Es gibt Menschen, die entwerfen von sich in den Nachwehen feiertäglicher Völlerei ein neues Bild. Eines, von einem abnehmenden, nicht rauchenden, nicht saufenden, zielstrebigen, konsequenten, freundlichen, teamfähigen, sparsamen, durch und durch besseren Menschen. Kurz: Sie entwerfen von sich das Bild eines Gewinners und formulieren dazu ein paar gute Vorsätze.
Zwei Tage später knallen sie sich mit Schampus und Böllern das alte Leben aus dem Kopf und wachen am nächsten Morgen mit einem Kater und einer Kippe im Mund auf, haben schlechte Laune und bestellen sich aus lauter Frust im Internet eine fettige Pizza. Die guten Vorsätze – sie existieren allenfalls noch als schlechtes Gewissen und werden mit Aspirin-Tonic hinuntergespült. So geht das mit den Neujahrsvorsätzen jedes Jahr.
Dabei ist das Streben nach Besserem nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: Man muss sich ab und zu daran erinnern, das Beste aus sich heraus zu holen, um es nicht zu vergessen und um dem Vorbild wieder jenen Rang einzuräumen, den Terminkalender, Trott und Trägheit zwischenzeitlich besetzt halten.
Vergessen sollten Sie allerdings alle spontanen Ideen vom Typ Nächstes-Jahr-suche-ich-mir-einen-besseren-Job oder Ich-mache-2010-endlich-Karriere. Bringt nichts! Nach dem selben Muster scheitern auch alle Im-kommenden-Jahr-nehme-ich-zehn-Kilo-ab-Diäten. Und zwar aus zwei Gründen:
Sich zu viel auf einmal vorzunehmen, ist ohnehin nicht klug. Schließlich geht es darum, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Die sind anfangs wie Spinnweben und später wie Drahtseile, sagt ein spanisches Sprichwort. Sie abzulegen geht nicht von heute auf morgen. Die Kunst ist, ein großes Ziel, eine Strategie möglichst konkret zu entwerfen, in Etappen zu zerlegen und diese anschließend konsequent und mit aller Kraft zu verfolgen. So weiß man heute aus der Motivationsforschung, dass Menschen mehr Elan zeigen, ein Ziel zu erreichen, je näher sie ihm kommen. Also planen Sie möglichst greifbar und konkret. Weniger zu essen ist übrigens kein konkretes Ziel. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag auf den Nachtisch zu verzichten, dagegen schon. Eine gute Hilfe dabei ist, sich die Vorsätze exakt so aufzuschreiben. Sonst verzettelt man sich – oder verwirft sie ein paar Tage danach. Apropos Zettel: Wenn Sie sich die Vorsätze notieren, dann am besten so, dass Sie immer wieder darauf stoßen: Ein guter Ort für den Merkzettel „5 Kilo abnehmen!“ ist zum Beispiel die Kühlschranktür. Und das Merkblatt „Der Kunde ist König“ gehört nicht vor die Tür, sondern dahinter, wo der Schreibtisch steht. |
Vorsätze der Deutschen für 2010
Quelle: DAK |
Zudem muss das Ziel Spaß machen. Sparsamer zu werden, weckt keine Ambitionen. Jeden Monat 100 Euro zur Seite zu legen, um mit dem Gesparten einen Traumurlaub zu finanzieren, den man schon immer machen wollte, dagegen schon. Und versüßen können Sie sich das auch. Etwa, indem Sie zwischendurch die Reiseroute planen, erste Angebote einholen oder kleinere Ausrüstungsutensilien anschaffen. Hauptsache, sie feiern immer wieder Teilerfolge. Jede Veränderung, die Ihnen gelingt, ist ein Schritt vorwärts, für das Sie sich belohnen sollten. Sonst laufen Sie Gefahr, aus Frust und bei ersten Rückschlägen aufzugeben.
Und machen Sie sich nichts vor: Rückschläge werden kommen, keiner ist perfekt! Die US-Psychologen Alan Marlatt und Elizabeth Miller von der Universität von Washington fanden vor einigen Jahren schon heraus, dass kaum jemand bei seinen Vorsätzen und dem ersten Versuch erfolgreich war, nahezu jeder Fünfte brauchte gar mehr als sechs Anläufe. Geben Sie also nicht auf, sondern machen Sie weiter! Denken Sie einfach an das, was Sie bisher erreicht haben – erst recht nach diesem schwierigen Jahr.







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Niels Warnecke
Ein weiterer Grund, warum die Vorsätze in der Regel scheitern, ist das mangelnde Hinterfragen des “Warum”. “10 Kilo abnehmen” mag ein sinnvoller Vorsatz sein, vor allem, wenn der Hausarzt einem das immer wieder sagt. Wenn mich das aber innerlich weder berührt noch sonstwie erreicht, dann ist ein solcher Vorsatz zwar immer noch sinnvoll, aber die Umsetzung eher unwahrscheinlich.
Wenn das “Warum” nur in der Aussage des Arztes und den Kommentierungen meiner Umgebung besteht, ich mich selbst mit den 10 Kilo zuviel aber super fühle, dann ist der Vorsatz zum Scheitern verurteilt, weil der innere Antrieb, das Ziel mit der notwendigen Disziplin anzustreben, schlicht und ergreifend fehlt.
Eine Vielzahl guter Vorsätze wird getroffen, weil andere uns diese einflüstern (“Schatz, Du solltest wirklich mit dem Rauchen aufhören”) und wir auf einer rationalen Ebene die Vorteile durchaus sehen (Rauchen ist ungesund, kostet viel Geld und ist eigentlich ziemlich sinnlos). Solange aber aus dieser Ratio kein innerer Antrieb, kein Verpflichtungsgefühl entsteht, nützt das beste SMARTe Zielsetzen nichts – die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns wird groß sein.
Insofern sollte man sich VOR der Konkretisierung des Ziels und der Festlegung sinnvoller Einzelschritte vor allem fragen, WARUM man sich dieses oder jenes vornimmt. Der von Ihnen empfohlene Blick zurück ist da schon mal ein sehr guter Einstieg.
Ein weiterer Aspekt, der meines Erachtens für ein erfolgreiches Umsetzen erforderlich ist: Die Affirmation der Zielerreichung. Heißt: Wie wird es sich anfühlen, wie werde ich mich fühlen, wenn ich den Vorsatz erfolgreich in die Tat umgesetzt habe? Welche positive Veränderungen werde ich erleben? Diesen Blick in die Zukunft sollte man sich mit der Kraft des Vorstellungsvermögens gönnen und das dabei “Erlebte” am besten aufschreiben und als Motivator irgendwo aufhängen, wo man es täglich sehen kann. Eine gute Affirmation hat dabei 5 Eigenschaften: Sie ist im Präsens formuliert, positiv, ich-bezogen, visuell und emotional. Sie hilft dabei, das Erreichen des Ziels immer wieder zu visualieren.
Pingback: Auf ein Neues – Von guten Vorsätzen und sinnlosem Scheitern » Von Lelia » Ich persönlich habe ja schon seit mindestens fünf Jahren keine , guten Vorsätze mehr zumindest nicht zum Jahreswechsel Abgesehen davon dass mich die alljährlichen Endjahres
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