Bewerbungsbrief-schreiben-Tipps
Einen ausgefuchsten Bewerbungsbrief zu formulieren, ist sicher nichts, was man mal eben so macht. Oder schlimmer: per copy & paste aus Bewerbungsvorlagen zusammenschustert. Die dürfen gerne als Anregung und Hilfestellung dienen, mehr aber bitte nicht. Auch wenn die die Versuchung noch so groß ist, sich mangels eigener Ideen in Floskeln und typische Sätze zu flüchten. Tun Sie es nicht! Sie laichen hier schließlich nicht nur Text ab, sondern verkaufen sich selbst und wollen damit überzeugen...

Tipps für den Bewerbungsbrief

Studium an einer Spitzenuniversität, natürlich in Rekordzeit, perfekte Praktika, davon einige im Ausland, zwei Fremdsprachen fließend, hohe Mobilität, gebleachtes Lächeln, modischer Kurzhaarschnitt, Partner - aber keine Kinder. Denn: Erst mal Karriere! ... Die Lebensläufe gleichen sich erschreckend oft. Die einzelnen Punkte sind auch gar nicht verwerflich, zum Teil umsichtig und klug. Aber es fehlt die Persönlichkeit, die Seele des Bewerbungsbriefes. Doch genau danach suchen Personaler, die guten jedenfalls: Sie wollen Charakterköpfe statt Inselbegabungen. Das macht den Ausleseprozess zwar nicht unbedingt leichter, hat aber Sinn.

Akademische Intelligenz korreliert eben nicht zwingend mit Kreativität und sozialer Kompetenz. Und der Keim der Innovation steckt oft im Unkonventionellen: Gute Ideen entstehen, weil jemand quer denkt, rumspinnt, fantasiert, träumt. Und genau das lässt sich schon an den Formulierungen im Bewerbungsbrief erahnen oder gar ablesen.

Auch wenn Sie noch keine Übung darin haben, Ihre Motivation, Qualifikation und Talente in eine passende Schriftform zu bringen, versuchen Sie es bitte trotzdem und hören Sie auf Ihren Bauch: Jeder Satz, den Sie beim zweiten Lesen als suboptimal empfinden, sollten Sie wieder streichen und einen besseren formulieren.

Es ist nun einmal so: Abgedroschene Floskeln, die sich aneinander reihen und Formulierungen wie aus Textbaustein-Manufaktur offenbaren eben keinen intellektuellen Mehrwert, sondern Massenware. Und wer will die schon?!

Unsere zahlreichen Dossiers zur Bewerbung können Ihnen dabei sicher helfen - wie schon vielen anderen Lesern auch, die uns das per E-Mail, Postkarte oder Facebook bestätigt haben...

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Erquickliche Bewerbungsbriefe sind keine Geheimwissenschaft - im Gegensatz zu schmackhaften Kantinengerichten. In der Regel hilft es schon, wenn Sie auf die übliche Phrasendrescherei verzichten und individuelle Sätze formulieren. Weil es beim Schreiben eines Bewerbungsbriefes aber dennoch zu Fauxpas' kommen kann, haben wir eine Liste erstellt, die Sie vor den gängigsten Formulierungsfallen bewahren und Ihnen zugleich zeigen soll, wie es besser geht. Beispielhaft! Denn nichts ist besser als Ihre ganz individuelle Formulierung, in der Ihre eigene Persönlichkeit durchschimmert...

8 Sätze, die in keinen Bewerbungsbrief gehören

Sehr geehrte Damen und Herren...

  • Was ist daran schlecht? Zunächst einmal nichts. Nur ist diese klassische Anrede eben auch alles andere als persönlich. Sie zeigt: Sie kennen Ihren Leser gar nicht. Und Sie haben sich beim Verfassen des Bewerbungsanschreibens auch nicht die Mühe gemacht, das zu ändern.
  • Wie geht es besser? Recherchieren! Und zwar entweder auf einer Karriereseite im Internet oder telefonisch, wer der richtige Ansprechpartner für die Bewerbung ist. Fragen Sie gezielt nach einem Namen. Das ist überhaupt nicht aufdringlich, es zeigt vielmehr, dass Sie Ihre Hausaufgaben machen. Besser wäre natürlich, Sie haben den Adressaten schon mal persönlich kennengelernt - zum Beispiel auf einer Karrieremesse.

...bezugnehmend auf Ihre Anzeige vom 1. Januar 2014 in der Jobbörse...

  • Was ist daran schlecht? Langweiliger kann der Einleitungssatz in einem Bewerbungsbrief nicht formuliert werden. Genauso schlimm: "Hiermit bewerbe ich mich..." Im Grunde ist das inhaltlich auch der Betreff - und der gehört noch vor die Anrede nach oben im Anschreiben (nur ohne das Wort "Betreff").
  • Wie geht es besser? Finger weg von typischen Floskeln. Machen Sie sich klar, dass Personaler täglich solche Bewerbungen lesen. Alles, was wie Standard aussieht, kickt auch genauso wenig. Die Kunst ist, innerhalb des ersten Satzes ein Maximum an Aufmerksamkeit und möglichst viele positive Emotionen zu erzeugen: Überraschung, Neugier, Interesse. Selbst ein kleiner Schockeffekt ist erlaubt, wenn das Weitere seriös und fundiert ist. Etwa so: "von meiner Haustür bis zur Firmenzentrale sind es mit dem Fahrrad genau 20 Minuten. Das heißt: Während die anderen Mitarbeiter noch im Stau stehen, könnte ich morgens schon der erste Kollege im Büro sein..."

...nachdem ich das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim besucht habe, wechselte ich zur Universität Mannheim, wo ich begann, BWL zu studieren. Danach fand ich eine erste Beschäftigung...

  • Was ist daran schlecht? Nichts, wenn Sie vorhatten, tumb Ihren Lebenslauf nachzuerzählen. Ansonsten: alles. Das Anschreiben soll nicht einfach nur die Höhepunkte Ihrer Biografie oder das wiederholen, was schon im Lebenslauf steht. Das wäre redundant und verschwendet nur die Zeit des Personalers. Zeigen Sie dem Adressaten im Bewerbungsbrief vielmehr, warum Sie für die Stelle brennen und warum Sie der ideale Kandidat sind.
  • Wie geht es besser? Kondensieren Sie Ihre Leistungen, Erfahrungen und Erfolge zu einem flammenden Plädoyer für sich selbst. Sagen Sie, was Sie an diesem Beruf fasziniert. Welches Know-how können Sie dazu einbringen? Welche Erfolge belegen Ihre Leistungsbereitschaft und Lösungskompetenz?

...wie Sie sehen, bin ich der ideale Kandidat für die ausgeschriebene Stelle.

  • Was ist daran schlecht? Auch wenn Sie das glauben, schreiben dürfen Sie das nicht. Das ist viel zu plump. Die Kunst ist, den Personaler selbst auf diesen Gedanken kommen zu lassen - aber subtil genug, dass er die Manipulation nicht gleich bemerkt.
  • Wie geht es besser? Nicht wenige Schreiber haben am Ende eines Bewerbungsbriefs das Gefühl, sie müssten noch ein Fazit formulieren. Fehler! Das braucht (und liest) kein Mensch. Überlassen Sie dem Personaler diesen Job - es ist auch seiner. Besser, Sie betonen, dass Sie sich gerne noch persönlich vorstellen und einzelne Punkte veriefen würden.

Ich bin teamfähig, belastbar, engagiert...

  • Was ist daran schlecht? Papier ist geduldig. Und behaupten kann das jeder. Das Problem an solchen Adjektiven: Je mehr Sie davon verwenden, desto unglaubwürdiger werden sie. Mehr noch: Je selbstverständlicher sie sind, desto eher nähren sie den Zweifel: Wenn einer schon betonen muss, dass er teamfähig ist...
  • Wie geht es besser? Behaupten Sie nicht - belegen Sie! Und zwar mithilfe von kleinen Geschichten. Zugegeben, das ist schwer in fünf Sätzen eine Berufsstation oder soziales Engagement zusammenzufassen. Aber genau das macht eine gute Bewerbung aus. Kleiden Sie die Erfolge nicht in Phrasen, sondern zeigen Sie im Subtext, wo und wie sie - trotz Stress und Belastung - durchgehalten, die Mitstreiter motiviert und sich freiwillig tiefer reingekniet haben, als Sie mussten.

In meiner Aufgabe als Teamleiter konnte ich den Output erheblich steigern.

  • Was ist daran schlecht? Achtung Phrasenalarm! Schön, dass Sie Führungsverantwortung hatten, angeblich auch mit Erfolg. Aber wie sah der denn konkret aus? Was bedeutet "erheblich"? 5 Prozent? 10, 20 Prozent? Und wie haben Sie das geschafft: indem Sie mehr Mitarbeiter eingestellt und so letztlich auch die Kosten erheblich gesteigert haben?
  • Wie geht es besser? Seien Sie konkret, wenn Sie Erfolge vorweisen. Wie groß war Ihr Team? Wie haben Sie die Änderungen umgesetzt - und vor allem: Wie haben Sie den Erfolg gemessen und genau quantifiziert? Punkten Sie mit nachprüfbaren Fakten, nicht mit Pauschal-Blabla.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich zum Bewerbungsgespräch einladen würden.

  • Was ist daran schlecht? Der Konjunktiv. Er schwächt den Satz ab. Sicher, der Konjunktiv klingt sympathisch bescheiden. Im Schlusssatz aber macht er aus dem bestimmten Wunsch eine vage Möglichkeit und zieht den Glauben daran zugleich in Zweifel. So jemand wirkt sofort unsicher und macht sich kleiner als er oder sie ist. Also bitte nie Konjunktiv am Schluss!
  • Wie geht es besser? Sie sollten zwar stets freundlich und motiviert klingen, aber auch Selbstbewusstsein erkennen lassen. Schließlich haben Sie gerade noch erklärt, warum Sie den Job haben wollen und die Idealbesetzung sind. Damit sind Sie schon mal kein Bittsteller mehr, sondern ein ernstzunehmender Kandidat. Sie haben etwas zu bieten: Engagement, Know-how, Leistungswillen, Erfahrung, Mehrwert. Zeigen Sie das, etwa so: "Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch."

Viele liebe Grüße

  • Was ist daran schlecht? Kennen Sie sich wirklich so gut? "Liebe Grüße" bleiben Freunden oder Kollegen vorbehalten, in der Bewerbung sind sie tabu. Zu vertraulich! Ebenso förmliche Grußformeln à la "Hochachtungsvoll grüßt...". Altbacken!
  • Wie geht es besser? Mit der Standard-Formel "Mit freundlichen Grüßen" machen Sie nichts falsch. Sie ist aber auch ein bisschen langweilig. Etwas origineller und zugleich persönlicher ist: "Mit besten Grüßen nach [Ort des Arbeitgebers]" So bauen Sie am Ende erneut einen Bezug zum Empfänger ein und beweisen Empathie. Wichtig: Grüße nach - nicht aus Ihrem Wohnort. Damit stellen Sie sich sonst wieder in den Mittelpunkt.

Betonen Sie nie das Selbstverständliche!

Floskeln in der BewerbungImmer wieder untersucht das Business-Netzwerk Linkedin, die am häufigsten verwendeten Floskeln in den Profilen der Mitglieder. Ganz oben auf der Liste stehen regelmäßig die Adjektive innovativ und kreativ. Fürchterlich abgedroschen und längst inflationär entwertet. Zumal solche Behauptungen nicht glaubwürdiger werden, indem man sie sich ebenfalls zu eigen macht.

Verzichten Sie daher am besten auf die folgenden Buzzwords und hohlen Phrasen:

  • Ich arbeite effektiv und effizient
  • Ich bin ein Teamplayer
  • Ich bin dynamisch
  • Ich verhalte mich proaktiv
  • Ich bin erfahren
  • Ich bin (hoch)motiviert
  • Ich denke unternehmerisch
  • Ich war erfolgreich
  • Ich denke ergebnisorientiert
  • Ich plane zielorientiert
  • Ich liefere Mehrwert
  • Mein Wissen ist auf dem neuesten Stand
  • Ich möchte mich weiterentwickeln
  • Ich verstehe mich als Problemlöser
  • Ich arbeite selbstständig
  • Ich bin hochqualifiziert
  • Ich bin ein strategischer Denker
  • Ich bin ein Schnellllerner
  • Ich bin ein Querdenker
  • Ich bin ein erfahrener Profi

Für all diese Floskeln gilt: Das Gegenteil wäre die Nachricht (wenn allerdings auch keine förderliche für die Bewerbung). Der Personaler darf erwarten, dass Kandidaten diese Eigenschaften mitbringen - eben weil sie selbstverständlich sind. Wer das Selbstverständliche aber betont, nährt eher den Zweifel, dass es auch genauso ist.

[Bildnachweis: Syda Productions, vgstudio by Shutterstock.com]

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