Personalentscheider haben wenig Zeit. Zumindest nehmen sie sich davon nur wenig, um einen ersten Eindruck von einem Bewerber zu gewinnen. Ein paar Minuten schauen sie auf die Bewerbungsmappe, dann fällt das Urteil: hopp oder top. Im Rennen bleibt, wer mit seiner Bewerbungsmappe, mehr aber noch mit seinem Anschreiben die Neugier des Personalers weckt, ihn fesselt und zum Weiterlesen animiert. Wie das geht? So…

Zunächst einmal wollen Personaler wissen, mit wem sie es zu tun haben. Deswegen suchen Sie im Anschreiben vor allem Antworten auf diese Fragen:

  • Was hat der Bewerber bisher gemacht?
  • Welche Qualifikationen bringt er mit?
  • Sind alle erforderlichen Fähigkeiten für diese Stelle dabei?
  • Überzeugt er mich, der Richtige zu sein?
  • Welchen Mehrwert bietet er, wenn wir uns für Ihn entscheiden?

Wenn Sie ihm diese Fragen bereits im Anschreiben beantworten, haben Sie schon fast gewonnen und kommen in Runde zwei: zum Vorstellungsgespräch.

Bezug herstellen

Nun können Sie solche Fragen nicht einfach nur stichpunktartig im Bewerbungsanschreiben beantworten. Sie müssen das Ganze schon originell und interessant verpacken – und zwar durch eine gute Geschichte. Diese sollte einer eigenen Dramaturgie folgen und kann ganz unterschiedlich beginnen. Etwa damit, wie Sie an den Punkt gelangt sind, an dem Sie stehen: kurz vor dem Einstieg in das Unternehmen, bei der Sie sich gerade bewerben. Fangen Sie zum Beispiel mit Ihren Erfolgen an:

In meiner aktuellen Position verantworte ich die Umsetzung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses in der Fertigung. Durch dessen konsequente Fortschreibung konnten die Produktivität um 30 Prozent gesteigert und die Kosten um 20 Millionen Euro gesenkt werden.

Diese Einleitung hat Kraft, kommt auf den Punkt und zeigt, was dieser Mensch auf dem Kasten hat. Mehr noch: Sie zeigen auf subtile Weise, welchen monetären Nutzen Sie Ihrem bisherigen Arbeitgeber gestiftet haben. Und genau das erhofft sich ja auch der künftige.

Ein anderer Einstieg ist, Ihren Leser dort abzuholen, wo Sie ihm zuletzt begegnet sind. Zum Beispiel am Messestand der Firma, für die er arbeitet:

…sicher erinnern Sie sich an unser Gespräch am letzten Dienstag auf der XY-Messe. Ihre Ausführungen haben mich in meiner Absicht bestärkt, mich bei Ihnen zu bewerben…

Das ist ein Klassiker, der so in fast jedem Bewerbungsratgeber empfohlen wird. Auch dieser Einstieg ist stark, denn er spricht den Personalchef direkt an. Er funktioniert natürlich nur, wenn tatsächlich vorher ein persönlicher Kontakt stattgefunden hat. Dafür müssen Sie den Personaler allerdings nicht unbedingt besuchen. Sie können beispielsweise auch nur mit ihm telefoniert haben, um einige Fragen vorab zu klären. Der logische Anschluss könnte dann eine kurze Erinnerung an Ihren Werdegang sein, den Sie ihm im Gespräch bereits geschildert haben.

Die dritte Alternative ist, zu schildern, was Sie an dem neuen Unternehmen alles schätzen. Legen Sie dar, was Ihnen besonders gut gefällt und warum Sie hier gerne arbeiten möchten. Das sollten aber bitte Herausforderungen des Jobs oder ein vorbildliches Produkt sein – keine Mitarbeiterbespaßungsmaßnamen, Motto: Ich würde hier gerne arbeiten, weil sie am meisten Urlaubstage bieten und die Kantine einen sehr guten Ruf genießt. Besser geht es so:

Mich reizt die Aufgabe, beim Marktführer für Fluxkompensatoren meine Erfahrung als Leiter der Qualitätssicherung einzubringen und so mithelfen zu können, den Marktvorsprung weiter auszubauen.

Lob hört jeder gern. Lobhudeleien sollten Sie dabei allerdings tunlichst vermeiden. Bleiben Sie dabei also unbedingt ehrlich und übertreiben Sie nicht. Dass die Firma die einzige ist, für Sie jemals arbeiten möchten, nimmt Ihnen sowieso keiner ab. Wenn Sie so einsteigen, können Sie auch gleich Massensendungen verschicken. Die wirken genauso wenig individuell und persönlich.

Mit Stärken punkten

Nachdem Sie einen Bezug hergestellt haben, sollten Sie zeigen, wie Sie die angestrebte Stelle ausfüllen wollen und können. Was haben Sie bisher getan, das Sie für die neue Position (mehr als) qualifiziert? Bitte beziehen Sie sich dabei auf die Anforderungen des Stellenprofils und haken Sie Punkt für Punkt ab. Das ist keinesfalls trivial. Was ausgeschrieben wird, sollten Sie auch bieten. Sonst sinken Ihre Chancen dramatisch. Und: Bitte behaupten Sie nicht einfach, sondern belegen Sie …

  • … in welcher Position Sie welche Kompetenzen erworben haben.
  • … welche Fähigkeiten Ihr jetziger Beruf von Ihnen verlangt.
  • … was Ihren Arbeitsstil auszeichnet.

Bleiben Sie dabei präzise und konzentrieren sich aufs Wesentliche. So viel Platz haben Sie nicht. Und Personaler – wie gesagt – auch nicht so viel Zeit und Laune, Prosa zu lesen. Ein bisschen farbiger und anschaulicher Schmuck ist allerdings erlaubt. So trocken wie eine Jahresbilanz darf sich das auch nicht lesen. Ein Beispiel:

In meiner jetzigen Position koordiniere ich die Arbeit von fünf Mitarbeitern. Ich sehe mich dabei als Teamplayer, der seine Leitungsaufgaben durch Motivation wahrnimmt. Meine Vorgesetzten beschreiben mich als loyalen Mitarbeiter, der flexibel auf verschiedenste Anforderungen reagiert, stets den Überblick behält und Menschen gut motivieren kann.

Drei kurze Sätze – und doch vermitteln Sie dem Personaler in wenigen Worten wichtige Schlüsselkompetenzen, ohne, dass diese extra erwähnt werden müssen:

  • Verantwortungsbereitschaft
  • Führungsqualitäten
  • Teamfähigkeit
  • Belastbarkeit
  • Zuverlässigkeit

Schildern Sie außerdem, was das Unternehmen gewinnt, wenn es Sie einstellt. Und wo Sie Potenzial für eine gemeinsame Entwicklung sehen. Argumentieren Sie dabei bitte strikt aus der Sicht des Arbeitgebers – egal, welche Möglichkeiten sich für Sie dabei auftun!

Ich bin mir sicher, dass mich meine fünfjährige Erfahrung im Optimieren von Abläufen in die Lage versetzt, auch in Ihrem Unternehmen zahlreiche Kosten zu sparen und die Produktion kontinuierlich zu verbessern.

Reaktionen provozieren

Jetzt haben Sie dem Unternehmen ein überzeugendes Angebot gemacht und dürfen damit den Ball getrost an den Adressaten Ihrer Bewerbung spielen. Das tun Sie am Besten, indem Sie ihn subtil auffordern, auf Sie zuzukommen. Etwa:

Weitere Fragen beantworte ich Ihnen selbstverständlich gerne im persönlichen Gespräch. Ich freue mich auf Ihre Einladung.

Oder Sie gehen noch einen Schritt weiter, in die Offensive und kündigen an, dass Sie wegen der Terminvereinbarung selbst aktiv werden:

Diese Themen können wir natürlich gern im persönlichen Gespräch vertiefen. Ich rufe Sie nächsten Dienstag an, um einen Termin dafür zu vereinbaren.

Zugegeben, das ist schon ziemlich frech und eignet sich auch nicht für jede Branche. Andererseits: Frechheit siegt – und verhindert, dass Ihre Bewerbung in der Masse untergeht. Zudem zeigt es, dass Sie Herausforderungen aller Art dynamisch und aktiv angehen. Eine Eigenschaft, die selten und daher gesucht ist.

Weitere Zutaten

Ein generelles Rezept für die ultimative Bewerbung gibt es nicht. Dafür sind Lebensläufe und Anforderungen auch zu unterschiedlich. Ein paar Zutaten aber dürfen trotzdem in keinem Bewerbungsschreiben fehlen:

  • Kurze, kräftige Sätze
  • Stimmige Bilder
  • Eine Dramaturgie, die einen deutlichen Spannungsbogen aufweist
  • Schlüssige Argumente, die ineinander greifen und aufeinander aufbauen

Weglassen sollten Sie hingegen:

  • Formeln und Floskeln
  • Umständliche Formulierungen
  • Füllwörter
  • Redundanzen

Wichtig ist, dass Ihr Bewerbungsanschreiben eine stimmige Geschichte über Ihre Motivation und Eignung erzählt. Für die Reihenfolge dieser beiden Punkte gibt es allerdings keine allgemein gültige Regel im Sinne von: Nur so ist es richtig. Wichtig ist allein, dass durch Ihre Anordnung ein Spannungsbogen entsteht, der den Leser bis zum Ende der Lektüre fesselt.

Und es funktioniert nur, wenn Motivation und Eignung tatsächlich vorhanden sind. Sonst können solche Anschreiben auch nicht ihre volle Kraft entfalten: Ich kenne beispielsweise eine Bewerberin mit Leitungserfahrung im sozialen Bereich. Sie schrieb zwei Bewerbungen: Die eine auf eine Stelle, die optimal zu ihr passte; die zweite auf eine Postion, die sie auch hätte ausfüllen können – aber nicht wirklich wollte.

Beide Bewerbungen waren zwar wie aus dem Lehrbuch formuliert. Doch nur die Erste zündete. Egal, was Sie auch formulieren – es steht auch immer eine Menge zwischen den Zeilen. Und geübte Personaler lesen gerne auch im Subtext – trotz des Zeitdrucks.

Drei Gratis-Bewerbungsvorlagen zum Herunterladen

Damit Ihre Bewerbung gelingt, haben wir Ihnen noch drei Bewerbungsmuster als PDF vorbereitet, die Sie kostenlos herunterladen und als Grundlage für Ihr Anschreiben verwenden können. Nur bitte nicht wörtlich abschreiben!

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