Freies, selbstbestimmtes und völlig unabhängiges Arbeiten - so oder so ähnlich stellen sich viele Arbeitnehmer das Leben als Freelancer vor. Selbständige verfügen oft über deutlich mehr Freiheiten als Angestellte. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite stimmt auch der alte Spruch: Selbständig zu sein bedeutet selbst und ständig zu arbeiten. Es gibt etliche Gründe, die für eine Festanstellung sprechen. Wie Sie als Selbständiger eine Bewerbung für Freelancer schreiben, erfahren Sie hier.

Bewerbung für Freelancer: Kehrseite der Selbständigkeit

Es kann verschiedene Gründe dafür geben, warum eine Bewerbung für Freelancer nötig wird. Von Außenstehenden werden häufig finanzielle Engpässe vermutet. Tatsächlich sind die Herausforderungen eines Freelancers deutlich größer:

  • Er ist auf sich allein gestellt,
  • trägt womöglich Verantwortung für Angestellte,
  • ist zuständig für die Akquise von Kunden,
  • muss sich um die Projektabwicklung und nicht zuletzt um die
  • Buchhaltung kümmern.

Neben den genannten Gründen kann es auch sein, dass ein Freelancer zwar fachlich absolut kompetent ist, ihm das Unternehmertum allerdings so gar nicht liegt und ihm über den Kopf wächst. Andere vermissen den Austausch mit Kollegen, das Arbeiten im Team. Wieder andere haben Schwierigkeiten mit der Ungewissheit und möchten ein geregelteres Leben haben.

Und dann noch der Blick aufs Ganze: Vom Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit zu wechseln, wird vor allem in der deutschen Leistungsgesellschaft hoch geschätzt - schließlich werden mindestens Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Fleiß damit verbunden.

Leider wird der umgekehrte Weg nicht honoriert - auch das wieder ein Teil unserer Kultur, die Fehler machen häufig abstraft, statt sich in diesem Fall mal an amerikanischen Verhältnissen zu orientieren: Dort wird Scheitern als Chance gesehen, der Wechsel vom Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit und wieder zurück ist längst nicht so selten und wird daher auch nicht so streng verurteilt.

Denn mit der Freiheit als Freelancer kommen auch die Verpflichtungen und unter Umständen ein Druck, der die Vorteile einer Festanstellung wieder reizvoll erscheinen lässt. Allerdings haben nicht wenige Freelancer hier mit Vorurteilen zu kämpfen. Es wird angenommen, dass ein Freelancer...

  • zu wenig Aufträge hat,
  • mit Geld nicht umgehen kann,
  • sich mit seinen Produkten nicht am Markt behaupten kann,
  • ein angenehmes Plätzchen mit wenig Arbeit sucht,
  • sich bei Arbeitsgebieten, die er nicht selbst wählen kann, unmotiviert ist,
  • sich nicht ins Team einfügen kann und eigentlich
  • lieber selbständig bliebe und bei nächstbester Gelegenheit auf und davon ist.

Auch die Wahl des potenziellen Arbeitgebers ist nicht ohne Tücken. Wer als Freelancer zahlreiche zufriedene Kunden hat, kann sich seinen Arbeitsplatz schließlich aussuchen - so zumindest die Annahme. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Denn Unternehmen kaufen bestimmte Leistungen nicht zuletzt deshalb bei Freelancern ein, weil sie dafür eben keinen Mitarbeiter einstellen wollen. Daher kommt ein guter Kunde nicht automatisch als Arbeitgeber infrage. Zudem wäre ein direkter Wechsel zu einem Kunden auch nicht ganz unproblematisch. Denn der Freelancer...

  • wird firmenintern bereits mit einem bestimmten Bild in Verbindung gebracht.
  • tut sich möglicherweise schwer damit, sich den neuen Regeln der Festanstellung in einem ihm bekannten Unternehmen unterzuordnen.
  • riskiert einen Reputationsverlust, wenn er bei einem (ehemaligen) Kunden einsteigt.

Bewerbung für Freelancer: Jobsuche

Bewerbung als Freelancer Bewerbung für Freelancer Bewerbung aus der SelbständigkeitIdealerweise läuft die Jobsuche jedoch über Ihr Netzwerk ab. Als Freelancer besteht die Gefahr, dass sich Ihr Netzwerk primär aus anderen Freelancern zusammensetzt, die Ihnen bei der Suche nach einer Festanstellung nicht wirklich helfen können.

Hier kommen dann wieder Ihre Kontakte zu Unternehmen ins Spiel, über die Sie potentielle Jobs ausmachen und die entsprechenden Gesprächspartner erreichen können. Nicht selten sind gerade jüngere Freelancer aufgrund ihres Knowhows gefragt.

Einige Punkte sollten Sie bei Ihrer Jobsuche beachten:

  • Machen Sie sich im Vorfeld klar, warum Sie Ihre Selbständigkeit aufgeben wollen, was Sie daran stört.
  • Als Angestellter werden Sie nicht die Freiheit der Wahl zwischen einzelnen Aufgaben haben. Überlegen Sie also im Voraus, auf welchen Bereich Sie sich spezialisieren wollen.
  • Bedenken Sie ebenfalls, dass Sie Freiheiten wie freie Zeiteinteilung, surfen im Internet, aber auch Kleiderwahl nach Wunsch eventuell aufgeben.
  • Haben Sie eine dazu passende Stellenausschreibung, setzen Sie sich zügig, aber dennoch sorgfältig dran.
  • Die Arbeit in einer Teilzeitanstellung als Ergänzung Ihrer freiberuflichen Arbeit ist zwar möglich, sollte dann jedoch in einem völlig anderen Bereich stattfinden.
  • Prüfen Sie realistisch, ob die weitere Arbeit als Freiberufler rein zeitlich machbar sein wird.
  • Sprechen Sie niemals über Kunden oder Projekte, wenn Sie dafür nicht die ausdrückliche Freigabe haben.

Bewerbung als Freelancer: Das sollten Sie beachten

Anschreiben

Das Herzstück einer jeden Bewerbung - egal ob als Freelancer oder als Angestellter - ist natürlich das Anschreiben. Da Freelancer mit den genannten Vorurteilen zu kämpfen haben, gilt es sie in der Bewerbung zu entkräften:

  • Zeigen Sie Ihre sozialen Kompetenzen

    Eine Befürchtung vieler Personaler ist, dass ehemalige Freelancer sich schlecht ins bestehende Team einfügen. Sei es, dass sie generell ein Problem mit Hierarchien haben oder aber auch lieber eigenbrötlerisch im stillen Kämmerlein arbeiten.

    Zerstreuen Sie solche Bedenken, indem Sie entsprechend formulieren und Ihre Teamfähigkeit herausarbeiten. Durch Ihre Erfahrungen in der Akquise von Kunden werden Sie sowohl über Serviceorientiertheit als auch Zuverlässigkeit und Konfliktfähigkeit verfügen. Je nachdem für welche Position Sie sich bewerben, sollten Sie Ihre Soft Skills entsprechend herausarbeiten.

  • Kennen Sie Ihre Stärken

    Vermeiden Sie unbedingt Rechtfertigungen. Sie waren selbständig, das heißt, Sie haben es über einen gewissen Zeitraum hinweg geschafft, sich als Allrounder in der Arbeitswelt zu behaupten, haben also nicht nur die Arbeit gemacht, für die Sie inhaltlich qualifiziert sind, sondern wie oben aufgeführt all das, was als Freelancer anfällt.

    Sie sind harte Arbeit gewohnt. Es besteht also kein Grund, sich dafür in irgendeiner Form zu genieren. Schließlich verfügen Sie über Fachkenntnisse, Flexibilität, die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und das erforderliche Maß an Risikobereitschaft. Machen Sie sich das klar und treten Sie entsprechend selbstbewusst auf.

Lebenslauf

Neben dem Anschreiben ist der Lebenslauf der Bestandteil der Bewerbung für Freelancer, der innerhalb kürzester Zeit überzeugen muss. Sind aus Personalersicht Ihre Kenntnisse und Ihre als Freelancer erbrachten Leistungen nicht offensichtlich, haben Sie ein Problem.

Ihre weiteren Nachweise, Referenzen, Zertifikate und dergleichen werden kaum eines zweiten Blickes gewürdigt werden und somit sind Sie aus dem Rennen. Rein formell unterscheidet sich die Bewerbung als Freelancer nicht wesentlich von einer Bewerbung eines Angestellten, aber einige Punkte sollten Sie dennoch beachten:

  • Stellen Sie Ihre Projekte heraus

    Bei schriftlichen Bewerbungen dienen statt den beruflichen Stationen größere Projekte und Aufträge als Referenzen. Fertigen Sie eine Projektliste an. Wählen Sie aus Ihren bisherigen Projekten besonders jene heraus, die zu dem Stellenangebot passen und die den Muss-Qualifikationen möglichst entsprechen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Aufträge für direkte Konkurrenten des potentiellen Arbeitgebers können in der Bewerbung auch zum Nachteil werden.

  • Lassen Sie sich Empfehlungsschreiben geben

    Wer lange als Freelancer gearbeitet hat oder aber auch direkt nach dem Studium sich selbständig gemacht hat, kann unter Umständen keine Arbeitszeugnisse vorlegen, die die eigenen Fähigkeiten untermauern.

    Bitten Sie daher zufriedene Auftraggeber oder langjährige Geschäftspartner, Ihnen ein Empfehlungsschreiben auszustellen, in dem idealerweise nicht nur der Erfolg gemeinsamer Projekte, sondern auch Ihre Leistungsbereitschaft und Ihre sozialen Kompetenzen herausgestrichen werden.

  • Fertigen Sie eine Dritte Seite an

    Vor allem wer über viel Berufserfahrung - vielleicht sogar vor der Selbständigkeit - verfügt, kennt das Problem, alle relevanten Informationen in einem einseitigen Anschreiben unterzubringen. Dafür gibt es zwei Tricks: Zum einen können Sie mit Bulletpoints arbeiten, zum anderen eine Dritte Seite Ihrer Bewerbung als Freelancer hinzufügen:

    Hier können Sie die weitere Kompetenzen herausarbeiten, die im Anschreiben unter Unter Umständen keinen Platz hatten, etwa die Erfahrungen durch die Selbstständigkeit wie zum BeispielLeitung und Planung von Projekten, gegebenenfalls Führungsverantwortung für Mitarbeiter, Budgetierung im eigenen Betrieb oder auch besondere Erfolge durch Marketing- und Werbemaßnahmen.

[Bildnachweis: baranq by Shutterstock.com]

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