Bewerbung auf Spanisch
Eine Bewerbung in Spanien oder in spanischsprachigen Ländern in Südamerika ist aktuell sicher nicht die erste Wahl. Allein die Jugendarbeitslosenquote liegt in Spanien derzeit bei mehr als 40 Prozent. Die Aussichten auf lukrative Jobs ist also eher gering. Allerdings genießen Deutsche einen Bonus: Sie gelten als fleißig, vertrauenswürdig, diszipliniert und ehrlich. Insbesondere werden immer wieder deutschsprachige Anwälte oder Fachkräfte in der Immobilienberatung gesucht, um deutsche Kunden vor Ort zu betreuen. Auch deutsche Ingenieure genießen einen Top-Ruf. Ohne zwei Voraussetzungen kommen deutsche Bewerber jedoch nicht aus: gute Spanischkenntnisse und gute Referenzen...

Bewerben in Spanien: Ohne Spanisch keinen Job

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Das Englischniveau der Spanier ist eher schlecht. Man spricht Spanisch - und das wird auch von Bewerbern erwartet. Zumindest sollten sie so gut Spanisch sprechen, um sich im Alltag locker zu verständigen. Schon der Bewerbungsprozess selbst findet bis auf wenige Ausnahmen komplett auf Spanisch statt. In Katalonien sollte man zudem auch Katalonisch können.

Neben guten Sprachkenntnissen gehören zu einer klugen Bewerbungsstrategie allerdings auch ein paar Kontakte. Das Image der Deutschen ist zwar exzellent, zumindest besser als das Bild, das die Spanier derzeit von sich selber haben, doch läuft hier Vieles über Beziehungen und Referenzen. Das gilt noch mehr in Katalonien, wo die Einheimischen stark zusammenhalten.

Jobs finden Bewerber in Spanien etwa über das Spanische Handelsbüro im Generalkonsulat in Düsseldorf oder aber private Stellenvermittlungsagenturen, die allerdings eher Managementpositionen vermitteln. Die meisten Stellenangebote finden sich immer noch in Zeitungen wie El País (Raum Madrid), El Mundo, La Vanguardia (Raum Barcelona) oder Actualidad Económica.

In Lateinamerika wiederum können Neulinge wiederum Kontakte über Online-Plattformen wie Internations knüpfen.

Bewerben in Spanien: Knappe Mappe

Die Bewerbung in Spanien und in anderen spanischsprachigen Ländern unterscheidet sich deutlich von der Bewerbung in Deutschland. Die Bewerbungsunterlagen haben nicht die Bedeutung wie hierzulande und haben eher den Charakter einer hiesigen Kurzbewerbung. Sie bestehen nur aus zwei Dokumenten:

  1. Dem Anschreiben - In Spanien heißt es Carta de presentación, Carta de Candidatura oder Carta de Solicitud.
  2. Dem Lebenslauf - er wird in der Bewerbung lateinisch Curriculum Vitae oder spanisch Hoja de vida genannt.

Die Initiativbewerbung heißt hier übrigens Autocandidatura. Aber sehen wir uns das im Detail an...

Bewerbung in Spanien: Das Anschreiben (Carta de Candidatura)

Das Anschreiben sollte so kurz wie möglich gehalten werden. Im Fokus stehen vor allem die Kenntnisse und Fähigkeiten des Bewerbers.

In weniger formellen, dafür persönlicheren Kulturen wie in Spanien bekommt die Anrede im Anschreiben besonderes Gewicht. Idealerweise kennt der Bewerber diesen mit Namen oder hat dessen Namen vorher recherchiert, um den Ansprechpartner jetzt entsprechend persönlich anzuschreiben. Die korrekte Anrede lautet dann beispielsweise so:

  • "Estimado Sr. Fernandez" oder
  • "Estimada Sra. Rodriguez"

Ist der Ansprechpartner unbekannt ist schreibt man

"Estimados señores y señoras"

Auch eine passende Grußformel gehört zu einem perfekten spanischen Anschreiben einfach dazu. Beispiele könnten sein:

  • "Les saluda atentamente y espera sus prontas noticias"
  • "Reciba un cordial saludo"
  • "Un cordinal saludo de"

Wie im Deutschen wird das Bewerbungsanschreiben im Spanischen unterschrieben.

Das ist dann aber auch eine letzte Gemeinsamkeit. Ansonsten ist es in Spanien unüblich, der Bewerbung noch groß Anlagen, wie Arbeitszeugnisse oder Zertifikate beizufügen. Diese legen Bewerber nur bei, wenn diese in der Stellenausschreibung ausdrücklich erwünscht waren. Ansonsten kann man beruhigt darauf warten, bis der Arbeitgeber Referenzen und Zeugnisse von sich aus im weiteren Auswahlverfahren anfordert.

Entscheidender sind (übersetzte) Referenzen. Deutliche Pluspunkte sammelt, wer schon einmal während eines Praktikums oder Auslandssemesters Kontakte zu spanischen Unternehmen knüpfen konnte und dort Fürsprecher namentlich nennen kann.

Bewerbung in Spanien: Der Lebenslauf (Curriculum Vitae)

Der Lebenslauf sollte - wie auch schon das Anschreiben - möglichst kurz gehalten werden. Die Faustregel lautet:

  • Möglichst nicht mehr als eine DIN-A4-Seite schreiben
  • und darin nur die wichtigsten Stationen und Erfahrungen auflisten.

Der Lebenslauf wird bei einer Bewerbung in Spanien in der Regel chronologisch aufgebaut. Entscheidend ist, dass der Lebenslauf alle folgenden Daten enthält:

  • Persönlichen Daten (Datos personales), dazu gehören auch:
    • Vorname, Name
    • Adresse
    • Telefonnummer
    • Geburtsdatum, Geburtsort
    • Familienstand (und Kinderzahl)
    • Ausweisnummer und DNI (nationale und steuerliche Identifikationsnummer)
  • Berufsziel
  • Beruflichen Erfahrungen (Experienca)
  • Ausbildung (Estudios - oder Formación)
  • Praktische Erfahrungen (Experiencia laboral)
  • Sprachkenntnisse (Idiomas)
  • Computerkenntnisse (Informática)

Die letzten beiden (Sprach- und Computerkenntnisse) sollten unbedingt genannt werden, ebenso das entsprechende Niveau (sehr gut (muy bien), gut (bien) oder mittelmäßig (regular)). Auf die Angabe von Hobbys kann dagegen verzichtet werden.

Die absolvierten Ausbildungsschritte spielen in Spanien keine große Rolle, die praktischen Erfahrungen sind hier wesentlich wichtiger, sodass die Ausbildung auf das Wesentliche reduziert werden sollte.

Ob der Lebenslauf anschließend unterschrieben wird, ist eher eine Frage des beruflichen Werdegangs. Das wird unterschiedlich gehandhabt, Berufseinsteiger können sich im Gegensatz zu Fachkräften die Unterschrift in der Regel aber sparen. Das Bewerbungsfoto ist nicht zwingend, aber willkommen.

Übrigens: Der Eingang von Bewerbungsunterlagen wird in Spanien nur selten bestätigt. Auf Antworten müssen Kandidaten mitunter lange warten und sollten daher Geduld mitbringen.

Beispiel für einen spanischen Lebenslauf

PDF-DokumentEin Musterbeispiel für einen Lebenslauf auf Spanisch finden Sie beispielsweise HIER. Eine PDF-Vorlage eines Lebenslaufs auf Spanisch können Sie sich gerne auch hier kostenlos herunterladen. Aus Datenschutzgründen fehlt dort allerdings die Steuer- und Passnummer.

Die Vorlage stammt von Stefanie Claudia Müller. Sie arbeitet seit 15 Jahren als Korrespondentin in Spanien sowie für spanische Medien und ist seit Oktober die Co-Chefredakteurin unserer spanischen Ausgabe Karrierebibel.es.

Bewerben in Spanien: Die Interviews sind entscheidend

Wer es schafft, von seinem Wunscharbeitgeber kontaktiert zu werden, hat bereits die erste Hürde gemeistert, aber nicht die wichtigste: Da die Bewerbungsunterlagen eher knapp ausfallen, sind das eigentliche Auswahlinstrument in Spanien zur Beurteilung von Bewerbern zahlreiche strukturierte Bewerbungsgespräche. Bei diesen Interviews kommen die Kandidaten mit der Personalabteilung ebenso in Kontakt wie mit der jeweiligen Fachabteilung.

Wer zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, sollte Folgendes beachten:

  • Kleidung

    Sympathie und der erste Eindruck spielen in Spanien eine ausschlaggebende Rolle. Ein souveränes und gepflegtes Äußeres sowie hochwertige, modische Kleidung werden erwartet. Sparen Sie hier also bitte nicht am falschen Ende, in Spanien herrscht ein ähnlich ausgeprägtes und hohes Modebewusstsein wie in Italien. Die Krawatte ist etwa bei Männern ein Muss. Und auch wenn es in Spanien manchmal etwas laxer zugeht: Gerade von einem Deutschen wird absolute Pünktlichkeit zum Termin erwartet.

  • Smalltalk

    Es ist üblich, ein Bewerbungsgespräch mit ein wenig Smalltalk zu beginnen. Spanier fragen dann zum Beispiel: "Haben Sie gut zu uns gefunden? Wo wohnen Sie denn? ... Sie sind Deutscher? Was treibt Sie denn nach Spanien?" Das lockere Plaudern soll das Eis brechen. Darin steckt aber auch eine Falle: Es wird nicht erwartet, dass Sie Ihr Herz ausschütten. Bleiben Sie zu jedem Zeitpunkt professionell distanziert und formal, nur nicht unterkühlt. Der Smalltalk dient nur der Einstimmung.

  • Empathie

    Spanier sind nicht unbedingt direkt und schätzen diese Direktheit auch nicht wirklich. Deutsche wirken dann leider schnell harsch. Umschreiben Sie daher insbesondere kritische Punkte und stellen Sie keine allzu fordernden Rückfragen. Um hierbei zu punkten, sollten Sie Ihr Gegenüber genau beobachten. Es zählt nicht allein das gesprochene Wort - Spanier muss man auch interpretieren. Und beweisen Sie im Bewerbungsgespräch stets Taktgefühl, Freundlichkeit und zuvorkommende Höflichkeit. Diese drei Kardinaltugenden gehören hier fest zur Kultur.

Mit einem einzigen Bewerbungsgespräch ist es in der Regel in Spanien nicht getan. Oft folgen noch weitere Interviews, manchmal auch (psychologische) Tests bis es endlich zur Vertragsunterzeichnung, Visabeschaffung und zum Arbeitsbeginn kommt. Auch hierfür sollten Sie also mehr Zeit einplanen, als in Deutschland üblich.

Ein Muss vor der Einstellung eines Bewerbers ist in Spanien übrigens noch eine medizinische Begutachtung. Die meisten Unternehmen verlangen hier ein ärztliches Attest.

Weiterführende Informationen

Mehr zur Bewerbung in Spanien finden auch in diesem Gratis-PDF des Career Services der Universität Hamburg.

[Mitarbeit: Stefanie Claudia Müller
Bildnachweis: Daboost by Shutterstock.com]

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