echtEs gibt viele Wege, wie man seinem Gesprächspartner in Erinnerung bleiben kann. Einige davon sind jedoch peinlich. Um die geht es heute nicht (es sei denn, Sie wollen sich in den Kommentaren outen…). Der andere Weg ist eine kreative Visitenkarte.

Über Twitter bin ich inzwischen auf einige hervorragende Entwürfe aufmerksam (gemacht) worden. Die sechs bemerkenswertesten Listen zu insgesamt über 150 Visitenkarten-Designs habe ich hier einmal verlinkt (Bilder jeweils anklicken):

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Mein erster Impuls nach der Durchsicht war: “Wow! So eine will ich auch!” Damit erfüllt sich schon einmal ein Zweck einer solchen Karte: Sie weckt Sympathien und ist damit ein wunderbar dezentes Aushängeschild für den Verteiler (in manchen Fällen gilt das mit dem Schild sogar sprichwörtlich).

Jetzt kommt das ABER…

Diesem ersten Wow-Impuls folgte jedoch bald Ernüchterung: Sind diese Karten wirklich alle nützlich – oder wirken sie nur kurzfristig? Ein Blitzeffekt, der schnell wieder verpufft? In der Tat muss man sich fragen: Würden Sie eine Visitenkarte aufheben, die eigentlich ein Luftballon ist und deshalb erst aufgepustet werden muss? Wie lecker ist dieser windige Blasebalg eigentlich noch nach der dritten Mundspülung? Und wie ist das mit all den Klappkärtchen, den XXL-Dreingaben in Übergröße oder den Karten, die man zerreißen muss, damit sie ihre Information preisgeben? Gewiss, im ersten Moment heben sich solche extraordinären Designs wohltuend aus dem Druck-Einerlei ab. Aber wenn der Empfänger eine solche Karte tags darauf abheften will, wird er sich über den Überbringer dann nicht doch insgeheim ärgern, weil das blöde Ding in keine Sammelmappe reinpasst?!

Form follows function, lautet nicht umsonst einer der wichtigsten Gestaltungsgrundsätze. Und der gilt – bei aller Design-Liebhaberei – auch oder erst recht für Visitenkarten. Die sollten zumindest die folgenden Grundregeln beherzigen:

  • Beweisen Sie Format. Sie können Ihre Karten im Hoch- oder Querformat gestalten, quadratisch oder faltbar – aber überschreiten Sie dabei möglichst nie die Standartmaße von 85 mal 54 Millimetern. Das entspricht der Größe einer Scheckkarte. Und die passt überall hinein: In Geldbörsen, Jackentaschen, Visitenkarten-Sammelmappen, Rolodex, etc.
  • Überfrachten Sie die Karte nicht. Die wichtigsten Informationen Ihrer Karte sind (heute) Ihr Name, Ihre Handynummer und Ihre E-Mail-Adresse. Die sollte der Betrachter nie suchen müssen, sondern auf einen Blick erkennen. Alles Weitere können Sie der Gestaltung unterordnen. Sie müssen ja nicht gleich Ihre gesamte Lebensgeschichte auf eine Karte setzen. Im Zweifel reicht auch ein Weblink zu einer Seite, wo der Empfänger mehr über Sie erfährt. Bedenken Sie: Viel weißer Raum wirkt großzügiger und edler als eine überfrachtete Farbpalette.
  • Erwähnen Sie Ihre Webseite. Apropos Links: Eine Online-Präsenz wird heute von jedem stillschweigend erwartet. Der Hinweis auf die eigene URL wird vielleicht nicht bemerkt, sehr wohl aber sein Fehlen. Das wirkt enorm gestrig. Die URL ist ein Muss.
  • Schrift, Farben, Formen sollten sich Ihrer Kernbotschaft oder Ihrem Corporate Design unterordnen. Die obigen Beispiele zeigen, dass gerade die Auflösung der Form größte Effekte erzielt. Ein Koch, der eine Karte überreicht, aus der ein Stück “abgebissen” wurde, macht sofort klar, um was es bei ihm geht. Genauso der Frisör, dessen Karte an einen Kamm erinnert. Natürlich gelingt das nicht bei jedem Beruf. Aber zumindest das Nachdenken darüber lohnt sich. Für Schriften hingegen gilt in der Regel: Nie mehr als maximal zwei Typen verwenden. Die Letter wirken sonst zu unruhig und werden kaum noch lesbar.
  • Vorsicht mit kryptischen Berufsbezeichnungen. Womöglich weiß kein Mensch, was der “Manager of First Impression” (Empfang) wirklich macht. Wenn Sie also einen Beruf ausüben, unter dem sich andere nichts vorstellen können, dann integrieren Sie zumindest (etwa auf der Kartenrückseite) eine Erklärzeile, einen Slogan oder irgendetwas, das Ihre Tätigkeit (und damit den Nutzen für den Empfänger) erklärt.
  • Erstellen Sie eine zweisprachige Karte, wenn Sie international arbeiten. Es hat sich global durchgesetzt, dass die zweite Sprache dann Englisch ist. Aber natürlich wirkt es viel wertschätzender, wenn Sie für das jeweilige Land eine Karte in der entsprechenden Landessprache überreichen.
  • Halten Sie die Karteninformationen stets aktuell. Der Hinweis mag selbstverständlich klingen. Ist es aber offenbar nicht. Deshalb: Eine Karte, auf der Sie handschriftlich Ihre Handynummer oder E-Mail-Adresse korrigieren müssen, ist ein No-Go! Damit diskreditieren Sie sich als Nicht-up-to-date oder gar Schlamperich.
Empfehlungen, wie Sie mit Ihrer Karte positiv auffallen
  • Integrieren Sie Bilder. Wie viele Businesscards kennen Sie, die ein Foto des Überreichers oder andere Bilder integriert haben? Eben. Bauen Sie ein solches Foto ein. Damit bleibt Ihre Karte nicht nur besser in Erinnerung, es hilft dem Empfänger auch Tage später noch, Ihr Gesicht mit der Karte in Verbindung zu bringen.
  • Spielen Sie mit Materialien. Die sollten natürlich zu Ihrem jeweiligen Geschäft passen. Immerhin gibt es inzwischen Visitenkarten aus Schokolade, Holz, Leder, Stoff, Plexiglas, Metall, Gummi; Karten, die aussehen wie Spielkarten, Theaterkarten, Coupons, Aufkleber oder Sammelkarten, die Lust machen, alle Versionen zu bekommen.
  • Werden Sie dreidimensional. Prägungen, erhöhte Schriften oder Wasserzeichen machen aus jeder zweidimensionalen Fläche eine kleine 3D-Skulptur und einen Handschmeichler. Abraten würde ich allerdings von Designs, die die Karte tatsächlich zu einer Skulptur werden lassen. Wie oben schon erwähnt, ist das zwar ein Überraschungseffekt. Die Karte ist aber unpraktisch, will der Empfänger sie später abheften. Oder wollen Sie wirklich mit Ihrem Logo oder Konterfei zum Staubfänger in einem Regal werden?!
  • Nutzen Sie Sonderfarben. Metallische Farben oder Flächen stechen auf Papier enorm hervor. Steigern lässt sich der Effekt, wenn Sie bewusst dazu nostalgisches Papier oder Büttenpapier kontrastieren.
  • Sparen Sie nicht am falschen Ende. Denken Sie immer daran: Die Visitenkarte ist Ihr Aushängeschild, eine Art Lackmustest für Ihren Selbstwert. Sparen Sie also weder an der Papierqualität noch am Design. Wer eine billige Karte aus dem Automaten überreicht, liefert womöglich auch sonst keinen Mehrwert.

Haben Sie noch weitere Vorschläge?