Carsten Wrosch ist Psychologie-Professor an der Concordia Universität in Kanada und erforscht seit mehr als 15 Jahren negative Emotionen. Ihn interessiert etwa wie Trauer oder Reue Menschen beeinflussen. Oder welchen Effekt Bitterkeit auf unsere Gesundheit hat. Ja, tatsächlich Bitterkeit. Denn die, das fanden Wrosch und sein Kollege Jesse Renaud heraus, entsteht ganz leicht und schon aus kleinen Fehlern und Pannen, begleitet von Ärger und Wut.
Nun fragten sich die beiden Forscher aber auch, warum es einerseits Menschen gibt, die an bestimmten Punkten oder nach besonderen Ereignissen in ihrem Leben bitterer als eine Grapefruit werden, während andere eher locker bleiben, Motto: Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, mach Limonade draus! Und um es kurz zu machen: Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle oder Selbstregulation haben ganz viel damit zu tun.
Hätte, wäre, könnte… – Wer ständig mit seinem Schicksal hadert und vor allem andere für seine unglückliche Lage verantwortlich macht, der steht laut Wrosch nicht nur in der größeren Gefahr bitter zu werden, sondern schadet sogar seiner Gesundheit. “Bitterkeit”, so Wrosch, “insbesondere wenn sie chronisch wird, kann erheblichen Einfluss auf biologische Funktionen haben, unser Imunsystem schwächen oder regelrecht krank machen, nicht nur mental.”
Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, empfiehlt das Forscher-Duo im Falle des Scheiterns eine schnelle Abkehr von seinem ursprünglichen Ziel. Wer merkt, dass seine Bemühungen auch nach meheren Anläufen fruchtlos bleiben, sollte sich nicht noch mehr oder weiter engagieren, sondern sich vielmehr einem anderen Ziel zuwenden. Das klingt – zugegeben – ziemlich simpel, ist aber eben ein Kernelement der Selbstkontrolle: Anpassungsfähigkeit und die Stärke auch bei Niederlagen, Herr der Lage zu bleiben.
In einigen Fällen, das gibt Wrosch allerdings zu, braucht es jedoch mehr, um Bitterkeit zu überwinden. Insbesondere dann, wenn tatsächlich andere Menschen beteiligt sind oder gar einen Beitrag zum Misslingen geleistet haben. Dann brauche es neben Selbstregulierung noch eine andere wesentliche Fähigkeit, um negative Gefühle zu überwinden: Vergebung.






