ParisEifelturmDas französischsprachige Ausland mag heutzutage nicht zur ersten Wahl gehören für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ein paar Jahre jenseits unserer Grenzen Berufserfahrung zu sammeln. Doch die Auslandsjobs werden unterschätzt. Denn gerade Länder wie Frankreich, Kanada oder gar die Karibik bieten attraktive Möglichkeiten, die es durchaus wert sind, erforscht zu werden – vorausgesetzt allerdings, man bingt entsprechende Französischkenntnisse mit.

Karibik oder Kanada?

ArbeiteninderKaribikDank EU bekommen deutsche Bürger nicht nur auf dem französischen Festland eine Arbeitserlaubnis, das Gleiche gilt ebenso für die sogenannten DOM-TOM – die Überseegebiete Frankreichs (Départements Outre-Mer/Territoires Outre-Mer). Hierzu zählen zum Beispiel die Réunion, eine kleine Vulkaninsel östlich von Madagaskar, sowie Gouadeloupe und Martinique in der Karibik. Einfacher lässt es sich kaum ins Paradies umsiedeln. Mehrsprachige Bewerber werden dort gerade in der Tourismusbranche Chancen haben.

Daneben lockt etwa Québec, die französischsprachige Provinz Kanadas, welches sowieso eines der beliebtesten Auswandererziele weltweit ist.

Die Einreise- und Arbeitsbedingungen sind hier natürlich etwas strenger, dafür ist der Arbeitsmarkt nicht von den gleichen Sorgen geplagt wie der europäische. Spezifische Informationen zur Immigration nach Québec finden Sie beispielsweise hier.

Wollen Sie hingegen das frankophone Kanada erst mal für ein paar Wochen kennenlernen, empfiehlt sich zum Beispiel eine Sprachreise nach Montréal, etwa über Sprachreisen. Die erworbenen Sprachkenntnisse helfen dann auch später bei der Jobsuche.

Wer lieber näher an der Heimat bleibt, dem sei auch unser Nachbar Belgien empfohlen. Die Hauptstadt Brüssel hat dank zahlreicher EU-Institutionen eine rege und interessante internationale Community und den damit einhergehenden Arbeitsmarkt, wo auch deutschsprachige Kandidaten gefragt sind.

Bewerbung auf Französisch: So schreiben Sie den Lebenslauf

Die in Deutschland übliche Bewerbungsmappe mit Foto und Zeugnissen steht auf dem internationalen Parkett ziemlich allein da. In den allermeisten Ländern besteht eine Bewerbung lediglich aus einem Lebenslauf und einem Anschreiben.

So ist es auch in frankophonen Ländern: Eingeschickt wird ein Curriculum Vitae zusammen mit einem Anschreiben, genannt lettre de motivation in Frankreich und Belgien oder lettre de présentation in Québec.

Der Lebenslauf in Frankreich sollte wenn irgend möglich unter einer Seite bleiben, Ausnahmen werden höchstens für Managerpositionen mit mehreren Jahrzehnten Erfahrung geduldet.

  • Der französische Lebenslauf beginnt zudem in der Regel mit “Objectif” oder “Compétences”, also einer kurzen Zusammenfassung der persönlichen Stärken und Karriereziele.
  • Trotzdem erwartet der französische Personaler eine vollständige Auflistung aller voherigen Positionen, anders als etwa im englischsprachigen Raum, wo irrelevante Positionen bisweilen ausgespart werden können.
  • Wenn man mehr als zweimal den Job gewechselt hat, bedarf es also schon einiger Kondensierungskunst, alle relevanten Informationen unterzubringen, zumal eine Schriftgröße von mindestens 10 Punkt erwünscht wird. Wichtig ist es daher, beim Lebenslauf kurz und sachlich zu bleiben: Sie können eine Position leicht in zwei bis drei Zeilen abhandeln.
  • Mehr ins Detail gehen Sie dann im Anschreiben und heben die Kompetenzen hervor, die für die angestrebte Stelle wichtig sind. Einige Beispiele französischer CVs zur Inspiration finden Sie unter anderem hier.

QuebecIn Kanada darf der Lebenslauf etwas länger werden, denn auch der französischsprachige Teil ist hier stark von den Trends im anglophonen Markt beeinflusst.

Sie können also hier Ihre Kompetenzen im Lebenslauf selber mehr hervorheben; sehr beliebt sind auch konkrete Zahlen und Resultate. Dies können sowohl (gute) Noten in der Ausbildung sein wie Verkaufszahlen, eine prozentuale Verbesserung der Effizienz einer Abteilung unter Ihrer Ägide und ähnliches.

Zudem können Sie mit sogenannten Aktionsverben (zum Beispiel erhöhen, organisieren, umsetzen…) Ihren Lebenslauf hervorheben – dazu gibt es online nützliche Tools. Einige Beispiele kanadischer Lebensläufe finden Sie wiederum hier.

Wichtig ist auch, dass in vielen Ländern im Gegensatz zu Deutschland wenige persönliche Angaben gemacht werden.

In Frankreich ist neben der Kontaktdaten lediglich das Alter erwünscht, in Kanada hingegen dürfen Sie selbst dieses nicht angeben, um potenzielle Diskriminierung zu vermeiden (selbst, wenn es anhand von Berufserfahrung und Ausbildungsdaten meist nicht schwer ist, das Alter eines Kandidaten zumindest im Groben zu erraten).

In Frankreich sollte dem Lebenslauf in der Regel ein Foto beiliegen, in Kanada nicht.

Bewerbung auf Französisch: Das Anschreiben

Da in Frankreich der Lebenslauf unter einer Seite bleiben soll, wird das Anschreiben zum Hauptunterscheidungsmerkmal, mit dem Sie vor allem Ihre Eignung für die Stelle hervorheben.

Das Bewerbungsanschreiben besteht allgemein aus drei Teilen:

  1. in der Einführung, sprechen Sie Ihre beruflichen Ziele an,
  2. im Hauptteil stellen Sie sich vor und erklären, weswegen Sie der unumgängliche Kandidat für die Position sind,
  3. im Schlussteil erläutern Sie, weswegen Sie die ausgeschriebene Stelle anspricht – hier beweisen Sie, dass Sie den Job verstehen und die Firma kennen.

Es gilt also, auch hier einige Informationen unterzubringen. Trotzdem ist es wichtig, dass Sie kurz und prägnant bleiben – der Personaler wird nur wenige Minuten auf Ihre Bewerbung verwenden.

Einige der wichtigsten Tipps dazu:

  • Vermeiden Sie jegliche unnötigen Formulierungen und Standardeinführungen wie “Mit Interesse sah ich Ihre Anzeige…”, die keinerlei neue Informationen kommunizieren und somit reine Platz- und Zeitverschwendung sind.
  • Wiederholen Sie keine Informationen, die im Lebenslauf bereits enthalten sind! Bauen Sie im Gegensatz auf diese auf und machen Sie einen direkten Bezug zu der ausgeschriebenen Stelle. Seien Sie präzise und zeigen Sie Ihre Stärken.
  • Vermeiden Sie Platitüden wie “arbeite ebenso effektiv unabhängig wie im Team”, mit denen Sie sich im Endeffekt überhaupt nicht hervorheben. Arbeiten Sie besser alleine, dann sagen Sie das auch – und illustrieren Sie es mit konkreten Beispielen aus Ihrem Erfahrungsschatz!

MontrealIn Kanada ist die Struktur des Anschreibens prinzipiell die gleiche. Da Sie aber im Lebenslauf mehr Informationen unterbringen und somit auch schon Ihre jobspezifischen Kompetenzen hervorheben können, bekommt das Anschreiben eher einen zusätzlichen Stellenwert: Es soll das Interesse des Personalers wecken und ihn davon überzeugen, Ihrem Lebenslauf überhaupt erst die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Die oben genannten Richtlinien der Präzision und Individualität gelten aber selbstverständlich auch hier.

Denken Sie in jedem Fall daran, Ihre sprachlichen Kompetenzen (etwa: deutschter Muttersprachler, Englischkenntnisse) einzusetzen, denn hier liegt oft Ihr entscheidender Vorteil!

Natürlich sollten Sie auch solide Grundlagen in Französisch mitbringen. Sie können leicht Ihre Schulkenntnisse bei einem Sprachaufenthalt in Frankreich auffrischen – wichtig ist vor allem, dass Sie sich in der Sprache sicher fühlen, auch wenn die Grammatik nicht einwandfrei ist. Ein längerer Aufenthalt wird Ihr Sprachwissen merklich verbessern – was Ihnen dann auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt wiederum einen Vorteil bringen wird.

[Bildnachweis: Cafe, Quebec, Montreal by Shutterstock]

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