Egal, wie viele Bewerbungsgespräche Sie in Ihrem Leben schon geführt haben: Wohl keines davon war wie das andere. Jedes Unternehmen, jeder Personaler tickt anders, bereitet sich anders vor und stellt auch andere Fragen. Gewiss, es gibt ein paar Fragen, die kommen immer wieder – auf die kann man sich gut vorbereiten, und die 100 wichtigsten davon haben wir in unserem Fragenkatalog zusammengestellt. Doch wie sehr Sie sich auch vorbereiten – die besten Antworten haben alle etwas gemeinsam…

Drei Dinge, um genau zu sein. Welche Antwort Sie am Ende auf welche Frage auch geben, sie sollte stets diese drei Kriterien erfüllen:

Erstens: Ihre Antwort sollte aufrichtig und ehrlich sein. Das klingt selbstverständlich, vielleicht sogar abgedroschen. Aber glauben Sie mir: Ein geübter Jobinterviewer spürt sofort, ob Sie ausweichen oder ihm etwas vormachen. Seien Sie also ehrlich – vor allem in Bezug darauf, was Sie können und was Sie nicht können. Schließlich müssen Sie bei erfolgreichem Vorstellungsgespräch den Job Beweis im Job antreten. Doof, wenn man dann dank falscher Versprechungen Produktenttäuschung provoziert.

Zweitens: Untermauern Sie Ihre Aussagen und Erfolge durch Beispiele. Am besten nachprüfbare. Oder zumindest durch die Erzählung überzeugende. Blender, Luftpumpen, Windmaschinen – sie alle eint, dass sie viel Wortgeklingel produzieren, aber wenig Konkretes. “Ich bin superkreativ” kann jeder sagen; drei Innovationen nennen, die maßgeblich auf Sie zurückgehen, nicht.

Drittens: Übertreiben Sie nicht. Ja, Sie sollen Werbung für sich machen (drum heißt es ja auch Be-Werbung); Sie sollen zeigen, dass Sie der beste Kandidat sind, den das Unternehmen bekommen kann. Aber man kann den Bogen auch überspannen. Und dann sitzt man da wie seine eigene Karikatur. Personaler und Chefs lieben neben Ehrlichkeit auch Pragmatismus und Realismus. Wenn man von Ihnen Wunder erwartet, sagen Sie ruhig, dass Sie nicht der Messias sind, aber sehr wohl eine klare Strategie haben (nennen!) und auch gute Gründe, warum diese ebenfalls erfolgreich, aber auch realistischer sein wird. Der Visionär mag heller strahlen, aber die Arbeit erledigt der Macher.

Indizien, dass Sie den Job bekommen

Wenn Sie diese drei Kriterien beherzigen, natürlich, konkret und realistisch bleiben, steigen Ihre Chancen, das Jobinterview zu rocken, unmittelbar. Natürlich ist das noch keine Garantie, dass Sie die Stelle auch bekommen. Schließlich gibt es meistens Mitbewerber (die diese Tipps womöglich ebenfalls beherzigen), und es gab auch schon Kandidaten, die ihre Einstellungsaussichten in letzter Sekunde auf Null reduzierten, weil sie in letzter Sekunde noch etwas richtig Blödes angestellt haben. Der Personalerin etwa ein Kompliment machen, für ihre rassige Figur (alles schon vorgekommen).

Dennoch gibt es ein paar Anzeichen dafür, dass Sie das Bewerbungsgespräch zu Ihren Gunsten gemeistert und Ihr Gegenüber überzeugt haben. Diese zum Beispiel:

  • Das Vorstellungsgespräch dauert länger als geplant. Solche Gespräche dauern selten länger als eine halbe oder drei Viertel Stunde. Reden Sie länger, stimmt schon mal die Chemie zwischen Ihnen – und Sie haben deren Neugier geweckt. Warum sollte man mit einem Kandidaten auch länger reden als veranschlagt, wenn der nicht überzeugt?
  • Sie treffen mehr Leute als erwartet. Insbesondere wenn Sie mehr als ein Bewerbungsgespräch führen (was per se schon ein gutes Zeichen ist), sollten Sie aufhorchen, wenn man Sie überraschend noch weiteren Mitarbeitern oder Managern vorstellt. Offenbar haben Sie beim ersten Mal einen so guten Eindruck hinterlassen, dass sich nun auch andere Kollegen des Unternehmens ein Bild von Ihnen machen sollen.
  • Man erzählt Ihnen auch ein paar “schmutzige” Details. In jedem Bewerbungsgespräch sollten Sie Rückfragen stellen. Nicht nur, weil es ein Test ist, wie gut Sie sich vorbereitet haben und wie ernsthaft Ihr Interesse ist – es ist auch die Gelegenheit, mehr über das Unternehmen und Ihren vielleicht zukünftigen Job, den Chef, die Anforderungen und die Kollegen zu erfahren. Allerdings werden Sie auf die wirklich kniffligen Fragen kaum eine allzu offene Antwort hören, wenn man an Ihnen nicht interessiert ist. In der Regel gibt es zum Beispiel auf die Frage nach den Herausforderungen des Unternehmens im kommenden Jahr nur Standard-Blabla. Anders sieht die Sache aber aus, wenn Sie hier deutlich mehr Details erfahren. Klar, Geschäftsgeheimnisse wird man einem Bewerber sicher nicht anvertrauen. Aber je größer das Interesse an Ihnen, desto mehr erfahren Sie. Das ist eine Art Info-Deal: Wir geben ein bisschen was von uns preis, damit du merkst, ob du passt und dich für uns entscheidest.
  • Man fragt Sie, wann Sie frühestens anfangen könnten. Ganz ehrlich: Wer fragt Sie das, wenn er nicht längst mit dem Gedanken spielt, Sie einzustellen? Eben. Besonders klasse, wenn die Frage schon am Ende des ersten Jobinterviews fällt.