Es gibt da so einen alten Fotografentrick, um die abgebildeten Menschen würdevoller, erhabener, größer erscheinen zu lassen (und ihr Doppelkinn kleiner): Man fotografiert sie einfach aus einem tieferen Winkel, von unten sozusagen. Nicht viel, das würde sofort als Manipulation auffallen. Nur ein kleines bisschen – und der Blickwinkel kann seine ganze subtile Kraft entfalten.

Große Menschen, insbesondere Politiker, profitieren von diesem Trick enorm: Wer den Fotograf ohnehin um einige Zentimeter überragt, zwingt ihn automatisch in die tiefere Perspektive – und erscheint prompt umso mächtiger.

Nun hat eine Forschergruppe um Steffen R. Giessner von der Rotterdam School of Management der Erasmus Universität dieses zugegebenermaßen recht simple Phänomen genauer untersucht – also dass von unten geschossene Medienfotos Personen mächtiger aussehen lassen, während jene von oben geschossenen als ein Porträt machtloser Menschen interpretiert werden. Vor allem aber hat die Wissenschaftler interessiert, ob es dabei einen Unterschied in der medialen Darstellung von Frauen und Männern gibt. Und in der Tat: Es gibt ihn!

Um es kurz zu machen: Die Forscher fanden heraus, dass es mehr von oben aufgenommene Fotos von Frauen gibt, während das Gegenteil auf die Fotografien von Männern zutrifft. Und das über zahlreiche Darstellungsorte hinweg: in der Werbung, in Magazinen und in Zeitungen. Damit verstärken die Medien sehr wahrscheinlich unbewusst die Annahme, dass Männer kraftvoll und mächtig sind, Frauen aber nicht.

Dazu werten die Wissenschaftler zunächst die Bilder der Corbis-Datenbank aus. Später untersuchten sie noch die Bilddatenbanken von Time Magazine und World Press Pictures. Jedes Mal stellten sie übereinstimmend fest: Männer sowie leistungsstarke Individuen wurden häufiger aus der Untersicht porträtiert, Frauen oder kraftlose Menschen eher von oben abgelichtet. Allerdings stellten die Forscher auch fest, dass selbst Mächtige nicht immer von unten porträtiert werden – dann etwa, wenn der Medienkontext selbst nichts mit der Macht des Dargestellten zu tun hat. So etwa auf Facebook oder auf den Bildern in Wikipedia.

Steffen R. Giessner kommentiert das so:

Dieser einfache Zusammenhang zwischen Macht und dem Winkel des Schusses findet nicht im gesellschaftlichen Vakuum statt. Und während es die Aufgabe von uns Forschern ist, derartige Effekte zu entdecken, ist es die Aufgabe der Medien zu entscheiden, wann sie sich dieser subtilen Zeichensprache bedienen und wann nicht.