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Die Bewerbungsphase ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Stellen suchen, Bewerbungen schreiben, auf Antworten hoffen, mit der Enttäuschung und dem Frust über eine Absage umgehen und wieder von vorne beginnen, bis endlich der erwünschte Job gefunden wurde und die Zusage kommt. Viele Bewerber sehen sich dieser Herausforderung nicht gewachsen oder hoffen, durch die Hilfe eines Bewerbungscoaches die eigenen Chancen zu erhöhen und schneller den eigenen Traumjob zu bekommen. Aber worum geht es bei einem Bewerbungscoaching eigentlich und lohnt es sich wirklich?

Bewerbungscoaching: Wobei hilft der Coach?

Von einem Bewerbungscoaching erhoffen sich im Grunde alle Teilnehmer das selbe Ergebnis: Möglichst schnell den richtigen Job finden. Soviel ist klar, doch wo genau setzt der Bewerbungscoach eigentlich an und wie läuft das Coaching ab?

Hierbei geht es schon deutlich individueller zu, denn in erster Linie kommt es darauf an, in welchen Bereichen Sie Hilfe brauchen. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich Bewerbungscoachings tatsächlich ablaufen können, da je nach Ausgangsituation und Fragestellung diverse Bereiche abgedeckt werden können:

  • Berufsziele erörtern
  • Stellenanzeigen recherchieren und verstehen
  • Bewerbungen erstellen
  • Vorhandene Unterlagen optimieren
  • Vorstellungsgespräche vorbereiten und üben
  • Bewerbungsstrategie besprechen
  • Einstellungsverfahren und Assessment-Center vorbereiten
  • Gehaltsverhandlungen üben

Im besten Fall können Sie beim Bewerbungscoaching jede Frage, die Sie in diesem Bereich haben, ansprechen und gemeinsam mit dem Coach klären oder zu einer Lösung des Problems kommen. Der Knackpunkt hierbei lautet: gemeinsam. Erwarten Sie nicht, dass Sie in einem Bewerbungscoaching vorgefertigte Bewerbungen und passende Stellen erhalten.

Natürlich erhalten Sie in diesen Bereichen wichtige Hilfestellung, doch geht es auch darum, dass Sie selbst lernen, worauf es bei diesen Dingen ankommt.

Was kostet ein Bewerbungscoaching?

Es lässt sich nicht grundsätzlich sagen, wie teuer ein Bewerbungscoaching ist. Schließlich gibt es viele unterschiedliche Angebote und im Internet finden sich eine Vielzahl von Bewerbungscoaches, die alle versprechen, Ihnen zum Traumjob zu verhelfen - und dafür unterschiedliche Honorare verlangen.

Einige Coaches bieten verschiedene Angebote zu unterschiedlichen Preisen, die sich auf verschiedene Aspekte der Bewerbung konzentrieren. So kann man sich beispielsweise bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen helfen lassen, muss dafür aber meist mindestens 100 Euro - meist sogar zwischen zwischen 150 und 200 Euro - bezahlen.

Oft werden aber auch Honorare auf Stundenbasis vereinbart, in denen Sie mit dem Bewerbungscoach gezielt auf die Themen eingehen, bei denen Sie sich Hilfe und Unterstützung erhoffen. Hier kommt es natürlich auf die Auswahl des Beraters an und bekanntlich sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Im Durchschnitt sollten Sie aber mit Kosten zwischen 100 und 250 Euro pro Stunde rechnen.

Bewerbungscoaching: Lohnt sich die Investition?

OPOLJA/shutterstock.comDie Kosten für ein Bewerbungscoaching sind nicht zu unterschätzen und Bewerber verbinden damit große Erwartungen und viel Hoffnung, um endlich den langersehnten Job zu erhalten und aus dem ewigen Kreislauf der abgelehnten Bewerbungen auszubrechen. Es gibt zwar keine Garantie, dass Ihr Bewerbungscoaching zum Erfolg wird - schließlich gibt es in jeder Branche auch schwarze Schafe - doch sind Sie an einem Punkt angelangt, an dem Sie keinen Job finden und alleine nicht mehr weiter wissen, kann ein Bewerbungscoaching der richtige Weg sein und sich trotz der Kosten durchaus lohnen:

  1. Sie verbessern Ihre Chancen

    Wenn Sie an einen professionellen Anbieter für Bewerbungscoachings geraten, wird dies Ihre Chancen auf einen Job verbessern. Selbst wenn Sie bereits gute Bewewerbungsunterlagen haben, gibt es immer noch die ein oder andere Stellschraube, um diese zu optimieren oder für die jeweilige Bewerbung individuell an das Unternehmen anzupassen.

  2. Sie können Ihre Fragen mit einem Experten absprechen

    Oft hilft es, wenn man seine offenen Fragen ganz direkt mit einem Experten besprechen kann, der auf dem Gebiet über mehr Wissen und größere Erfahrung verfügt. Dabei sollten Sie möglichst konkret werden und sich genau überlegen, was Sie wissen möchten. Ein Warum bekomme ich keinen Job? ist vielleicht eine verständliche Frage, jedoch zu allgemein.

  3. Sie lernen sich selbst besser kennen

    In den Gesprächen während des Bewerbungscoachings lernen viele Teilnehmer eine Menge über sich selbst, da ein guter Coach Fragen aufwirft, die man sich zwar stellen muss - denen man alleine aber lieber aus dem Weg gehen würde.

  4. Sie überwinden Ihre Ängste

    Wer mit einem Bewerbungscoach beispielsweise das Vorstellungsgespräch geübt hat, ist im Ernstfall meist deutlich gelassener und weniger ängstlich, da er weiß, was auf ihn zukommt. Auch die Angst vor der Veränderung kann mit dem Coach besprochen werden. Nicht selten sind es genau diese Ängste, die einen zurückhalten und mit dafür verantwortlich sind, dass man sich in einer Sackgasse befindet.

  5. Sie erhalten mehr Selbstvertrauen

    Je länger eine Bewerbungsphase bereits dauert, desto größer sind die Selbstzweifel, mit denen Bewerber sich herumschlagen müssen. Ein Bewerbungscoaching kann helfen, das eigene Selbstvertrauen wieder zurückzugewinnen und gestärkt in die nächste Runde von Anschreiben und Vorstellungsgesprächen zu gehen. Mit dieser Ausstrahlung fällt es auch leichter, überzeugend aufzutreten.

Coach und Berater Guide: Wer Ihnen wann weiterhilft

Wer sich informiert, findet unzählige Angebote von verschiedenen Coaches und Beratern, die alle ein wenig unterschiedlich sind. Gar nicht so leicht, dabei den Überblick zu behalten und wirklich zu wissen, wer was anbietet. Unser Coach und Berater Guide zeigt Ihnen, wer wann hilft und worauf Sie bei den einzelnen Beratern achten sollten:

  1. Bewerbungscoach

    • Darum geht es:

      Sie suchen einen neuen Job und brauchen jemanden, der Ihnen ein fundiertes Feedback für Ihre Unterlagen gibt und Ihnen bei der Optimierung hilft? Dann schauen Sie sich nach einem Bewerbungsberater oder auch Bewerbungscoach um. Solche Berater kommen oft entweder aus dem Personalbereich oder aus dem Marketing. Das sind ganz unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Sache – und sinnvoll sind beide.

    • Darauf sollten Sie achten:

      Blicken Sie hinter den Lebenslauf des Beraters. Achten Sie darauf, dass er oder sie ausreichend Erfahrung in Ihrer Branche und auf Ihrer Ebene hat. Eine Sachbearbeiter- unterscheidet sich deutlich von einer Managerbewerbung. Es sollte weder nur um Formalien (typisch bei ehemaligen Personalleitern, die beraten) noch nur um Werbung gehen (typisch für Ex-Marketer) - sondern darum, eine Bewerbung zu entwickeln, die Ihr Ziel erreicht.

    Vorsicht Quacksalber

    Werden Sie hellhörig, wenn einer nur seinen Stiefel durchzieht, lediglich auf Kommafehler und hübsche Fotos achtet, und außerdem Tipps von der Stange gibt.

  2. Berufs- und Studienberater

    • Darum geht es:

      Eltern bezahlen viel Geld, damit ihr Nachwuchs die richtige Wahl trifft. Nirgendwo ist die Spannweite der Honorare so riesig: von null (geförderte Beratung, Internet) bis 2000 Euro für einen einzigen Tag beruflicher Orientierung.

    • Darauf sollten Sie achten:

      Teuer ist nicht (immer) gleich gut. Viele der von Berufsberatern eingesetzten Tests gibt es für kleines Geld im Internet. Oft ist eine prozessorientierte Herangehensweise, bei der der junge Menschen angeleitet wird, selbst zu einer Entscheidung zu kommen, deutlich nachhaltiger. Und in Zeiten, in denen beruflicher Erfolg wesentlich am Selbstmanagement hängt, auch angebrachter.

    Vorsicht Quacksalber

    Viele arbeiten mit Tests und diese nutzen veraltete Berufsempfehlungen. Solche Tests berücksichtigen die neue Vielfalt und den gewachsenen Mix der Studienmöglichkeiten nicht. Sie orientieren sich zudem oft am amerikanischen Markt.

  3. Business Coach

    • Darum geht es:

      Sie sind eine Führungskraft oder eine erfahrene Fachkraft und möchten in Ihrem Job noch erfolgreicher werden, Mitarbeiter besser führen oder Ihre Kompetenzen im Beruf entwickeln. Trifft das zu, brauchen Sie einen Business Coach, der oft auch von Ihrem Arbeitgeber gestellt oder finanziert wird.

    • Darauf sollten Sie achten:

      Der Berater sollte eine gute Coachingausbildung genossen haben und in passender Fallhöhe zu Ihnen stehen, also am besten selbst Führungskraft gewesen sein, wenn Sie eine sind. Hier geht es nicht um Fachwissen, sondern methodische Kompetenzen. Ob die Zugehörigkeit zu einem Verband wichtig ist, ist Glaubensfrage. Erfahrung ist wichtig - diese macht Coaches normalerweise besser. Ein psychologischer, wirtschaftsspsychologischer oder pädagogischer Hintergrund oder eine Weiterqualifizierung in diesen Bereichen spricht dafür, dass die Menschenkunde nicht allein auf Bauchgefühl beruht.

    Vorsicht Quacksalber

    Es gibt in dem Markt einige eher dubiose Ansätze. Da werden sonderbare Brillen verkauft oder Methoden, die mit einem Trademark Seriösität suggerieren... Auch Nebenberufler sollten sie sich genau anschauen; sie kommen naturgemäß auf viel weniger Coachingstunden und damit Erfahrung.

  4. Gründungsberater

    • Darum geht es:

      Gründungsberater sind Unternehmensberater für die erste Phase bis zum fünften Gründungsjahr. Sie begleiten Sie beim Aufbau Ihrer selbstständigen Tätigkeit oder Ihres Unternehmens.

    • Darauf sollten Sie achten:

      Gründungsberater, auch Gründungscoaches, können ganz unterschiedliche Kernkompetenzen mitbringen, etwa aus dem Kaufmännischen, dem Marketing, der PR. Sinnvoll ist zusätzlich ein Prozessbegleiter, der methodisch von A nach B führt, durch Höhen und Tiefen führen kann und mit Spezialisten für besondere Fragestellungen zusammenarbeitet.

    Vorsicht Quacksalber

    Wer sich Gründungsberater nennt, sollte selbst etwas aufgebaut haben - und nicht ausschließlich am Tropf staatlicher Fördertöpfe hängen. Oder ist er/sie sonst ein unternehmerisches Vorbild?

  5. Karrierecoach/Karriereberater

    • Darum geht es:

      Karrierecoaches und Karriereberater kann man schwer voneinander abgrenzen. Normalerweise arbeiten Karrierecoaches mehr mit Coachingmethoden (siehe Business Coaching) und prozessorientierter (also über längere Zeiträume), wohingegen Karriereberater vor allem punktuell Rat geben. Die Themen sind oft strategischer Natur: Was sind meine Potenziale und Stärken und wohin passt das? Wie entwickle ich meinen Lebenslauf weiter? Wie erreiche ich Karriereziele? Bewerbungsberatung kann Baustein sein, ist dann aber auch eher eingebettet in größere Fragestellungen wie berufliche Neuorientierung.

    • Darauf sollten Sie achten:

      Den Anbietern ist oft selbst nicht klar, was genau sie bieten. Nicht wenige Kunden, die von einem Karriereberater kamen, beklagen, dass dieser nur eine Bewerbungsberatung gemacht hat. Fragen Sie also genau nach und schauen Sie sich die Angebote an. Nicht jeder Karriereberater möchte und kann konkrete Empfehlungen geben. Einige sehen sich mehr als Business Coach, andere eher als Bewerbungsberater.

    Vorsicht Quacksalber

    Die Auftragsklärung ist hier besonders wichtig, weil Sie in der Regel privat zahlen. Lassen Sie sich schriftliche Angebote geben, sofern die Website nicht eindeutig aussagt, was zu zahlen ist.

  6. Laufbahnberater

    • Darum geht es:

      Die Laufbahnberatung kommt eigentlich aus der Schweiz. Heute ist sie hier wie dort ein anderer Begriff für Karriereberatung, nur dass dieser Begriff häufiger im öffentlichen Bereich genutzt wird. Es geht ebenfalls um die Beratung in beruflichen Veränderungs- und Umbruchsituationen, auch hier mit eher strategischem Fokus.

    • Darauf sollten Sie achten

      Siehe Karriereberatung.

  7. Outplacementberater

    • Darum geht es:

      Der Outplacementberater ist ein von den Unternehmen finanzierter Karriereberater. Er begleitet seine Klienten durch verschiedene Phasen der beruflichen Neuorientierung mit dem Ziel, einen neuen Job zu finden. Dabei fungieren einige Outplacementberater auch als Headhunter, vermitteln also auch Jobs, andere nicht.

    • Darauf sollten Sie achten:

      Es gibt in diesem Segment einige größere Unternehmen, deren Vorteil eine umfangreichere Firmendatenbank sowie überregionale und internationale Netzwerke sein können, aber nicht müssen. So nutzen viele auch nur den Hoppenstedt und kochen somit mit dem gleichen Wasser wie kleinere Anbieter.

    Vorsicht Quacksalber

    Wenn jemand allzu viele Versprechungen macht, ist Vorsicht geboten. Kommunizierte Erfolgsquoten sind oft Schall und Rauch, da es zum Beispiel schon als "Erfolg" gilt, wenn sich jemand selbstständig macht.

  8. Personalberater

    • Darum geht es:

      Der Personalberater ist oft ein Personalvermittler oder auch Headhunter – er verdient also sein Geld bei den Unternehmen, wenn er einen passenden Kandidaten liefert.

    • Darauf sollten Sie achten:

      Viele Bewerber mit ein, zwei Berufsjahren denken, "dann gehe ich mal zum Personalberater, der wird mich schon vermitteln." Das wird er in aller Regel nicht, da Headhunter auf den unteren Ebenen selten aktiv werden. Weiterhin haben sie oft wenig Verständnis für berufliche Neuorientierungen – diese verkaufen sich beim Kunden derzeit noch zu schlecht.

    Vorsicht Quacksalber

    Alarmiert sollten Sie sein, wenn ein Personalberater auch in Karriereberatung macht und dafür Geld nimmt. Man kann schlecht zwei Herren dienen.

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