Papier ist geduldig, Personaler sind es nicht. Immer wieder ranken sich um die optimale Bewerbungsmappe zahlreiche Mythen. Von Deckblättern ist da die Rede, von einer dritten Seite, von gestalterischen Do’s und Don’ts. Alles Schnickschnack.

Ihre Bewerbung steht und fällt mit dem Anschreiben!

Deshalb sollten Sie es auch nicht mit noch so hübschen Deckblättern überdecken: Anschreiben liegen immer obenauf. Sie sind keine Dreingabe, sondern das Initial Ihrer Bewerbung.

Hier wecken Sie Interesse, hier heben Sie sich von anderen Bewerbern positiv ab. Hier entsteht der sprichwörtliche erste Eindruck, für den es keine zweite Chance gibt. Entsprechend übersichtlich, relevant und prägnant muss das Bewerbungsschreiben sein (und frei von Grammatik- und Rechtschreibfehlern).

Im Gegensatz zum Lebenslauf, der das Profil des Bewerbers schärft, spiegelt das Bewerbungsschreiben seine Motivation. Wichtig hierbei: Wiederholen Sie dort nicht die Höhepunkte Ihrer Biografie oder das, was im Lebenslauf steht. Das wäre redundant und verschwendet nur die Zeit des Personalers. Zeigen Sie dem Adressaten vielmehr klar und deutlich, warum Sie sich auf die Stelle bewerben und warum Sie der oder die Beste sind, die er dafür bekommen kann. Kondensieren Sie Ihre Leistungen, Erfahrungen und Erfolge zu einem flammenden Plädoyer für sich selbst. Idealerweise gleich mit dem ersten Satz.

Bloß kein Blabla in der Einleitung!

Wer schon zahlreiche Bewerbungen gelesen hat, weiß: Die meisten Bewerber beginnen mit erstaunlich langweiligen, sinnlosen und überdies bürokratisch klingenden Desinformationen. Es sind Standardsätze, wie sie aus jeder Phrasendreschmaschine kommen könnten und Personaler daher sofort ins Wachkoma befördern. Beispiel gefällig? Bitteschön:

Sehr geehrte Damen und Herren

Damit geht es schon los! Keine persönliche Anrede. Nur eine neutrale Floskel. Dabei reichen in der Regel schon wenige Klicks auf der Karriereseite des Unternehmens oder eine Nachfrage auf der Fanpage, um den Namen des Adressaten zu ermitteln. Anrufen ist dazu übrigens auch erlaubt – es zeigt ja Ihr Interesse und das Bemühen um einen persönlichen Kontakt.

mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige in der Soundso Zeitung vom 1.9.2011 gelesen und möchte mich hiermit für die ausgeschriebene Stelle als Superklasseaccountmanager bewerben. Über Ihr Unternehmen, das Berufsbild und die von Ihnen gestellten Anforderungen habe ich mich gründlich informiert und bin sicher, dass ich diese in vollem Umfang erfülle. Zurzeit schreibe ich noch an meiner Bachelor-Arbeit, werde diese aber im laufenden Monat abschließen, sodass ich zu dem von Ihnen genannten Termin die Stelle antreten könnte

Nicht prickelnd, klingt aber auch nicht ganz verkehrt. Denkste!

Schon der erste Satz enthält eine Nicht-Information und reine Worthülsen. Natürlich hat der Bewerber die Stellenanzeige mit großem Intesse gelesen – er sucht ja ganz offensichtlich einen Job und auf diesen bewirbt er sich sogar! Davon abgesehen, dass fast jedes zweite Anschreiben so beginnt und die Einleitung daher völlig abgenutzt ist, ist auch der Hinweis darauf, wo man das Stellenangebot gefunden hat, völlig deplatziert. Der gehört allenfalls in den Betreff des Anschreibens, ganz sicher aber nicht in den ersten Satz. Wo er Stellenanzeigen geschaltet hat, weiß der Personaler schon. Jetzt will er aber erst mal etwas über Sie erfahren.

Auch der zweite Satz macht es nicht besser. Dass sich ein Kandidat über das Zielunternehmen informiert, das Berufsbild kennt und auch weiß, welche Anforderungen an ihn gestellt werden, versteht sich von selbst. Auch dass man diese erfüllt. Das Gegenteil wäre die Nachricht – allerdings auch ein sofortiges Aus für die Bewerbung.

Über den dritten Satz lässt sich streiten. Er ist nicht ganz unwichtig, gehört aber auch nicht in die Einleitung eines Bewerbungsanschreibens, sondern allenfalls an den Schluss. Redundant ist es überdies. Was der Bewerber gerade so macht und wann er mit seiner Ausbildung fertig ist, sollte schon aus dem Lebenslauf hervorgehen. Diese Information ist also im Anschreiben verzichtbar.

Überlegen Sie sich also genau, womit Sie Ihr Anschreiben einleiten. Der erste Satz gibt den gesamten Rhythmus der weiteren Absätze vor. Weniger Bürokratensprache, mehr Leidenschaft und Persönlichkeit tun dabei jeder Bewerbung gut. Genau das ist es nämlich, was Personaler dort in erster Linie suchen. Reine Fakten, Daten, Informationen finden sie schon im Lebenslauf.

Und auch wenn Sie jetzt ein Beispiel erwarten, hüten Sie sich trotzdem davor, es abzuschreiben oder zu kopieren. Personalentscheider lesen hier ebenfalls mit. Lassen Sie sich lieber davon inspirieren und finden Sie Ihren eigenen ersten Satz – der ist dann auch gleich noch etwas, worauf Personaler ebenfalls großen Wert legen: authentisch.

Apropos: Wie das aussehen könnte – zum Beispiel so…

Sehr geehrte Frau Mustermann,

ich kann es kaum noch erwarten, die Marketingabteilung Ihres Unternehmens mit meinen praktischen Kenntnissen und Erfahrungen über Viralkampagnen zu bereichern. Sind Ihnen etwa schon die drei erfolgreichsten Einsatzbeispiele von QR-Codes bekannt? Gerne würde ich hierzu…

Auch Sie werden instinktiv spüren: Allein diese ersten beiden Sätze atmen Leidenschaft, Begeisterung, Temperament und Engagement. Egal, ob das Know-how des Bewerbers im Unternehmen tatsächlich noch völlig unbekannt ist – der Typ macht neugierig. Und der Personaler liest weiter…

Was Sie von Spam-Mails für die Bewerbung lernen können