Gestern noch meldete der Bitkom-Verband, der deutsche Berufstätige bekäme im Schnitt – nur – elf Mails am Tag. Die Zahl mag sogar stimmen. Aber so ist das eben mit der Aussagekraft von Durchschnittswerten: Ein Millionär und sein Chauffeur verdienen im Schnitt auch jeweils 530.000 Euro. Überdies meldet derselbe Bitkom-Verband seit Jahren, dass der E-Mail-Terror zunimmt und die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen. Für rund ein Drittel der Arbeitnehmer (29 Prozent) nimmt das sogar bereits extreme bis ungesunde Formen an: Sie sind jederzeit für berufliche Zwecke telefonisch oder per E-Mail erreichbar oder müssen es gar sein. Bei tatsächlich nur elf Mails pro Tag scheint mir diese Sorge latent übertrieben.
Tasächlich kenne ich mehr Menschen (nein, nicht nur Blogger und Journalisten), die eher um die 100 E-Mails am Tag bekommen und die inzwischen auf immer mehr sozialen Netzwerken präsent sind. Tendenz – auch dank Google+ – steigend.
Eine Studie von Harmon.ie hat indes untersucht, wie und vor allem wo sich die digitalen Störfaktoren auf das Arbeitsleben auswirken – und das eben bis nach Hause ins Privatleben. So bleiben beispielsweise 44 Prozent der Menschen unter 40 Jahren auch im Bett noch online, nehmen also ihr Smartphone, Tablet oder Laptop dorthin mit, um auf Meldungen zu reagieren.
Bedeutender dagegen: 45 Prozent der Arbeitnehmer sagen, sie können nicht länger als 15 Minuten am Stück arbeiten, ohne durch irgendwas unterbrochen zu werden. Und mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer verschwendet dadurch mehr als eine Arbeitsstunde am Tag.
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Weitere interessante Ergebnisse:
- Zwei von drei Befragten klinken sich auch schon mal aus einem laufenden Meeting aus, um E-Mails per Smartphone zu beantworten (48 Prozent), ein Telefongespräch anzunehmen (35 Prozent), per App zu chatten (28 Prozent), ihren Status bei Facebook zu aktualisieren (12 Prozent) oder gar zu twittern (9 Prozent).
- Relativ wenige Arbeitnehmer – laut Studie nur 32 Prozent – gehen bewusst offline, um sich auf ihre aktuelle Aufgabe konzentrieren zu können.
- Rund 12 Prozent machen das nicht einmal während der Mittagspause und 30 Prozent auch nicht während einer Telefonkonferenz (obwohl das ständige Updaten in der Funkzelle hässliche Störgeräusche gibt).
- Die Mehrheit, 85 Prozent der Arbeitnehmer, schaltet ihre Geräte dagegen nur dann aus, wenn der Chef das verlangt oder weil sie sich in einem sehr persönlichen Gespräch mit einem (!) Kollegen befinden.
Das irrwitzige daran: Die Befragten merken selber, dass sie das mitunter stört. So berichten die Befragten etwa, dass sie regelmäßig durch das Bearbeiten oder Beantworten von E-Mails aus der aktuellen Aufgabe herausgerissen werden (23 Prozent), häufig die Programmfenster wechseln müssen (10 Prozent) oder inzwischen rund drei Bildschirme simultan im Auge haben (16 Prozent): etwa Dienstrechner, Diensthandy und privates Smartphone.
Und einige der Befragte berichten gar, dass sie teilweise bis zu zweieinhalb Stunden in der Woche damit verbringen, irgendwelche Dokumente in multiplen lokalen oder virtuellen Laufwerken (vulgo: Cloud) zu suchen. Siehe auch Grafiken:
Kurzum: Das alles klingt eher nach zunehmend unorganisierten Arbeitsplätzen. Und nach einem Thema, das uns in den nächsten Monaten sicher noch häufiger beschäftigen wird. Ein Zurück zum Offline wäre freilich Quatsch. Dazu überwiegen die Vorteile des Netzes zu sehr. Aber den modernen, vernetzten Arbeitsalltag zu managen, ist eine der Herausforderungen der Gegenwart. Allerdings läuft auch das sicher auch ein zumindest gelegentliches Abschalten hinaus…












Oliver Rumpf
“Zwei von drei Befragten klinken sich auch schon mal aus einem laufenden Meeting aus, um E-Mails per Smartphone zu beantworten (48 Prozent), ein Telefongespräch anzunehmen (35 Prozent), per App zu chatten (28 Prozent), ihren Status bei Facebook zu aktualisieren (12 Prozent) oder gar zu twittern (9 Prozent).”
Ich glaube bei Meetings oder Präsentationen ist das eher ein Anzeichen dafür, daß das Thema gerade als uninterssant/langweilig eingestuft wird, als die Sorge eine Mail zu verpassen.