Halt! Bevor Sie weiterlesen: Schauen Sie sich bitte kurz in Ihrem Büro, speziell auf dem Schreibtisch um. Kommt Ihnen folgende Szene bekannt vor: Papierberge so weit das Auge reicht, Täler aus Notizzetteln, Markern und Kugelschreibern, aus denen sich ab und an eine eingetrocknete Kaffeetasse schiebt? Wenn Sie jetzt genickt und sich – zumindest teilweise – erwischt gefühlt haben, sollten Sie weiterlesen.
Klar, wir alle haben mal stressige Phasen im Job. Dann ist keine Zeit zum Aufräumen und der Schreibtisch oder gar das ganze Büro müllen schneller zu als die Wohnung bei einem Messie. Doch der temporäre Schlendrian ist tückisch: Folgt darauf nicht bald das Großreinemachen, herrscht bald nur noch Chaos. Die Papierberge wuchern auf ein scheinbar kaum noch überwindbares Maß und darunter wuchern bald Pilzkulturen, die vielleicht eines Tages Krankheiten heilen können. Aber nur vielleicht.
Damit es erst gar nicht so weit kommt (und weil Aufräumen ungefähr so viel Spaß macht, wie Fußnägelschneiden), haben wir uns durch diverse Organisations-Ratgeber und Tipplisten gewühlt und deren Essenz zu einem 10-Minuten-Blitzraumpflege-Programm zusammengefasst. Echt jetzt: Zehn Minuten – mehr brauchen Sie nicht, um Ihr Büro wieder in Erstbezugszustand zu verwandeln. Die folgende Lektüre dauert sogar noch kürzer. Also los!
Minute 00:00:00
Beginnen Sie damit, sich einen freien Bereich in Ihrem Büro zu schaffen. Fahrbare Schubladen-Schränke oder Ähnliches eignen sich hervorragend dafür. Dieser freie Bereich ist für die nächsten Minuten der Dreh- und Angelpunkt Ihrer Aufräumaktion.
Minute 00:01:12
Fassen Sie herumliegende Papiere zu sauberen Stapeln zusammen und legen Sie diese – wenn möglich – in Ihren Eingangs- oder Postkorb. Quellen diese bereits über, legen Sie die Stapel sauber auf einem Schrank oder ähnlichem ab.
Minute 00:03:27
Jetzt sind Kugelschreiber und andere Büromaterialien dran: Sammeln Sie diese ein und platzieren Sie diese in den dafür vorgesehenen Behältern wie Schreibtisch-Butler, Stifthalter, Schublade. Wenn Ihnen Gegenstände begegnen, die keinen festen Ort haben, sammeln Sie diese in einem Behälter. Oder werfen Sie sie gleich in den Müll.
Minute 00:04:04
Außer Handbüchern, Magazinen oder Kaffeetassen sollte jetzt nichts mehr auf Ihrem Schreibtisch stehen, was dort nicht hingehört. Sammeln Sie die herumstehenden Reste ein und stellen oder legen Sie diese an den dafür vorgesehen Ort. Auch hier: Heimaltose Gegenstände werden an einem Ort gesammelt. Oder weggeschmissen.
Minute 00:06:49
Ihr Schreibtisch sollte jetzt – bis auf Computer, Tastatur, Maus und eventuelle private Bilder – leer sein. Nehmen Sie jetzt noch einmal den Behälter mit den Gegenständen, die keinen festgelegten Ort haben, zur Hand: Entscheiden Sie für jeden Gegenstand, was damit geschehen soll:
- Legen Sie einen Ort dafür fest – und verstauen Sie ihn dort.
- Geben Sie den Gegenstand dem Kollegen zurück, von dem Sie ihn ausgeliehen haben.
- Werfen Sie den Gegenstand weg.
Minute 00:08:01
Nun sind die Papierstapel dran. Gehen Sie die Papiere durch und bilden Sie auch hier drei Stapel. Nummer eins sind Papiere, die Sie aufbewahren, aber nicht weiter beachtet werden müssen. Stapel Nummer zwei sind Papiere, mit denen Sie noch arbeiten müssen. Und der dritte Stapel landet direkt im Papierkorb.
Minute 00:10:00
Sie sind fertig! Genießen Sie die aufgeräumte, ordentliche Umgebung. Sie haben das Chaos wieder im Griff…
Sicher, eine solche Zehn-Minuten-Radikalkur kann nur ein Anfang sein. Damit die Ordnung nachhaltig wirkt und Ihnen auch in künftigen Stresszeiten erhalten bleibt, sollten Sie noch die folgenden Empfehlungen beherzigen:
- Legen Sie die Papiere von Stapel Nummer eins gleich ab, schieben Sie das nicht auf.
- Etablieren Sie einen Eingangskorb, in dem alle neuen Dokumente landen. Und informieren Sie Ihre Kollegen darüber, dass neue Dokumente ab jetzt dort hinein gehören.
- Leeren Sie diesen Eingangskorb einmal am Tag und teilen Sie den Inhalt in vier Kategorien, entsorgen, delegieren, ablegen, bearbeiten – in dieser Reihenfolge! – fest.
- Gewöhnen Sie sich an, Geschirr und geliehene Gegenstände möglichst zeitnah zurück zu geben.
Apropos: Mit welcher Strategie sorgen Sie für Ordnung?







macorama
Hübsche Ableitung und Reduzierung von GTD :-)
Moni
Ich glaube, diese Anleitung ist sehr gut für Fälle, die noch nicht ganz so schlimm sind.
Das ist meiner Meinung nach das wichtigste: dass alle Gegenstände (Papiere, Utensilien, momentan nicht benötigte Hardware, Geschirr, Lebensmittel) ihren festen Platz haben und dass man stets die Dinge nach dem Gebrauch wieder an ihren Platz zurücklegt. Wenn das zur Gewohnheit wird, ist es gar nicht mal so anstrengend, sondern kann sehr entspannend sein, nämlich dann, wenn man mal was sucht. ;-)
Normalerweise kann das ja auch jeder in seinem eigenen Büro so handhaben, wie er möchte, allerdings stört es mich sehr, wenn ich mir mit jemandem ein Büro teile und der Kollege dann so nachlässig und schlampig sowohl mit eigenen, als auch mit meinen Sachen umgeht, dass sie sogar kaputtgehen (Schrammen auf einem Monitor, ausgetrocknete Fineliner, schlecht gewordene Milch).
Christian Mueller
@macorama: Nennen wir es mal von GTD inspiriert ;-).
@Moni: Stimmt, wenn alles seinen festen Platz hat, entsteht Chaos deutlich seltener. Und wenn es doch mal passiert, ist es sehr schnell beseitigt. Bei einem gemeinsam genutzten Büro wird es natürlich schwieriger. Ein Vorschlag hier: klare Aufteilung des Büros festlegen – wenn der Kollege mitspielt – und den eigenen Bereich verteidigen. Dann beschränkt sich das Chaos zumindest auf eine Bürohälfte :-).
Hast du gerade so eine Situation?
Gruß,
Christian
Felicitas
Nur die Unterlagen für den Vorgang, an dem ich gerade arbeite, liegen bei mir auf dem Schreibtisch (meistens…) Alles andere darf sich auf der Ablagefläche links neben dem Schreibtisch tummeln. Als notorischer Schreibtisch-Chaot hat mich “Ordnung ins Chaos” von Anne Brunner vom lästigen Papierberge-Sortieren und Tassen-Sammeln am Arbeitsplatz gerettet.
Moni
@Christian: Danke für den Tipp mit der klaren Aufteilung. So eine Situation hatte ich mal (inzwischen nicht mehr) und hab das auch so ähnlich gelöst. Mein Schreibtisch war meine eigene kleine Wohlfühl-Insel inmitten des Chaos. Dennoch gibt es natürlich immer wieder Überschneidungsräume.
Christian Mueller
@Felicitas: Danke für den Buch-Tipp, kannte ich noch nicht, werde ich mir mal anschauen.
@Moni: Klar, komplett kann die Trennung nie sein, aber die Wohlfühl-Insel ist dann doch wichtig :-)
Gruß,
Christian