8 von Jochen Mai am 3. Dezember 2008 → Studie in Büro

Büroflucht – Anwesenheit mindert Produktivität

cubicalVeraltete Büros kosten europäische Unternehmen über 300 Milliarden Euro pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Durham Business School und des Beratungsunternehmens JBA in ihrer Studie „Effektives Arbeiten im 21. Jahrhundert“. Die Forscher unterschieden dabei zwei Mitarbeitergruppen in wissensintensiven Branchen: Die einen kamen – wie üblich – an fünf Tagen in der Woche ins Büro, die anderen hatten flexible Arbeitszeiten und –orte und durften auch einen oder mehrere Tage pro Woche von einem alternativen Standort aus zu arbeiten. Sie ahnen das Ergebnis:

Sobald jemand, seine Arbeit selbstständig verteilen und organisieren kann, erhöht sich die Produktivität. Den Effekt erklären die Forscher mit einer Art Grundrauschen aus sich ständig ändernden Anweisungen im Büroalltag. Mitarbeiter, die in einem zentralen Büro arbeiten, haben damit häufiger zu tun als Heimarbeiter. Zudem – und das ist überraschend – glauben die Büroarbeiter, dass sie schlecht informiert sind (11,3 Prozent), ihre Verbesserungsvorschläge weniger Gehör finden und in wichtige Entscheidungen nicht mit einfließen (18,1 Prozent). Die (gelegentlichen) Heimarbeiter sahen das ganz anders: Nur 5,1 Prozent fühlen sich schlecht informiert und nur 8,6 Prozent meinten, sie fänden weniger Gehör.

Paradoxon Anwesenheit

Das stärkste Argument für flexibleres Arbeiten aber sind die Fehlzeiten. So stieg mit zunehmender Bindung an das Büro auch die Bereitschaft, drei oder mehr Tage im Jahr zu fehlen, beziehungsweise blau zu machen. Oder salopp formuliert: Wer häufiger da sein muss, ist häufiger abwesend. Konkret betraf das 15,9 Prozent der Büroarbeiter, aber nur 6,6 Prozent der Flexiblen.

Interessant ebenfalls: Das Vertrauen ins Management lag bei den Heimarbeitern signifikant höher als bei der anderen Gruppe. Nur 10,3 Prozent der Flexiblen glaubten nicht wirklich an die Qualität ihrer Chefs, bei den Bürokräften waren es dagegen 17,4 Prozent. Kurzum: Wem Vertrauen in eigenverantwortliche Arbeits- und Organisationsfähigkeit entgegengebracht wurde, der gab dies auch zurück.

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1. Kommentar

Gerhard Zirkel
03.12.08 um 18:07 Uhr

Und dazu hat es erst wieder Forscher gebraucht? Um herauszufinden dass die Umgebung eines Menschen Einfluss auf seine Produktivität hat? Mannomann, mit diesem Zusammenhang verdiene ich seit fast fünf Jahren meinen Lebensunterhalt :)

Es lassen sich übrigens auch herkömmliche Büros so planen, dass die dort arbeitenden volle Leistung bringen.

Gerhard Zirkel

2. Kommentar

Kittyluka
04.12.08 um 09:02 Uhr

Mein Reden… aber man denke nur mal an die schwarzen Schafe…

Allerdings, wie Gerhard schreibt, sehe man sich mal die Google Büros an, da würde wohl jeder produktiver arbeiten, als in so einem langweiligen weißen kasten mit 2 Schreibtischen und einem kümmerlichen Blümchen auf dem Tisch.

3. Kommentar

Christian
04.12.08 um 10:21 Uhr

Ich will ja nicht mosern (ok, alles vor “aber” ist eine Lüge), aber könnte es nicht auch sein, dass es genau umgekehrt ist: Die Leute, die kreativ, produktiv, effizient, effektiv oder was auch immer sind unterliegen eher nicht einem Kontrollwahn, weil ein großes Vertauen in ihre Leistungen besteht?
Viele liebe Grüße,
Christian

4. Kommentar

Jochen Mai
04.12.08 um 11:08 Uhr

@Christian: Vielleicht stehe ich gerade auf dem Schlauch: Aber wo ist da der Widerspruch zu der oben genannten Studie? Sie sagt doch auch: Kontrolle ist nicht gut für Kreativität, Produktivität, etc.

5. Kommentar

Christian
04.12.08 um 12:00 Uhr

Kein Widerspruch, jedoch ein statistisches Problem: Man unterteilt seine Gruppe einmal nach Freiheit: Büro oder Homeoffice (um nur ein Merkmal zu nehmen) und dann unterteilt man die Gruppe nochmal in produktive und unproduktive (ok, ein bischen platt, gebe ich zu). Und nun kommts: Die Zahlen geben eine Korrelation zwischen Produktivität und Freiheit wieder. Um daraus zu lernen muss man sich fragen: sind die Produktiven produktiver, weil sie Homeoffice machen oder sind die Produktiven im Homeoffice, weil sie produktiver sind? (Oder hat beides eine gemeinsame Ursache (Vielleicht sind alle produktiven Heimarbeiter Frauen??)).
Man könnte es auch noch härter formulieren: Jemand, der nicht zu Hause arbeiten darf, ist wohl nicht produktiv (und den Schluss möchte niemand ziehen ;-))
BTW vielen Dank überhaupt für diese tolle Site und das Blog mit wirklich interessanten Beiträgen.

6. Kommentar

Gerhard Zirkel
04.12.08 um 12:58 Uhr

@Christian
Um dieses Problem zu erfassen, müsste man sich Menschen ansehen die sowohl einen festen Arbeitsplatz hatten oder haben als auch ein Homeoffice. Das würde den Kern der Sache aber auch nicht ganz treffen, denn es soll auch Leute geben die am Arbeitsplatz ein schöneres Büro haben können als Zuhause …

Ganz so einfach wird das statistisch nicht lösbar sein und schon gar nicht ohne die jeweiligen Arbeitsplätze in Bezug zu den Menschen zu analysieren.

Gerhard Zirkel

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