Praktikum – dieses Wort ist Auslöser dutzender, oft hitzig geführter Diskussionen und Debatten. Während die einen mit Begriffen wie “Ausbeutung”, “Sackgasse” oder “Betrug” um sich werfen, sehen andere in einem Praktikum den perfekten Einstieg ins Berufsleben und eine strahlende Chance. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen den beiden Extrempositionen. Ja, es gibt zahlreiche Praktikanten, die ohne Bezahlung stundenlang arbeiten und schlussendlich nichts dafür erhalten. Das kann man dann durchaus Ausbeutung nennen. Doch es gibt eben auch zahlreiche Arbeitnehmer, die ihren Job nur durch ein Praktikum bekommen und von dort aus Karriere gemacht haben. Die passende Stelle vorausgesetzt, können Praktika durchaus eine guter Karriereeinstieg oder auch die Chance, einen Beruf auszuprobieren, sein. Doch vor dem Praktikum steht der Bewerbungsprozess. Dieser weist zwar Parallelen zur Jobsuche auf, unterscheidet sich in den Details jedoch erheblich.

Der grundlegende Ablauf der Suche, Recherche und Bewerbung ist immer gleich, unabhängig davon, ob ein Praktikums- oder ein Arbeitsplatz gesucht wird. Die Unterschiede liegen jedoch in der konkreten Umsetzung dieses Ablaufs und werden in der Formulierung des Anschreibens am deutlichsten. Hier sind dann auch Formulierungen möglich, die bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz tabu wären.

Bewerbungstipp 1: Klare Ziele und ausführliche Recherche

Bevor Sie sich in die Recherche stürzen, müssen Sie bitte zuerst Ihr Ziel definieren. Machen Sie sich klar, in welchem Bereich Ihr Praktikum angesiedelt sein soll, welche Erwartungen Sie an die Stelle und das Unternehmen haben und welches Ziel Sie mit dem Praktikum verfolgen. Gerade als Absolvent können Sie durchaus eine Vergütung für das Praktikum erwarten – doch zu hoch sollten Sie Ihre Erwartung nicht ansetzen. Wirklich gut bezahlte Praktika gibt es zwar, doch diese sind rar gesät. Um ein Gefühl für die in Ihrer Zielbranche üblichen Vergütungen zu bekommen, eignen sich Praktikumsbewertungsportale wie beispielsweise Meinpraktikum.de oder Prakti-Test. Dort können Sie auch Kontakt mit ehemaligen Praktikanten aufnehmen und nach Stellen suchen.

Apropos Stellensuche: Für die Recherche nach Praktika können Sie natürlich auch die klassischen Jobbörsen von Arbeitsagentur, Monster, Stepstone, Meine Stadt und anderer Plattformen nutzen. Es gibt jedoch auch spezielle Praktikumsbörsen, im Folgenden finden Sie eine Auswahl der Portale. Beachten Sie bitte, dass die Reihenfolge willkürlich gewählt ist und ausdrücklich keine Wertung darstellt:

Bewerbungstipp 2: Es gibt Unterschiede zur Jobsuche

Haben Sie eine für sich passende Stelle gefunden, steht Ihnen der arbeitsreichste Teil der Bewerbung bevor: Die Erstellung des Bewerbungsanschreibens. Wie bereits erwähnt, treten die Unterschiede zur Jobsuche hier am deutlichsten zu Tage. Eine Gemeinsamkeit gibt es jedoch: Eine ausführliche Recherche zum Unternehmen ist auch hier die Voraussetzung für ein gutes Anschreiben. Doch bereits beim Einstieg beginnen die Unterschiede: Sicher müssen Sie auch bei der Bewerbung um einen Praktikumsplatz Interesse wecken und aufzeigen, warum Sie für die Stelle der oder die Richtige sind. Doch Sie können das nicht ganz so selbstbewusst und offensiv tun, wie ein Arbeitnehmer.

Der Grund für die hier angesagte Zurückhaltung: Als Absolvent oder Praktikant haben Sie in der Regel längst nicht so viel Erfahrung wie ein Arbeitnehmer. Dieser bewirbt sich vielleicht aus einem laufenden Arbeitsverhältnis heraus und kann eine mehrjährige Karriere vorweisen. Gut, diese Basis fehlt Ihnen, dafür haben Sie bei der Bewerbung um ein Praktikum zwei andere Vorteile. Erstens erwartet ein guter Personaler gar nicht so viel Erfahrung von Ihnen und zweitens verfügen Sie als Absolvent über hoch aktuelles Fachwissen, mit dem so mancher berufserfahrene Mitarbeiter nicht mithalten kann.

Bewerbungstipp 3: Anschreiben richtig formulieren

Bewerbungsmuster für Praktika

Als Bonus haben wir noch zwei Mustervorlagen für das Anschreiben für Sie erstellt. Diese sind ganz bewusst neutral gehalten und als Denkanstoß, nicht als Kopiervorlage, gedacht.

“Aber es gibt doch Praktika, in denen der Praktikant am besten schon zig Jahre Erfahrung haben soll.” – Diesen Satz höre ich in der Diskussion ums Praktikum immer wieder. Und er ist korrekt: Einige Firmen erwarten wirklich umfangreiche Erfahrung von ihren Praktikanten. Nur: Realistisch ist das nicht. Bei solchen Stellen haben Sie daher zwei Möglichkeiten. Entweder Sie bewerben sich, weil außer der geforderten Erfahrung alle anderen Faktoren auf Sie passen und Sie die Stelle interessiert, oder Sie sparen sich die Bewerbung und suchen weiter. Sich jedoch zu bewerben, obwohl außer der Erfahrung noch andere wichtige Anforderungen nicht erfüllbar sind, ist sinnlos.

Im Bewerbungsanschreiben müssen Sie Ihre vorhandene Erfahrung zwar auf jeden Fall präsentieren, doch sie spielt keine so herausragende Rolle, wie bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz. In der Bewerbung für ein Praktikum geht es viel mehr darum, Ihre persönlichen und fachlichen Stärken in den Vordergrund zu stellen und deutlich zu machen, warum Sie gerade die konkrete Stelle reizt.

Insgesamt sollten Sie das Bewerbungsanschreiben für ein Praktikum etwas zurückhaltender formulieren, als Sie das bei der Jobsuche tun würden. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Wenn Sie sich bei einem Start-Up oder einem Unternehmen bewerben, dass selbst auf der Homepage, in den sozialen Netzwerken und am Telefon einen eher lockeren Umgangston pflegt, können Sie diesen – in Grenzen (!) – auch für Ihr Anschreiben übernehmen.

Selbstbewusst sollten Sie sich immer präsentieren, doch der eine oder andere Konjunktiv darf – als Ausdruck der Höflichkeit – durchaus enthalten sein. Apropos soziale Netzwerke: Hat Ihr Wunschunternehmen aktuell keine Praktikumsstellen ausgeschrieben, lohnt sich eine Nachfrage in den sozialen Netzwerken dennoch. Zeigen Sie ausreichende Motivation und Eigeninitiative, lassen sich Praktika oft auch ohne explizite Ausschreibung ermöglichen.

Bewerbungstipp 4: Formale Vorgaben und Vorstellungsgespräch

Bei den formalen Regeln gibt es wiederum keinen Unterschied zwischen der Bewerbung um einen Job und der um einen Praktikumsplatz. Seitenränder, einheitliches Schriftbild und Design, saubere Rechtschreibung und ein übersichtlicher Lebenslauf – all das gehört zur Praktikumsbewerbung. Das gilt auch für Zeugnisse und Nachweise, auch wenn sich deren Zahl naturgemäß in Grenzen halten wird.

Ebenso wichtig wie in der Bewerbung um einen Arbeitsplatz: Erwähnen Sie auch im Anschreiben für eine Praktikumsstelle unbedingt, dass Sie an einem Vorstellungsgespräch interessiert sind und dafür gerne zur Verfügung stehen. So steigern Sie Ihre Chancen, überhaupt eingeladen zu werden.

Und wenn Sie die Stelle dann schlussendlich bekommen haben? Dann sollten Sie sich im Vorfeld unseren Praktikum-Führer und unseren Praktikanten-Knigge in Ruhe durchlesen. Dort finden Sie alles wissenswerte rund um das Praktikum.

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