Es ist noch gar nicht so lange her, dass Berufsanfänger sogar über unbezahlte Praktika froh waren, um überhaupt den Berufseinstieg zu schaffen. Und wer eine sichere Stelle hatte, setzte alles daran, diese nicht zu verlieren. Die Berufswahl – eine Art Lotterie. Doch diese Zeiten sind zunehmend vorbei. Der viel beschworene Fachkräftemangel bringt Arbeitnehmern neue Freiheitsgrade – doch damit auch die Qual der Wahl.
Bei der Wahl des richtigen Arbeitgebers müssen einige Dinge bedacht werden. Etwa, welche Karriereperspektiven das Unternehmen bietet, wie groß die Reputation ist und – natürlich – wie’s mit der Vergütung aussieht. Und das ist längst nicht alles: Berufseinsteiger von heute erwarten ja beispielsweise auch, dass das das Unternehmen Ihrer Wahl ethisch korrekt agiert und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglicht.
Erschwerend kommt hinzu, dass Arbeitgeber bei der Jagd nach den knappen Talenten mittlerweile fast alles versprechen – Hauptsache, ihnen geht kein Top-Berufseinsteiger durch die Lappen. Bevor Sie sich also bewerben, sollten Sie das Unternehmen genau unter die Lupe nehmen und hinter die glänzende Fassade des Employer Branding schauen, um keine Enttäuschung zu erleben.
Vor der Berufswahl steht die Selbstreflexion
Bevor Sie allerdings prüfen können, ob ein Unternehmen zu Ihnen passt, müssen Sie Ihre Ansprüche an Ihren künftigen Arbeitgeber klären und etwa herausfinden,
- welche Erwartungen Sie an die Tätigkeitsinhalte haben,
- wie Sie sich das Arbeitsklima wünschen,
- ob Sie eine Fach- oder Führungskarriere machen wollen,
- wie wichtig Ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit ist und
- wie die Entlohnung aussehen soll.
Je präziser Sie Ihre Erwartungen klären, desto einfacher finden Sie den passenden Arbeitgeber. Das ist zwar mit einigem Aufwand verbunden, aber schließlich geht es auch um nichts Geringeres als eine Entscheidung, die Sie zumindest für die nächsten ein, zwei Jahre bindet – allein das schon rechtfertigt den Aufwand.
Wenn Sie Ihren Traumjob beschrieben haben, können Sie sich auf die Suche nach dem Unternehmen machen, dessen tatsächliches Angebot Ihren Wünschen am nächsten kommt. Und das ist durchaus wörtlich gemeint: In Zeiten knapper werdender Fachkräfte sind zahlreiche Unternehmen bereit, viel versprechenden Kandidaten weit entgegen zu kommen, um ja kein Nachwuchstalent zu verlieren.
So tickt der Arbeitgeber
Selbstverständlich wird beim Kampf um die High Potentials auch viel heiße Luft geblasen und manche vollmundigen Versprechen des Employer Branding halten einer genaueren Überprüfung nicht stand. Wenn Sie wissen wollen, wie es hinter der Fassade der Selbstdarstellung in den Unternehmen wirklich zugeht, können Sie diese fünf Möglichkeiten nutzen:
- Selbstpräsentation: Welches Bild zeichnet das Unternehmen von sich in Prospekten und Internetauftritten? Wenn Sie aufmerksam zwischen den Zeilen lesen, erkennen Sie schnell, ob Schein und Sein zusammen passen. Wenn beispielsweise Mitarbeiterbeteiligung ernst gemeint ist, kommen die auch bei der Außendarstellung zu Wort – ohne von oben zensiert zu werden.
- Personaler: Der Personalverantwortliche ist der direkte Ansprechpartner für Ihre Fragen zum Unternehmen. Lassen Sie sich von ihm nicht mit Phrasen abspeisen, sondern hinterfragen Sie seine Aussagen kritisch. Am Besten lassen Sie sich von ihm Beispiele geben, was er beispielsweise unter „Entwicklungsmöglichkeiten“ versteht, um zu sehen, ob Ihre Ansichten zusammen passen.
- Freunde und Bekannte: Hören Sie sich in Ihrem persönlichen Netzwerk um, ob jemand einen Menschen kennt, der bei Ihrem potenziellen Arbeitgeber tätig ist. Falls ja, bitten Sie ihn, den Kontakt zu dieser Person herzustellen, damit Sie sie direkt befragen können. Falls er dazu nicht bereit ist, können Sie Ihren Ansprechpartner auch bitten, seine Kontaktperson für Sie zu befragen.
- Soziale Netzwerke: Plattformen wie Xing, LinkedIn oder Google+ sind ideale Orte für den direkten Kontakt zu Mitarbeitern des Unternehmens, um diese persönlich zu interviewen. Beachten Sie aber bitte, dass diese Treuepflichten gegenüber ihrem Arbeitgeber haben und deswegen nicht jedem Fremden detaillierte Auskünfte geben dürfen. Deswegen müssen Sie auch hier zwischen den Zeilen lesen.
- Unternehmensbewertungen: Im Internet gibt es einige Plattformen, auf denen aktuelle und ehemalige Mitarbeiter ihrem Unternehmen Noten geben können. Wo die Notenvergabe begründet werden muss, können Sie ablesen, ob das Urteil auch aus Ihrer Sicht Gültigkeit hat.
Gewiss, auch diese Recherche ist ziemlich aufwendig, wenn Sie sie ernsthaft betreiben. Doch je mehr Zeit und Energie Sie in diese Aufgabe investieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie beim richtigen Arbeitgeber landen.
Abwägen und Prioritäten setzen
Vermutlich werden Sie bei Ihrer Suche kein Unternehmen finden, das Ihre Erwartungen hundertprozentig erfüllt. Viel wahrscheinlicher stoßen Sie auf mehrere Arbeitgeber, die Ihren Wunschvorstellungen in unterschiedlicher Weise relativ nahe kommen. Dann müssen Sie zwischen den verschiedenen Faktoren abwägen, um das letztlich passende Unternehmen zu finden.
Dafür gewichten Sie die Auswahlkriterien nach Ihrer Bedeutung für Sie: Wenn Sie etwa für die schnelle Übernahme von Verantwortung weniger Gehalt in Kauf nehmen oder für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die große Karriere verzichten, rückt jenes Unternehmen nach vorn, das beim entsprechenden Punkt die Nase vorn hat. Die Firma, die unterm Strich die meisten Punkte auf sich vereint, ist Ihr Wunscharbeitgeber. Weil diese Gewichtung nicht einfach ist, sollten Sie sich auch dafür Zeit lassen.
Falls Sie sich nicht sicher sind, für welches Unternehmen Sie sich entscheiden sollen, ziehen Sie am Besten einen Freund zu Rate, der Sie gut kennt und Ihnen deswegen die richtigen Tipps geben kann. Oder Sie ziehen einen Coach oder Karriereberater zu Rate, der Sie mit seiner Expertise bei der Entscheidung unterstützt.
Die Checkliste zur Arbeitgeberwahl als Gratis-Download
Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, haben wir eine Checkliste (PDF) erstellt, mit der Sie bestimmen können, auf was Sie bei Ihrem Wunscharbeitgeber Wert legen. Anschließend können Sie in die Tabelle eintragen, in welchem Maß ein potenzieller Arbeitgeber Ihren Erwartungen entspricht – so schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe!

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