Bewerbung nach Selbstständigkeit: Tipps fürs Anschreiben
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für viele ein lang ersehnter Wunsch. Endlich der eigene Chef sein, die Projekte angehen, die einen wirklich interessieren und die Flexibilität der Selbstständigkeit genießen. Nicht immer ist es jedoch ein Schritt für den Rest der beruflichen Laufbahn. Wenn die eigenen Vorstellungen mit der Realität nicht vereinbar sind, suchen viele den Weg zurück in ein Arbeitsverhältnis. Genau an dieser Stelle taucht jedoch die Frage auf, wie die Bewerbung nach der Selbstständigkeit zum Erfolg wird. Ehemalige Gründer befürchten oft, dass ihnen genau das nun schaden könnte. Wir zeigen, welche möglichen Probleme Unternehmen bei der Einstellung eines Selbstständigen sehen und wie Sie die Selbstständigkeit in der Bewerbung gewinnbringend nutzen...

Bewerbung nach Selbstständigkeit: Mögliche Probleme aus Arbeitgebersicht

Nach einer Zeit der Selbstständigkeit wieder als Angestellter bei einem Unternehmen zu beginnen ist kein leichter Schritt. Sowohl was die Umstellung betrifft, als auch in Bezug auf die Arbeitsmarktsituation. Bekanntermaßen ist die Konkurrenz groß und Personaler achten auf jedes Detail. Bewerbungen nach der Selbstständigkeit fallen da natürlich auf und werfen Fragen auf.

Es ist also nicht ganz unbegründet, dass Selbstständige befürchten, keinen Job bei einem Unternehmen zu finden, denn der Wiedereinstieg in ein Angestelltenverhältnis ist nicht immer leicht. Oftmals sehen Arbeitgeber bei der Einstellung eines ehemals Selbstständigen mehrere mögliche Probleme.

  • Es mangelt an Teamfähigkeit. Jahrelang konnte man die Dinge so machen, wie man es selbst für richtig hielt, musste sich nicht mit einem Team abstimmen und arbeitete vornehmlich allein. Eine Befürchtung auf Seiten der Unternehmen ist, dass sich der neue Mitarbeiter nicht ins Team integriert, sondern sich abgrenzt und außen vor bleibt.
  • Anweisungen werden nicht befolgt. Wer einmal sein eigener Chef war, tut sich schwer damit, das zu tun, was ein anderer ihm aufgibt. So zumindest der Gedankengang in vielen Personalabteilungen.
  • Der Makel des Scheiterns. Folgt nach der Selbstständigkeit eine Bewerbung für eine Stelle als Mitarbeiter, schwingen automatisch Gedanken mit, ob derjenige in bei seiner Tätigkeit gescheitert ist und auch in einem anderen Job scheitern wird. Viele Arbeitgeber sehen nicht die Chancen, die vielleicht dahinter stehen.

Bewerbung nach Selbstständigkeit: Die häufigsten Gründe

Die Selbstständigkeit ist von außen betrachtet oft genau das, was viele sich von ihrem Arbeitsleben wünschen. Ist es am Anfang die Motivation noch groß und die Situation neu und aufregend, kann sich die Einschätzung im Laufe der Jahre aber auch ändern. Möglicherweise hat man es sich doch vollkommen anders vorgestellt oder die persönliche Situation hat sich geändert.

Die drei häufigsten Gründe für eine Bewerbung nach der Selbstständigkeit sind...

  • festes Einkommen.

    Als Gründer und Selbstständiger kann man nicht automatisch jeden Monat eine feste Gehaltsabrechnung erwarten. Es kommt immer darauf an, wie viele Kunden man gewinnen konnte, wie gut die aktuelle Auftragslage ist und wie viel man vielleicht in Werbung oder andere Kosten investieren musste.

  • geregelte Arbeitszeiten.

    Selbstständige tun sich oft schwer damit, einen wirklichen Feierabend einzuhalten. Eigentlich sind sie immer erreichbar, weil sie der einzige Ansprechpartner sind, denken auch abends und am Wochenende an die Arbeit und kommen kaum dazu, wirklich abzuschalten.

  • Kontakte zu Kollegen.

    Für die einen ist es genau richtig, andere vermissen nach einiger Zeit die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Wer hauptsächlich allein arbeitet, hat weniger Austausch über berufliches, aber kann auch nicht mit den Kollegen bei einer Tasse Kaffee ein bisschen Smalltalk betreiben.

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Bewerbung nach Selbstständigkeit: So klappt's

GaudiLab/shutterstock.comNach der Selbstständigkeit wieder Bewerbungen an Arbeitgeber zu schreiben ist eine neue Situation, die bei vielen Unsicherheit auslöst. Die größte Sorge: Habe ich überhaupt eine Chance, dass ein Unternehmen mich nach der Selbstständigkeit anstellt?

Daher zunächst einmal zur Beruhigung: Ja, natürlich können Sie auch nach der Selbstständigkeit wieder in ein Angestelltenverhältnis wechseln.

Personaler sind nicht grundsätzlich abgeneigt, einen ehemals Selbstständigen als Mitarbeiter anzustellen. Entscheidend ist, wie Sie diese Phase in Ihrer Bewerbung, insbesondere im Anschreiben einbauen und nutzen. Aus der Zeit haben Sie viele Erfahrungen und Fähigkeiten gesammelt, die Sie von anderen Bewerbern abheben können.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten gesammelt, damit Ihre Bewerbung nach der Selbstständigkeit zum Erfolg wird:

  1. Wie wird die Selbstständigkeit im Lebenslauf angegeben?

    Wie jede andere Station in Ihrem beruflichen Werdegang wird auch die Zeit der Selbstständigkeit genau so im Lebenslauf angegeben. Wer die Selbstständigkeit aufgeben musste, weil er nicht erfolgreich war, würde dies zwar lieber verschweigen, doch Lügen im Lebenslauf sind ein absolutes Tabu.

    Sie können im Lebenslauf auch anmerken, welche Aufgaben und Tätigkeiten Sie als Selbstständiger erledigt haben oder welche großen Projekte erfolgreich abgeschlossen wurden.

  2. Warum haben Sie sich für diesen Schritt entschieden?

    Personaler wollen Kandidaten kennenlernen und dazu gehört natürlich auch, warum Sie wieder als Angestellter arbeiten möchten. In Ihrem Anschreiben sollten Sie daher diese Frage aufgreifen und Ihre Motive schildern. Wer hier durchdacht und authentisch seine Ziele für den nächsten beruflichen Schritt erläutern kann, räumt jedes mögliche Probleme aus dem Weg und kann die Personalverantwortlichen von seinen Fähigkeiten überzeugen.

  3. Was haben Sie aus der Zeit gelernt?

    Wie bei anderen Bewerbungen ist es auch nach der Selbstständigkeit die vielleicht wichtigste Frage: Was zeichnet Sie aus und warum hat die Zeit als Selbstständiger Sie sogar zu einem noch besseren Mitarbeiter gemacht? Kurz gesagt: Nutzen Sie all die Stärken, Fähigkeiten und Erfahrungen, die Sie in der Selbstständigkeit gewonnen haben, um Ihre Qualifikation für den Job zu betonen.

    Selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten, Verwirklichung von Zielen und Visionen, große Motivation und eine Macher-Mentalität sind bei vielen Unternehmen gefragt und können die entscheidenden Kompetenzen sein, um die Konkurrenz abzuhängen.

  4. Wie können Sie Ihre Leistungen nachweisen?

    Als Mitarbeiter erhält man ein Arbeitszeugnis, das man Bewerbungen beilegen kann, um die eigenen Leistungen zu verdeutlichen. Doch nach der Selbstständigkeit? Man kann sich selbst schließlich kein Zeugnis für die tolle Mitarbeit ausstellen. Das ist aber auch nicht nötig: Sie haben schließlich mit Kunden zusammengearbeitet, die Sie um ein Referenzschreiben bitten können. Das zählt in dem Fall genauso - sollte allerdings auf Stärken abzielen, die Sie im neuen Job brauchen.

Tipps fürs Anschreiben

Grundsätzlich unterscheidet sich das Anschreiben nach der Selbstständigkeit kaum von einem typischen Bewerbungsschreiben für Berufseinsteiger oder Jobwechsler. Jedenfalls nicht im Aufbau, lediglich die Argumentation ist ein bisschen anders. Generell aber erfolgt der Aufbau nach diesem 9-stufigen Muster:

Aufbau-Bewerbungsanschreiben-Beispiel-Schema

Dabei richten Sie Ihr besonderes Augenmerk natürlich auf die vier Hauptelemente:

  1. Einleitung:

    Hier geht es vor allem darum Interesse zu wecken. Idealerweise beginnt Ihr Anschreiben mit einem Knall, Ihrer Motivation (für diesen Job), Ihrem stärksten Argument und einem originellen Satz. Lassen Sie dabei kurz und subtil einfließen, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht und sich mit dem Unternehmen, seinen Produkten, seiner Kultur bereits intensiv beschäftigt haben, indem Sie etwa ein paar aktuelle Zahlen zitieren oder auf ein kürzlich publiziertes Interview des CEO oder das neuste Produkt eingehen. Das schmeichelt jedem Personaler. Die Betonung hierbei liegt allerdings auf kurz und subtil. Also bitte nicht zu dick auftragen. Mehr als drei bis vier Zeilen haben Sie nicht.

    Achtung: Wer im Internet dazu forscht, findet allerdings auch einige zweifelhafte Beispiele für einen gelungenen Einleitungssatz. Ein Bewerbungshelfer preist beispielsweise folgende Formulierung als "perfekt" an: "Bereits während meines mit 1,0 absolvierten Masterstudiums Wirtschaftsrecht an der Universität Irgendwo habe ich Assistenzfunktionen für die Geschäftsleitung des Berliner Startups Laws & Ordnung GbR übernommen. Insbesondere habe ich die Gesellschaftsgründung juristisch vorbereitet, die allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgearbeitet, eine Patentanmeldung verfolgt und durchgesetzt und die gesamte interne Rechtsberatung geleistet." Na, konnten Sie dem Wortgeklingel und Bandwurmsätze trotz der Grammatikfehler bis hierher folgen? Eben. So wird das sicher nix.

  2. Hauptteil:

    Er dient dem Eigenmarketing und der Darstellung Ihrer sozialen Kompetenzen (Soft Skills). Hier macht der Bewerber klar, welche Stärken, Erfahrungen er oder sie mitbringt. Wichtig ist hierbei, dass Sie nicht alles aufzählen, was Sie können, sondern nur auswählen, was zu dem Job passt, auf den Sie sich bewerben. Fokussieren Sie sich auf die Höhepunkte - jene, die Sie zum idealen Kandidaten machen. Nicht Masse, sondern Klasse zählt.

  3. Unternehmensbezug:

    Hier wird eine Verbindung zum Arbeitgeber in spe hergestellt und der einzigartige Mehrwert begründet, den Ihre Kompetenzen in der angepeilten Stelle schaffen. Es geht also darum, einen Bezug zwischen Ihrem Werdegang und dem angepeilten Job herzustellen. Man könnte auch sagen: Sie spinnen hier den roten Faden, damit Ihr Karriereschritt so wirkt wie eine natürliche Entwicklung, die in diesem Unternehmen münden muss und vor allem eine ist, die dem Unternehmen außerordentlichen Mehrwert bietet. Diesen Teil können Sie natürlich auch mit dem zweiten verweben oder gar zum Einstieg machen. Die Reihenfolge dieser ersten drei Punkte ist nicht fix.

  4. Schlussteil:

    Am Ende können Sie sich für das Interesse bedanken, nennen - falls verlangt - Gehaltsvorstellungen oder frühest möglichen Eintrittstermin und stellen heraus, dass Sie sich über einen Vorstellungstermin freuen.

Ansonsten gilt: Betrachten Sie das Anschreiben stets auch aus der Perspektive des Personalers: Der muss meist mehrere Bewerbungen sichten und vergleichen. Je einfacher und übersichtlicher Sie ihm das machen, desto sympathischer ist ihm Ihre Bewerbung.

[Bildnachweis: Ditty_about_summer, GaudiLab by Shutterstock.com]

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