Burnout-Prävention hat sich in den letzten Jahren zu einem viel genutzten Schlagwort entwickelt. Kein großes Unternehmen, dass seine Mitarbeiter nicht mit Seminaren, Kursen, erlebnispädagogischen Aktionen oder Team-Wochenenden unterstützt. Das sieht alles gut aus – ist es jedoch in vielen Fällen ganz und gar nicht. Denn oft wird bei diesen “Unterstützungsangeboten” viel zu viel Aktionismus an den Tag gelegt. Und dort, wo ein Konzept vorhanden ist, basiert dieses auf dem grundlegend falschen Gedanken der Leistungssteigerung. Dabei sollte es nicht um möglichst effektive Teams, sondern um zufriedene Mitarbeiter gehen.
Das grundsätzliche Problem vieler Unternehmen lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Human Ressources. Wer seine Mitarbeiter nur an ihrer Arbeitskraft misst, muss sich nicht wundern, wenn diese Dienst nach Vorschrift machen und – in Bezug auf das Unternehmen – nicht mal im Traum an Begriffe wie Loyalität, Treue und Engagement denken. Werden die Mitarbeiter jedoch als Menschen mit vielfältigen Facetten gesehen und behandelt, honorieren sie das auch mit einer guten Arbeitsatmosphäre und entsprechenden Leistungen. Dies ist dann jedoch die Konsequenz aus dem Verhalten des Arbeitgebers, nicht das primäre Ziel. Das sollte immer die Gesundheit der Mitarbeiter sein.
Mitarbeiter – Experten in eigener Sache
Alles gut und schön, doch woher soll ein Unternehmen denn wissen, was die Mitarbeiter wirklich brauchen? Ein bescheidener Vorschlag: Wie wäre es denn damit, die Mitarbeiter zu fragen? Dem einen oder anderen Chef wird bei diesem Vorschlag vermutlich flau im Magen. Leider gibt es nach wie vor Unternehmen, die Ihren Mitarbeitern wenig zutrauen und – konsequenterweise – noch weniger Verantwortung übertragen.
Doch wenn ein Vorgesetzter über seinen Schatten springt und seine Mitarbeiter nach deren Bedürfnissen fragt, wird er überrascht sein. Mitarbeiter sind Experten in eigener Sache und bringen oft erstaunliche Ideen und Vorschläge ein, mit denen der Arbeitsplatz und die Arbeitsabläufe verbessert werden können. Sicher, meist sind auch unrealistische oder schlicht viel zu teure Vorschläge dabei. Doch vieles lässt sich – vielleicht in modifizierter Form – umsetzen.
Verdienste müssen gewürdigt werden
Bei der Realisierung der Vorschläge sollte der Grundsatz gelten: Die beteiligten Mitarbeiter werden benannt und ihre Leistung gewürdigt. Das bedeutet konkret, dass bei der Einführung einer Neuerung auch klar kommuniziert wird, von welchen Mitarbeitern die Idee stammt. Das muss nicht gleich auf Unternehmensebene geschehen – das wäre manchem Mitarbeiter wahrscheinlich unangenehm – doch zumindest innerhalb der jeweiligen Abteilung sollte es Standard sein.
Mitarbeiterpflege ist facettenreich
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was die oben beschriebenen Ansätze denn bitte mit Burnout-Prävention zu tun haben. Die Antwort ist einfach: Wo Mitarbeiter Wertschätzung erfahren, fühlen sie sich wohl und das Burnout-Risiko sinkt drastisch. Wenn Ihnen der Begriff der Burnout-Prävention nicht gefällt, habe ich einen anderen für Sie: Mitarbeiterpflege. Genau darauf läuft alles hinaus: Die Mitarbeiter eines Unternehmens möglichst umfassend und gut zu unterstützen und auf deren Bedürfnisse einzugehen.
Dazu gehören natürlich auch die klassischen Seminar-, Coaching- und Supervisions-Angebote. Doch diese müssen sinnvoll eingesetzt und am Bedarf der Mitarbeiter ausgerichtet werden. Ein Team kann beispielsweise Bedarf an Supervision haben, während in anderen Teams vielleicht nur einzelne Mitarbeiter von einem Coach betreut werden. Wieder andere Gruppen müssen sich erst kennen lernen und gehen dazu auf ein Team-Wochenende mit erlebnispädagogischen Ansätzen. Die Bandbreite ist ebenso groß wie die verschiedenen Bedürfnisse. Klar, es kann nicht jeder einzelne Mitarbeiter zu 100 Prozent zufrieden gestellt werden. Das ist jedoch auch gar nicht nötig, ein starker Team-Zusammenhalt und eine gute Arbeitsatmosphäre machen vieles wett. Ein angenehmer Nebeneffekt: Viele Unternehmen können dadurch eine Menge Geld sparen, dass sie bisher für überflüssige Kurse und Veranstaltungen ausgegeben haben.
Mitarbeiterpflege – Mehr als ein Maßnahmenpaket
Sie sehen: Nachhaltige Mitarbeiterpflege resultiert aus einer wertschätzenden Grundhaltung den Mitarbeitern gegenüber. Die zahlreichen Maßnahmen sind daher Ausdruck dieser Grundhaltung, jedoch niemals Selbstzweck. Und bei der Fokussierung auf berufliche Belastungen darf nicht vergessen werden, dass jeder Arbeitnehmer auch ein Privatleben hat, dass ebenfalls belastend sein kann. Hier kann ein Unternehmen vielleicht nicht all zu viel tun, doch wenn private oder familiäre Probleme bekannt sind, kann darauf möglicherweise durch eine gewisse Arbeitserleichterung oder reduzierte Arbeitsumfänge Rücksicht genommen werden.
Erst wenn ein offener und respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern zur Firmenkultur gehört und ihre Bedürfnisse ernst genommen werden, ist Freude an der Arbeit möglich. Das führt dann nicht nur zu loyalen und leistungsfähigen Mitarbeitern, es ist gleichzeitig auch die bestmögliche Burnout-Prävention.
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DGFP e.V.
Vielleicht interssant? Die DGFP bietet zum Thema ein kostenfreies PraxisPapier auf Ihrer Webseite zum Download an “Mit psychisch beanspruchten Mitarbeitern umgehen – ein Leitfaden für Führungskräfte und Personalmanager”
(http://www.dgfp.de/wissen/praxispapiere/mit-psychisch-beanspruchten-mitarbeitern-umgehen-ein-leitfaden-fuer-fuehrungskraefte-und-personalmanager-1556)
Jochen Mai
Ja, interessant. Danke für den Hinweis!