Berufswechsel nach Ausbildung: Tipps zum Neuanfang
Schuster, bleib bei deinen Leisten? Dass diese Regel in der Berufswelt nur noch bedingt greift, zeigt sich an der Anzahl der Berufswechsel nach einer Ausbildung. Diese bietet zwar gute Möglichkeiten, um beispielsweise nach der Schule ins Berufsleben einzusteigen, doch die Zahl derer, die anschließend tatsächlich im erlernten Beruf arbeiten, ist erstaunlich gering. Doch was veranlasst so viele Azubis, nach erfolgreichem Abschluss in einem anderen Bereich von vorne anzufangen? Wie hoch die Anzahl der Berufswechsel nach der Ausbildung ist, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und Tipps, wie der Neuanfang nach einer abgeschlossenen Ausbildung gelingt...

Berufswechsel nach Ausbildung: Rund die Hälfte bleibt

Goodluz/shutterstock.comEine Berufsausbildung soll junge Erwachsene auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereiten. Häufig führt der Weg nach abgeschlossener Ausbildung allerdings weg vom ursprünglich erlernten Beruf. Dies widerspricht der Annahme, dass die Richtung für den langfristigen Karriereplan durch die Wahl der Ausbildung vorgegeben wird. Ein großer Teil der Azubis sieht dies nämlich anders und entscheidet sich dafür, das berufliche Glück in einem anderen Bereich zu suchen.

  • Ganze 48 Prozent der Azubis wechseln nach einer abgeschlossenen Ausbildung den Beruf.
  • In einem zu ihrer Ausbildung verwandten Bereich arbeiten immerhin 31,7 Prozent.
  • Komplett neu orientieren sich 16,2 Prozent der Azubis nach ihrer Ausbildung.

Es stellt sich darüber hinaus noch die Frage, wie sich ein Berufswechsel nach der Ausbildung auf die weitere Karriere auswirkt.

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Grund für den Berufswechsel ist entscheidend

Die gute Nachricht: Ein Berufswechsel, auch relativ kurz nach dem Abschluss der Ausbildung, ist nicht automatisch mit einem Knick in der Karriere verbunden. Vielmehr ist es entscheidend, aus welchen Gründen ein solcher angestrebt wird. Soll heißen: Wer freiwillig wechselt, beispielsweise weil er festgestellt hat, dass seine Interesse in einem anderen Bereich liegen, hat kaum negative Konsequenzen zu befürchten.

Etwas anders sieht es aus, wenn der Wechsel unfreiwillig geschieht, etwa weil keine passende Stelle gefunden wurde. Dieser Fall ist durchaus mit stärkeren Einkommenseinbußen verbunden.

Diese Auszubildenden wechseln am häufigsten

Zwar gibt es die verschiedensten Azubis, die sich nach der Ausbildung für einen Berufswechsel entscheiden. In der Häufigkeit gibt es hierbei aber zum Teil große Unterschiede. So kristallisieren sich insbesondere drei Gruppen heraus, die im Vergleich häufiger einen Wechsel anstreben.

  • Auszubildende mit Hauptschulabschluss. Je höher der Schulabschluss, desto geringer die Wechselquote der Azubis. Fast 24 Prozent der Azubis mit Hauptschulabschluss, also fast jeder Vierte, vollzieht nach abgeschlossener Ausbildung einen vollständigen Berufswechsel. Bei höheren schulischen Abschlüssen sinkt diese Quote auf circa 13 Prozent.
  • Auszubildende im Handwerk. Auch innerhalb der Branchen gibt es einige Unterschiede in der Wechselbereitschaft der Azubis. In handwerklichen Berufen wechseln mehr als 21 Prozent den Beruf nach der Ausbildung vollständig. Etwas besser sieht es in Industrie und Handel aus. Hier wechseln jeweils nur 11,3 beziehungsweise 15,6 Prozent in völlig neue Berufsfelder.
  • Auszubildende in Kleinbetrieben. Azubis in kleinen Betrieben neigen eher dazu, nach dem Ende ihrer Ausbildung das Berufsfeld zu wechseln. Mit 19,5 Prozent ist der Anteil in diesen Betrieben am größten. In größeren Ausbildungsbetrieben ist die Wechselhäufigkeit kleiner. In mittleren Betrieben liegt sie bei 11,7, in Großbetrieben bei 12,2 Prozent.

Tipps zum Neuanfang nach der Ausbildung

racorn/shutterstock.comSie haben sich entschieden, nach Ihrer Ausbildung einen Neuanfang anzustreben und in einem verwandten oder vielleicht sogar völlig neuen Berufsfeld einzusteigen? Wie die obigen Zahlen zeigen, sind Sie mit dieser Entscheidung nicht allein. Damit der Neuanfang reibungslos verläuft, kommt es auf die richtige Umsetzung an. Sie wollen sich und Ihre Fähigkeiten schließlich ins richtige Licht rücken und damit die angestrebte Position auch bekommen. Mit diesen Tipps gestalten Sie Ihren Neuanfang so, dass Sie Personaler von sich überzeugen.

  1. Haben Sie eine plausible Begründung

    Ein Personaler, der Ihren Lebenslauf in den Händen hält und feststellt, dass Sie eine Ausbildung in einem anderen Bereich gemacht haben, wird sich zunächst einmal fragen: Warum will er nun wechseln? Genau auf diese Frage sollten Sie deshalb eine gute Antwort parat haben. Warum wollen Sie überhaupt wechseln? Warum ausgerechnet in diesen Beruf? Je genauer Sie diese Fragen beantworten können, desto größer sind Ihre Chancen für einen gelungenen Neuanfang.

  2. Konzentrieren Sie sich auf das Positive

    In Ihrer Bewerbung sollte unbedingt im Vordergrund stehen, welche Fähigkeiten und Stärken Sie durch Ihre Ausbildung erworben haben. Mindestens genauso wichtig ist aber zu erklären, wie Sie diese nutzen können, um auch im neuen Bereich zu glänzen. Dies gelingt am besten mit konkreten Beispielen Ihrer bisherigen Leistungen. Konnten Sie sich beispielsweise einen professionellen Umgang mit Kunden aneignen, dann erläutern Sie, welchen Mehrwert dies für einen neuen Arbeitgeber mitbringt.

  3. Behalten Sie Ihr Selbstbewusstsein

    Ein Neuanfang kann sich immer auch wie eine kleine Niederlage anfühlen. Immerhin haben Sie sich dazu entschlossen, Ihren ersten Plan zu verwerfen und es mit etwas anderem zu versuchen. Das ist aber kein Grund, Ihr Selbstbewusstsein zu verlieren. Sie stehen noch am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn. Außerdem verlaufen Lebensläufe nur in Ausnahmen auf geraden Linien.

Wie viel Wissen aus der Ausbildung wird genutzt?

Um zu beurteilen, wie viel von dem, was in der Ausbildung gelernt wurde, im späteren Beruf auch wirklich angewendet wird, muss zunächst die Unterteilung beachtet werden, ob es sich um einen Berufswechsel in eine verwandte Tätigkeit oder einen völlig neuen Bereich handelt. Dieses Kriterium hat natürlich große Auswirkungen darauf, wie viel des Gelernten weiter verwendet wird.

  • Wechsel in einen verwandten Beruf: 56 Prozent der Azubis gaben an, in einem verwandten Beruf viel bis sehr viel der Inhalte aus ihrer Ausbildung anwenden zu können. Immerhin 32 Prozent beantworteten diese Frage mit "Einiges".
  • Wechsel in einen komplett anderen Beruf: Ein Berufswechsel in einen anderen Bereich bringt natürlich auch andere Aufgaben und Herausforderungen mit. So geben bei einem vollständigen Wechsel 65 Prozent der Befragten an, wenig bis gar nicht auf die Ausbildungsinhalte zurückzugreifen.
[Bildnachweis: Goodluz, racorn by Shutterstock.com]