Bewerbungschancen verbessern
Seit gut einem Jahr machen wir ihn jetzt - den Karrierebibel Arbeitgebercheck. Zwar unterscheiden sich die Anforderungen an Bewerber heute formal kaum: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse - allesamt gehören sie zu jeder Bewerbung dazu. Aber wie so oft stecken die Tücken im Detail. Am Ende setzt eben doch jedes Unternehmen andere Schwerpunkte, worauf es bei Bewerbungen achtet. Und genau das zeigt unser Arbeitgebercheck...

Worauf Unternehmen bei Bewerbern achten

Bei dem einen Unternehmen kommt es vor allem auf die Softskills und die sozialen Fähigkeiten des Bewerbers an, während andere stärker auf die fachlichen Qualifikationen oder das Layout der Bewerbungsunterlagen achten. Die Einzelinterviews (bei denen schon rund 20 Unternehmen mitgemacht und sich einige davor auch leider gedrückt haben) finden Sie HIER.

Dennoch haben wir zum Jahresende mal eine statistische Auswertung gewagt. Das ist - zugegeben - ein wenig widersprüchlich, da der Sinn des Arbeitgeberchecks ja genau darin liegt, individuelle Vorlieben aufzuzeigen. Trotzdem gibt es klare Präferenzen und Tendenzen, wie Sie jetzt unsere Analyse der vorhandenen Interviews gezeigt hat.

Hier die Ergebnisse...

Präferenzen bei der Bewerberauslese

Wenn Sie sich also das nächste Mal bei einem Unternehmen bewerben (das hier noch nicht mitgemacht hat), könnten Sie Ihre Jobchancen statistisch steigern, wenn Sie folgende Punkte berücksichtigen.

Bewerbungsmappen – lieber Hochglanz oder Pappe?

Hier antworten 100 Prozent: Lieber online! Jedes der befragten Unternehmen hat inzwischen auf E-Recruiting umgestellt und bevorzugt auch diesen Weg.

Anschreiben – lieber klassisch oder kreativ?

  • 81 Prozent bevorzugen eine klassische Bewerbung.
  • 19 Prozent können sich auch eine kreative Form vorstellen.

Eine oder zwei Seiten für das Anschreiben?

  • 88 Prozent möchten nur eine Seite lesen.
  • 12 Prozent lesen auch noch maximal zwei Seiten.

Youtube-Videos und Blogs als Ergänzung?

  • 35 Prozent würden sich auch ein ergänzendes (!) Video ansehen.
  • 65 Prozent der Personaler finden ein Bewerbungsvideo überflüssig.

Wie viele Tippfehler sind das Aus?

Generell sagen alle Befragten: Die Bewerbungsunterlagen sind bereits die erste Arbeitsprobe. Tippfehler interpretieren sie daher als Indiz für die Sorgfalt bei der späteren Arbeit. Dennoch kann ein überzeugendes Profil manchen Verschreiber "heilen". Und doch...

  • 45 Prozent steigen schon nach einem Schreibfehler aus.
  • 55 Prozent schreiben den Kandidaten ab dem zweiten Tippfehler ab.

Gehaltsvorstellungen angeben?

  • 72 Prozent sagen ganz klar: ja. Denn das beschleunige den Bewerbungsprozess.
  • 28 Prozent sind die Angaben zu dem Zeitpunkt egal - es sei denn, sie wurden ausdrücklich in der Stellenanzeige gefordert. Dann sind sie ein Muss.

Das größte Tabu in der Bewerbung?

Das eine Tabu lässt sich hier leider nicht ausmachen. Aber es gibt offenbar eine Bewerbersünde, die häufiger vorkommt und dann auch schnell ins Aus führt: die Copy & Paste-Falle.

Wenn Ansprechpartner falsch sind oder gar in der Bewerbung noch der Name einer anderen Firma vorkommt, dann zeigt das den Personalern, dass es sich hier ganz offenbar um eine Massenbewerbung ohne Bezug zum Unternehmen handelt. Und die werden gleich aussortiert.

Lebenslauf – chronologisch oder amerikanisch?

Auch hier gibt es keine klare Präferenz. Die meisten Personaler sagen: Hauptsache logisch, tabellarisch und übersichtlich aufgebaut. Oder es sei davon abhängig, wie viel Berufserfahrung der Bewerber hat. Absolventen, die diesbezüglich noch nicht so viel vorweisen können, sind mit dem chronologischen Aufbau besser beraten. Danach allerdings wird der amerikanische Lebenslauf - also mit dem letzten Job zuerst - bevorzugt. Konkret:

  • 26 Prozent der Personaler lesen am liebsten einen chronologischen Lebenslauf
  • 74 Prozent bevorzugen den sogenannten amerikanischen Aufbau.

Interessieren Hobbys?

Und wie! Eine ganz deutliche Mehrheit möchte so noch etwas mehr über die Persönlichkeit und die Interessen des Bewerbers erfahren:

  • 87 Prozent finden Angaben zu Hobby wertvoll.
  • 13 Prozent finden sie nicht schlimm, interessieren sich aber auch nicht weiter dafür.

Mit oder ohne Bewerbungsfoto?

Seit dem AGG sind die Unternehmen bei dieser Aussage natürlich vorsichtig. Ein Foto dürfen sie gar nicht verlangen. Zwischen den Zeilen lässt sich meist aber schon eine Präferenz herauslesen:

  • 53 Prozent sehen Bewerbungsfotos auch weiterhin gern.
  • 47 Prozent legen darauf keinen Wert.

Interessant aber auch: Wenn Bewerbungsfotos erwünscht sind, bevorzugen zwei Drittel Schwarz/Weiß-Fotos.

Dritte Seite – ja oder nein?

Zwar wird in den Interviews immer wieder gesagt: Wenn die Bewerbung sonst sehr umfangreich und die dritte Seite gut gemacht ist, würden die auch beachtet. Aber im Großen und Ganzen scheint sie doch eher überflüssig. So sagen...

  • 75 Prozent "Nein" zur dritten Seite.
  • 25 Prozent finden sie ganz okay.

Wie viele Zeugnisse dazu?

Hier lautet die häufigste und leider recht unkonkrete Aussage: "alle relevanten" - aber auch nicht mehr. Das lässt sich statistisch leider nicht wirklich auswerten. Aufgrund weniger Nennungen scheint damit aber gemeint zu sein: nicht mehr als drei bis fünf Zeugnisse.

Ist Nachfragen nach zwei Wochen okay?

Spannend, wie sich hier bei den Antworten gewunden wird. Im Kern lautet die Aussage:

Wir haben doch ein elektronisches System. Da bekommt der Bewerber erst einmal eine Bestätigungsmail, dass die Bewerbung angekommen ist. Der Rest dauert dann halt. Also habt bitte Geduld und nervt uns nicht.

So sagt das natürlich keiner. Aber es entspricht der Übersetzung ins Tacheles.

Googlen Sie Kandidaten?

Gibt keiner zu. Aus anonymen Umfragen wissen wir aber, dass es natürlich trotzdem geschieht. Nicht bei allen Bewerbern, aber vereinzelt bei den wenigen letzten Kandidaten im Rennen. Immerhin: Ein paar Geständnisse gibt es...

  • 83 Prozent sagen, dass Sie keinerlei Online-Recherche machen.
  • 17 Prozent geben zu, ab und an doch mal Kandidaten zu googeln.

Wie lange dauert der Bewerbungsprozess im Schnitt?

Bei manchen geht es schneller, bei anderen dauert es länger. Die Spanne reicht zwischen ein, zwei Wochen bis hin zu zwei Monaten - und zwar bei überraschender Gleichverteilung:

  • Bei 25 Prozent dauert es maximal zwei Wochen.
  • Bei 25 Prozent dauert es maximal vier Wochen.
  • Bei 25 Prozent dauert es maximal sechs Wochen.
  • Bei 25 Prozent dauert es maximal acht Wochen.
[Bildnachweis: Graphicworld by Shutterstock.com]

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