Blickkontakt-Augenkontakt-Dauer
Die Augen machen einen Menschen einzigartig. Im Gespräch schauen wir automatisch in die Augen unseres Gegenübers, denn diese geben Aufschluss darüber, was in ihm vorgeht oder ob wir ihn oder sie für vertrauens- und glaubwürdig halten. Anhaltender Blickkontakt gilt daher als Vertrauensbeweis: Wer nicht wegschaut, hat nichts zu verbergen. So jedenfalls das gängige Klischee. Doch wie lange sollte man sich dabei in die Augen schauen? Und gibt es dafür auch ein zu lang? "Ja, gibt es", sagt der Alan Johnston vom University College London. Er muss es wissen: Er entdeckte gerade die optimale Dauer für den Augenkontakt...

Augenblick mal! Was die Augen verraten

Augen-Frau-verraten-Pupille"Ich schau dir in die Augen, Kleines", sagt Humphrey Bogart zu Ingrid Bergman im Film Casablanca. Tatsächlich orientiert sich der Mensch beim ersten Eindruck zuerst am Gesicht seines Gegenübers.

Immer wieder liefern wissenschaftliche Studien Hinweise darauf, dass wir Menschen aufgrund ihres Gesichts und speziell des buchstäblichen Augenblicks als unterschiedlich vertrauenswürdig einschätzen. Karel Kleisner von der Karls Universität in Prag fand etwa heraus, dass Männer mit braunen Augen vertrauenswürdiger erscheinen, als solche mit blauen Augen.

Tatsächlich lässt sich aus unserem Augenspiel und dem Blickkontakt viel lesen und interpretieren. Hier ein paar Beispiele:

  • Wer redet, blinzelt häufiger als einer, der schweigt. Ist das umgekehrt, kann man davon ausgehen, dass sich der Zuhörer langweilt.
  • Häufiges Augenklimpern wiederum, wie es Frauen gerne anwenden, wenn sie einem Mann Interesse signalisieren (sprichwörlich: schöne Augen machen), ist in Wahrheit eine Unterwürfigkeitsgeste.
  • Der starre, intensive Blick dagegen wird als Zeichen von Stärke und Charisma gewertet. Der Schauspieler Michael Caine soll zum Beispiel jahrelang geübt haben, um seine theatralische Wirkung zu steigern und bei Naheinstellungen kaum blinzeln zu müssen.
  • Sein Gegenüber visuell zu fixieren, kann allerdings auch einschüchtern. Der prüfende Blick verunsichert. Entsprechend spielen viele Geschäftsleute beim Erstkontakt eine Art Augenmikado: Wer zuerst wegsieht, hat verloren. Danach ist klar, wer die schwächeren Nerven hat.

Blickkontakt: Nicht länger als 3,2 Sekunden

Es ist beim Blickkontakt wie mit allen Dingen: Die Dosis macht das Gift. Als Alan Johnston und seine Kollegen vom University College London kürzlich der optimalen Augenkontakt-Dauer auf die Spur kommen wollten, experimentierten sie mit mehr als 400 Probanden und den unterschiedlichsten Persönlichkeiten.

Tatsächlich stellte sich - trotz unterschiedlicher Charaktere - bei allen nach durchschnittlich 3,2 Sekunden Dauerblickkontakt Unbehagen ein. Wer den Probanden länger direkt in die Augen sah, wurde tendenziell als bedrohlich eingestuft und verspielte mit jeder weiteren Sekunde Sympathiepunkte und seinen Vertrauensbonus.

Natürlich muss man dazu sagen, dass es sich hierbei ausdrücklich um Erstkontakte handelt. Gute Freunde und Verliebte werden sich auch länger intensiv in die Augen sehen können - bei letzteren steigert es eher noch die positiven Gefühle.

Dass die wenigsten Menschen einem längeren Augenblick standhalten, zeigen aber auch Experimente von Donald Elman von der Kent State Universität aus dem Jahr 1977: Seinerzeit stellten die Forscher sich an eine Ampelkreuzung und starrten Autofahrer bei Rot intensiv an. Ihre anschließenden Messungen ergaben: Die derart Begafften gaben bei Grün deutlich schneller Gas. Allerdings konnte Lächeln in den Versuchen den Fluchtreflex neutralisieren.

Blickkontakt macht renitent

Erster-Eindruck-Blickkontakt-AugeZwar gilt es hierzulande als höflich, seinem Gesprächspartner direkt in die Augen zu sehen – beim Sprechen wie beim Zuhören. Forscher der Uni Freiburg fanden aber heraus, dass ein allzu intensiver Blickkontakt eher psychologischen Widerstand auslöst.

In den Experimenten dazu sahen sich die Versuchsteilnehmer Videos von Rednern an, im Anschluss wurde ihre Reaktion auf deren Argumentation untersucht. Ergebnis: Wer den Inhalten skeptisch gegenüberstand und zugleich starkem Blickkontakt ausgesetzt war, reagierte renitent und war kaum bereit, die eigene Meinung zu ändern. Vielmehr neigten diese Probanden dazu, dem Redner zu widersprechen und seine Meinung abzulehnen. Der Augenkontakt wurde als Manipulationsversuch aufgefasst – dem es zu widerstehen galt. Die Abwehrhaltung entfiel dagegen bei Testpersonen, die verstärkt auf den Mund statt auf die Augen achten sollten.

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