Heiterkeit im Büro hat ein Imageproblem. Ein großes sogar. Gut gelaunte Mitarbeiter stehen stets unter dem Generalverdacht, dass es ihnen, nun, zu gut geht. Manager glauben nach wie vor, dass Hurrastimmung im Büro ablenkt, fahrlässig und faul macht. Wer satt ist, geht eben nicht mehr auf die Jagd; wer zufrieden ist, mit sich und der Welt, strengt sich weniger an. Entsprechend ernst geht es in vielen Unternehmen zu: Es wird geschwiegen und gelangweilt, drangsaliert und geschurigelt. Und umso seltener wird gelobt, gescherzt, gelacht.

Die Folgen lassen sich gerade gut beobachten. So rutschte das Arbeitsklima-Barometer des Taunussteiner Sozialforschungsinstituts IFAK kürzlich um drei Prozentpunkte nach unten: Nur noch zwölf Prozent der Beschäftigten sind motiviert bei der Sache, 64 Prozent machen gar nur noch Dienst nach Vorschrift, satte 24 Prozent haben innerlich gekündigt. In der Chefetage ist die Stimmung noch mieser: Wie eine Umfrage der Düsseldorfer Personalberatung LAB unter rund 900 Managern ergab, denken derzeit drei Viertel der Führungskräfte über einen Jobwechsel nach.

Jeder kennt die Sprüche: „Keine gute Tat bleibt lange ungestraft“, „Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“. Dahinter steckt der Gedanke des Sozialdarwinismus: Das ganze Leben ist ein endloser Wettbewerb, in dem nur die Starken überleben. Belege für diese Thesen gibt es so einige. Sie verschleiern aber zugleich, dass es mindestens ebenso viele Gegenbeispiele gibt: Menschen, die ihre Karriere nicht ihren Ellbogen, spitzen Zungen, Stuhlbeinsägen und ernsten Mienen verdanken, sondern deren Erfolg auf Loben, Lächeln und guter Laune basiert.

Nur allzu oft verwechseln wir Nettigkeit mit Naivität und Fröhlichkeit mit Flatterhaftigkeit. Dabei hat gute Laune weder etwas mit dem kommandierten Frohsinn im Karneval zu tun noch geht es darum, auf sich unkommentiert herumtrampeln zu lassen. „Penetrante Fröhlichkeit verfehlt die Heiterkeit sogar völlig“, schreibt der deutsche Lebenskunstphilosoph Wilhelm Schmid. Sie mute töricht an, wenn sie grundlos ist. Oder wie es der griechische Schriftsteller Plutarch formuliert: „Gute Laune beruht darauf, Missmut zu vermeiden.“

Gute Laune, also jener Zustand, in dem laut Definition die Umwelt mit durchweg positiven Gefühlen wahrgenommen wird, wird in der Wissenschaft schon länger erforscht. Die bisherigen Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen: Heiterkeit macht aufmerksamer und aktiver. Gutgelaunte ertragen Rückschläge besser, sie sind stressresistenter, können besser mit Niederlagen umgehen und lernen daraus mehr. Und natürlich macht Frohsinn kreativ. Das Gehirn belohnt Heiterkeit mit gesteigerter Denkleistung und neuen Sichtweisen, so Studien der Universität Toronto.

Der Psychologe Adam Keith Anderson teilte dazu 24 Probanden in drei Gruppen ein. Die erste wurde durch Musik in eine beschwingte Stimmung versetzt, die zweite hörte traurige Lieder, die Kontrollgruppe schmökerte geografische Fakten über Kanada. Anschließend sollten die Teilnehmer kreative Aufgaben lösen sowie solche, die ihre volle Konzentration verlangten. Ergebnis: Die Hochstimmung verbesserte die Aufnahme- und Analysefähigkeit der Probanden enorm, bei den Konzentrationstests ließen sie sich allerdings leichter ablenken als die traurig gestimmten Gemüter. Offenbar, so der Schluss der Wissenschaftler, werde bei schlechter Laune der Fokus stärker auf das Wesentliche gelenkt.

Hoch konzentriert, aber einsam. Wir alle arbeiten letztlich lieber mit Kollegen zusammen, die morgens schon mit einem Lächeln die Bürotür aufschließen, Meetings aufheitern und das Glas lieber halb voll als halb leer sehen. Aus gutem Grund: Begeisterte sind soziologischen Studien zufolge hilfsbereiter als normal gelaunte Kollegen. In der Wissenschaft ist dies auch als Feel-good-do-good-Phänomen bekannt. „Je mehr jemand mit seinem Leben zufrieden ist, desto empathischer ist er“, sagt der Sozialwissenschaftler Ruut Veenhoven von der Erasmus-Universität in Rotterdam (pdf). Und desto mehr färbt das auf das Umfeld ab.

Damit ist gute Laune nicht nur das Ergebnis positiver Umstände – sie ist auch deren Ursache. So tautologisch es klingt: Die Entscheidung, die Dinge optimistischer und entspannter zu sehen, kann nicht nur die eigene Stimmung heben. Danach entwickeln sich viele Dinge tatsächlich positiver.

Tatsächlich: Gutgelaunte Kollegen bringen im Schnitt 17,5 Verbesserungsvorschläge und gute Ideen in ihre Unternehmen ein, so das IFAK-Barometer, Miesepeter dagegen nur 8,4. Ebenso kommen motivierte Mitarbeiter im Schnitt auf höchstens 4,3 Fehltage, ihre frustrierten Kollegen dagegen auf zehn. Die Untersuchungen von Alice Isen, Psychologieprofessorin an der Cornell-Universität in New York zeigen wiederum: Gutgelaunte sind nicht nur belastbarer und zufriedener. Sie sind auch beliebter und populärer und werden von ihren Vorgesetzten meist besser bewertet und öfter befördert. Das Gros erzielt sogar höhere Einkommen.

Ein heiteres Arbeitsklima wirkt vielleicht nicht immer unmittelbar. Aber es führt immer zu einer Art Viraleffekt: Gute Laune steckt an – sogar stärker als schlechte. Weil mir das Thema wichtig ist (Ich habe darüber gerade einen 10-seitigen Artikel in der WirtschaftsWoche geschrieben), widme ich mein Blog die ganze nächste Woche diesem Thema, sozusagen: Gute-Laune-Wochen in der Karrierebibel. Ich freue mich über Kommentare von Stimmungskanonen genauso wie über Anregungen, Diskussionen, gerne auch Gastbeiträge (Vorschläge bitte per Mail) und Anekdoten.

Und hoffentlich haben wir alle dabei viel Spaß und gute Laune…

Dieser Beitrag ist Teil der aktuellen Gute-Laune-Serie. Darin werden hier im Blog eine Woche lang nur Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Anlass ist meine 10-seitige Aufmacher-Story in der WirtschaftsWoche. Anregungen und Gastbeiträge dazu sind jederzeit willkommen. Die Artikel zur Serie finden Sie auch indem Sie das Stichwort “Gute Laune” im obigen Suchfeld eingeben.