Bonuszahlungen: Keine Gleichbehandlung
Welcher Arbeitnehmer ist nicht erfreut, wenn er hört, dass der Arbeitgeber Bonuszahlungen leistet? Immerhin stockt das zusätzliche Geld das normale Gehalt auf und plötzlich rückt der ersehnte Urlaub wieder in greifbare Nähe. Es kann hierbei jedoch ein großes Problem geben: Ein Bonus muss nicht automatisch an jeden Mitarbeiter ausgezahlt werden. Es kann also unter Umständen passieren, dass der Kollege aus dem Nachbarbüro sich über seinen Bonus freut, während alle anderen leer ausgehen. Ist das gerecht? Wohl kaum. Aber es kann durchaus rechtens sein, wenn der Arbeitgeber sich dabei an einige Vorgaben hält. Wir erklären, warum es bei Bonuszahlungen keine Gleichbehandlung gibt...

Bonuszahlungen: Keine Willkür

Zusätzliche Zahlungen an Mitarbeiter müssen also nicht immer gleichermaßen für alle gelten. Dennoch brauchen ArbeitnehmWer keine Angst haben, dass Vorgesetzte aus reiner Willkür entscheiden könnten, wer die Bonuszahlungen erhält und welche Mitarbeiter am Ende außen vor bleiben. Ein Chef kann zwar seine Lieblinge unter den Mitarbeiter haben, dies gibt ihm aber nicht das Recht, nur diesen Wenigen einen Bonus auszuzahlen.

Eine solch ungerechte Behandlung einzelner Gruppen - oder im Umkehrschluss die Bevorzugung einiger Personen - ist arbeitsrechtlich nicht erlaubt. Doch auch das Gesetz sieht nicht vor, dass grundsätzlich allen Mitarbeitern ein Bonus ausgezahlt werden muss. Der Fokus liegt hier im Gesetztestext auf einem sachlichen Grund, der die unterschiedliche Behandlung von verschiedenen Arbeitnehmern rechtfertigt.

Bedeutet im Klartext: Kann der Arbeitgeber plausibel begründen, warum einige Mitarbeiter von Bonuszahlungen profitieren, während andere komplett leer ausgehen, wird es für diese Arbeitnehmer schwer, ihren eigenen Wunsch nach einer zusätzlichen Vergütung durchzubringen.

Zusätzlich liegt die Entscheidung, ob überhaupt ein Bonus gewährt wird, letzten Endes in den Händen des Unternehmens. Somit können auch die Bedingungen, die Arbeitnehmer erfüllen müssen, um sich für eine Bonuszahlung zu qualifizieren, vom Vorgesetzten festgelegt werden. Wie genau diese Bedingungen aussehen und wie hoch die Extravergütung ausfällt, obliegt ebenfalls dem Arbeitgeber, solange keine tariflichen oder vertraglichen Einigungen vorliegen.

Diese gefühlte Ungerechtigkeit ist es auch, warum viele Arbeitgeber das Thema Bonuszahlungen lieber hinter verschlossenen Türen halten. Bekommen die Mitarbeiter Wind davon, dass einige Kollegen zusätzliche Vergütungen erhalten, während auf dem eigenen Konto Ebbe herrscht, sinkt die Arbeitsmoral. Dabei ist dieses Vorgehen der Unternehmen oft genau das Falsche. Werden die Bedingungen für Bonuszahlungen offen gelegt und vielleicht sogar Anreize geboten, wie andere Mitarbeiter auch in den Genuss kommen können, kann dies sogar positiv auf die Motivation wirken.

Bonuszahlungen: Diese Gründe können entscheidend sein

Erfolg_Millionär_GeldEs bleibt noch die Frage: Welche Gründen können angeführt werden, um die fehlende Gleichbehandlung bei der Verteilung von Bonuszahlungen zu rechtfertigen? Wie bereits erwähnt, reicht es nicht aus, wenn ein Vorgesetzter einfach die Mitarbeiter auswählt, die ihm am sympathischsten sind. Ohne diesen sachlichen Grund, können Mitarbeiter, die bisher außen vor geblieben sind, vor dem Gericht ihre Bonuszahlung einklagen. Diese drei Gründe können Arbeitgeber nutzen, um Bonuszahlungen an verschiedene Arbeitnehmer zu rechtfertigen.

  1. Dauer der Betriebszugehörigkeit

    Arbeitgeber können die Dauer der Betriebszugehörigkeit als eine Bedingung für die Bonuszahlungen stellen. So kann beispielsweise vereinbart werden, eine zusätzliche Zahlung an Mitarbeiter zu leisten, die bereits seit 10 oder sogar mehr Jahren für das Unternehmen tätig sind.

  2. Erbringung besonderer Leistungen

    Kann der Arbeitgeber sachlich begründen, dass einige Arbeitnehmer durch besondere Leistungen einen Bonus verdient haben, kann auch die erbrachte Leistung den Unterschied zwischen einer Berechtigung zur Bonuszahlung und deren Verweigerung ausmachen.

  3. Bindung an das Unternehmen

    Unternehmen können Bonuszahlungen auch nutzen, um bestimmte, besonders qualifizierte Arbeitnehmer, zum Verbleib in der Firma zu motivieren. Es kann zum Beispiel einer top qualifizierten IT-Kraft ein Bonus gezahlt werden, um das Fachwissen im eigenen Unternehmen zu halten.

Bonuszahlungen: So können Sie sich als Mitarbeiter verhalten

Wenn Sie von Ihrem Chef eine Bonuszahlung erhalten, sollten Sie sich natürlich zunächst einmal darüber freuen. Ihr Vorgesetzter scheint mit Ihren Leistungen sehr zufrieden zu sein, also haben Sie sich die zusätzliche Belohnung verdient. Schwierig wird es jedoch, wenn das Gespräch mit den Kollegen aufkommt, die möglicherweise keine Bonuszahlung erhalten haben. Wie können sich Mitarbeiter in dieser Situation verhalten?

Es gibt zwei Möglichkeiten, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben. Deshalb sollten Sie genau abwägen, wie Sie sich welchem Kollegen gegenüber verhalten wollen:

  • Schweigen. Natürlich können Sie den Bonus für sich behalten. So kommen Sie erst gar nicht in die unangenehme Situation, sich möglicherweise rechtfertigen zu müssen und die Wut eines frustrierten Kollegen auf sich zu ziehen. Kommt es allerdings doch heraus, wird Ihr Gegenüber sich fragen, warum Sie ihm nichts erzählt haben.
  • Erzählen. Gerade wenn Sie ein freundschaftliches Verhältnis zu Ihren Kollegen pflegen, können Sie mit offenen Karten spielen. In der Regel werden diese sich für Sie freuen. Natürlich setzen Sie sich damit aber auch dem Risiko aus, Neid anzufachen.

Sind Sie auf der anderen Seite und haben das Gefühl, zu Unrecht von einem Bonus ausgeschlossen worden zu sein, kann es sinnvoll sein, sich bei einem Anwalt beraten zu lassen. Liegen Sie mit Ihrer Vermutung richtig und es fehlen sachliche Gründe, die Ihren Ausschluss von einem Bonus rechtfertigen, ist Ihr Arbeitgeber dazu verpflichtet, Sie in die Zahlung mit aufzunehmen.

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