Vor einiger Zeit kam wieder so einer. Es war ein kurzer Kommentar. Erschienen zu einer kurzen Meldung in einem meiner anderen Blogs. Er war respektlos, distanzlos, substanzlos. Es war pure Polemik.
Wie reagiert man darauf: löschen oder antworten? Es ist die Frage, die heute auch zahllose Unternehmen beschäftigt, die sich in sozialen Netzwerken öffnen und Social Media Richtlinien für ihre Mitarbeiter erlassen.
Ich selbst entschied mich übrigens seinerzeit für das Zweite – das war ein Fehler. Ich schrieb eine pointierte Replik. Wer austeilt, muss auch einstecken können, dachte ich. Ich lag falsch. Anonyme Kommentatoren können erstaunlich unempfindlich sein, wenn es darum geht, anderen zu sagen wie überaus schlecht sie deren Beitrag fanden. Sie sind aber erstaunlich hypersensibel, wenn man ihren Ton imitiert und ihnen zu verstehen gibt, wie nutzlos man den Kommentar fand. mehr →
An diesem Wochenende fand sich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein interessanter Artikel über den Umgang von Tieren mit ihren Alphamännchen und -weibchen (hier erhältlich). Autor Cord Riechelmann, der auch selbst Biologie studierte, beschreibt für mehrere Tierarten verschiedene Aspekte des Chefdaseins: Wie ein Chef abgelöst wird, wie er seinen Machtverlust erlebt und was einem Alphatier passieren kann, das zu lange an seiner Position festhält.
Als Ergänzung zu den Erkenntnissen des Artikels liefern wir Ihnen heute einige Denkanstöße dazu, wie sich das menschliche Verhalten im Büro auf die Tierwelt übertragen lässt – und erwähnen auch, wann das umgekehrt möglich ist. Besonders im Fall der Elefantenkühe, welche im letzten Absatz beschrieben werden, zeigen sich nämlich interessante Parallelen zum Menschen.
Wie der Primatenforscher Toshisada Nishida vor einigen Jahren auf Video festhalten konnte, geht die Ablösung des Alphamännchens bei Schimpansen sehr lautstark vonstatten: mehr →
In einem meiner Lieblingsfilme – „Falling down“ – geht Michael Douglas in die Filiale einer amerikanischen Boulettenbraterkette und bestellt ein Frühstück. Leider ist es gerade ein paar Minuten nach Halbzwölf und Frühstück gibt es nur bis 11.30 Uhr. Die Strategie des Filialleiters ist Nulltoleranz. Frühstück gibt’s nicht mehr, Douglas muss ein normales Menü bestellen.
Darüber klinkt der nur leider ziemlich aus und nimmt die gesamte Fast-Food-Filiale samt Gästen mithilfe seiner Maschinenpistole als Geisel. Die Szene, die daran anschließt, ist inzwischen legendär: Douglas bestellt nun einen Hamburger, packt ihn aus und vergleicht die Schnellnahrung mit dem Foto über dem Tresen: Das Brötchen in seiner Hand ist so gar nicht kross und groß, sondern eingefallen und labberig; der Salat ist nicht knackig, sondern welk; das Fleisch nicht üppig und saftig, sondern mickrig und trocken. Also zeigt er auf die Reklame und fragt den Manager: „Kann mir jemand sagen, was mit diesem Bild nicht stimmt?“ mehr →
In Robert Zemeckis Spielfilm Cast Away mimt Tom Hanks den Vielarbeiter Chuck Noland. Er ist Controller bei dem Logistikunternehmen FedEx, reist ständig kreuz und quer durch die Welt und ist deshalb kaum zu Hause. Er empfindet seine Arbeit als ungeheuer befriedigend, schöpft aus ihr wesentliche Impulse für seinen Alltag, aber er flieht nicht etwa in die Arbeit. Mit seiner Freundin Kelly führt er ein harmonisches und erfülltes Privatleben. Sie hält trotz seiner knappen Zeit fest zu ihm. Am Ende ist es ein Flugzeugabsturz, der ihn aus diesem Leben reißt und auf eine einsame Insel verschlägt. Und wieder ist es die Arbeit, die ihn am Leben erhält: Der tägliche Kampf ums Überleben füllt ihn aus und lässt ihn – zumindest anfangs – die Einsamkeit ertragen.
Es ist kein Zufall, dass dieser Noland in einem US-Spielfilm auftaucht. Im Selbstverständnis des Durchschnittsdeutschen wäre er vermutlich erst als Aussteiger so richtig aufgeblüht: Besitzer einer eigenen Pazifik-Insel mit Hängematten-Panorama, einen Job mit freier Zeiteinteilung und einem Basketball-Kumpel namens „Wilson“, der nie widerspricht. Toll. Hierzulande ähnelt Arbeit eher so etwas wie Muskelaufbau: Sie muss weh tun, sonst bringt sie nichts. Entsprechend gestresst sind wir bei unserem Tagwerk, arbeiten uns krumm und kaputt oder sogar tot. mehr →
In den kommenden Wochen fahren drei von vier Deutschen in den Urlaub – um die vergangenen Wochen Revue passieren zu lassen, um sich zu erholen. Auch ich werde verreisen. Aber anders als bisher und anders als die meisten Bundesbürger: Ich werde abschalten. Sprichwörtlich.
Mehr als die Hälfte der Deutschen kann oder will das nicht. Sie rufen selbst im Sommerurlaub noch geschäftliche E-Mails ab. Jeder Dritte (34 Prozent) packt dazu sein privates Laptop oder Smartphone in die Reisetasche, 18 Prozent nehmen gar ihre Dienstgeräte mit, so eine Emnid-Umfrage. Gleichzeitig wundern sich 63 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen darüber, dass der Bürostress in den Ferien nicht nachlassen will und warum sie nachher genauso cremig sind wie vorher.
Für die Titelgeschichte der aktuellen WirtschaftsWoche habe ich dazu ein Essay geschrieben (Bitte lesen – ich bin auf Ihre Erfahrungen und Kommentare gespannt!). Denn ich finde: Es reicht. Als Online-Nerd und Social-Media-Junkie weiß ich, wovon ich spreche. Das Thema ist für mich nicht nur ein Modethema im Sommerloch. Es ist das Thema der nächsten Monate, wenn nicht gar Jahre. Ich kenne Manager, denen es ähnlich geht. Ich kenne Menschen, die nicht mehr abschalten wollen und gleichzeitig ignorieren, dass sie nicht mehr abschalten können. Weil es im Job verlangt wird – und ihnen das Gefühl von Kontrolle vermittelt über eine Entwicklung, die sie längst nicht mehr im Griff haben. mehr →