Bewerben ist werben. Und weil nur der Beste gewinnt, darf man dabei ruhig dick auftragen, die eine oder andere Qualifikation erfinden und sich das Bild von sich selbst in den strahlendsten Farben malen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man entdeckt wird, geht gegen null, und außerdem machen das alle so. Schließlich geht es um den begehrten Einstiegsjob, und richtig gute Stellen sind schließlich rar. Oder?

Nein. Wer so denkt, macht die Rechnung ohne den Leser: Personaler haben für Übertreibungen ein feines Gespür. Das ist kein Wunder, denn Phrasen dreschen ist beim Bewerben ebenso gang und gäbe wie Eigenlob und Schleimerei. Allen Ratgebern zum Trotz verfallen Bewerber immer wieder auf dieselben Fehler, weil sie dem Wert ihrer Erfahrungen nicht trauen. Leider katapultieren Sie sich damit ins Aus.

Denn eine Einstellung ist schließlich Vertrauenssache – und Aufschneiderei führt zu Skepsis und Misstrauen. Und das meist dauerhaft. Noch schlimmer sind Lügen. Dabei kommt’s nicht Mal drauf an, ob man gleich oder erst später ertappt wird: Ist das Vertrauen dahin, ist meist auch der Job futsch.

Deswegen sollten Sie in Ihrer Bewerbung unbedingt diese drei Kardinalfehler verfehlen:

Fehler 1: Aufschneiden

„Ich bewahre auch bei größtem Stress stets die Übersicht. Bereits mehrfach konnte ich meine überragende Problemlösungskompetenz beweisen und mein Team zu Höchstleistungen animieren. Selbstverständlich bin ich dynamisch, belastbar und teamfähig. Allerbeste IT-Kenntnisse runden mein Profil ab.“

Klingt imposant. Doch wenn sich der Theaterdonner verzieht, bleibt nichts übrig. Weil hinter den großen Phrasen jede Substanz fehlt, scheitern solche Bewerbungen. Leider neigen gerade Menschen zu großen Worten, die selbst nicht recht davon überzeugt sind, den Anforderungen zu entsprechen. Wirklich gute Kandidaten benötigen kein Blendwerk. Sie wissen, was Sie können – und stellen sich entsprechend dar. Genau das nehmen auch Personaler – bewusst oder unbewusst – wahr.

Natürlich sprechen solche echten Talente so positiv wie möglich von sich. Für eine Be-Werbung ist das auch angemessen. Aber Sie besitzen die Substanz, mit der sie sich darstellen können. Sie zeigen, in welchen Situationen sie ihre Kompetenzen einsetzen konnten, statt Phrasen zu dreschen. Sie lassen Beispiele sprechen – und zeichnen so ein plastische Bild von sich, das jeden Personaler überzeugt, weil es Hand und Fuß besitzt.

Fehler 2: Vortäuschen

Eigentlich war’s ein Traumstart: Nur eine Woche, nachdem die Bewerbung verschickt war, flatterte auch schon die Einladung zum Job-Interview ins Haus. Doch darin kam es knüppeldick:

„Buon giorno, Signore Schmitz! Com’e andate il suo viaggio? Lei l’ha trovato facile?“

Wer jetzt nicht antworten kann, weil er die geforderten Sprachkenntnisse nur behauptet hat, sieht ganz schön alt aus: Er wurde gerade beim Lügen ertappt – und ist draußen.

Probleme bekommt aber auch der Bewerber, der im Anschreiben den coolen Hund markiert – und dann im Vorstellungsgespräch nervöser zittert als der Fahrprüfling beim zweiten Anlauf von Wenden-in-drei-Zügen. Auch hier bricht die Fassade zusammen, das erste Vertrauen ist verspielt. Und das ist fatal: Nervosität ist kein Job-Hindernis. Wer dazu steht, wirkt sympathisch – und bekommt vielleicht gerade deswegen den Job.

Natürlich scheitert auch früher oder später, wer seine Berufsbiografie aufbläst. Indem er etwa aus Praktika berufliche Stationen macht, kleinere Zeitungsbeiträge zu redaktioneller Mitarbeit aufbläst oder gar Stationen erfindet. Dabei ist die bisherige Karriere ganz einfach zu überprüfen: ein kurzes Telefonat beim Ex-Arbeitgeber, eine schnelle E-Mail genügen, um Lügner zu entlarven. Wer glaubt, dass das nicht passiert, irrt gewaltig: Spätestens, wenn der Lebenslauf allzu viel verspricht, ist der Schritt zum Realitätscheck nicht weit.

Falls Sie wirklich erfolgreich waren – weil etwa dank Ihres Einsatzes Unternehmensabläufe optimiert werden konnten – dürfen Sie ruhig selbstbewusst dazu stehen. Und natürlich den früheren Chef als Referenz angeben, sofern er damit einverstanden ist. Wer Fürsprecher hat, genießt Vertrauen: Das öffnet auch bei anderen Unternehmen die Türen.

Fehler 3: Anbiedern

„Schon als Kind war ich ein großer Fan Ihres Unternehmens. Bis heute gibt es für mich nichts Tolleres als in Bettwäsche aus Ihrer Herstellung zu schlafen.“

Autsch! Wer sich derart im Ton vergreift, rutscht garantiert auf der eigenen Schleimspur aus. Anbiederei findet fast jeder Personaler unerträglich – und der, der sie nötig hat, taugt selten als Vorgesetzter. Außerdem ist ein Trugschluss zu glauben, Unternehmen Honig ums Maul schmieren zu müssen: Sie wissen bereits, was sie ausmacht.

Außerdem interessiert Arbeitgeber partout nicht, wie toll Sie ihre Firma finden. Vielmehr wollen Sie von Ihnen erfahren, was Ihre Einstellung dem Unternehmen bringt. Sie müssen, sozusagen, aus Kundensicht argumentieren.

Dafür müssen Sie sich natürlich mit dem Unternehmen befassen. Sich mit der Produktpalette und der Unternehmensphilosophie auseinandersetzen – und dabei nach Passungen suchen. Auf dieser Basis können Sie dem Personaler erklären, welchen Nutzen das Unternehmen hat, wenn es Sie einstellt.

Zeigen Sie,

  • wie Sie Ihre Projekterfahrung beim Einführen eines neuen Produktionsverfahrens einbringen können.
  • welche Erfahrungen aus Redaktions-Praktika Ihnen beim Erstellen der Kundenzeitschrift nutzen werden.
  • wie Ihnen die Erkenntnisse über Personalpsychologie aus Ihrer Abschlussarbeit für die Personalentwicklung nützlich sind.

Das Ergebnis ist eine runde Geschichte, die den Personaler fesselt, Ihre Vorzüge darstellt und ihn zur Erkenntnis bringt, dass Sie wirklich der Richtige für die Stelle sind. So machen Sie es ihm leicht, sich für Sie zu entscheiden.

Und das allein zählt.