieriger zu sein, als den perfekten Traumberuf zu finden.
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