Bester im Team: Machen Sie den Fluch zum Segen
Leistungsträger haben die Gabe zur Miniaturisierung: Wo immer es einen Besten im Team gibt, deklassiert er zugleich die Leistung der anderen. Das muss noch nicht einmal aktiv geschehen: Die bloße Anwesenheit von Klasse (noch dazu in aller Bescheidenheit) kann Masse und Mittelmaß ziemlich mies aussehen lassen. Es ist der Fluch des Erfolgs: Wer sich durch überdurchschnittliche Arbeit auszeichnet, hebt sich von den Kollegen nicht nur positiv ab - die können darauf auch reichlich negativ reagieren. Schließlich könnte der Chef den Besten zum Mitarbeiter des Monats erklären, oder schlimmer: zum Vorbild...

Bester im Team: Und plötzlich Chefs Liebling

Ein Favorit zu sein, war noch nie besonders vorteilhaft. Selbst wenn Sie es allein mit Leistung dorthin gebracht haben. Im Sport wird der aussichtsreichste Wettkämpfer besonders stark attackiert, hinter der Favoritin verbarg sich einst die wenig freundvolle Umschreibung für eine Mätresse. Außerdem bringt der Ruf einen großen Druck mit, den Erwartungen gerecht zu werden. Und auch im Job ist der Status "Chefs Liebling" so gar nicht förderlich – auch wenn es zunächst danach aussieht.

In dem einen Augenblick sind Sie noch der Retter des Projekts, im nächsten Moment neiden Ihnen die Kollegen die Aufmerksamkeit und lassen Sie das auch spüren. Solange einer als Leistungsträger und Favorit gilt, so lange wird er nur schwer die Sympathien der Kollegen gewinnen. Erst recht, wenn alle merken, dass sie beim besten Willen nicht mithalten können.

Am schlimmsten jedoch wirkt, den eigenen Chef in den Schatten zu stellen.

Tödlich! Wenn es um Macht, Egos und Eitelkeiten geht, gibt es kaum einen schlimmeren Fehler, als Obrigkeiten in den Schatten zu stellen. Wer zu Rang und Namen gekommen ist, will sich sicher und überlegen fühlen, die eigene Macht genießen. Die Wahrheit ist aber auch: Kein Mensch kann das. Jedes noch so große Ego leidet gelegentlich unter Unsicherheiten. Auch Chefs. Wenn Sie also Ihre Talente heller strahlen lassen als seine, wecken Sie zwangsläufig dessen Neid und Misstrauen. Und das endete noch nie gut.

Denken Sie nur an die Geschichte von Astorre Manfredi. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts galt der Prinz der italienischen Stadt Faenza als einer der charmantesten und wachsten Geister seiner Zeit. Als Cesare Borgia im Jahre 1500 Faenza belagerte, ergab sich Manfredi sofort. Borgia verschonte alle, auch Manfredi mitsamt seines Hofs. Allerdings währte der Friede nur kurz. Es vergingen nur wenige Wochen, da verschleppten Soldaten Manfredi urplötzlich in ein römisches Gefängnis. Man hörte nie wieder von ihm. Ein Jahr später wurde seine Leiche im Tiber gefunden – mit einem Stein um den Hals.

Was war passiert? Was war Manfredis Verbrechen? Nichts! Seine bloße Präsenz, sein Charme und Witz ließen den Glanz des Eroberers Borgia verblassen. Also entledigte er sich eines missliebigen Schattenwerfers.

Ähnliche Manöver (nur freilich mit milderem Ausgang) lassen sich immer wieder in Meetings ausmachen. Beobachten Sie doch mal was passiert, wenn jemand in der nächsten Konferenz die gerade gereifte Spitzenidee des Chefs durch eine eigene optimiert... Bitte nur beobachten, nicht selber ausprobieren!

Verstehen das bitte nicht falsch: Dies ist kein Appell zum Duckmäusertum. Es geht vielmehr um den strategischen und wohldosierten Einsatz Ihrer Talente, Ihrer brillantesten Ideen und Erfolge. Gelegentlich müssen Sie sogar herausragend sein, keine Frage. Aber bitte nicht ständig vor den Kollegen und schon gar nicht auf Kosten des Vorgesetzten. Um dem Fluch des Besten im Team zu entgehen, kommt man nicht umhin, sein Licht gelegentlich zu dimmen und unter den Scheffel zu stellen.

Bester im Team? So wird der Fluch zum Segen

Pressmaster/shutterstock.comEs ist paradox: Jeder will der Beste sein und mit seinen Leistungen positiv auffallen. Gleichzeitig ist jeder gut beraten, dieses Attribut "Bester im Team" zu einem temporären Zustand zu erklären - selbst wenn der besonders lange anhält. Die Gefahr ist schlicht zu groß, dafür dauerhaft stigmatisiert zu werden. Natürlich hängt das immer von der Einstellung der Kollegen ab, doch ist Neid ein starkes Gefühl, von dem sich nur wenige freisprechen können. Und wer gar den nahenden Vorzug durch den Chef spürt, muss handeln und mit seinen Kollegen reden:

  • Diskret bleiben.

    Das bedeutet nicht, Geheimnisse oder Herrschaftswissen, das einem der Boss anvertraut hat, auszuplaudern oder diesen gar anzuschwärzen, um sich wieder beliebt zu machen. Das ist doppelt tödlich: Bekommt der Vorgesetzte das mit, gilt man zurecht als Hochverräter und ist den Job bald los.

    Die Kollegen wiederum werten diese hilflose Anbiederei als Schleimerei nach unten und nehmen einen danach erst recht nicht mehr ernst. Der einzig richtige Weg ist, allen Beteiligten klarzumachen, dass man trotz der aktuellen Beliebtheit seine innere Unabhängigkeit behält und einfach nur versucht, einen guten Job zu machen.

  • Bescheiden bleiben.

    Bisher haben Sie sich locker mit den Kollegen in der Kaffeeküche getroffen, auf dem Flur mit der Assistentin gequatscht? Machen Sie damit weiter. An diesen Stellen beginnt das, was Kollegen beobachten, wenn sie sagen: "Der hebt ab." Bleiben Sie freundlich, bescheiden und prahlen Sie nicht mit Ihren Erfolgen.

    Mehr noch: Grenzen Sie Ihre Talente verbal ein. Wenn Ihre Kollegen das Gefühl haben, dass Sie nur in bestimmten Bereichen der Beste sind, werden sie die Kompetenzen eher schätzen und neidlos anerkennen. Der beste Trick: Bitten Sie in anderen Bereichen die Kollegen um (Experten-)Rat. Das schmeichelt jedem.

  • Professionell bleiben.

    Der dritte Schritt ist, mit dem Chef unter vier Augen die Situation offen anzusprechen. Das erfordert Mut, zeugt aber von Teamgeist, wenn Sie ihm aufzeigen, welche gruppendynamischen Folgen seine offenen Sympathiebekundungen und Vertrautheiten haben.

    Versichern Sie ihm weiterhin Ihre uneingeschränkte Loyalität, zeigen Sie sich dankbar für sein Vertrauen – aber betonen Sie auch Ihre eigene missliche Lage, wenn sich die Kollegen missgünstig gegen sie stellen.

  • Unabhängig bleiben.

    Zudem sollte sich ein Favorit immer bewusst sein, dass sein Status geliehen ist. Er steht und fällt mit dem Wohlwollen und der Anerkennung der Leistung durch den Chef. Ist der plötzlich anderer Meinung, ist es vorbei mit dem Status.

    Auf Rückhalt bei den Kollegen braucht der zuvor Unbescheidene dann nicht hoffen. Und wie bei jedem Klüngel besteht immer die Gefahr, dass ein Absturz des Führers die ganze Seilschaft in die Tiefe reißt.

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