Sie haben eine Einladung zu Bewerbungsgespräch erhalten? Herzlichen Glückwunsch! Damit haben Sie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum neuen Job gemeistert. Als nächstes steht natürlich das Gespräch selbst an und so manchem Bewerber wird bereits beim Gedanken daran ein wenig flau im Magen. Das ist verständlich, denn erstens ist dieser Termin für den Bewerbungsprozess und den möglichen Job äußerst wichtig und zweitens ranken sich jede Menge Myhten rund um das Bewerbungsgespräch. Der Allwissende Personaler, der den Bewerber bis ins letzte Detail gegoogelt hat und im Bewerbungsgespräch die schlimmen Facebook-Fotos auf den Tisch legt ist beispielsweise so ein Mythos. Personaler googeln Kandidaten in den seltensten Fällen und wenn, dann fällt die Recherche nicht allzu gründlich aus – ihnen fehlt meist schlicht die Zeit dafür. Lassen Sie sich also nicht ins Bockshorn jagen und bereiten Sie sich gründlich vor. Wenn Sie dann noch einige Verhaltensregeln beachten, steht einem guten Gespräch nichts mehr im Wege.
Der Knigge fürs Bewerbungsgespräch ist eigentlich ganz einfach und lässt sich grundsätzlich auf eine Formel bringen: Seien Sie authentisch, selbstbewusst und natürlich. Klingt gut, hilft Ihnen aber nicht wirklich weiter. Denn wie das konkret im Bewerbungsgespräch aussehen soll, ist nach wie vor unklar. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Verhaltensweisen für das Gespräch zusammengestellt. Wie immer gilt: Wenden Sie alle Tipps passend auf Ihre Person und Situation an.
Höflichkeit und Zuverlässigkeit
Zu Ihrem Bewerbungsgespräch sollten Sie logischerweise nicht zu spät erscheinen, doch wer mehr als 15 Minuten zu früh kommt, erweckt damit schnell den Eindruck, er habe sich nicht mit der Anfahrt auseinandergesetzt. In den meisten Unternehmen treffen Sie zuerst auf den Pförtner oder zumindest eine Sekretärin. Gut, diese Mitarbeiter haben mit Ihrem konkreten Bewerbungsgespräch vermutlich wenig zu tun, dennoch sollten Sie sich auch hier höflich vorstellen und Ihr Anliegen vorbringen. Erstens kann es durchaus sein, dass Ihr Verhalten bereits zu diesem Zeitpunkt bewertet wird und zweitens ist es wenig glaubwürdig, wenn Sie Ihre guten Manieren nur für den Personaler auspacken. Drittens wollen Sie bald in diesem Unternehmen arbeiten und sprechen daher vielleicht mit Ihren künftigen Kollegen.
Bei der Begrüßung stellen Sie sich den Anwesenden im Raum natürlich mit Ihrem vollen Namen vor. Warten Sie hier jedoch kurz ab: Oft beginnen die Anwesenden mit der Vorstellung, hier sollten Sie ihnen nicht durch einen überhasteten Beginn ins Wort fallen. Befinden sich mehrere Personen im Raum, begrüßen Sie einen nach dem anderen, meist werden Sie dabei von rechts nach links vorgehen, doch das hängt auch von Sitzordnung und Situation ab. Apropos Sitzordnung: Wählen Sie möglichst einen Sitzplatz, bei dem Sie nicht zu weit von Ihrem Gesprächspartner entfernt sind. Ein Gespräch über einen langen Tisch hinweg findet von vornherein in einer etwas seltsamen und distanzierten Atmosphäre statt. Das sollten Sie vermeiden.
Werden Ihnen Getränke angeboten, können Sie bedenkenlos zugreifen. Verkneifen Sie sich dabei jedoch Sonderwünsche und entscheiden Sie sich für eine der angebotenen Möglichkeiten. Alles andere wirkt dann doch etwas zu fordernd und kann als unhöflich oder unverschämt empfunden werden.
Professionalität und Selbstbewusstsein
Die meisten Bewerbungsgespräche beginnen mit ein wenig Smalltalk, um die Atmosphäre zu lockern und Ihnen als Bewerber die Nervosität zu nehmen. Gehen Sie darauf bitte ein und beteiligen Sie sich aktiv am Gespräch. Das ist zwar nicht der Zeitpunkt für Anekdoten und langatmige Erklärungen, doch mehr als zwei oder drei Worte sollten Sie schon zum Gespräch beitragen.
Zu den eingangs erwähnten Mythen rund um das Bewerbungsgespräch zählt auch der Grundsatz, dass der Bewerber auf jede Frage sofort eine Antwort haben muss. Vergessen Sie das sofort! Wer auf jede Frage sofort und ohne Zögern antwortet, erweckt damit schnell den Eindruck, eine auswendig gelernte Vorstellung abzuspulen. Und selbst wenn das nicht der Fall sein sollte: Einen überlegten und besonnen Eindruck machen sofortige Antworten definitiv nicht. Nehmen Sie sich vor Ihren Antworten ruhig die Zeit, um kurz nachzudenken. Ein guter Personaler kreidet Ihnen das nicht an.
Bei Ihren Antworten sollten stets professionell und selbstbewusst agieren. Fragen nach Ihren Qualifikationen und Ihrer Berufserfahrung sollten Sie daher keinesfalls mit einem Verweis auf Ihren Lebenslauf beantworten. Geben Sie stattdessen ruhig und gelassen die gewünschte Auskunft. Dabei dürfen, ja müssen Sie sogar ein gewisses Selbstbewusstsein und Vertrauen in Ihre Fähigkeiten demonstrieren. Übertreibungen sind zwar tabu, doch Ihre Stärken und Fähigkeiten sollten Sie klar hervorheben und in den Vordergrund stellen. Das funktioniert am besten, wenn Sie diese in Beispielen und Anekdoten aus Ihrem Berufsleben erläutern.
Körperhaltung und Fragen
Bevor Sie jetzt die Augen verdrehen: Uns ist völlig klar, dass Sie bereits dutzende Tipps zur richtigen Körperhaltung und zum Augenkontakt gehört und gelesen haben. Die wichtigsten Punkte wollen hier dennoch kurz ansprechen: Mit einer aufrechten Körperhaltung und zurückgenommenen Schultern wirken Sie sowohl im Stehen als auch im Sitzen deutlich selbstbewusster und fühlen sich vermutlich auch so. Während Sie zuhören, sollten Sie natürlich Augenkontakt zum Redenden halten und wenn Sie selbst sprechen, suchen Sie nach und nach Blickkontakt zu allen anwesenden Personen. Der wichtigste Tipp ist jedoch: Übertreiben Sie es nicht! Wenn Sie ständig damit beschäftigt sind, auf Ihre Körperhaltung und den Augenkontakt zu achten, können Sie dem Gespräch nicht aufmerksam folgen und sind abgelenkt. Das ist auf jeden Fall schlimmer als eine nicht ganz korrekte Körperhaltung.
Im Bewerbungsgespräch selbst dürfen und sollten Sie durchaus nachfragen, wenn ein Sachverhalt unklar ist oder Sie etwas nicht richtig verstanden haben. Eine höfliche Nachfrage ist deutlich besser als eine unsichere Antwort, die an der eigentlichen Frage des Personalers vorbei geht. Denken Sie bitte daran: Es handelt sich um Bewerbungsgespräch, nicht um ein Kreuzverhör. Daher sollten Sie gegen Ende des Gespräches die Gelegenheit für eigene Fragen unbedingt nutzen.
Doch was tun, wenn alle Ihre vorbereiteten Fragen bereits beantwortet wurden und Sie wirklich keine mehr haben? Ganz einfach, dann antworten Sie sinngemäß: “Die meisten meiner Fragen haben wir bereits beantwortet, ich habe nur noch eine: Könnte Sie mir den Arbeitsplatz und das Team zeigen?” Diese Frage zeigt dem Personaler, dass Sie wirklich an der Stelle interessiert sind. Ihnen zeigt eine positive Antwort umgekehrt, dass Ihre Chancen gut stehen. Denn die Zeit für Führung und Vorstellung im Team nimmt sich ein Personaler oder Mitarbeiter nur, wenn Sie zu den heißen Kandidaten für den Job gehören. Wichtig: Eine negative Antwort lässt jedoch keinen Schluss auf schlechte Chancen zu. Es kann durchaus sein, dass der Personaler im Anschluss an das Gespräch keine Zeit für eine Führung hat. Mir Ihren Chancen auf den Job hat das dann nichts zu tun.
Ein guter Schluss ziert alles
Bei der Verabschiedung gilt das gleiche Prozedere wie bei der Begrüßung, mit einem entscheidenden Unterschied: Neben Ihrem Dank für das angenehme Gespräch – wenn es denn eines war – sollten Sie auch klar machen, dass Sie gerne im Unternehmen mitarbeiten würden. Das mag selbstverständlich klingen, doch genau diesen Punkt vergessen viele Bewerber gegen Ende.
Zusammengefasst bedeutet das: Wenn Sie sich gut vorbereiten, das Bewerbungsgespräch im Vorfeld idealerweise einige Male durchspielen und sich im Gespräch selbst höflich und selbstbewusst präsentieren, stehen Ihre Chancen gut. Ist der Erfolg damit garantiert? Nein, denn es gibt immer auch die Personaler aus der Hölle, die Ihnen das Gespräch wirklich schwer machen und nur nach Schwächen suchen. In einem solchen Fall gibt es nur eines: Haken Sie das Gespräch als Lernerfahrung ab und bewerben Sie sich weiter. Solche Personaler sind die Ausnahme, Ihr nächstes Bewerbungsgespräch läuft garantiert besser. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!
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Michael
Danke für den Artikel,
das meiste scheint doch wirklich selbstverständlich zu sein, oder sehe ich das falsch? Dass man höflich ist, bei der Vorstellung seinen vollen Namen nennt und alle Anwesenden mit der Hand begrüßt sollte doch einleuchtend sein.
Was in meinen Augen extrem wichtig ist und ich gerade gestern bei einem Initiativbewerbungstelefonat nach dem Motto “Hallo, hier bin ich!” gemacht habe ist, einfach nach einem Feedback zu fragen! “Es kann ja sein, dass wir nicht zusammen kommen. Dennoch kann ich dabei viel lernen und wüßte gerne, ob ein abschließendes Bewerbungsfeedback möglich wäre.” Klappt nicht immer, da das sicher viel Zeit kostet. Aber selbst, wenn es nur ein Aspekt ist, den man genannt bekommt, kann man daraus lernen und es im nächsten Anlauf besser machen. Genau das gleiche werde ich auch nach einem Bewerbungsgespräch machen!
P.S. Ich habe einen Rechtschreibfehler gefunden, den ich nicht behalten möchte. In Zeile 10, Mythenv.
Christian Mueller
Guten Morgen,
danke für den Hinweis, der Fehler ist korrigiert.
Zu deinem Kommentar: Ja, vieles ist eigentlich selbstverständlich. Eigentlich, denn gerade unter Stress scheinen enorm viele Bewerber ihre Manieren und ihre gute Kinderstube irgendwie zu vergessen. Was ich da von befreundeten PErsonalern an Geschichten höre – und auch selbst schon erlebt habe – ist teilweise wirklich unglaublich.
Nach Feedback fragen ist eine gute Idee, nur würde ich das erst dann tun, wenn ich ein Absage bekomme. So lange ich die Chance habe, den Job zu bekommen, würde ich das abwarten. Bei einer Absage sollte ich mich jedoch auf jeden Fall danach für die Chance bedanken und kann dann auch gleich um Feedback bitten. Wie du sagst, klappt nicht immer, aber in den Fällen, in denen man eine ehrliche Antwort bekommt, bringt diese einen meistens weiter.
Gruß,
Christian
Michael
Gern geschehen,
ob und wenn man nach einem Feedback fragt, hängt natürlich stark davon ab, wie man sich positioniert. Eine meiner Stärken ist das aktive Interesse an konstruktiver Kritik. So steht es im Anschreiben. Da macht eine Anfrage im Vorfeld schon Sinn und unterstreicht die Authentizität. Man könnte es auch anders formulieren. “Unabhängig davon wie mein Bewerbung ausgeht bin ich an einem Feedback interessiert.” Das impliziert nicht gleich, dass man mit einer Absage rechnet.
Christian Mueller
In diesem Kontext kann die Bitte um Feedback tatsächlich bereits zum Ende des Bewerbungsgespräches sinnvoll sein. Grundsätzlich würde ich es da handhaben, wie mit allen anderen Empfehlungen auch: Intuitiv entscheiden, ob die Frage in der konkreten Situation mit dem aktuellen Gesprächspartner angemessen und erfolgsversprechend ist.
Strangerli
Nicht zu vergessen: Auch der Personaler kann sich bis die Knochen blamieren wenn er Fragen über die Firma gestellt bekommt, die er/sie nicht beantworten kann.
Heinz Buser
Ja, ich werde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, aber wie benehme ich mich richitg. Im Artikel werden auf die Myhten hingewiesen, was ich sehr ein guter Aspekt finde. Jeder kann sich in den neuen Medien ein falsches Bild für den Personaler darstellen, dass muss von Ihnen wiederlegt werden können.
Bleiben Sie authentisch! Punkt.
Einige wichtige Verhaltensweise werde sehr ausführlich erläutert. Wenn Sie diese Punkten wirklich zu Herzen nehmen, dann machen Sie gute Erfahrungen in Ihrem nächsten Bewerbungsgespräch.
Beste Grüsse
http://www.treffende-bewerbung.com