Bewerbung schreiben: Besser formulieren
Viele Bewerber tun sich enorm schwer mit dem Schreiben von Anschreiben und Lebenslauf. Laut mancher Umfragen sitzen, feilen, formulieren Bewerber im Schnitt 74 Minuten allein am Bewerbungsschreiben. Knapp jedem zweiten Bewerber (42 Prozent) graut regelrecht davor, und fast jeder vierte Bewerber hat schon eine Stelle ausgeschlagen, weil ihm der Bewerbungsprozess (und das Bewerbung schreiben) zu kompliziert war. Machen Sie das bitte nicht - so schwer ist das Verfassen der Bewerbungsunterlagen gar nicht. Und mit den folgenden Tipps, Beispielen und Mustern schaffen Sie das ganz locker. Wir führen Sie Schritt für Schritt da durch...

Bewerbung schreiben: Floskeln vermeiden

Das Kernproblem beim Schreiben einer Bewerbung ist immer gleich: Wer nicht weiter weiß, neigt zu Floskeln und Schablonentexten. Besser irgendwas hinschreiben, als auf das leere Blatt starren... Heraus kommen dann abgedroschene Formulierungen, wie...

  • Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle...
  • Ich bin teamfähig, kreativ, belastbar...
  • Hören Sie auf, weiter zu suchen - ich bin der perfekte Kandidat!

Bei solchen Sätzen suchen Personaler eher nach der Vorlage für eine Absage.

Das Problem solcher Sätze ist nicht, dass sie inhaltlich falsch wären - sie sind nur völlig abgenutzt, austauschbar und viel zu allgemein. Es fehlt die Seele - Ihre Persönlichkeit. Genau die aber wollen Personaler im Anschreiben erkennen.

Auch wenn das Beispiel schon etwas älter ist: Lesen Sie sich doch bitte einmal diese witzige Bewerbung durch und achten Sie vor allem auf die Reaktionen in den Kommentaren: Im Grunde widerspricht diese Bewerbung allen formalen Regeln eines Anschreibens - und doch zeigt die Kandidatin darin enorm viel Charakter und kassiert jede Menge Sympathiepunkte. So gut wie jeder wollte sie einladen und kennenlernen. Mit Floskeln wäre das nie passiert.

Deshalb, daher und darum Eines vorweg: Wir können Ihnen im Folgenden viele Tipps, Beispiele und Anregungen geben. Nutzen Sie diese aber eben bitte immer nur dazu: als Anregung und Blockade-Löser. Finden Sie danach eine eigene originelle Lösung, um Ihre ganz persönliche Bewerbung zu schreiben.

Übung für bessere Formulierungen

Übung für bessere FormulierungenBeginnen Sie zum Lockern ruhig mit einer kleinen Übung: Alles, was Sie dazu brauchen, sind ein paar bunte Moderationskärtchen, ein dicker Filzstift und eine Tafel oder Wand zum Aufhängen Ihrer Kärtchen. Dann folgen Sie bitte dieser Anleitung:

  • Nehmen Sie sich 20 Minuten Zeit und sorgen Sie dafür, dass Sie nicht gestört werden.
  • Legen Sie die Unterlagen, die Ihnen bisher Kopfzerbrechen bereitet haben, weit weg von sich und vergessen Sie, was drinsteht.
  • Nehmen Sie den Filzschreiber und die Moderationskärtchen zur Hand.
  • Überlegen Sie, wie Sie einem 7-jährigen Kind erklären würden, welches die fünf wichtigsten Kenntnisse und Erfahrungen sind, die Sie für den angestrebten Job mitbringen.
  • Schreiben Sie jeden dieser fünf Punkte auf eines der Kärtchen - Achtung: nur ein bis maximal vier Worte pro Kärtchen!
  • Ordnen Sie Ihre Kärtchen nach Priorität und heften Sie sie an Ihre Wand oder Ihren Schrank, das Wichtigste zuoberst.

Vielleicht brauchen Sie zuerst eine Weile, um sich von den gewohnten Gedanken zu verabschieden, mit denen Sie Ihre Kenntnisse bis dato beschrieben haben. Vergessen Sie die einfach und konzentrieren Sie sich auf die Übung.

Der Effekt ist, dass Sie so genau herausarbeiten, welche Punkte Sie in der Bewerbung beschreiben müssen, um zu überzeugen. An den so gewonnenen Stichpunkten können Sie sich später umso besser entlang hangeln und dem Bewerbungsschreiben so einen roten Faden geben. Alles andere brauchen Sie nicht erwähnen, dafür ist auch noch im Vorstellungsgespräch Zeit.

Bewerbung schreiben: Überzeugen mit der AIDA-Formel

AIDA-Formel-AkronymEine weitere gute Methode sein Anschreiben aufzubauen, ist die sogenannte AIDA-Formel. Diese wurde von dem amerikanischen Marketing-Spezialisten Elmo Lewis schon im Jahr 1898 entwickelte und stammt ursprünglich aus der Werbepsychologie. AIDA ist letztlich ein Akronym und setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen:

  • Attention (Aufmerksamkeit)
  • Interest (Interesse)
  • Desire (Verlangen)
  • Action (Handlung)

Damit beschreibt das gleichnamige Modell ein vierstufiges Verfahren, das ein potenzieller Kunde durchlaufen soll, um ihn schließlich zu einer positiven Kaufentscheidung zu führen. Da eine Bewerbung aber im Grunde auch nichts anderes ist, als ein Verkaufsgespräch, lässt sich die Formel ebenso gut auf die Bewerbung anwenden - vor allem auf das Anschreiben.

Im Gegensatz zum Lebenslauf, der das berufliche Profil des Bewerbers schärft, spiegelt das Bewerbungsschreiben seine Motivation und den Bezug zum Unternehmen. Oder um im Bild der Verkaufspsychologie zu bleiben:

  • Der Lebenslauf ist das Produkt.
  • Das Anschreiben ist das Verkaufsgespräch.

So wenden Sie das AIDA-Modell in der Bewerbung an

Nun folgt das Anschreiben in der Regel (von der Sie sich wie oben erwähnt aber auch lösen dürfen) einem klassischen Aufbau:

Aufbau-Bewerbungsanschreiben-Beispiel-Schema

Egal, ob Sie nun diese Bewerbungsvorlage verwenden oder sich an den zahlreichen anderen Mustern bedienen - an genau vier Stellen im Anschreiben können Sie Ihren Leser packen. Und genau hier kommt das AIDA-Konzept ins Spiel...

AIDA-Formel-Bewerbungskonzept-Tipps

Konkret bedeutet das...

  1. Attention

    • Das Ziel: Aufmerksamkeit gewinnen
    • Der Ort: Die Betreff-Zeile
    • Der Weg: Kurzer und konkreter Bezug zur Stellenanzeige. Das Wort "Bewerbung" muss fallen, das Wort "Betreff" nicht. Beispiel: Bewerbung als Grafikdesigner, Ihre Stellenanzeige in der XY-Zeitung am 5.1.2017
  2. Interest

    • Das Ziel: Interesse des Arbeitgebers wecken
    • Der Ort: Der Einleitungssatz und 1. Absatz
    • Der Weg: Überraschen (kein "hiermit bewerbe ich mich...") und Neugier wecken durch Bezug zu den Bedürfnissen des Arbeitgebers. Zum Beispiel: Ihre Stellenanzeige vom xx.xx.xx hat mich sofort angesprochen. Nachdem ich schon Erfahrungen im Bereich _____________ sammeln konnte, wäre diese Position nun der nächste richtige Schritt. Ich bin überzeugt, dass Ihnen vor allem meine Fähigkeiten und mein Praxis-Know-how im Bereich _____________ von großem Nutzen sein werden. Denn...
  3. Desire

    • Das Ziel: Wunsch für ein persönliches Kennenlernen wecken
    • Der Ort: Hauptteil des Anschreibens
    • Der Weg: Nennen Sie nicht nur Ihre möglichst einzigartigen fachlichen Qualifikationen und Soft Skills. Stellen Sie damit ebenso einen Bezug zum Unternehmen her. Dabei spinnen Sie einen roten Faden, damit der jetzige Karriereschritt so wirkt wie eine natürliche Entwicklung, die in diesem Unternehmen praktisch münden muss und dem Unternehmen einen außerordentlichen Mehrwert bietet.
  4. Action

    • Das Ziel: Einladung zum Vorstellungsgespräch
    • Der Ort: Schlusssatz des Anschreibens
    • Der Weg: Der Abschluss ist ein dramaturgischer Höhepunkt. Der Konjunktiv ("würde gerne...") ist dabei tabu. Die perfekte Abschlussformulierung sollte eher eine Art Doppelpunkt und subtil-suggestiver Call-to-action sein: "Gerne überzeuge ich Sie in einem persönlichen Gespräch davon, dass Sie mit mir einen ebenso engagierten wie erfahrenen Mitarbeiter gewinnen." Oder: "Gerne überzeuge ich Sie persönlich. Auf einen Terminvorschlag dazu freue ich mich."

Auch diese Formulierungen sollten Sie bitte nie wörtlich abschreiben, sondern immer noch mal variieren. Schließlich muss das Ergebnis zum Rest Ihrer Bewerbung passen. Aber als Leitplanke und Schreibhilfe können Sie so bestimmt schon leichter eine Bewerbung schreiben.

Formulierungen, die Sie beim Bewerbung schreiben nicht nutzen sollten

Überdies gibt es allerdings auch ein paar Formulierungen, die Sie aus guten Gründen in der Bewerbung nicht schreiben sollten. Zu dieser Kategorie gehören zum Beispiel:

  1. Superlative

    Zu meinen Stärken gehören meine herausragende Teamfähigkeit, gestützt durch ausgeprägte emotionale Intelligenz und bemerkenswerte Fähigkeiten im Organisieren und Leiten von Projekten.

    Na, glauben Sie dem Bewerber das? Eben. Wer es mit Adjektiven und Superlativen übertreibt, erreicht nur das Gegenteil: So jemand klingt nur noch nach Schaumschläger und Luftpumpe. Seien Sie lieber sparsam mit hochtrabenden Ich-Aussagen und belegen Sie Stärken besser durch Beispiele: Statt "Ich verfüge über hohe Teamfähigkeit, organisatorisches Talent und eine schnelle Auffassungsgabe" schreiben Sie lieber: "...dort habe ich ein 10-köpfiges Team geleitet. In dieser Funktion habe ich mehrere Projekte erfolgreich koordiniert und mit meinem Team in weniger als zwei Wochen eine Lösung für die XY-Aufgabe erarbeitet."

  2. Konjunktive

    Gerne würde ich Ihnen meine Motivation ausführlich im Vorstellungsgespräch erläutern. Deshalb wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich zum Bewerbungsgespräch einladen.

    Vor allem im Schlusssatz der Bewerbung kommen diese immer wieder zum Einsatz (aber nicht nur da). Leider! Denn der Konjunktiv klingt zwar höflich und bescheiden, schwächt aber den Satz und macht aus dem bestimmten Wunsch eine vage Möglichkeit. So wird aus dem überzeugenden Top-Talent ausgerechnet am Schluss wieder ein Bittsteller. Schade! Und noch dazu völlig unnötig. Schreiben Sie doch lieber: "Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und freue mich, wenn Sie sich die Zeit für ein persönliches Gespräch nehmen." Oder: "Gerne überzeuge ich Sie in einem persönlichen Gespräch davon, dass Sie mit mir einen ebenso engagierten wie erfahrenen Mitarbeiter gewinnen." Gleicher Inhalt - ganz andere Wirkung.

  3. Anbiederei

    ...bis dahin verbleibe ich mit... allerliebsten Grüßen

    Im Grunde muss man dazu nicht viel sagen: Klar, eine solche Grußformel in der Bewerbung ist definitiv zu viel des Guten. Und auch viel zu persönlich: Liebste Grüße sind guten Freunden oder der Familien vorbehalten, aber nichts für Personaler. Wer beim Standard bleiben will, wählt besser "mit freundlichen Grüßen". Wer es origineller mag, wählt "mit besten Grüßen nach FIRMENORT". Den Unterschied macht hierbei das Wörtchen "nach": So stellen Sie den Empfänger in den Mittelpunkt und nicht sich selbst (wie bei Grüßen "aus"...).

Lügen in der Bewerbung

Lügen in der BewerbungEs kommt öfter vor, als viele meinen: Mehr als jeder dritte Bewerber macht falsche Angaben im Lebenslauf oder im Anschreiben. Die meisten lügen in der Bewerbung bei Angaben zum früheren Job, den Erfahrungen und Erfolgen. Andere frisieren die Bewerbung bei Praktika, Sprachkenntnissen, Bildungsabschlüssen oder gar Abschluss- und Arbeitszeugnissen. Riesenfehler! Fliegt der Schwindel auf, steht nicht nur die Karriere sondern auch der Arbeitsplatz auf dem Spiel. Falschangaben in den Bewerbungsunterlagen und Lebenslaufkosmetik können zur fristlosen Kündigung führen - auch noch Jahre nach der Probezeit. Bleiben Sie also bitte stets bei der Wahrheit.

Bewerbung schreiben: Präzise und nicht länger als eine Seite

Spannungsbogen Bewerbung SchlusssatzJetzt geht es noch mehr ins Detail. Ein vorweggenommener Lebenslauf wäre im Bewerbungsanschreiben natürlich fehl am Platz. Zudem sollten Sie alles weglassen, was für die ausgeschriebene Stelle nicht relevant ist. Das spart bereits viel Platz und dem Leser Zeit. Oder wie es mal ein Chefredakteur formuliert hat: Jedes gestrichene Wort ist für den Leser eine Erleichterung.

Wie also sieht das konkret aus?

  • Der Einleitungssatz

    Den ersten Satz können Sie bereits nutzen, um deutlich zu machen, dass Sie die geforderten Qualifikationen mitbringen. Verzichten sollten Sie indes auf alle Floskeln, die sagen, dass Sie die Anzeige "mit Interesse gelesen" haben. Was sonst? Deswegen bewerben Sie sich ja...

    Der erste Satz könnte dann lauten:

    als Teamleiter Commercial Support bei Elektronikfirma XY habe ich neun Jahre Erfahrung in der Führung der kaufmännischen Abwicklung gesammelt.

    Wer mag kann hier natürlich noch etwas emotionaler werden. Aber rein sachlich reicht das Formulierungsbeispiel vollkommen aus.

    Motivation für dieses Unternehmen zu arbeiten

    Motivation für dieses Unternehmen zu arbeitenDie persönliche Motivation, warum Sie sich gerade bei diesem Unternehmen bewerben, wirkt sich immer günstig aus - wenn sie der Wahrheit entspricht. Beispielsweise so:

    Ihr Unternehmen ist mir gut bekannt. Bei zwei meiner bisherigen Arbeitgeber wurden Materialien für Ihre XY-Produkte hergestellt.

    Oder:

    Von meiner Haustür bis zur Firmenzentrale sind es mit dem Fahrrad genau 20 Minuten. Das heißt: Während die anderen Mitarbeiter noch im Stau stehen, könnte ich morgens schon der erste Kollege im Büro sein...


  • Die Qualifikationen

    Anschließend bietet sich an, die geforderten Kenntnisse und Fähigkeiten in Form einer Aufzählung aufzulisten. Das spart noch einmal Platz - ein Anschreiben muss nicht zwingend nur aus Fließtext bestehen.

    Der zweite Vorteil dieser Methode: So können dabei auch gleich Wörter aus der Anzeige, vor allem die sogenannten Keywords. Auf diese achten Personaler besonders. Dank der vorangegangenen Analyse der Stellenanzeige fällt das auch nicht schwer. Beginnen Sie also mit den Muss-Qualifikationen, gefolgt von den Kann-Qualifikationen.

    Ein fiktiver Bewerber könnte nun schreiben...

    • Bürokaufmann mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung
      (IT-Dienstleistungen)
    • Neun Jahre Führungserfahrung, bis zu 37 Mitarbeiter

    Doch halt! Sind diese Punkte wirklich das, was in der Anzeige verlangt wird? Bürokaufmann? Von der erwünschten Ausbildung ist in dem Stellenangebot überhaupt keine Rede. Also weg damit!

    Und was ist mit den IT-Dienstleistungen? Es geht hier um Endverbraucherprodukte - Staubsauger und ähnliches. Da helfen die IT-Dienstleistungen nicht weiter. Wahrscheinlich würden sie sogar eher abschreckend wirken.

    Auch die vielen Jahre Berufserfahrung und der große Führungsumfang passen nicht so recht zu dem, was hier gesucht wird. Am Ende sieht es noch so aus, als sei unser fiktiver Bewerber für die Stelle überqualifiziert. Nicht selten ist das ein K.O.-Kriterium.

    Also zweiter Anlauf und optimierte Formulierungen:

    • Langjährige Praxis in der Auftragsabwicklung
    • Mitarbeiterführung
    • Verantwortlich für
      - Annahme von Bestellungen
      - Auftragserfassung
      - Fakturierung
      - Schrift- und Telefonverkehr
      - Beantwortung von Kundenanfragen
    • Sehr gutes Englisch in Wort und Schrift
    • Sehr gute Kenntnisse in MS-Office

    Auf die "Koordinierung des Warenflusses" geht der Bewerber besser nicht ein - hier hat er nichts vorzuweisen. Aber so passt das schon deutlich besser zur Stellenanzeige.

    Formel für die perfekte Bewerbung

    Formel für die perfekte BewerbungGoogles Personalchef Laszlo Bock hat angeblich de Formel für die perfekte Bewerbung gefunden. In einem Interview mit der New York Times verriet er sie. Formulieren Sie Ihre Erfolge nach diesem Schema: "Ich habe X erreicht, relativ zu Y, indem ich Z getan habe." Die meisten Bewerber würden etwa schreiben: "Ich habe schon Artikel für die New York Times geschrieben." Besser wirken würde es aber, wenn dort stünde: "Ich habe in dieser Zeit 50 Artikel für die New York Times geschrieben (der Durchschnitt liegt bei sechs Artikel), weil ich seit drei Jahren tiefe Einblicke in diesem Bereich habe."

    Bewerbungsformel-Grafik

  • Die Soft Skills

    Die Soft Skills sind ein wichtiger Bestandteil des Anschreibens, im Lebenslauf zählen allein die Fakten. In der fikiven Stellenanzeige ist von "verantwortungsbewusstem und selbstständigem Arbeiten" die Rede. Wie lässt sich das am besten durch ein Beispiel belegen?

    Etwa durch den Umgang mit Kunden, mit denen im neuen Job ja auch kommuniziert werden muss. Zum Nachweis der Soft Skills bietet sich daher folgende Formulierung an:

    Nachhaltige Kundenbeziehungen liegen mir von Natur aus am Herzen. Bei meinem aktuellen Arbeitgeber habe ich daher eigenständig ein Projekt initiiert, das Bestandskundenmanagement zu optimieren. Die Kundenzufriedenheit stieg danach um ganze 15 Prozent.

    Unterschätzen Sie bei solchen Beispielen nie die Macht der Zahlen. Alles, was Sie dabei quantifizieren können, sollten Sie auch erwähnen. Papier ist geduldig, Zahlen aber sind auch belastbar.

  • Gehaltsvorstellung und Eintrittstermin nennen

    Bleibt noch die Frage nach den Gehaltsvorstellungen. Viele Bewerber tun sich damit schwer. Eine zu hohe, aber auch eine zu niedrige Summe kann Kandidaten leicht aus dem Kreis Favoriten katapultieren.

    Als Faustregel aber können Sie sich merken, das aktuelle Gehalt zu nehmen und rund 10 Prozent aufzuschlagen. Das Ganze ist allerdings abhängig von der Branche und Region, in der das Zielunternehmen sitzt. Auf dem Land wird weniger gezahlt als in der Stadt, und das Zielgehalt sollte branchenüblich sein. Also bitte nicht überreizen.

    Was den frühesten Eintrittstermin anbelangt, sollten Sie hier die Kündigungsfristen in Ihrem Arbeitsvertrag beachten. Auch hier gilt die Faustregel: Länger als drei Monate mag kein neuer Arbeitgeber auf eine Besetzung warten.

  • Handlungsaufforderung und Schlussteil

    Am Schluss des Anschreibens sollten Sie freundlich und motiviert klingen. Mehr aber noch Selbstbewusstsein erkennen lassen. Schließlich haben Sie gerade erklärt, warum Sie nicht nur hochmotiviert sondern auch die Idealbesetzung sind. Damit sind Sie schon mal kein Bittsteller mehr, sondern ein ernstzunehmender Kandidat. Sie haben etwas zu bieten: Engagement, Know-how, Leistungswillen, Erfahrung, Mehrwert – also kein Grund sich unter Wert zu verkaufen.

    Der größte Bewerbungsfehler, den Sie im Schlussteil machen können, ist daher auch der leider verbreitetste: der Konjunktiv (würde, könnte, wäre, ...):

    • "Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören."
    • "Gerne würde ich Ihnen meine Motivation ausführlich im Vorstellungsgespräch erläutern."
    • "Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich zum Bewerbungsgespräch einladen."

    Der Konjunktiv schwächt den Satz ab. Zwar klingen solche Sätze sympathisch bescheiden. Im Abschlusssatz aber macht er aus dem bestimmten Wunsch eine vage Möglichkeit und zieht Ihren Glauben an der Eignung zugleich in Zweifel. So jemand wirkt unsicher und macht sich kleiner als er oder sie ist. Also bitte nie Konjunktiv am Schluss.

    Nutzen Sie lieber den Trick mit dem Call-to-action.

    Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, die zeigen, wenn man seine Leser explizit dazu auffordert, einen Artikel weiterzuleiten, zu empfehlen oder zu kommentieren, dann steigt eben diese Empfehlungs- oder Kommentarrate um ein Vielfaches an. Warum also den Trick nicht auch im Bewerbungsanschreiben anwenden und erwähnen, dass Sie sich auf das Vorstellungsgespräch freuen, obwohl noch gar nicht entschieden ist, dass Sie auch eingeladen werden?

    Solche überzeugten Formulierungs-Beispiele - ohne Konjunktiv - könnten sein:

    • "Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch."
    • "Gerne überzeuge ich Sie in einem persönlichen Gespräch davon, dass Sie mit mir einen ebenso engagierten wie erfahrenen Mitarbeiter gewinnen."
    • "Ihrer positiven Rückmeldung sehe ich mit großer Freude entgegen."
    • "Falls Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung."
    • "Wenn Sie einen kompetenten, zuverlässigen und belastbaren Mitarbeiter suchen, dann freue ich mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch."

    Wem das zu viel des Guten ist, der kann natürlich auch den frühest möglichen Eintrittstermin nennen:

    • "Ich kann Ihnen schon einmal zusagen, bei Ihnen am xx. Oktember die Stelle anzutreten."

    Auch das ist letztlich ein Psychotrick: Weil Sie damit subtil unterstellen, DASS Sie den Job bekommen und wenig Fläche für Spekulationen lassen.

    Weitere Dossiers und Tipps zu Schlusssatz, Gehaltsvorstellungen und Anlagen finden Sie hier:

    PS: Zum Schluss noch ein besonderer Tipp

    PS in der BewerbungEs sind nur zwei unscheinbare Buchstaben, jedoch mit einer großen Wirkung: Egal, was und wie viel Sie in Ihrer Bewerbung geschrieben haben – ein PS: (steht für Postskriptum) wird immer gelesen. Das Anhängsel stammt noch aus der Zeit der handgeschriebenen Briefe und ermöglichte dem Autor die Nachschrift eines wichtigen Teils, ohne dass dieser den ganzen Brief noch einmal abschreiben musste.

    In Zeiten von Textverarbeitungsprogrammen, Copy & Paste und E-Mails hat es jedoch ausgedient. Sollte man meinen. Stimmt aber nicht! Denn gerade deshalb erzeugt es enorme Aufmerksamkeit und bleibt im Gedächtnis haften – vorausgesetzt, Sie nutzen es, um etwas Originelles hinzuzufügen. Etwa:

    PS: Ich werde mich am 1. September kurz bei Ihnen telefonisch erkundigen, ob meine Bewerbung angekommen ist. Falls Sie umgekehrt noch Fragen haben, können Sie mich jederzeit erreichen, unter: 0123-4567890.

    Oder:

    PS: Danke, dass Sie meiner Bewerbung bis hierher Ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben. Nun würde ich mich freuen, wenn wir uns persönlich kennenlernen könnten. Rufen Sie mich doch gleich an, unter: 0123-4567890.

    Das sind natürlich nur Beispiele, die Sie inspirieren sollen. Dennoch: Auch wenn Sie den Text nur überflogen haben – dieses PS haben Sie sicher gelesen.

Bonus: Was Sie von Spam-Mails für die Bewerbung lernen können

Hätten Sie es gewusst: Etwa 35 Millionen Spam-Mails werden jeden Monat weltweit verschickt. Schätzungsweise 8,2 Millionen davon landen tatsächlich in irgendeinem Mail-Server, was rund 10.500 der Empfänger animiert, auf wenigstens einen der enthaltenen Links zu klicken. Am Ende kaufen ganze 28 Personen das darin empfohlene Produkt. Das entspricht einer Erfolgsquote von 0,000008 Prozent. Und doch ist das für die Spammer ein lohnendes Geschäft. Mehr noch: Sie als Bewerber können hieraus etwas lernen!

Natürlich nicht, wie man 8,2 Millionen Bewerbungsmappen verschickt, um am Ende schlappe 28 Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch zu ergattern. Auch nicht, wie man Personaler vollspammt.

Dafür aber, wie Sie es schaffen, einen Personalverantwortlichen dazu zu bringen, ausgerechnet Ihre Bewerbung auszuwählen oder aber auf einen darin enthaltenen Link zu klicken - der freilich zur eigenen Bewerbungsseite und nicht zu irgendwelchen Online-Casinos führt.

Wie das geht? So...

  • Durch persönlichen Bezug.

    Manche Junk-Mails der sogenannten Nigeria-Connection, die Ihnen weiß machen wollen, dass irgendwo in Afrika ein reicher Onkel gestorben ist und nun zur Überweisung dessen Erbes ein europäischer Mittelsmann gesucht werde, stellen sofort einen persönlichen Bezug zum Empfänger her, indem der Absender Sie einen "Freund" nennt. Natürlich sollten Sie den Personaler nicht ebenfalls so nennen, geschweige denn duzen. Aber die Masche lässt sich nutzen – etwa, indem Sie vorab recherchieren, wie Ihr zuständiger Personaler mit Vor- und Nachnamen heißt. Vielleicht haben Sie ihn ja auch schon auf einer Karrieremesse getroffen? Dann erwähnen Sie das.

  • Durch ein interessantes Angebot.

    Spam-Mails machen neugierig – schon in der ersten Zeile. Entsprechend sollte bereits Ihr Betreff Interesse wecken. Geben Sie sich beim Formulieren dieses Claims richtig Mühe. Entwerfen Sie einen Slogan oder eine provokante Überschrift. Hierbei lässt sich übrigens bei Twitter viel lernen: 140 Zeichen müssen hier reichen, um Leser zum Klicken oder Retweeten zu animieren. Zudem werden in Spam-Mails nur die wichtigsten Features angepriesen. Vor allem aber gibt es immer ein konkretes Nutzwertversprechen, keine (nervigen) technischen Details. Überlegen auch Sie sich also, welche Ihrer Qualifikationen welchen Nutzen für den Arbeitgeber in spe stiften und konzentrieren Sie sich nur darauf.

  • Durch eine passende Sprache.

    Junk-Mails, die funktionieren, sehen professionell aus. Ein Laie kommt dabei nicht auf die Idee, dass die E-Mail gar nicht von eBay stammt, sondern von Kriminellen, die sein Konto plündern wollen. Warum? Die Anrede ist korrekt, die Signatur vorhanden und das Layout stimmig. Selbst die Sprache wirkt angemessen und passend. Machen Sie es genauso: Studieren Sie die Sprache, Schrifttypen, Markenfarben Ihres Wunscharbeitgebers auf der Firmenwebsite und passen Sie sich dessen Stil an: Sprache, Schrifttypen, Markenfarben der Bewerbungsunterlagen sehen aus, als kämen sie vom Unternehmen selbst.

  • Durch leichte Antwortoptionen.

    Damit es die Spam-Empfänger besonders leicht haben, gibt es immer gut sichtbar einen Link, den diese sofort klicken können. Bei schriftlichen Bewerbungen geht das zwar nicht. Dennoch sollten Sie versuchen, es Ihrem Adressaten so leicht wie möglich zu machen, auf Ihr Schreiben zu antworten. Etwa indem Sie Ihre Kontaktinformationen außergewöhnlich gestalten und in die Kopfzeile jedes Dokuments packen. Gerne auch mit einem kurzen Link (hierzu gibt es kostenlose Link-Shortner wie Bit.ly im Internet) oder mithilfe eines sogenannten QR-Codes. Auch der lässt sich leicht im Internet generieren und die Grafik in jedes Anschreiben einbauen. Solche QR-Codes sind heute mit jedem Handy und einer entsprechenden App einscannbar und führen danach zum Beispiel zu einer persönlich Website oder einem Video.


[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]

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