Veraltete Büros kosten europäische Unternehmen über 300 Milliarden Euro pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Durham Business School und des Beratungsunternehmens JBA in ihrer Studie „Effektives Arbeiten im 21. Jahrhundert“. Die Forscher unterschieden dabei zwei Mitarbeitergruppen in wissensintensiven Branchen: Die einen kamen – wie üblich – an fünf Tagen in der Woche ins Büro, die anderen hatten flexible Arbeitszeiten und –orte und durften auch einen oder mehrere Tage pro Woche von einem alternativen Standort aus zu arbeiten. Sie ahnen das Ergebnis:

Sobald jemand, seine Arbeit selbstständig verteilen und organisieren kann, erhöht sich die Produktivität. Den Effekt erklären die Forscher mit einer Art Grundrauschen aus sich ständig ändernden Anweisungen im Büroalltag. Mitarbeiter, die in einem zentralen Büro arbeiten, haben damit häufiger zu tun als Heimarbeiter. Zudem – und das ist überraschend – glauben die Büroarbeiter, dass sie schlecht informiert sind (11,3 Prozent), ihre Verbesserungsvorschläge weniger Gehör finden und in wichtige Entscheidungen nicht mit einfließen (18,1 Prozent). Die (gelegentlichen) Heimarbeiter sahen das ganz anders: Nur 5,1 Prozent fühlen sich schlecht informiert und nur 8,6 Prozent meinten, sie fänden weniger Gehör.

Paradoxon Anwesenheit

Das stärkste Argument für flexibleres Arbeiten aber sind die Fehlzeiten. So stieg mit zunehmender Bindung an das Büro auch die Bereitschaft, drei oder mehr Tage im Jahr zu fehlen, beziehungsweise blau zu machen. Oder salopp formuliert: Wer häufiger da sein muss, ist häufiger abwesend. Konkret betraf das 15,9 Prozent der Büroarbeiter, aber nur 6,6 Prozent der Flexiblen.

Interessant ebenfalls: Das Vertrauen ins Management lag bei den Heimarbeitern signifikant höher als bei der anderen Gruppe. Nur 10,3 Prozent der Flexiblen glaubten nicht wirklich an die Qualität ihrer Chefs, bei den Bürokräften waren es dagegen 17,4 Prozent. Kurzum: Wem Vertrauen in eigenverantwortliche Arbeits- und Organisationsfähigkeit entgegengebracht wurde, der gab dies auch zurück.