Ein Gastbeitrag von Anna Appelrath

appelrathAnna Appelrath, 23, ist Politologin und arbeitet als freie Nachwuchsjournalistin unter anderem für die Kölnische Rundschau und den TV-Sender VOX. Zurzeit ist sie auf der Suche nach einem Volontariat.

Erinnern sie sich noch an den Film „Memento“ von Christopher Nolan? Der Thriller, in dem die Szenen in verkehrter Reihenfolge ablaufen? Der Hauptdarsteller des Kinohits vergisst aufgrund eines Unfalls nach gerade einmal 15 Minuten alles, was er gerade gesehen und erlebt hat. Um einen Kriminalfall zu lösen, entwickelt er deshalb ein höchst komplexes System aus Polaroids, Tattoos und Notizen auf seinem Körper, um die von ihm gesammelten Spuren nicht wieder zu vergessen.

So oder so ähnlich kann man sich auch Mnemotechniken vorstellen; Merktechniken, die – wie der Name vermuten lässt – helfen, sich Zahlen, Fakten und Namen besser einzuprägen. Auch wenn es den meisten glücklicherweise nicht so ergeht wie dem Protagonisten aus Memento, so wünscht sich mancher Otto-Normal-Gedächtnisnutzer wohl, die Namen von neuen Kollegen, die Telefonnummern der Freunde oder auch Daten aus der Geschichte besser merken zu können. So schwer wie das klingt ist es jedoch nicht. Mit ein paar sogenannten Mnemotechniken, etwas Fantasie und Übung kann jeder zum Gedächtnisakrobaten werden. Folgende drei Merktechniken helfen dabei:

  1. sanduhrDas Zahlen-Symbol System Assoziation ist das A und O dieser Technik. Jeder Zahl von 0 bis 9 wird ein bestimmtes Symbol zugeordnet, welches einen optischen Bezug zur Zahl hat. Gerne wird dabei für die 2 ein Schwan genommen, ein Barhocker für die 3 oder eine Sanduhr für die 8, und so weiter. Wichtig ist, dass Sie sich das Bild vor Ihrem geistigen Auge vorstellen und einprägen. Falls sie bei einer bestimmten Zahl-Symbol-Kombination Probleme haben, suchen sie sich besser ein anderes Symbol aus, das Sie leichter mit der jeweiligen Zahl assoziieren können. Dieses System eignet sich besonders gut zum Einprägen von Zahlenketten, wie beispielsweise Telefonnummern. Wenn Sie also die Zahl 239.628.467 speichern wollen, denken Sie zunächst an die von Ihnen ausgewählten Symbole für die einzelnen Ziffern. Lassen Sie jetzt Ihrer Fantasie freien Lauf und denken Sie sich eine schräge Geschichte mit den Symbolen aus. Je verrückter, desto einprägsamer. Ihre Geschichte könnte mit einem Schwan (2) anfangen, der auf einem Barhocker (3) sitzt.
  2. Die Ersatzwortmethode Diese Mnemotechnik ist vor allem beim Lernen von Fremdwörtern oder Vokabeln eine große Hilfe. Dabei werden die neuen Wörter, die man sich merken möchte, mit einem bereits vertrauten Begriff verknüpft, der einen ähnlichen Klang besitzt. Fragen Sie sich dazu etwa, woran Sie das Wort erinnert. Nehmen Sie zum Beispiel das englische Wort „mice“, zu deutsch: Mäuse. Wenn man es ausspricht, klingt es beinahe wie das deutsche Wort Mais. Nun denken Sie sich ein lebendiges Bild mit Mäusen und Mais aus. Stellen Sie sich vor, wie eine kleine Gruppe von grauen Mäusen einen riesigen Maiskolben anknabbert. Effekt: Das nächste Mal, wenn Sie sich fragen, wie Mäuse auf Englisch heißen, fällt Ihnen das Bild ein – und damit auch der englische Begriff. Je ähnlicher der Ersatzbegriff in Ihrer Muttersprache klingt, desto stärker übrigens der Effekt.
  3. Die Loci- oder Routenmethode Wenn Sie sich möglichst viel merken möchten, ist bei dieser Technik eine große Wohnung von Vorteil. Denn hierzu unternehmen Sie einen Rundgang durch Ihre vier Wände. Wählen Sie für den Anfang zehn markante Punkte aus, die Sie in derselben Reihenfolge immer wieder ablaufen können. Dies können Ihr Fernseher ebenso wie Ihr Bett oder Ihr Lieblingsbild sein. Assoziieren Sie nun im nächsten Schritt die Begriffe oder Zahlen, die sie sich einprägen wollen mit den Punkten aus Ihrer Wohnung, indem Sie sich wieder ausgefallene Bilder einfallen lassen. Gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor. Wenn Sie sich später an die Daten erinnern möchten, müssen Sie nur noch vor Ihrem geistigen Auge die Route durch Ihre Wohnung abschreiten.

Egal, welche der drei Methoden Ihnen am besten liegt, wichtig ist immer, dass Sie beim Ausmalen der assoziativen Bilder möglichst alle Sinne und Emotionen mit einbeziehen. Dadurch fällt es dem Gehirn leichter, die memorierten Fakten jederzeit wieder abzurufen. Das regelmäßige Üben dieser Techniken ist allerdings genauso wichtig, denn nur so können Sie Ihr Gedächtnis trainieren, ständig neues hinzu zu lernen und zu konservieren.

Und falls Sie doch einmal etwas vergessen, denken Sie daran: Es hat auch Vorteile, dass der Mensch zum Vergessen fähig ist.