So sieht modernes Büro-Design heute aus: weite offene Flächen, gemütliche Lounges und Cafeterias fördern die Begegnung und Kommunikation zwischen Kollegen, Pflanzen begrünen die Bürolandschaft (laut norwegischen Forschern sinkt dadurch sogar die Müdigkeit der Mitarbeiter um 30 Prozent), mitgebrachte Haustiere und Fischaquarien geben dem Ganzen eine Wohlfühlatmosphäre. Alles nicht falsch, aber eben auch nicht ganz richtig. Das alles kann zwar Leistung steigern, es reicht aber nicht.

Wie neuere Studien belegen, ist es für die Mitarbeiter wesentlich wichtiger, dass sie das Gefühl haben, ihren Arbeitsbereich selbst gestalten zu können. Das modernste Büroambiente nutzt nichts, wenn es von oben (einheitlich) festgelegt oder schlimmer noch immer wieder verändert (vulgo optimiert) wird, wie etwa der Management-Professor Chris Baldry von der Universität von Stirling in Schottland bestätigt.

Büroentwürfe für 4 Generationen

Zwar gibt es immer wieder Studien für idealtypische Büros – speziell für die sogenannten Generationenvertreter der Veteranen, Boomer, der Generation X und Y (siehe Grafiken – zum Vergrößern bitte Bilder anklicken)…

Entwürfe Bürobeispiele
Veteranen veteranen-plan veteranen-buro
Boomer boomer-plan boomer-buro
Gen X genx-plan genx-buro1
Gen Y geny-plan geny-buro

… Doch selbst die typischen Kreativ-Büro-Konzepte, die man etwa von Google, Facebook oder Twitter kennt, lassen sich eben nicht einfach kopieren – sie basieren im Kern darauf, dass sich die jeweiligen Kollegen ihre Arbeitsumgebung autonom gestalten können – und sei es mit Spielzeugfiguren, Filmpostern oder Musikinstrumenten. Studien zeigen, Mitarbeiter in solchen persönlich gestalteten Büros arbeiten bis zu 30 Prozent produktiver als jene in zwar modernen, aber vereinheitlichten Büros.

Auch die Geräuschkulisse beeinflusst die Arbeitsleistung offenbar enorm. Als Forscher an der Universität von Turku in Finnland untersuchten, wie sich unterschiedliche Raumklänge auf die kognitiven Fähigkeiten der Büroarbeiter auswirkten, stellten sie fest: Hörten diese selbst nur unverständliches Gemurmel aus der näheren Großraumumgebung, sanken ihre Fähigkeit, Texte zu lesen (und zu verstehen) sowie deren mathematischen Kompetenzen rapide. Ebenso das allgemeine Wohlbefinden. Kurz: Auch wenn wir keine konkreten Worte verstehen, reicht die Geräuschkulisse, um mehr Stress zu verursachen.

Als wiederum Wissenschaftler der Chung-Ang Universität in Seoul 2010 rund 400 Büroarbeiter in amerikanischen Firmen für eine Studie befragten, fanden auch sie einen starken positiven Zusammenhang zwischen dem Autonomiegrad, den die Belegschaft bei der individuellen Bürogestaltung hatte und dem Grad der Produktivität. Die begünstigenden Freiheiten beinhalteten sowohl die Option, einzelne Büromöbel arrangieren zu können sowie das Erscheinungsbild der vier Wände insgesamt zu verändern – Nippes und Mitbringsel inklusive.

Wer so viel Gestaltungsspielraum besitzt, sei allerdings gewarnt: Sie verraten Ihren Kollegen damit vielleicht mehr über sich, als Ihnen lieb ist.