Gang-Psyche-Biofeedback
Unser Körper spricht - selbst wenn es uns gar nicht bewusst ist. So spiegelt sich beispielsweise schon in unserer Körperhaltung wie wir uns fühlen. Wenn wir niedergeschlagen sind, hängen die Schultern; ängstigen wir uns, machen wir uns kleiner; strahlen wir vor Selbstbewusstsein, wachsen wir auch physisch ein Stück über uns hinaus, richten uns auf, strecken uns, erscheinen größer. Selbst unser Gang ist dann ein Spiegel unserer Seele und Gefühle. Eine neue Studie um Johannes Michalak von der Universität Witten Herdecke zeigt jetzt: Es funktioniert auch anders herum - wie wir gehen und uns bewegen beeinflusst unsere Stimmung ebenfalls...

Biofeedback: Aufrechter Gang hebt die Stimmung

Um den Effekt zu untersuchen, luden die Wissenschaftler ihre Probanden zu einem angeblichen Gedächtnistest. Dabei sollten die Teilnehmer auf einem Laufbahn gehen und sich währenddessen eine Liste von Wörtern merken.

Der Trick war: Die Wörter waren nicht zufällig gewählt, sondern spiegelten verschiedene Stimmungen, wie etwa "ängstlich", "traurig", "glücklich". Zugleich gab es auf dem Laufband eine Anzeige, die angeblich die Körperhaltung überwachte. Per Zeiger wurden die Teilnehmer dann gebeten, diese gegebenenfalls zu korrigieren.

Was sie nicht wussten: Ein Teil der Testpersonen wurde so dazu gebracht eine typisch "depressive" Körperhaltung einzunehmen, die andere Gruppe wurde indes zu einer eher positiven und aufrechten Haltung manipuliert.

Die spannende Frage war nun: Welche Wörter hatten sich die Tester gemerkt?

Und tatsächlich:

  • Wer gekrümmt und latent niedergeschlagen den Laufband-Test absolvierte, erinnerte mehrheitlich negative Begriffe und umgekehrt.
  • Die Gangart hatte sich so unbewusst auf die Psyche ausgewirkt und damit auch beeinflusst, welche Worte ins Gedächtnis drangen.

In der Fachsprache wird dieser Effekt auch Biofeedback genannt.

Mehr Selbstvertrauen: Kopf hoch, Brust raus

Je aufrechter die Körperhaltung, desto größer das Selbstbewusstsein. Zu dieser Erkenntnis gelangte auch der Management-Professor an der Kellogg School of Management der Northwestern Universität, Adam Galinsky. In seinen Studien ließen die Wissenschaftler Probanden drei verschiedene Tests absolvieren, wobei einige dabei entweder eine Chef-Rolle oder die eines Untergebenen zugewiesen wurde. Anschließend baten die Forscher die Teilnehmer, beim Beantworten von Fragen zwei verschiedene Körperhaltungen einzunehmen:

  • eine aufrechte, offene
  • und eine eher gebeugte, unterwürfige.

Resultat: Mit der offenen und zugleich selbstbewussten Haltung fielen den Probanden prompt mehr und bessere Antworten ein, zudem engagierten sie sich stärker in der Gruppe. Die Vorstellung, Chef zu sein, hatte hingegen einen kaum messbaren Einfluss auf das Denken und Handeln der Teilnehmer.

Wie du gehst, so fühlst du dich

Ganghaltung und Psyche - BiofeedbackBestätigt wird dies zum Beispiel auch durch eine andere Studie von Erik Peper, Professor an der San Francisco State Universität, wonach wir unsere Stimmung, unsere Energie, ja sogar unsere Leistung durch simples Wechseln der Körperhaltung verändern können.

Peper hatte dazu rund 110 Studenten gebeten, einen Gang entlang zu laufen – jedoch auf dem Hinweg in eher schluffig-gebückter Haltung, zurück in aufrechter und gestreckter Position. Auf beiden Teilstrecken wurden die Probanden gefragt, wie sie ihren eigenen Energielevel kurz nach dem Spaziergang einschätzten.

Resultat: Auf dem Hinweg verschlechterte er sich merklich für alle, zurück passierte das genaue Gegenteil.

Auch wurden die Studenten nach ihrer Stimmung gefragt. Dasselbe Ergebnis: Die Körperhaltung beeinflusste ihre Laune deutlich.

Man kann das alles als binsigen Hokuspokus abtun. Aber dahinter steckt mehr: Die Frage nach Henne oder Ei:

  • Kommt zuerst das Selbstbewusstsein und mit ihm der aufrechte Gang?
  • Oder folgt auf das Strecken der Wirbelsäule die Hochstimmung?

Ganz sicher lässt sich das hier ohne entsprechende Forschung nicht abschließend klären – aber im Selbstversuch erproben:

Wenn Sie das nächste Mal wieder mies drauf sind, strecken Sie sich einfach mal ein paar Minuten durch und zwingen Sie sich dazu, aufrecht zu stehen und zu gehen, die Schultern zurück zu nehmen und den Rücken gerade zu machen. Und dann beobachten Sie, ob und wie sich Ihre Stimmung aufhellt...

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