Besserwisserei: Umgehen mit Dr. Oberschlau
Es gibt ihn in jedem Unternehmen, niemand arbeitet besonders gerne mit ihnen zusammen und sie können jeden Kollegen bis an den Rand der Verzweiflung treiben: Besserwisser. Zu jedem Thema müssen sie ihren Senf dazu geben, haben zu allen eine andere Meinung und egal, wer einen Vorschlag macht, der Besserwisser hat sicherlich eine - in seinen Augen - bessere Idee parat. Wie schnell dieses Verhalten die Nerven der Kollegen überstrapaziert, können Sie sich sicherlich vorstellen. Doch was können Sie tun, um sich gegen die ständige Besserwisserei zu wehren? Welche Kollegen besonders zur Besserwisserei neigen und wie Sie mit einem Dr. Oberschlau in Ihrer Abteilung umgehen...

Besserwisser Psychologie: Was sind die Auslöser?

Besserwisser scheinen die Situation zu genießen. Es gefällt ihnen, andere zu verbessern und ihr eigenes Wissen zur Schau zu stellen. Problematisch wird es für die Kollegen durch die Überheblichkeit, die viele Besserwisser im Umgang mit anderen Menschen zeigen.

Denn sowohl unterschiedliches Wissen, als auch verschiedene Informationsstände gehören zum Berufsalltag dazu und werden regelmäßig genutzt, um von anderen etwas zu lernen. Die Frage ist allerdings, wie das Wissen vermittelt wird.

Einem Kollegen zu helfen, ihm unter die Arme zu greifen und etwas zu erklären, ist in jedem Fall positiv. Auch darf man nicht vergessen, dass Besserwisser in den meisten Fällen intelligent sind und ein großes Wissen in ihrem Fachgebiet mitbringen. Besserwisserei beginnt erst in dem Moment, in dem dieser Wissensvorsprung falsch eingesetzt wird.

Typischerweise werden hierbei zwei Auslöser unterschieden:

  • Selbstwertgefühl.

    Der wahrscheinlich häufigste Auslöser für Besserwisserei ist ein geringes Selbstwertgefühl. Das Gefühl, andere verbessern zu können und Fehler bei anderen zu entdecken, hilft den Besserwissern dabei, ein besseres Bild von sich selbst zu erhalten.

    Die eigene Unsicherheit wird dadurch überspielt, dass andere schlechter gestellt werden. Kurz gesagt: Der Besserwisser versucht sich selbst über andere zu stellen, um sich dadurch besser zu fühlen.

  • Narzissmus.

    Auf der Suche nach Anerkennung nutzen Narzissten ihr Wissen, um sich vor ihrem Umfeld aufzuspielen. Durch die Angeberei wird dem ohnehin großen Ego noch weiter geschmeichelt.

    Diese Selbstdarstellung auf Gier nach Aufmerksamkeit kann für alle andere Anwesenden sehr anstrengend sein und viele Nerven kosten. Besonders wenn der Narzisst auch noch anfängt und Bestätigung für sein besserwisserisches Verhalten sucht, gerne im Stile von Du musst doch auch einsehen, dass ich recht hatte, oder?

Tatsächlich kann Besserwisserei fast schon süchtig machen. Der Besserwisser wird von seinem Gehirn durch einen positiven Hormoncocktail belohnt, wenn er sich erfolgreich mit seinem Wissen zur Schau gestellt hat. Dieses hormonelle Gut-gemacht-Signal soll natürlich reproduziert werden - und schnell wird die Besserwisserei zur Gewohnheit.

Drei Strategien von Besserwissern

Besserwisser erwischen ihre Gesprächspartner oft in einem Moment der Unsicherheit. Sobald ein Besserwisser spürt, dass sein Gegenüber sich nicht zu 100 Prozent sicher ist, wird er die Gelegenheit nutzen. Diese drei Strategien werden von Besserwissern gerne genutzt, um das eigene Wissen in der Vordergrund zu drängen.

  • Überrumpeln. Besserwisser schlagen genau dann zu, wenn keiner mit ihnen rechnet. Durch diese Überrumplungstaktik haben Sie von Anfang an einen Vorteil, da ihr Gegenüber nicht auf einen Einwand vorbereitet war.
  • Gesprächsführung. Ein Gespräch zu lenken, ist eine hohe Kunst. Oft gelingt es Besserwissern, eine Diskussion in ihre Richtung zu lenken. So können sie ihr Wissen nutzen und den Gesprächspartner vorführen.
  • Beweislast. Im Brustton der Überzeugung werden Argumente vorgebracht, die auf die Schnelle nicht zu widerlegen sind. Besserwisser sind wahre Meister darin, die Beweislast auf andere abzuwälzen. Fehlen passende Fakten, um Einspruch vorzubringen, wird dies vom Besserwisser einfach als Bestätigung des eigenen Wissens anerkannt.

So gehen Sie mit Besserwissern um

Ollyy/shutterstock.comDer Umgang mit einem Besserwisser erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl, Geduld und auch innere Ruhe, um nicht an die Decke zu gehen, wenn der Gegenüber mal wieder loslegt und jeden Satz verbessert. Zwar ist es verständlich, dass Sie ihm am liebsten einmal die Meinung geigen würden, doch gerade im beruflichen Umfeld sollten Sie sich das verkneifen. Sie wollen sich ja von ihrer besten Seite zeigen und nicht als Wüterich abgestempelt werden, der seine Emotionen nicht im Griff hat. Sie müssen die Rechthaberei aber auch nicht einfach über sich ergehen lassen. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen, einen Besserwisser zu bremsen und dem Dr. Oberschlau den Wind aus den Segeln zu nehmen.

  1. Ignorieren Sie den Angriff

    Es ist zugegeben nicht ganz einfach, denn Besserwisserei bringt jeden schnell auf die Palme. Doch es ist durchaus ein effektives Mittel, um einem Besserwisser keine Angriffsfläche zu bieten. Gelingt es dem Besserwisser nicht, sich durch seine Art aufzuspielen, verliert er schnell den Ansporn. Bleiben Sie ruhig, ignorieren Sie den Einwand und liefern Sie keinen Anlass zu einer weiteren Diskussion.

    Denken Sie immer an die Auslöser und Ursachen der Besserwisserei: Wenn Sie von Anfang an nicht zulassen, dass der andere sich durch sein Wissen in den Mittelpunkt drängt oder sich über Sie stellt, verfehlt sein gesamtes Vorhaben sein Ziel.


  2. Sprechen Sie das Verhalten an

    Wer etwas offensiver vorgehen möchte, kann auch die Konfrontation suchen und das Verhalten offen ansprechen. Im Sinne von: Wissen Sie eigentlich, wie Sie sich gerade mit gegenüber verhalten haben? können Sie den Besserwisser zur Rede stellen. Dieser wird vermutlich versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen und zu beteuern, dass er dennoch recht hat.

    Lassen Sie sich nicht auf diese Diskussionen ein, sondern bleiben Sie beim Thema seines Verhaltens. Bitten Sie ihn auch höflich darum, in Zukunft von dieser Art von "Hilfe" abzusehen und erklären Sie, dass Sie zwar gerne an einem gemeinsamen Austausch interessiert sind, nicht jedoch auf diese Art und Weise.


  3. Beschreiben Sie Ihre Seite

    Besserwisser sind sehr auf die eigene Person bezogen. Machen Sie deutlich, wie Sie sich dabei fühlen, wenn jeder Ihrer Sätze kritisiert und verbessert wird. Beschreiben Sie zum Beispiel, wie viel Mühe Sie sich bei der Präsentation gegeben haben und wie unfair Sie sich durch die destruktive Kritik behandelt gefühlt haben.

    Durch den Einblick in Ihre Sicht der Dinge besteht die Chance, dass der Besserwisser beim nächsten Mal bereits vorher objektiv darüber nachdenkt, wie seine Aussagen aufgenommen werden.


  4. Hinterfragen Sie das Gesagte

    Der typische Besserwisser kennt sich zwar gut in seinem Themengebiet aus, doch auch sein Wissen kommt einmal an Grenzen. Hinterfragen Sie daher die Aussagen des Besserwissers und gehen Sie ruhig immer tiefer ins Detail. Woher haben Sie diese Informationen? oder Können Sie dazu ein Beispiel nennen? Die meisten selbsternannten Experten geraten dabei ins Stolpern und wissen selbst nicht mehr weiter.

    Gleichzeitig sind diese Fragen aber von Ihrer Seite aus vollkommen berechtigt, zeigen sogar Ihr (vielleicht sogar ehrliches) Interesse an einem Thema und überprüfen zudem, ob der Besserwisser tatsächlich im Recht ist.


  5. Bereiten Sie Gegenargumente vor

    Wenn Sie bereits vorher wissen, dass Sie es mit einem notorischen Besserwisser zu tun haben, ist Ihre beste Waffe eine gute Vorbereitung. Je detaillierter Sie sich auskennen und je mehr Fakten Sie kennen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in einer Diskussion die Oberhand behalten werden.

    Besserwisser gehen davon aus, dass Ihr Wissen unantastbar ist und erwarten zunächst einmal überhaupt keinen Widerspruch. Gelingt es Ihnen diese Fassade zum Einsturz zu bringen, wird der Besserwisser sich in Zukunft mit Kommentaren zurückhalten, da er dadurch nicht schlauer oder besser wirkt, sondern befürchten muss, Ihnen nicht gewachsen zu sein.


  6. Nehmen Sie es mit Humor

    Vielen Dank für Ihre Meinung. Wie immer wissen wir Ihren Beitrag zu schätzen. Eine solche Antwort ist sicherlich nicht die feine englische Art, doch der Humor hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen behalten Sie Ihre gute Laune, zum anderen fühlt der Besserwisser sich nicht ernst genommen und wird nun vielleicht sein rechthaberisches Verhalten überdenken.

    Allerdings sollten Sie sich auch darüber im Klaren sein, dass diese Antwort nicht unbedingt zu einem besseren Verhältnis beiträgt und die Fronten sich im Anschluss möglicherweise verhärten. Dennoch kann es ein guter Weg sein, um besonders wiederholende Besserwisser mit ihrer eigenen Art zu konfrontieren.


  7. Zeigen Sie die Folgen des Verhaltens auf

    Durch die Besserwisserei steigt zwar das eigene Selbstwertgefühl, viele verlieren dabei jedoch aus den Augen, welche Folgen ihr Verhalten auf das gesamte Umfeld hat. Verdeutlichen Sie, dass die Kollegen nur sehr ungern mit dem Besserwisser zusammenarbeiten und dass sein Verhalten zu einer allgemein schlechten Stimmung im gesamten Team führt.

    Eine Möglichkeit ist auch, den Spieß ein wenig umzudrehen und zu fragen Wie würden Sie sich fühlen, wenn jemand Sie ständig korrigieren und verbessern würde? Damit zwingen Sie den Besserwisser zur Selbstreflexion und bewirken mit etwas Glück vielleicht wirklich eine Verhaltensänderung.

Sprüche und Zitate zur Besserwisserei

  • Eine zum Widerstand reizende Lehre nützt nie. Ich kenne nichts Ungeschickteres als das Wort: "Ich habe es dir ja gesagt." (Jean-Jacques Rousseau)
  • Personen, die nicht da waren, wissen immer alles am besten. (Theodor Fontane)
  • Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser. (Sokrates)
  • Wer keinen eignen Willen hat, will wenigstens alles besser wissen. (Friedrich Nietzsche)
  • Wer alles besser weiß, kann nicht eines Besseren belehrt werden. (Walter Ludin)

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