Eine längere Ausbildung zahlt sich aus. Für Frauen meist sogar noch mehr als für Männer. Laut einer gerade erschienenen Studie (PDF) des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bringt ein zusätzliches Jahr Bildung später ein Gehaltsplus von fünf Prozent. Ein Beschäftigter, der beispielsweise 16 Jahre in seine Bildung investiert hat, hat also über das ganze Erwerbsleben hinweg im Durchschnitt ein um 25 Prozent höheres Einkommen zu erwarten als jemand, der das Bildungssystem nach elf Jahren verlassen hat. Fachleute sprechen in dem Zusammenhang vom Mincer-Koeffizient oder von Bildungsrendite.

Die beiden IAB-Studienautoren Concetta Mendolicchio und Thomas Rhein haben für Ihre Untersuchung die Bildungsrendite von insgesamt zwölf europäischen Ländern verglichen. Dabei zeigte sich: Bis ein deutscher Arbeitnehmer ins Berufsleben einsteigt, hat er knapp 14 Jahre auf der Ausbildungsbank gebüffelt – sei es in Schule, Ausbildung oder Uni. Frauen sogar etwas weniger. Doch das lohnt sich: “Die Ergebnisse des vorliegenden europäischen Vergleichs bestätigen, dass das Bildungsniveau sowohl bei Frauen als auch bei Männern eine wichtige Determinante des individuellen Einkommens ist”, schreiben die Autoren.

Besonders hoch seien die Bildungsrenditen in Portugal, Spanien, Luxemburg und Irland. “Die für Deutschland ermittelten Werte von rund 5 Prozent sind niedriger, aber immer noch beachtlich.” Tendenziell würden Frauen höhere Renditen als Männer erzielen, die Daten für Deutschland deuteten indes auf keinen signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschied hin. Allerdings liegen die Bildungsrenditen der Frauen (4,82) leicht unter denen der Männer (5,32). Mit steigendem Bildungsniveau nehme der geschlechtsspezifische Lohnunterschied aber ab.

Und: Der Mincer-Koeffizient ist freilich nicht beliebig fortschreibbar, Motto: 30 Jahre studiert und schon Millionär im ersten Job. Bummelstudenten verdienen nicht mehr als die anderen Studierenden, Sitzenbleiber nicht mehr als diejenigen, die ohne Wiederholung das Schulsystem durchlaufen. Und wer nach drei Jahren sein Studium ohne Abschluss abbricht, profitiert weniger als jemand, der seinen Abschluss macht.