Das Problem am Rattenrennen ist: Selbst wenn du gewinnst, bleibst du immer noch eine Ratte.

Von allen wunderlichen Lebensformen, die dieser Planet hervorgebracht hat, ist die wohl lästigste die des Parasiten. Nur Nacktschnecken sind vielleicht noch abstoßender. Leider nimmt die Natur oder Gottes Willen auf menschliche Billigung keine Rücksicht. Deshalb vermehren sich diese lausigen Kreationen immer weiter. Stechmücken zum Beispiel. Oder Zecken. Der Kuckuck genauso. Diktatoren. Casting-Shows. Deren Juroren. Klugscheißer. Bescheidwisser. Genauso-sehe-ich-das-auch-Sager…

Entschuldigung, ich schweife ab.

Das liegt vielleicht auch daran, dass man sich für Parasiten durchaus faszinieren kann. Das Böse hat die Menschen schon immer fasziniert: Trolle. Hater. Sarcoptes scabiei, die Krätzmilbe – alles spannend. In der Naturwissenschaft wird Schmarotzern erstaunlich viel Beachtung geschenkt. Lange haben Forscher versucht, die Erfolgsstrategien solcher Parasiten zu entschlüsseln, um sie auszumerzen. Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Biester waren besser.

Schmarotzer nutznießen ein Leben lang

Man kann sagen, dass Parasiten nicht nur extreme Anpasser sind, sondern auch in hohem Maße Spezialisten, die ihr Habitat auf nur wenige Wirtsarten beschränken. Ganz oft gibt es sogar nur einen einzigen Wirt. Der ist dann der Depp.

Von diesem armen Geschöpf zehrt der Schmarotzer lebenslang, nutznießt Nahrung oder andere Leistungen ohne dass es dafür eine Gegenleistung gäbe. Obwohl im Allgemeinen eine hohe Abhängigkeit des Parasiten von seinem Wirt besteht, bleibt das für den Wirt fast immer ein Verlustgeschäft. So wie Anschreibenlassen. Je nach Ausmaß des Befalls ist das sogar ruinös bis tödlich. Auch wie Anschreibenlassen.

In beiden Fällen schmarotzen die Parasiten woanders weiter.

Auch der menschliche Körper ist nicht frei von Parasitenbefall. Ihn plagen die Viecher zum Beispiel im Dünndarm. Oder auf der Kopfhaut. Ab und zu auch im Genitalbereich, das ist mir aber jetzt zu unappetitlich.

Manchmal gibt es sogar Parasiten im Volkskörper. Dann sprechen Experten vom Sozialschmarotzer, der sich durch die wohlfahrtsstaatlichen Vergünstigungen frisst. Häufig ist das aber nur Propaganda.

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush hat einmal Terroristen als Parasiten bezeichnet. Ich finde, das war unbedacht. Es gab sehr viele US-Bürger, die dasselbe über ihn dachten. Dem muss man allerdings entgegen halten, dass es nach Ansicht des französischen Philosophieprofessors Michel Serres, gar kein Leben ohne Parasiten gibt. Man brauche sie, so wie Philosophieprofessoren gelegentlich Allegorien aus der Naturwissenschaft brauchen, damit sie etwas zum Philosophieren haben.

Serres rät den Menschen deshalb: „Waschen Sie sich nicht zu oft die Hände, sonst werden Sie krank.“ Sollte ich den Franzmann eines Tages treffen, werde ich ihm bestimmt nicht die Hand geben.

Arbeitsvermeider und Wegdelegierer

Um diesen Text zu rechtfertigen, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass man Parasiten natürlich auch im Job treffen kann. Das sind zum Beispiel Kollegen, die unangenehme Aufgaben perfekt delegieren können und so lästige Arbeit vermeiden. Sie verwenden dazu in der Regel

    a) Schmeicheleien oder
    b) Gefallensdienste oder
    c) die Macht der Hierarchie.

Geht das Projekt schief, waschen sie ihre Hände in Unschuld: War ja ein anderer, der das Ding vermasselt hat. Andernfalls reklamieren sie den Erfolg für sich.

Für solche Büroschmarotzer empfehle ich eine entschiedene Laissez-faire-Haltung: Bei allem Ärger – diese Typen sind brillante Taktiker, Empathen und Meister des richtigen Augenblicks. Sonst würden sie mit der Masche nicht immer wieder durchkommen. Das muss man anerkennen. Nur nicht mitmachen.

Wenn man dem Schmarotzer nämlich seine Nahrung entzieht, zieht er weiter. Falls Sie also eine gute Idee haben, präsentieren Sie diese besser nur vor Zeugen. So sichern Sie sich Ihre Urheberschaft. Auch Probleme besprechen Sie besser nie unter vier Augen – im Zweifel streitet die Zecke später alle Mitverantwortung ab. Und bevor Sie in die Gefallenfalle tappen: Bieten Sie nur Tauschgeschäfte gegen Vorauskasse an!

Den Nutzen aus dieser Kolumne dürfen Sie aber gerne nassauern, Sie Schlawiner!