Etwa 35 Millionen Spam-Mails werden jeden Monat weltweit verschickt. Schätzungsweise 8,2 Millionen davon landen tatsächlich in irgendeinem Mail-Server, was rund 10.500 der Empfänger wiederum animiert, auf wenigstens einen der enthaltenen Links zu klicken. Am Ende kaufen 28 (keine Prozentzahl!) doch sogar auch das darin empfohlene Produkt. Das entspricht einer Erfolgsquote von 0,000008 Prozent. Und doch ist das für all die Spammer ein lohnendes Geschäft, wie erst vergangene Woche eine sehr gute Infografik des New Scientist zeigte (siehe links, zum Vergrößern bitte anklicken).

Hand aufs Herz: Wie viele Spam-Mails bekommen Sie täglich? Durchschnittlich, sagt man, ist jede dritte E-Mail im Postfach eine Spam-Mail, wobei die meisten Mail-Accounts den Großteil dieses Infomülls schon vorab herausfiltern, sodass er gar nicht mehr im Posteingang erscheint. Natürlich ist das ein ewiger Wettkampf: Spammer, Phisher und andere Netzunholde denken sich immer neue Strategien aus, wie diese Mails dennoch täuschend echt aussehen und in unserem Maileingang landen. Entsprechend fallen Woche für Woche neue Nutzer auf die Bitte herein, ihre Passwörter zu wechseln, sich erneut zu verifizieren, oder sie glauben tatsächlich ein Schnäppchen machen zu können.

Könnten Bewerber hieraus etwas lernen? Nicht, dass wir Sie zum Spammen animieren wollten. Aber die Vorstellung mit dem eigenen Anschreiben Personalverantwortliche ebenso davon zu überzeugen, auf enthaltene Links zu klicken (die dann natürlich zur eigenen Bewerbungsseite und nicht zu Casinos, Pokerhallen oder erektionsverlängernden Präparaten führen) oder den Kandidaten gar einzuladen, klingt verlockend. Also lassen Sie uns dazu etwas ins Detail gehen: Was lässt sich von Spam- oder Junk-Mails für das Bewerbungsschreiben lernen?

Persönlicher Bezug

Manche Junk-Mails der sogenannten Nigeria-Connection, die Ihnen weiß machen wollen, dass irgendwo in Afrika ein reicher Onkel gestorben ist und nun zur Überweisung dessen Erbes ein europäischer Mittelsmann gesucht werde, stellen sofort einen persönlichen Bezug zum Empfänger her, indem der Absender Sie “Freund” nennt. Nun sollen Sie den Personaler gewiss nicht ebenfalls so nennen, geschweige denn ihn duzen. Aber die Masche lässt sich dennoch nutzen – etwa indem Sie vorab recherchieren, wie Ihr zuständiger Personaler mit Vor- und Nachnamen heißt. Vielleicht haben Sie ihn ja auch schon auf einer Karriere-Messe getroffen? Erwähnen Sie das. Und schreiben Sie ihn persönlich an. Das ist allemal besser, als mit “Sehr geehrte Damen und Herren” einzusteigen.

Interessantes Angebot

Spam-Mails machen neugierig – und zwar schon in der ersten Zeile. Entsprechend sollte bereits Ihr Betreff erstes Interesse wecken. Geben Sie sich beim Formulieren dieses Claims richtig Mühe. Entwerfen Sie einen Slogan oder eine provokante Überschrift. Hierbei lässt sich übrigens bei Twitter viel lernen: 140 Zeichen müssen reichen, um Leser zum Klicken oder Retweeten zu animieren!

Knappe Worte

Spam-Mails sind kurz. Sonst würde sie keiner lesen. Also achten Sie darauf, nicht ausschweifende Sätze im Stil einer Erlebniserzählung zu schreiben. Machen Sie es lieber kurz, knapp, knackig. Kommen Sie direkt zum Punkt – ohne Schachtelsätze. Und überzeugen Sie durch Argumente, nicht durch heiße Luft. Denken Sie an den Posteingang des Empfängers: Wenn Sie die die Nummer 50 im Bewerberstapel sind, wird der Personaler kaum Lust haben, Romane zu lesen. Entsprechend sollten Sie im Bewerbungsschreiben nahtlos Ihre Schlüsselqualifikationen und Ihre Beweggründe anführen. Der Personaler möchte sich möglichst schnell ein Bild von Ihrem Marktwert und Ihrer Motivation machen.

Vielversprechende Vorteile

In Spam-Mails werden Ihnen nur die wichtigsten Features angepriesen, vor allem: was Ihnen diese bringen. Es gibt fast immer ein konkretes Nutzwertversprechen, dafür keine (nervigen) technischen Details oder gar ein komplettes Benutzerhandbuch. Überlegen also auch Sie sich, welche Ihrer Qualifikationen welchen Nutzen für das Unternehmen stiften und konzentrieren Sie sich darauf.

Vierteiliger Aufbau

Geben Sie Ihrem Schreiben eine klare Struktur. Die Reihenfolge kann natürlich auch mal variieren, aber wie bei Junk-Mails hat sich folgender (bereits adaptierter) Aufbau bewährt: Die Einleitung nimmt – falls es eine konkrete Stellenanzeige gibt – Bezug auf die ausgeschriebene Stelle. Der nächste Teil ist reines Eigenmarketing. Hier machen Sie dem Unternehmen unmissverständlich klar, warum es fatal wäre, Sie nicht einzustellen. Im dritten Teil wird eine Verbindung zum Unternehmen hergestellt. Der Bezug zwischen Ihrem Werdegang und dem angepeilten Job muss ersichtlich werden. Diesen Teil sollten Sie aber – nach dem Junk-Mail-Prinzip – mit dem ersten verbinden, um eben Interesse zu wecken. Am Schluss bedanken Sie sich für das Interesse, betonen noch einmal, dass Sie sich über einen Vorstellungstermin freuen und senden freundliche Grüße.

Professionelles Erscheinungsbild

Junk-Mails, die funktionieren, sehen professionell aus. Ein Laie kommt so schnell nicht auf die Idee, dass die E-Mail gar nicht von Ebay stammt, sondern von Kriminellen, die sein Konto ausspähen wollen. Warum? Die Anrede ist korrekt, die Signatur vorhanden und das Layout stimmig. Selbst die Sprache wirkt angemessen und passend. Machen Sie es genauso: Studieren Sie die Sprache auf der Firmenwebseite und passen Sie sich dem Stil an!

Bessere Antwortoptionen

Um auf eine E-Mail zu reagieren, ist der schnellste Weg auf “Antworten” zu klicken. Bei schriftlichen Bewerbungen geht das freilich nicht. Dennoch sollten Sie versuchen, es Ihrem Adressaten so leicht wie möglich zu machen. Zum Beispiel, indem Sie Ihre Kontaktinformationen leichter auffindbar machen. Die Kopf- oder Fußzeilen im Lebenslauf bieten hierzu ebenso Raum wie die obere linke Ecke des Anschreibens oder dessen Abspann: Statt der Aussage, dass Sie sich auf eine Antwort freuen, zeigen Sie dem Unternehmen dann etwa auf welchem Weg Sie am schnellsten zu erreichen sind. Besonders Kreative können auch einen sogenannten QR-Code in ihr Anschreiben integrieren. Das lässt sich von jedem Handy mit der entsprechenden App einscannen und führt dann direkt zur E-Mail-Adresse oder Telefonnummer.

Keine Massensendung

Gerade weil die Versuchung groß ist, muss an dieser Stelle allerdings betont werden: Die Bewerbung sollten Sie im Gegensatz zu Spam-Mails nie (!) wie eine Massenwurfsendung behandeln. Sie können nicht an jedes Unternehmen das gleiche Schreiben verschicken, das fällt auf und führt in der Regel zum sofortigen Aus. Eine Bewerbung hat immer direkten und individuellen Bezug zum adressierten Unternehmen. Das macht die Sache freilich etwas aufwendiger als Junk-Mails. Dafür liegt die Erfolgsquote in der Regel allerdings auch deutlich höher als bei 0,000008 Prozent. Anregungen und Muster zum Anschreiben finden Sie übrigens noch am Ende dieses Artikels.

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